Das Justizzentrum in Potsdam (Quelle: dpa/Hirschberger)
Audio: Antenne Brandenburg | 04.11.2019 | Lisa Steger | Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Nachbarn in Bauch und Kopf geschossen - Hundebesitzer zu sechs Jahren Haft verurteilt

Ein Hundebesitzer aus Werder muss wegen Totschlags für sechs Jahre in Haft. Das hat das Landgericht Potsdam am Montag entschieden. Er hatte seinen Nachbarn nach einem Streit um seine Hunde erschossen. Der Vorwurf des Mordes ließ sich im Prozess nicht erhärten.

Weil er seinen Nachbarn wegen eines Streits um seine Hunde mit der Schrotflinte erschossen hat, muss ein 60-Jähriger für sechs Jahre wegen Totschlags in Haft. Das urteilte am Montag das Landgericht Potsdam.

Das Gericht habe feststellt, "dass Sie vorsätzlich einen Menschen getötet haben, ohne Mörder zu sein", sagte der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter an die Adresse des 60-Jährigen. Bei der Beurteilung sei ihm der Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" zugutegekommen.

Opfer verwies auf Hundeverbot

Die Staatsanwaltschaft hatte die Tat als Mord eingestuft. Die Verteidigung hatte auf Totschlag plädiert und eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten gefordert.

Der Mann hatte seinen Nachbarn im Februar mit einer Schrotflinte in Bauch und Kopf geschossen, nachdem ihn dieser darauf hingewiesen hatte, dass seine Hunde in der Hofanlage verboten seien. Der 60-Jährige hatte im Prozess ein Geständnis abgelegt.

Der Mann soll starker Alkoholiker sein. Auch während der Tat soll er angetrunken gewesen sein. Außerdem sei er wegen eines früheren Erlebnisses traumatisiert, sagte er im Prozess. Der Streit mit dem Nachbarn habe ihn an das Erlebnis erinnert.

Sendung: Antenne Brandenburg, 04.11.2019, 5:30 Uhr

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22 Kommentare

  1. 22.

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie Menschen hier, die bei der Verhandlung nicht anwesend waren und nur die knappen Pressemeldungen, aber nicht alle Einzelheiten kennen, glauben, sich ein besseres Urteil bilden zu können als die Richter.

    Ich hoffe, dass diese Menschen nie das Recht bekommen, selber solche Urteile sprechen zu dürfen.

  2. 21.

    @ HotnTexas

    Sie schrieben:
    "Schuss mit der Schrotflinte ist nicht grausam, nein. Das Opfer ist ziemlich genau sofort tot und erleidet keine über den Tod hinausgehenden Schmerzen."...


    Sie scheinen ein Universalgenie, ähnlich A. V. Humboldt, zu sein. Neben fundierten juristischen Kenntnissen, die sich anscheinend auf die wortwörtliche Auslegung von Gesetzen beschränken, verfügen Sie auch über humanbiologische, oder/und medizinische Kenntnisse.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kopfschuss
    https://m.spiegel.de/spiegel/print/d-83679166.html

    Ich widerspreche hiermit in aller Deutlichkeit Ihrer These, daß das Opfer grundsätzlich sofort verstarb.

  3. 20.

    Bzgl. Waffenbesitz: die Höchststrafe (!) beträgt 5 Jahre. Also, wo ist das Problem?

  4. 19.

    Es tut mir wirklich leid, aber Sie haben keine Ahnung!
    Eine Schrotflinte ist kein gemeingefährliches Mittel. Dafür muss neben dem Tötungsopfer eine große Zahl anderer Menschen gefährdet werden, zB. durch eine Bombe oder Gift im Trinkwasser.
    Und Absicht ist kein Mordmerkmal. Darauf kommt es einfach nicht an. Wer absichtlich tötet, ohne Mordmerkmal, begeht einen Totschlag. Sie verwechseln das mit der fahrlässigen Tötung.

  5. 18.

