Archivbild: Eine Teilnehmerin am Präventionstag für Senioren fährt mit ihrem Auto über eine Teststrecke der Dekra in Klettwitz. (Quelle: dpa/Patrik Pleul)
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Video: rbb|24 | 18.11.2019 | Material: Super.Markt | Bild: dpa-Archivbild/Patrik Pleul

Umfrage zu Senioren am Steuer - Im Alter nochmal zur Fahrprüfung?

Über 74-Jährige sind statistisch gesehen besonders unfallgefährdend. Mit Blick auf den demografischen Wandel ist deshalb ein verpflichtender Fahrtest im Alter in der Diskussion. Von Jelena Altenberg und Hannah Demtröder

Schwere Unfälle, an denen ältere Autofahrer beteiligt sind – dazu kommt es immer wieder. Im Mai 2018 kollidierte in Brandenburg ein 81-jähriger Mann mit einer Gruppe Radfahrer, dabei starb eine Frau, drei Menschen wurden schwer verletzt. Vor rund einem Jahr fuhr in Nordrhein-Westfalen eine Seniorin mit ihrem Pkw einen 9-jährigen Jungen bei einer Fahrradtour tot. Wären solche Unfälle mit einem verpflichtenden Fahrtest für Senioren vermeidbar? Sollte wirklich jeder selbst entscheiden, ob er im Alter den Führerschein abgibt?

Seniorenunfälle sind ein Problem der Zukunft

Grundsätzlich verursachen ältere Menschen im Alter von 65 und älter vergleichsweise wenige Verkehrsunfälle, wie eine Statistik des Statistischen Bundesamtes von 2018 zeigt. Aber wenn sie an einem Verkehrsunfall beteiligt sind, sind die Unfälle häufig schwer. "Drei Viertel der über 75-Jährigen tragen an den Unfällen, an denen sie beteiligt sind, die Hauptschuld", sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforscher des Versicherungsverbandes GDV. Damit schnitten sie noch schlechter ab als die "Hochrisikogruppe" der 18- bis 21-Jährigen mit einer Quote von 70 Prozent.

Da Senioren im Moment noch so einen kleinen Teil der Verkehrsteilnehmer ausmachen, sieht das Bundesverkehrsministerium aktuell keinen Handlungsbedarf. Aber das könnte sich bald ändern. "Wir werden aber durch den demografischen Wandel viel mehr Senioren jenseits der 75 am Steuer haben", sagt Brockmann. "Wir müssen heute schon handeln, um dann spätestens in zehn Jahren so weit zu sein, dass das große Problem, was auf uns zukommt, im Griff zu behalten ist", sagt Unfallforscher Brockmann.

Sollten alle ab 70 Jahren eine verpflichtende Fahrtauglichkeitskontrolle absolvieren müssen?

Umfrageergebnisse im Balkendiagramm (Quelle: SUPER.MARKT/INSA-Consulere)

Senioren-Fahrtest soll Risiko verringern

Im europäischen Ausland gibt es bereits gesetzliche Regelungen. In Dänemark zum Beispiel müssen Autofahrer ab 75 alle zwei Jahre ein ärztliches Attest vorlegen, ab 80 jährlich. In Italien müssen bereits alle unter 50 alle zehn Jahre zum Check, danach in immer kürzeren Abständen. In Deutschland ist das noch freiwillig, wird aber heiß diskutiert: Sollten alle ab 70 Jahren eine verpflichtende Fahrtauglichkeitskontrolle absolvieren müssen?

Diese Frage hat das rbb-Verbrauchermagazin Super.Markt 600 Berlinern und Brandenburgern ab 18 Jahren in einer repräsentativen Online-Umfrage gestellt. Die Reaktion: 65 Prozent der Befragten befürworten einen solchen Pflichttest. Das sieht auch der 72-jährige Klaus Barke aus Berlin-Spandau so: "Ich fahre meiner Meinung nach einigermaßen gut, aber meiner Tochter ist es teilweise ein bisschen zu schnell. Ich will nur wissen, ob ich noch fahrtüchtig bin."

Umfrageergebnisse im Balkendiagramm (Quelle: SUPER.MARKT/INSA-Consulere)

Interessant ist, wie die einzelnen Altersgruppen antworten: Denn die Jüngeren sprechen sich eher für Tests aus als die Älteren. Bei den Befragten über 60 sprachen sich 44 gegen eine verpflichtende Fahrtauglichkeitskontrolle für ältere Autofahrer aus. Nur 42 Prozent waren dafür.

