Frances mit ihren beiden Kindern. (Quelle: rbb)
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Video: ARD-Mittagsmagazin | 20.11.2019 | Annika Klügel, Mara Nolte | Bild: rbb

Netzwerk Solibabys - Wie Kinder von DDR-Vertragsarbeitern ihre Väter suchen

Rund 20.000 Vertragsarbeiter schickte Mosambik in die DDR. Nach der Wende mussten fast alle gehen. Einige ließen ihre Familien zurück. Viele Kinder kennen ihre Väter bis heute nicht -  und machen sich auf die Suche. Von Mara Nolte und Annika Klügel

Als Frances Kutscher zum ersten Mal ein Foto ihres Vaters sieht, ist sie 23 Jahre alt. "Im ersten Moment war es, als ob ich jemanden Fremdes sehe", sagt die Cottbuserin. "Aber trotzdem hatte ich das Gefühl, dass wir irgendwie zusammengehören."

Frances Vater: Domingos Pires, auf einem Privatfoto. (Quelle: Frances Kutscher)
Frances Kutscher kennt ihren Vater nur vom Foto | Bild: Frances Kutscher

Die DDR holt Vertragsarbeiter aus Mosambik

Nach dem Mann auf dem Foto sucht Frances zu diesem Zeitpunkt schon seit acht Jahren. Sie weiß wenig über ihn, nur seinen Namen: Domingos Pires. Und dass er im März 1989 als Vertragsarbeiter aus Mosambik in die DDR gekommen war. Die beiden sozialistischen Staaten hatten 1979 ein Arbeitsabkommen abgeschlossen. Junge Mosambikaner wurden mit dem Versprechen einer guten Ausbildung in die DDR geschickt. Tatsächlich waren sie billige Arbeitskräfte, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Rund 20.000 von ihnen kamen in den 70ern und 80ern in die DDR. Sie wurden in Wohnheimen untergebracht, Integration war nicht erwünscht: Sperrstunden, Zimmerkontrollen. Zu Begegnungen mit der DDR-Bevölkerung kam es trotzdem, beim gemeinsamen Arbeiten in der Fabrik oder auf Partys. Anfang der 1990er Jahre lernen sich Frances' Eltern kennen.  

Frances mit ihrem Bruder. (Quelle: Frances Kutscher)
Frances mit ihrem Bruder | Bild: Frances Kutscher

Andere Kinder schreien, sie gehöre nicht hierher

Viel über den Vater geredet hat Frances' Mutter nie. Für Frances war das zunächst auch kein Problem. "Als Kind ist es mir nie aufgefallen, dass ich ohne Papa sein muss, das war eben so", sagt sie. Frances verbringt viel Zeit mit ihrem Bruder. "Dadurch habe ich nicht gemerkt, dass ich anders aussehe". Das ändert sich, als sie in Cottbus rassistisch angegriffen wird, andere Kinder schreien, sie gehöre nicht hierher.

Von ihrer Mutter erfährt Frances, dass der Vater 1992, noch vor Frances' Geburt, nach Mosambik fährt, um seine Familie zu besuchen. Frances' Eltern halten Kontakt, mehrmals will der Vater zurückkommen, doch er tut es nicht. Der Kontakt zwischen den Eltern bricht irgendwann ab. Frances zweifelt: Wollte der Vater sie nicht oder konnte er nicht zurückkommen? Nach der Wende ist es für die Vertragsarbeiter schwer, in Deutschland zu bleiben. Sobald ihre DDR-Verträge ausgelaufen sind, müssen sie zurück. Nur etwa 2.000 erhalten in Deutschland ein Bleiberecht, weil sie einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben.

Frances als kleines Baby in den Armen ihrer Mutter. (Quelle: Frances Kutscher)
Frances als Baby in den Armen der Mutter | Bild: Frances Kutscher

Frances sucht ihren Vater

Frances will ihren Vater finden und befragen. Die Mutter gibt ihr alles, was sie noch von ihm hat: einen Briefumschlag mit seinem Namen, einer mosambikanischen Adresse und einer Telefonnummer. Mehrmals schreibt Frances einen Brief, schickt ihn aber nicht ab. Sie ist sich unsicher, in welcher Sprache sie schreiben soll und ob sie ihren Vater über die Adresse überhaupt erreichen kann. Schon damals läuft der Briefkontakt ihrer Eltern über die Anschrift eines Freundes. Als sie die Telefonnummer anruft, hat die schon keinen Anschluss mehr.