    Nunja, vermutlich war es nach Ihrer Intention Notwehr - oder sogar Selbstmord?: Das Opfer hat sich in die Flugbahn der beiden Warnschüsse geworfen. OK, zu den Fakten. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautete auf Mord. Und natürlich ist eine Schrotflinte ein gemeingefährliches Mittel. Der Täter feuerte zwei Schüsse ab. Einen davon auf den Kopf des Opfers. Bei Kopfschüssen gehen 99,9 Prozent der Gerichte weltweit von einer Tötungsabsicht aus. Zudem hat der Täter die Waffe nebst Munition illegal beschafft und besessen*. Das spricht für seine kriminelle Energie. Was sich Richter Theodor Horstkötter bei diesem Urteil gedacht hat, wird er hoffentlich in der ausführlichen Urteilsbegründung detailliert darlegen. Die Staatsanwaltschaft dürfte Revision einlegen.

    *Die Höchststrafe für illegalen Waffenbesitz beträgt fünf Jahre, gewerbs- oder bandenmmäßig sogar zehn Jahre.
    ...
    https://dejure.org/gesetze/WaffG/51.html

  6. 17.

    @leo Bronstein
    Schuss mit der Schrotflinte ist nicht grausam, nein. Das Opfer ist ziemlich genau sofort tot und erleidet keine über den Tod hinausgehenden Schmerzen. Grausam wäre es zb, wenn der Täter das Opfer vor dem Tod foltert oder quält, oder den Tod unnötig lange hinauszögert.
    Das Gesetz wurde korrekt angewandt, jedenfalls laut dem Bericht.
    Wenn Sie das nicht gerecht finden, müssen Sie sich für andere Gesetze einsetzen. Aber ob eine Tötung in Ihren Augen jemals wirklich „gerecht“ bestraft werden kann? Ein Mensch ist tot und kann nicht mehr lebendig gemacht werden.

  7. 16.

    Unfasbar krass, was für ein Urteil! Da wird ein Mensch wegen so einer Lapalie aus dem Leben gerissen und der Täter bekommt weniger als wenn man ne Bank ausraubt und darf auch noch die Opferrolle beanspruchen!?
    Der dürfte nie wieder raus kommen! Warum darf überhaupt ein Suchtkranker Alkoholiker mit einer Schrottflinte rum rennen?

  8. 15.

    Da wir in Deutschland keine Todesstrafe mehr haben, werden wir es den Faschisten-Wählern sowieso nicht recht machen können, und ich persönlich finde, wir sollten es nicht versuchen. Eine maßvolle Justiz, die Rehabilitation über Rache stellt, ist ein wichtiger Teil eines Rechtsstaates. Für einen 60 Jahre alten Alkoholiker sind sechs Jahre nicht nichts, sondern ein womöglich recht großer Teil der Zeit, die ihm noch bleibt.

  9. 14.

    Das von Ihnen geforderte "Alkoholverbot" gibt es bereits, in Form der Strafe dafür, dass man sich überhaupt
    in den Vollrausch - und damit der Schuldunfähigkeit - begeben hat.
    Das weitere Konzept von "Strafe nur bei Schuldfähigkeit" sollten SIe mal mit einem Juristen ausdiskutieren ...

  10. 13.

    Eine traumatisierte Person, der wahrscheinich auch alkoholabhängig ist, darf eine oder mehrere Waffen besitzen!!??
    Wo sind die verschärften Kontrollen geblieben, nach den Amokläufen von Winnenden, Erfurt usw.?
    Wo ist die Verantwortung des Staates, die mit den Kontrollen, vielleicht diese Tat hätte verhindert werden können??

  11. 12.

    Warum ist eigentlich die Strafe nicht höher, wenn man alkoholisiert ist? Mit Alkohol kann ich mir mehr erlauben, als andersherum. Wenn die Gesetzeslage so bleibt, dann bitte ein Alkoholverbot.

    Ich würde auch denken, dass einer ehr bereit ist wen anderes zu erschießen, wenn er alkoholisiert ist. Oder gibt es dafür Merkmale, die das Gegenteil bestätigen?

  12. 11.