Bei den Autofahrer zwischen 18 und 49 Jahren sah es deutlich anders aus: Hier sprachen sich zwischen 79 und 83 Prozent für eine Fahrprüfung aus, nur 8 Prozent (18 bis 29 Jahre), 11 Prozent (30 bis 39 Jahre) bzw. 16 Prozent (40 bis 49 Jahre) waren dagegen. In der darauffolgenden Altersgruppe wendet sich dann allmählich das Blatt: Knapp zwei Drittel der Befragten sind pro Fahrcheck, knapp ein Drittel dagegen. Je weiter die drohende Prüfung in der Ferne liegt, desto eher ist man offenbar theoretisch dazu bereit.

Führerschein abgeben

Für einige macht es einen gewaltigen Unterschied, ob der Fahrtest ein Verbot zur Folge haben kann. "Ja klar, wenn mir der Führerschein weggenommen werden würde, würde ich nervös werden", gibt Senior Klaus Barke zu. ADAC-Fahrlehrer Michael Borucu kennt dieses Problem. In den letzten 10 Jahren haben knapp 400 Senioren den ADAC-Fahrfitness-Check bei ihm gemacht. "Viele melden sich freiwillig, aber nicht so viele, wie wir uns das vorgestellt haben, weil die alle Angst haben", sagt Borucu. Und das, obwohl der Fahrlehrer ihnen den "Lappen" gar nicht wegnehmen darf.

Die Ergebnisse der Super.Markt-Umfrage zeigen, dass die Bereitschaft, den Führerschein abzugeben, durchaus vorhanden ist: 62 Prozent der Befragten sprechen sich für den dauerhaften Entzug des Führerscheins bei Nichtbestehens der Fahreignung aus. Ältere Autofahrer sind in der Umfrage auch durchaus dazu bereit, aus einem negativ ausfallenden Fahrcheck Konsequenzen zu ziehen. 

Sollte der Führerschein dauerhaft entzogen werden, wenn der Test nicht bestanden wird?

Umfrageergebnisse im Balkendiagramm (Quelle: SUPER.MARKT/INSA-Consulere)

Bei den jüngeren Altersgruppen sieht das - wenn auch nicht signifikant, anders aus: bei den 18- bis 29-Jährigen liegt die Zustimmung bei 57 Prozent, dagegen sind 29 Prozent. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 62 Prozent Zustimmung, 28 Prozent Ablehnung. Autofahrer zwischen 40 und 49 Jahren stimmen zu 61 Prozent zu, zu 20 Prozent lehnen sie es ab - und ganze 19 Prozent wissen es nicht.

Fahren auf eigene Verantwortung

Jeder Autofahrer darf nur ans Steuer eines Autos, wenn er sich körperlich dazu fähig fühlt. Das zu entscheiden, liegt im eigenen Ermessen vor Antritt einer Fahrt. Wer die Fahrkünste anderer bezweifelt und sich sorgt, sollte behutsam das Gespräch suchen. "Wenn das nicht gelingt, kann natürlich auch der Hausarzt einbezogen werden und im Extremfall auch die Führerscheinstelle eingeschaltet werden", sagt Verkehrspsychologe Peter Klepzig.

Ein Fahrtraining kann die Sicherheit erhöhen. Zum Beispiel wird der Berliner Senior Klaus Barke in Zukunft wieder häufiger den Schulterblick anwenden. "Ich bin zufrieden, dass ich das gemacht habe. Ein Fahrlehrer ist manchmal doch was wert", sagt der 72-Jährige. Doch am Ende gilt immer noch: Die Verantwortung trägt jeder selbst - egal wie alt man sich fühlt oder ist.

Sendung: Super.Markt, 18.11.2019, 20:15 Uhr

Beitrag von Jelena Altenberg und Hannah Demtröder

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30 Kommentare

  1. 30.

    sehr gut. Bin viel im Umland unterwegs, wer kommt von Wolsier, Hage, Groß Neuendorf oder Ketzin ohne Auto zu
    seiner Arbeitsstelle?

  2. 28.

    Vielen Dank für diesen Beitrag, den ich zu 100% unterschreiben kann. Es ist schon erschreckend welche Entwicklung das nimmt. Die junge Generation findet es ja cool, die eigenen Freunde per App zu überwachen. Wir schaffen chinesische Verhältnisse, ganz freiwillig, und finden es toll.
    Und nein, bei meiner Eingabe ist kein Fehler aufgetreten, vielleicht aber bei der Konfiguration eurer Seite @rbb24.

  3. 27.

    Was Sie da beschreiben hat doch nun wirklich nichts mit dem Alter zu tun und lässt sich auch nicht durch regelmäßige Fahrtests verhindern, sondern durch eine Verkehrsüberwachung, die diesen Namen verdient, mit spürbaren Strafen in der Folge. Die Nichtanwesenheit von Polizei hat zu Wildwestmanieren im Straßenverkehr geführt. Daß ältere Menschen damit über fordert sein können ist nachvollziehbar.