Informationen in Mosambik zu bekommen, ist für Frances sehr schwierig. Der Staat im Südosten Afrikas ist nach der Kolonialisierung durch Portugal und einem langjährigen Bürgerkrieg eines der ärmsten Länder der Welt. Es gibt keine Meldepflicht. Eine Person in den ländlichen Regionen zu finden, ist von Deutschland aus fast unmöglich.

Im Internet stößt Frances irgendwann auf andere Kinder von Vertragsarbeitern, die ihre Väter in Mosambik suchen. Sie lässt den Namen ihres Vaters auf einer Suchliste eintragen. Und sie wendet sich an die Botschaften in Deutschland und Mosambik, fragt beim Roten Kreuz nach. Doch niemand fühlt sich zuständig. Aus der mosambikanischen Botschaft in Deutschland heißt es, sie solle einen Brief schreiben. Als Frances später nachhakt, weiß man davon nichts mehr. Auch die deutsche Botschaft in Mosambik wiegelt ab, ihre Hinweise seien zu unkonkret. Frances ist enttäuscht: "Unter Betroffenen hört man immer wieder, dass die Hilfe vom Staat oder von den Ämtern total fehlt", sagt sie.

Frances mit ihren beiden Kindern. (Quelle: rbb)
Frances mit ihren beiden Kindern | Bild: rbb

Nachricht aus Mosambik

2013 bekommt Frances ihren ersten Sohn – ein Moment, den sie gerne mit ihrem Vater teilen würde. Dass sie ihn findet, glaubt Frances da schon fast nicht mehr. Doch im vergangenen Jahr bekommt sie plötzlich eine Nachricht aus Mosambik. Ein entfernter Verwandter schreibt ihr auf Facebook, er habe den Namen ihres Vaters auf einer Suchliste gesehen. "Im ersten Moment dachte ich: Jetzt habe ich meinen Vater gefunden", sagt Frances. Ihr Verwandter stellt viele Fragen, bittet sie schließlich um ein Telefonat. Frances' anfängliche Euphorie schlägt um: "Da hatte ich schon das Gefühl, dass eine negative Nachricht kommt." Sie fragt, ob ihr Vater nicht mehr lebt. Die Antwort: Ja, er sei schon 2002 nach einer langen Krankheit gestorben. Mit ihren Fragen bleibt Frances jetzt alleine: "Ob er mich nicht wollte oder ob er auch so eine Sehnsucht danach hatte, mich zu finden und kennenzulernen."

Frances mit ihren KollegInnen der Gruppe <<Solibabys - Das was Bleibt>>. (Quelle: rbb)
Frances (Bildmitte) mit ihrem Team von den "Solibabys" | Bild: rbb

Solibabys - Das, was bleibt

Um ihre Trauer zu verarbeiten, gründet Frances zusammen mit anderen Betroffenen die Gruppe "Solibabys – Das was bleibt". Mit ehemaligen Vertragsarbeitern, anderen Solibabys und deren Müttern will Frances ein Netzwerk aufbauen, um Informationen von suchenden Kindern schneller und breiter zu streuen. Inzwischen hat die Gruppe um die 100 Mitglieder. Sie stehen gerade erst am Anfang. Doch die Zeit drängt, denn die Lebenserwartung in Mosambik liegt bei nur 58 Jahren.

Bald wollen die Solibabys ein großes Treffen in Dresden organisieren, um die nächsten Schritte zu planen. Für Frances ist es wichtig, andere Kinder von Vertragsarbeitern bei der Suche nach ihren Wurzeln zu unterstützen: "Hier in Deutschland waren wir zu dunkel für alle, die Ausländer, obwohl wir keine sind. Und gleichzeitig kennen wir unsere andere Seite überhaupt nicht. Ich glaube, dass es für viele schwierig ist, da mit sich selber ins Reine zu kommen. Für mich war es ganz lange schwierig, und ich glaube, ich bin immer noch nicht ganz fertig damit."

