Beim Prozessauftakt gegen Youtuber Junus W. sind alle Prozessbeteiligten, bis auf der Angeklagte selbst zu sehen (Bild: rbb/Morling)
Audio: rbb 88.8 | 27.11.2019 | Ulf Morling | Bild: rbb/Morling

Anklage wegen Missbrauchs Minderjähriger - Prozess gegen Berliner Youtuber hinter verschlossenen Türen

Er soll seine Popularität ausgenutzt haben, um sich mit minderjährigen Mädchen zu treffen: Der frühere Youtuber Yunus W. steht seit Mittwoch in Berlin vor Gericht. In mindestens einem Fall soll es zur Vergewaltigung gekommen sein. Von Ulf Morling

Der frühere Youtuber und Influencer Junus W. muss sich seit Mittwoch vor dem Berliner Landgericht verantworten. Seine Popularität soll der 25-jährige dazu genutzt haben, sich mit Kindern zu treffen und sie - zumindest in einem Fall - zu vergewaltigen. Das jüngste Opfer soll laut Staatsanwaltschaft 13 Jahre alt gewesen sein, also noch ein Kind. Zwei weitere mutmaßliche Opfer des Influencers waren 14 und 16 Jahre alt. 

Junus W. soll sich laut Staatsanwaltschaft über soziale Netzwerke mit seinen Opfern verabredet haben. Die Mädchen hätten sich erhofft, später in einem seiner Videos auf Youtube aufzutauchen, hieß es. Auf seinem Kanal hatte der 25-jährige eine gewisse Popularität erlangt, mit einer sechsstelligen Zahl von Abonnenten. Was die Mädchen jedoch bei den Treffen erlebt haben sollen, war laut Staatsanwaltschaft: sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch von Kindern, Freiheitsberaubung und Körperverletzung.

Am ersten Prozesstag wurde die Öffentlichkeit noch vor Verlesen des Anklagesatzes ausgeschlossen, um die Privatsphäre der jungen Frauen zu schützen.

Angeklagter wünscht keine Öffentlichkeit

Auf seinen Youtube-Kanälen, die inzwischen abgeschaltet sind, spielte Junus W. den charmanten Mädchenschwarm - inklusive Sexismus und Vorliebe für jüngere Mädchen. Anscheinend sprach der Angeklagte damit jedoch auch ein weibliches Publikum an. Im Gerichtssal saßen am Mittwochfrüh auch auffällig viele Frauen.

Weil sich Junus W. nicht fotografieren lassen wollte, wurde der Ex-Influencer erst in den Saal geführt, als die Kameraleute bereits ausgeschlossen waren. Mit Blick auf den Boden und blassem Gesicht bestätigte er seine Angaben zur Person: Name, ledig, 1994 in Berlin geboren.

Da gleich am ersten Verhandlungstag eines der mutmaßlichen Opfer des Angeklagten vernommen werden sollte, schloss der Vorsitzende Richter der 5. Jugendkammer, Gregor Hain, die Öffentlichkeit mit Zustimmung der Anwälte aus: "Der Opferschutz gebietet das", so der Richter. Schon in der Anklage würden Namen genannt und detailliert die Tatvorwürfe geschildert, das würde die intimsten Persönlichkeitsrechte der mutmaßlichen Opfer verletzen.

Auto für Verabredungen präpariert

Ab August 2018 soll Junus W. immer wieder über soziale Medien Kontakte zu seinen weiblichen Followern aufgebaut haben. Die drei mutmaßlichen Opfer soll er laut Staatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen getroffen und in seinem speziell präparierten Auto mitgenommen haben. So soll sich in dem Fahrzeug unter andererm eine Matratze befunden haben, um die vorgeworfenen Taten zu begehen. Bei den Vergewaltigungen bzw. dem Missbrauch soll er seine Opfer auch ohne sexuellen Bezug körperlich misshandelt haben.

Nach der letzten mutmaßlichen Tat im Juni war W. verhaftet worden und in Untersuchungshaft gekommen. Nach einem Monat wurde er zunächst entlassen, knapp einen Monat später kam er endgültig in Untersuchungshaft und sitzt dort bis heute.

Klägerinnen von Fans angefeindet

In der Youtuber-Gemeinde war W. umstritten, die Abschaltung seiner Kanäle stieß auf viel Zuspruch. Mehrere Youtuber machten publik, dass W. trotz der Sperrung seines alten Kanals einen neuen eröffnete.

Allerdings hat W. auch noch eine rege Fangemeinde. Bis heute haben die drei mutmaßlichen Opfer mit Anfeindungen zu kämpfen: Wie der rbb aus Ermittlerkreisen erfuhr, würden die Namen der Nebenklägerinnen in den sozialen Medien veröffentlicht - einschließlich ihrer Wohnanschriften. Einen regelrechten "Shitstorm" müssten sie zeitweise ertragen, weil sie aus Sicht anderer User daran schuld seien, dass Youtuber W. aus dem Verkehr gezogen wurde.

W. selbst soll sich bereits am 7. Mai 2019 auf seinem inzwischen gesperrten Twitter-Account gegen schon damals kursierende Missbrauchs-Vorwürfe gewehrt haben. "Es gibt keine Beweise, dass ich pädophil bin. Alles wurde durch Lügen aufgebaut", soll er gesagt haben. Kurz darauf wurde er verhaftet.

Und noch nach seiner Verhaftung gab es noch Vorwürfe gegen den Youtuber: Im Oktober schrieb eine Twitter-Userin an die Berliner Staatsanwaltschaft über Junus W., der sie angeblich auch versucht hatte, zu einem Treffen zu überreden: "Richtig ekelhafter Kerl. War 16 zu dem Zeitpunkt!"

Acht Verhandlungstage sind für den Prozess gegen Junus W. vorgesehen. Das Urteil wird nach derzeitigem Stand für den 20. Dezember erwartet.

Beitrag von Ulf Morling

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1 Kommentar

  1. 1.

    In der Kindheit hat der Mensch eine besondere rechtliche Stellung. Nach der UN-Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ist „Kind“, wer das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat (vergleiche Kinderrechte). https://de.wikipedia.org/wiki/Kindheit - Das Gericht wird ohnehin nach eigener Überzeugung entscheiden.

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