«Kottbusser Tor» ist am 01.03.2017 in Berlin am Abend auf dem Schild am Zugang zum U-Bahnhof zu lesen. (Quelle: dpa/Zinken)
Audio: Inforadio | 03.11.2019 | Franziska Hoppen | Bild: dpa/Zinken

Mordverdacht - Haftbefehl nach tödlichem U-Bahn-Stoß am Kottbusser Tor

Im Fall des tödlichen U-Bahn-Stoßes am Kottbusser Tor hat der Haftrichter nach einer erneuten Festnahme Haftbefehl erlassen. Laut Polizei wurde der Verdächtige in Berlin-Wannsee festgenommen. Gegen den Mann besteht der Verdacht des Mordes aus Heimtücke.

Nach dem tödlichen Stoß am U-Bahnhof Kottbusser Tor ist am Sonntag Haftbefehl gegen einen 26-jährigen Mann erlassen worden. Gegen den Mann bestehe Mordverdacht, teilte die Polizei am Sonntagnachmittag mit. Die Staatsanwaltschaft konkretisierte am Montag: Dem mutmaßlichen Täter werde Mord aus Heimtücke vorgeworfen. Der Mann war am Samstagabend in Berlin-Wannsee festgenommen worden.

Weitere Zeugenaussagen und intensive Ermittlungen der 4. Mordkommission in der Drogenszene am Kottbusser Tor, hatten die Polizei auf die Spur des Mannes geführt. Der 26-Jährige hat sich bisher nicht zu dem Tatvorwurf eingelassen, er befindet sich nun in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen dauern an.

Erster Verdächtiger schon wieder frei

Erst am Freitag hatte die Polizei einen Mann in Eberswalde festgenommen, diesen jedoch am Samstag wieder freigelassen, weil er für die Tatzeit ein Alibi vorweisen konnte. Es bestehe derzeit kein dringender Tatverdacht, hieß es. Bei den Zeugenaussagen hätten sich Widersprüche ergeben, etwa bei den Zeitangaben. Zudem sei das Videomaterial von mäßiger Qualität. Die U-Bahn-Station Kottbusser Tor wird von Kameras überwacht.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sprach in dem Fall von großem Engagement der Mordkommission und insgesamt schwierigen Ermittlungen im Bereich der Drogenkriminalität.

Spuren führen ins Drogenmilieu

In der Nacht zu Mittwoch war ein 30-Jähriger am Kottbusser Tor vor eine U-Bahn gestoßen worden. Das Opfer starb noch vor Ort. Zuvor soll es auf dem Bahnsteig einen Streit zwischen dem Mann und einem Begleiter sowie einer größeren Gruppe gegeben haben. Die Polizei geht davon aus, dass es dabei um Drogen ging.

"Es haben sich Hinweise verdichtet, dass ein Drogengeschäft der Tat zugrunde gelegen haben könnte", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Freitag. Von Seiten der Polizei hieß es, das Opfer habe in Berlin gewohnt und sei der Behörde wegen Drogendelikten bekannt.

In dem U-Bahnhof sind regelmäßig Dealer und Süchtige unterwegs. Das Kottbusser Tor zählt für die Polizei zu den sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten. Seit Jahrzehnten wird dort Rauschgift verkauft, etwa Heroin.

Sendung: Inforadio, 03.11.2019, 10 Uhr

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11 Kommentare

  1. 11.

    Wie wärs mal wenn die BVG endlich Ihr Hausrecht durchsetzt und auf den Bahnhöfen die Personen kontrolliert, die sich dort nicht aufhalten dürfen. Alleine die Ansammlungen von Personen, die dem Trinkermmilieu zuzuordnen sind, weche sich auf sehr schmalen Bahnsteigen aufhalten. Erlebbar regelmässig auf dem Bhf. Hallisches Tor. Ist doch auch eine Frage der Zeit bis hier wieder passiert. Generell sollte der Verbot des Alkoholkonsums auf Bahnhöfen durchgesetzt werden, geschweige Rauchverbot etc.
    Wäre mal ein Anfang von erlebbarer Sicherheit für mich als Fahrgast.

  2. 10.

    Wo gibt es den Schutz auf U-Bahnhöfen oder Eisenbahnen durch Glastüren? In den Bahnhöfen, welche in allerjüngster Zeit erbaut wurden, weil dort Züge und Bahnhöfe aufeinander abgestimmt gebaut werden konnten.