Sendung: ARD-Mittagsmagazin, 21.11.2019, 13:00 Uhr

Beitrag von Mara Nolte & Annika Klügel

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21 Kommentare

  1. 21.

    Hallo,
    Ich und meine Frau bereisen seit vielen Jahren Südostasien. In dieser Zeit lernten wir viele Menschen kennen, die in der DDR lernten, arbeiteten und studierten. Wir lernten zum Beispiel einen Mann aus Siem Reap kennen der Maschinenbau in Rostock studierte und eine glückliche Zeit in der DDR hatte.
    Als weiteren lernten wir einen Mann aus Phnom Penh kennen. Dieser arbeitete in Jena bei Carl Zeiss. Er hatte auch keine negativen Erfahrungen in der DDR gemacht.
    Der eine arbeitet heute als Guide in Angkor Wat und der andere in Phnom Penh als Tuk Tuk Fahrer. Beide sprechen heute noch von einer positiv schönen Zeit in der DDR.
    In Vietnam trafen wir eine Familie , wo der Mann in Saalfeld als Industriearbeiter beschäftigt war und seine Frau in Erfurt im Schuhkombinat Paul Schäfer. Von beiden nur positive Kommentare über ihre Zeit in der DDR. Und so könnte ich die Liste weiterführen. Da ist der Forstarbeiter der in der DDR ausgebildet wurde und die Näherin mit Ausbildung in der DDR.

  2. 20.

    Der typische Hör und Schreibfehler der Menschen, die sich nicht auskennen. Man nannte sie Vietschis, also aus Vietnam kommend und sie sind alle durchaus als Gäste behandelt worden. Sie waren dem DDR Arbeiter völlig gleichgestellt im Arbeitsleben. Soziale Kontakte gab es, wie hier schon völlig ausreichend geschrieben, genügend. Das trifft natürlich vorrangig für die Vietnamesischen Vertragsarbeiter zu. Angolaner, Mosambiquaner und Tunesier blieben immer unter sich.

  3. 19.

    Ich habe zu DDR-Zeiten im Maschinenbauhandel in Karlshorst gearbeitet. Die Mosambikaner haben fast ausschließlich im Lager gearbeitet; in der Verwaltung so gut wie überhaupt nicht. An private Kontakte von Deutschen und Mosambikanern kann ich mich nicht erinnern. Ich war damals 16 (Lehre) und kann mich nur dunkel erinnern, dass sie mir Leid getan haben. Ich hatte so den Eindruck, dass diese nur die "niederen" Arbeiten gemacht haben.

  4. 18.

    Also dass sie total abgeschottet lebten, trifft zumindest nicht auf alle zu.
    Ich habe als 11 oder 12jähriges Mädchen zu Silvester im Betriebsferienheim Kambodschaner kennen gelernt, die eine Ausbildung in Thüringen bekamen und dort ebenfalls Urlaub machten und normalen Kontakt mit uns hatten. Einer hat mich später bei meinen Eltern besucht, einen anderen habe ich mit meinen Eltern in seinem Wohnheim in Thüringen besucht - das war alles ganz problemlos möglich.
    Ich habe mit beiden noch längere Zeit Kontakt gehalten, bis sie nach der Ausbildung in ihr Heimatland zurück gingen.

  5. 17.

    Typisch für einen "von Ostdeutschen bereinigten" Auswärtigen Dienst durch FDP-Genscher vor 30 Jahren war und ist, dass sämtliche Botschafter der Bundesrepublik Deutschland kein Gespür für die Lage dieser Menschen entwickelten. Kein Steinmeier, kein Gabriel, kein Maas der angeblichen Kleine-Leute-Partei SPD haben sich für sie eingesetzt. Im Gegenteil Ende 2016 wurde das Instituto Cultural Moçambique-Alemanha (ICMA), zu Deutsch „Mosambikanisch-Deutsches Kulturinstitut“, "aufgegeben" - wie es offiziell, einen Skandal um deutsche Steuergelder verschleiernd, heißt. Diese Einrichtung war 1996 von Außenminister Klaus Kinkel (FDP) neben Sprachenvermittlung auch als Anlauf- und Auskunftsstelle für die Suche nach Vätern und Verwandten in Mosambik eröffnet worden. Noch heute hilft es als private Einrichtung, wenn Kinder nach ihren Vätern suchen. In der Wende- und Eroberungszeit= Einigungsprozess sind ebenfalls im Arbeits- und Innenministerium Namen und Hinweise auf eine DDR-Vergangenheit getilgt

  6. 16.