    @ Julius

    Sie schrieben:
    ... "Die Tat ist weder heimtückisch, noch grausam,"...


    Eine tödliche Ladung Schrot im Kopf ist für Sie (und für die Richterinnen, oder Richter anscheinend auch) nicht grausam?

    Dann könnten, bei gleicher Gewichtung, so meine ich, Giftspritze und der elektrische Stuhl glatt noch als humane Todesarten eingestuft werden.

  13. 10.

    Was passiert jetzt mit dem Hund? Ins Gefängnis kann er den ja nicht mitnehmen. Kommt der in ein Heim? Das Tier kann ja nichts dafür.

  14. 9.

    Da alle Mordmerkmale nicht zum tragen kommen, ist es eben ein Totschlag.

    Die Tat ist weder heimtückisch, noch grausam, noch mit gemeingefährlichen Mitteln geschehen. Eine Straftat wurde weder ermöglicht noch verheimlicht.

    In Deutschland wird nicht nach dem Erfolg einer Tat geurteilt, sondern nach der Vorstellung des Täters von seiner Tat. Und wo kein Mord geschehen ist, wird niemand deswegen verurteilt.

  15. 8.

    Das ist doch wohl lächerlich! Der knallt ihr wegen eines Streits ab und das soll keinMord sein? Glück gehabt alter Sack.

  16. 7.

    @ HotnTexas

    Werden bei Paragraph 211 StGB nicht noch einige weitere Merkmale für Mord aufgelistet?


    (2) Mörder ist, wer

    - aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,

    - heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln

    - oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken,

    einen Menschen tötet.

  17. 6.

    Der gesetzliche Strafrahmen für Totschlag liegt bei 5 bis 15 Jahren. Wenn das Gesetz den Angeklagten aufgrund des Alkoholkonsums für vermindert schuldfähig betrachtet hat, liegt die Strafe zwischen 2 und 11 Jahren. Da liegt die Gewählte Strafe Von 6 Jahren genau in er Mitte.

  18. 5.

    Die Schrotflinte oder die Tatsache, dass im Kopf und Bauch geschossen wurden, sind irrelevant für die Unterscheidung von Mord und Totschlag.
    Damit das Gericht für Mord verurteilen kann, muss es feststellen, dass ein sog. (Gesetzlich vorgeschriebenes) Mordmerkmal vorliegt. Diese Mordmerkmale sind abschließend in $ 211 StGB aufgezählt. Hierzu zählen zB Habgier oder Verdeckungsabsicht. Und da im vorliegenden Fall anscheinend kein Mordmerkmal festgestellt werden konnte, wurde wegen Totschlags verurteilt.
    Totschlag ist die vorsätzliche Tötung eines Menschen ohne Mordmerkmal.

  19. 4.

    So lange die Justiz mit solchen "Pipi - Urteilen" Schwerstverbrecher nicht-verurteilt, braucht man sich nicht zu wundern, dass in diesem Land die Ultrarechten an stetigem Zuspruch gewinnen (was ich persönlich als Katastrophe empfinde!!) Dieser Mensch wurde offensichtlich von einem vollkommen enthemmten Nachbarn kaltblütig abgeknallt, (2 x geschossen Bauch und Kopf!!!) macht dann einen auf psychisch belastet und kommt mit 6 Jahren davon, die dann nach 2/3 Haft minus Abzug der Untersuchungshaft ergo nach 3 1/2 Jahren zur Haftentlassung führen. Alkoholentzug auf Staatskosten gratis dazu.
    So respektlos dem Opfer gegenüber. der Täter feiert 2023 Weihnachten wieder zu Hause das Opfer nie wieder!

  20. 3.

    Na da ist dem Opfer aber echte Gerechtigkeit widerfahren, damit ist ja dann alles wieder gut gemacht! Eine Sache verstehe ich nicht: Er wollte den anderen Töten, er hat ihm getötet......aber ein Mord lies sich trotz Geständnis nicht nachweisen/erhärten! Das ist wahre Gerechtigkeit! Im zweifel für den Angeklagten!!!

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