Noch am Sonntagmittag wurden Kränze am Denkmal für die im Nationalsozialusmus verfolgten Homosexuellen niedergelegt. Am Abend wurde dann die Beschädigung entdeckt. (Quelle: imago/Markus Heine)
Bild: imago/Markus Heine

Trotz Videoüberwachung - Homosexuellen-Denkmal in Berlin erneut beschmiert

Schon fünf Mal seit Sommer ist das Denkmal der im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Tiergarten beschädigt worden. Seit vergangener Woche wird es deshalb videoüberwacht. Abgeschreckt hat das unbekannte Täter offenbar nicht.

Erneut haben unbekannte Täter das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin-Tiergarten beschädigt. Sicherheitskräfte hätten am Sonntagabend einen schwulenfeindlichen Schriftzug entdeckt, teilte die Polizei Berlin am Montag mit. Der Staatsschutz habe Ermittlungen wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung aufgenommen.

Rund 54.000 Homosexuelle in NS-Zeit verurteilt

Erst in der vergangenen Woche war eine Videoüberwachung an dem Denkmal gestartet. Hintergrund sind die wiederholten Beschädigungen des Mahnmals, wie die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas erklärte. So war zuletzt am 9. September das Fenster im Denkmal mit Farbe beschmiert worden. Zuvor hatte es Vandalismus an dem Denkmal bereits am 9. und 30. Juni sowie am 4. und 18. August gegeben.

Das 2008 eingeweihte zentrale Denkmal befindet sich gegenüber dem Holocaust-Mahnmal. In dem grauen Kubus läuft in Endlosschleife ein Film mit einer Kuss-Szene, der durch ein Fenster betrachtet werden kann und der alle paar Jahre gewechselt wird.

Schätzungen zufolge wurden in der NS-Zeit rund 54.000 Homosexuelle verurteilt. Etwa 7.000 von ihnen, darunter mehrheitlich schwule Männer, kamen in Konzentrationslagern aufgrund von Hunger oder Krankheiten, durch Misshandlungen oder gezielte Mordaktionen um.

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13 Kommentare

  1. 13.

    Hallo Markus2, Deine Ausführungen erinnern mich zurück an meine Grundschulzeit. Ich war ein Strich in der Landschaft. Um unnötige Anfeindungen oder gar Mobbing in der Schule vorzubeugen ( ich war damals ein Heimkind), war mein bester Schulkamerad ein sehr großer schwergewichtiger Junge. Schon sein Auftreten verschaffte Eindruck;-)

  2. 12.

    Es ist wirklich eine Schande. Und wenn man sich noch denkt, dass Berlin eigentlich "weltoffen" ist, möchte man sich nicht ausmalen, wie es in der Provinz ist. Als mein Bruder seinen Partner geheiratet hat, haben auch viele dumm geguckt. Handgreiflich ist zum Glück niemand geworden. Wer weiß,wie es heute wäre; ok, ich würde meine 110 kg dazwischen schmeißen... ;))

  3. 11.

    Der Standort ist denkbar ungünstig,ein umsetzen scheitert sicherlich an der Bürokratie.....eine intensive volle Ausleuchtung des Areals wäre vermutlich hilfreich...um diese Schmierfinken in Zukunft davon abzuhalten.

  4. 10.

    Auf dem Weg zur Arbeit, konnte ich am Wochenende beobachten, wie ein lesbisches Pärchen in der U-Bahn von irgendwelchen harten und angesoffenen Typen verbal ziemlich harsch angemacht wurde. Es war eine Schande und ich überlegte wie ich vielleicht helfen könnte. Jedoch sind die Frauen dann Frankfurter Tor raus aus dem Zug.
    Polizei bei einem fahrenden Zug zu rufen, ist sehr schwierig, dann müsste der Zugverkehr unterbrochen werden und das ist eine Entscheidung die dann die Leitstelle trifft.
    Ich will damit sagen, das es in unserer Gesellschaft traurig ist sich wegen seiner sexuellen Orientierung zu verstecken zu müssen. Das ist ein absolutes NO GO.

  5. 9.

    Es sind ja nicht nur die Schmierereien, sprich Schändung von Mahnmalen, die mit zunehmend großer Sorge unsere Community bereiten. Auch die körperlichen Angriffe auf Lesben, Schwule und Transgender nehmen leider in Berlin immer häufiger zu. Wo ich früher noch stolz Händchenhaltend mit dem Partner die Straßen entlang ging, oder in der U-Bahn verliebt geküsst wurde, muß heutzutage tunlichst darauf geachtet werden bloß niemanden zu provozieren. Das im Jahr 2019. Leider nimmt die Verrohung in unserer Gesellschaft sprunghaft zu.

  6. 8.

    Mal wieder eine Sauerei. Stimme Lothar voll zu, das Denkmal steht an falscher Stelle. Es ist schon traurig im Jahr 2019, dass man das schreiben muss.

  7. 7.

    Die Idee mit der Verlegung des Denkmals halte ich angesichts der ständigen Schändungen für ausgesprochen gut. Kann man so etwas nicht als Petition beim Berliner Senat initiieren? Es ist ja schon schlimm genug, dass man sich über so etwas Gedanken machen muss. Was geht in den Köpfen von solchen Leuten vor?

  8. 6.

    Ich stelle mir gerade vor, wie die/der Täter es finden würde/n, wenn man ihn/sie mit Anti-Nazi-Parolen besprühen würde und dann einfach wegrennt - klar, vorausgesetzt die Tat wurde von Faschisten begangen.

  9. 5.

    Diese Debatte ist auch auf queer.de im vollem Gange. Und es sind ja nicht nur die Schwul-Lesbischen Mahnmale, die beschmiert und beschädigt werden.

  10. 4.

    Lieber Lothar, mit dem beschmieren haben Sie natürlich vollkommen recht, das geht bei der U-Bahn auf den Aufstellgleisen genauso schnell.
    Es ist eine Tragödie, wenn es immer wieder Menschen gibt, die alles was nicht in ihr Weltbild passt, zerstören oder eben beschmieren müssen. Am U Bahnhof Nollendorfplatz hängt auch eine Gedenktafel, die leider regelmäßig beschmiert wird.
    Wenn dort die Kranzniederlegung stattfindet, ist meist spätestens am nächsten Tag alles verwüstet.
    Man sollte sich wirklich darüber Gedanken machen,dieses Denkmal zu versetzen.

  11. 3.

    Liebe Heike. Das mit der Video Überwachung hat einen Haken. In der Nacht und bei Dunkelheit lassen sich Personen schwer ausmachen um sie mit der Kamera festzuhalten. Zudem sind diese Idioten nicht so verblödet und zeigen ihr Gesicht. Solch Schmierereien werden in Sekunden begangen, mittels Spraydose. Nein, das Mahnmal steht meines Erachtens am völlig falschen Platz. Schon ein paar Meter weiter in der Nähe zum Bundespräsidentensitz und es wäre besser bewacht.

  12. 2.

    Wieso zeigt denn die Kamera nichts auf?

  13. 1.

    Das ist ohne Frage eine Schande, wer auf solch eine Idee kommt hat weder Hirn noch Verstand. Anscheinend ist jedoch die Videoüberwachung nur einseitig, ansonsten hätte man etwas von den Tätern erkannt. Oder habe ich einen Denkfehler?

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