    Ich habe lediglich auf die Rechtsgrundlage der DDR Vertragsarbeiter hingewiesen. Es hat keinen Sinn, das jetzt umzudeuten. Es war allen Seiten klar, maximal 5 Jahre Gültigkeitsdauer und dann wird ausgetauscht. In der Regel lagen ja noch nicht einmal individuelle Verträge zwischen dem Vertragsarbeiter und irgend einer DDR Institution vor. Die meist jüngeren Männer haben sich freiwillig gemeldet, sie versprachen sich halt individuelle Vorteile. Dazu muss man wissen, in Angola beispielsweise herrschte in jener Zeit Bürgerkrieg, und etliche kamen, um nicht in den Krieg ziehen zu müssen.

    Vietnamesen deckten sich zur Rückweise mit Fahrrädern und größeren Haushaltsgeräten ein.

  7. 15.

    Den ehemaligen DDR Bürgern Ausländerfeindlichkeit und Fremdenfeindlichkeit wegen den Vertragsarbeitern, welche überall in den Betrieben beschäftigt gewesen sind zu unterstellen passt schon perfekt in die heutige Medienlandschaft. Es wehrt sich ja keiner mehr gegen die albernen Vorwürfe. So ist es aber, von Ausnahmen abgesehen, nicht gewesen.

  8. 14.

    Danke für Ihren Kommentar.
    Ich beschrieb hier nicht umsonst eine kleine Vietnamesische Familie, die damals in der DDR als Vertragsarbeiter tätig waren und nun versuchen, sich mit ihrem kleinen Restaurant über Wasser zu halten. Diese nette Familie zeichnet sich durch Fleiß,Anstand und Freundlichkeit aus. Lustig finde ich es immer wieder mit anzusehen wie die Frau auch weiterhin oftmals diese sehr typischen Ost-Hausfrauenkittel trägt.

  9. 13.

    Als Kenner der damaligen Situation muss ich einigen Kommentare widersprechen. Anfang der siebziger Jahre war viele Vietnamesen in der DDR die ihre Berufsausbildung oder ihr Studium machten. Das waren ganz sicher keine billigen Leiharbeiter sondern fleißige Menschen. Danach kamen viele Mosambikaner. Auch sie erhielten hier eine Ausbildung als Facharbeiter. Woher einige zu der Meinung kommen das es billige Leiharbeiter waren erschließt sich mir nicht. Ich selbst war bei einigen als Mentor eingesetzt. Als die DDR an die BRD angegliedert wurde hat man seitens der Bundesregierung die Menschen, wie so vieles Andere einfach vergessen. Die ausbildenden Betriebe hat kein Geld mehr um die Leute zu bezahlen, folglich mussten sie in ihre Heimatländer zurück. Wer mal in Vietnam war wird dort auf Menschen treffen die mit Freude und Stolz auf ihre Ausbildung in der DDR zurück blicken.

  10. 12.

    Dad und Schriftsetzer - warum nannte man sie dann "Fidschis"? Die asiatischen Gastarbeiter, die wahrlich keine Menschen von den Fidschi-Inseln waren. Nein, GASTarbeiter waren sie auch nicht, oder behandelt man Gäste so? Fremdenfeindlichkeit gab es hüben und drüben. Die NSU ist ja auch keine uralte Wessi-Kameradschaft gewesen.

    Ich wünsche allen, dass sie zueinander finden. Und vor allem wünsche ich allen Frieden und Gerechtigkeit.

  11. 11.

    So ein Quatsch. Natürlich waren sie billige Arbeitskräfte. Und ausgebildet würde auch niemand.
    Steht alles richtig im Artikel erklärt.

  12. 10.