    Die Bahnhöfe in Berlin oder Frankfurt sind zum Teil weit über 100 Jahre alt. Dort ist gar kein Platz dafür vorhanden. Es gibt auch kein einheitliches Waggonmaterial.

    Die Vorkriegsbahnhöfe der Berliner U-Bahn sind so eng, wo wollen sie da noch Schiebetüren hinkauern??

    Aber mal wieder Faltenfrei gegen Politiker gewettert.

  3. 9.

    Über technische Unzulänglichkeiten ärgere ich mich nicht nur in Bezug auf Überwachungskameras (die offenbar grundsätzlich niedrigauflösend und oft sogar schwarzweiß sein müssen).
    Während Kinosound in unzähligen Formaten vorliegt (und einem viele Betreiber gern die Leistungsfähigkeit ihrer Anlagen auf trommelfellzerstörende Weise demonstrieren müssen), ist das Verstehen von Durchsagen in Bahnhöfen oft Glückssache.
    Auch jeder Super- und Elektromarkt scheint über ein besseres Klangsystem zu verfügen als die BVG.

  4. 8.

    Täusche ich mich, oder sollte das nicht in den Hoheitzbereich der BVG fallen? Der Senat braucht da doch gar nichts zu tun, damit die BVG Kameras aus diesem Jahrtausend aufhängt.

  5. 7.

    An allen Bahnhöfen sollte es wieder die Zugabfertiger geben und an solchen Bahnhöfen wie z. B. Kottbusser Tor, Hermannplatz, Alexanderplatz u.s.w. sollten Kameras mit Hoher Auflösung angebracht werden. Zusammenarbeit mit BVG und Polizei sollte man wieder aufnehmen wie früher mit Hund Streife laufen.

  6. 6.

    In anderen Ländern gibt es dicke Glaswände die ein Fallen auf die Schienen verhindern. "Einzelfälle" und Verwirrte/mit Drogenvollgepumpte tickende Zeitbomben wird es immer geben. Solche Glaswände würden aber Effektiv was bringen. Wenn Menschenleben in diesem Land noch Investitionen in solche Technik wert sind... seit den Auswürfen so mancher Politiker aus dem wirtschaftsnahem Spektrum zum Frankfurter Vorfall zweifelt man ja noch ob man hier überhaupt noch Leben möchte bei so einer Lebens- und menschenfeindlichen Einstellung unserer Volksparteien. Der Markt wirds schon regeln...ob ich leben darf oder nicht. Na dann, wohl bekomms.

  7. 5.

    Wozu gibt es dann überhaupt Kameras zur Überwachung auf den Bahnhöfen?
    Zur Volksverdummung.

  8. 4.

    Ja, vermutlich ist das wirklich nur VGA-Auflösung. Wenn man auf den Aufnahmen nichts oder doch so gut wie nichts Verwertbares finden kann und wenn die Gesichter auf solchen Aufnahmen gar nicht zu erkennen sind, taugen solche Aufnahmen nichts und könnten gleich unterbleiben. An bekannten Kriminalitäts-Hotspots wäre ich durchaus für bessere Videoüberwachung mit besserer Auflösung, um Straftäter besser identifizieren zu können. Wer sich nichts hat zuschulden kommen lassen, dem kann es meiner Meinung nach eigentlich auch egal sein, ob er vorübergehend auf einem Mitschnitt zu sehen ist (vorübergehend deshalb, weil die Aufnahmen ja nicht ewig aufbewahrt werden). Aber das ist nur meine Meinung. So mancher könnte sich zu sehr überwacht vorkommen.

  9. 3.

    Nein, in diesem Land werden keine identifizierbaren Aufnahmen von unschuldigen Fahrgästen gemacht. Bei Millionen von Fahrgästen am Tag allein bei der BVG kämen da auch ziemlich große Datenmengen - ohne jeden Anlass erhoben - zusammen.

  10. 2.

    Ich verstehe deine Feststellung sehr gut !
    Nur, man darf nicht vergessen, dass der liebe Senat von Berlin für solche Investitionen kein bzw. nur im geringen Maße Geld zur Verfügung stellt.

  11. 1.

    "Das Videomaterial ist von mäßiger Qualität". Mich wundert es, dass es im Jahr 2019 noch sowas gibt. Inzwischen hat fast jeder Haushalt eine 4K Kamera zu Hause. Aber der ÖPNV oder Banken arbeiten wohl noch immer mit VGA Auflösung?

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