    So ein Quatsch. Natürlich waren sie billige Arbeitskräfte. Und ausgebildet würde auch niemand.
    Steht alles richtig im Artikel erklärt.

  13. 8.

    Ich danke Mara und Annika erstmal sehr für diesen Artikel. Es war wirklich eine spannende und interessante Zeit mit euch. Ich hoffe man hat sich nicht das letzte mal gesehen.

    Ich danke meiner Familie und meinen Kollegen/ Freunden von unserem Verein Afropa-Solibabys. Danke das es euch gibt.

    Danke auch an Domingos aus Berlin, der sich Die Zeit genommen hat das wir uns endlich persönlich kennenlernen konnten.

    Und danke auch an die vielen Leser und Leserkommentare.

    Liebe Grüße aus Cottbus

    Frances Kutscher

  14. 7.

    Traurige, jüngere deutsche Geschichte. In Kohls Herrlichkeit war kein Platz für unangenehme "Randprobleme". Man wollte sich selbst feiern und das eigene Denkmal bestaunen. Erbärmlich!

  15. 6.

    Wieso Schande? Es waren Vertragsarbeiter mit Verträgen zwischen dem Heimatland und der DDR Regierung. Dort stand unmissverständlich, dass von vornherein nur eine zeitlich befristeter Aufenthalt in Deutschland der Vertragsgegenstand war.

    Die Bundesrepublik hat damit nichts zu tun. Mit dem Untergang der DDR waren ohnehin auch alle Verträge, sollten sie denn weiter Bestand haben, neu auszuhandeln. Für die ehemaligen Vertragsarbeiter in der DDR hatte die DDR Seite im Einigungsvertrag dies nicht für erforderlich gehalten.

  16. 5.

    Die ausländischen Vertragsarbeiter waren keine billigen Arbeitskräfte in der DDR. Die sind alle entsprechend ihrer Ausbildung, die sie ja auch in der DDR erhalten haben, bezahlt worden. Wie ihre deutschen Kollegen auch. Sie wurden ins Land geholt um den Menschen eine Ausbildung für die spätere Rückkehr zu bieten und um den Arbeitskräftemangel in der DDR zu beheben. Nicht mehr und nicht weniger.

  17. 4.

    Wenn ich zum Vietnamesen in meinem Kiez gehe, weiß ich zu wem. Er und seine Frau betreiben ein winziges, bescheidenes kleines Restaurant. Dieser hat mir berichtet, was damals nach der Wende so ablief. 2000 DM Abfindung erhielt er. Er lebte mit seiner Frau und seinem damals noch kleinen Sohn in Sachsen. Laut seinen Schilderungen war die Lebenssituation dort derart angespannt, sodass er fluchtartig wegzog, schon seinem Sohn zuliebe. Die Eingangstür zu seinem Lokal wurde schon 2mal zerstört. Und das in Charlottenburg, in der Nähe zum Rathaus.

  18. 3.

    Es war wohl so, dass die Leute dann zuhause die Wirtschaft mit ankurbeln sollten, mit ihren in der DDR erworbenen Kenntnissen. Zumindest offiziell. Inoffiziell waren es lediglich billige Arbeitskräfte.

    Ich gehe nicht davon aus, dass ihre Kenntnisse ihnen im Heimatland viel gebracht haben.

    Familien auf diese Weise auseinander zu reißen ist schlicht unmenschlich.

    Ich hoffe, dass alle Kinder und Mütter ihre Väter und Partner finden....und eine Chance bekommen, wieder zusammen zu sein.

  19. 2.

    Rassismus und Fremdenfeindlichkeit...und da hört und liest man doch immer öfter, dass das alles erst nach der Wende Fahrt aufnahm? Und die Rassistenpartei nur aus Protest gewählt wird, weil man sich vom Westen abgehängt fühlt? Wohl eher alles Schmu und laue Ausflüchte. Ehe wir uns alle, in Ost und West, nicht eingestehen, dass die Schranken im Kopf bei vielen immer schon da waren, nur jetzt verstörend sichtbar werden, wird sich nichts ändern. Mir tut es unsäglich leid für die Opfer dieser Fehl"politik".

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