  4. 26.

    Aha. Sind die Dinger denn per se so ein großes Gefahrenpotenzial? Wie viele donnern den täglich durch Ihren Kiez? Wie absurd ist es, eine Diskussion an irgendwelchen Nischengefährten festzumachen.

  5. 25.

    Denkt dran, wir müssen so lange arbeiten, dass dann die Pappe weg ist... wird spannend in Brandenburg. Man kann dann nur außerhalb der Schulferien arbeiten gehen :-) großartig. Und die letzten schweren Unfälle - die übrigens z. T. sogar Mord sind - wurden von JUNGEN Fahrern verbrochen. Der Cartogo-sharer in Dahlem, der Todraser in München, die Todesfälle auf der Autobahn, alles Leute unter 40! Hallo - bitte mal eine Statistik für ALLE Altersgruppen herausrücken. Gerne auch die E-Scooter-Unfälle, die Radler, die Car-Sharer, diese Hochrisiko-Gruppen.

    Ok, wir können gerne verhandeln - ich gehe wie früher üblich mit 58 in Rente ohne Abzüge - dafür fahre ich ab 70 kein Auto mehr. in den 12 Jahren siedle ich dann in eine Stadt über, wo Öffis funktionieren...

  6. 24.

    Wie merkwürdig doch Ansichten in Verbindung mit einer Rechtfertigung für irgend etwas sein kann. Ist nicht schon seit langen ein Diskurs in der Gesellschaft, das Menschen bis 70 arbeiten sollen / müssen? Je nachdem was der Job denn sein soll, sind das ja dann alles Himmelfahrtskommandos. Zur Rettung des Rentensystems sind sie fit, für den Alltag aber nicht? Ich bin eher beunruhigt das die „Betreuung“ durch „ständig besorgte“, sich immer weiter ausdehnt. Ein Eingriff ins Private hier, ein kleine Kontrolle da. Es wird immer eine Rechtfertigung für diese Menschen mit Regulierungswahn geben. Immer mehr, immer öfter ......

  7. 23.

    Warum nur Autofahrer? Was ist mit Radfahrern?

  8. 21.

    Solange sogenannte Mopedautos mit 45 kmh für die man keine Fahrerlaubnis braucht zugelassen werden ist diese Diskusion wohl überflüssig.

  9. 20.

    Ich frage mich schon seit Jahrzehnten, warum in Deutschland der Führerschein unbefristet gilt und es keine verpflichtenden praktischen Prüfungen alle fünf und im höheren Alter alle ein bis zwei Jahre gibt.

    Und obwohl ich mich nun langsam (oder eher erschreckend schnell) der 60er-Marke nähere, bin ich nach wie vor dafür. Im Zweifel ist es mit doch lieber, dass jemand es rechtzeitig erkennt, wenn ich nicht mehr fahrtüchtig bin, als dass es erst durch einen Unfall offenbar wird, bei dem möglicherweise jemand schwer oder tödlich verletzt wird.

    Allerdings habe ich als Großstadtbewohner natürlich leicht reden. Auf dem Land ist man ohne Auto oft ziemlich aufgeschmissen, und gerade im Alter bedeutet der Verlust des Führerscheins für viele Menschen vermutlich auch verstärkte Isolierung und Vereinsamung.

  10. 19.

    Den Vorschlag von "Katze " kann ich unterzeichnen. Ab 70 sollte unbedingt, alle zwei Jahre,ein Sehtest gemacht werden. Wenn der in Ordnung ist,und auch das Reaktionsvermögen, warum sollten die Senioren nicht mehr fahren, sie müssen ja vielleicht bald bis 70 arbeiten.....

  11. 18.

    Mein Vorschlag: Wenn das Auto zum TÜV muss, müssen sich die Halter ab 70 einem Seh- und Reaktionstest unterziehen. Dass diese die Verkehrsregeln beherrschen, denke ich schon.

  12. 17.

    Sicher das mit einem kostenpflichtigen Test Unfälle verringert werden? Jahrzehnte in einer Personengruppe zusammenzufassen, indem man z.B. (30 Jahre!) von 60-90 Jährige einer Personengruppe der besonders unfallhäufigen 18-21Jährigen (3 Jahre!) gegenüberstellt und vergleicht ist populistisch. Sonst könnte einer auf die Idee kommen, die Zahl der Unfälle zu senken, in dem man ab 21 den Führerschein machen darf (oder kostenpflichtige Psychotests?), weil die sittliche Reife fehlt oder aber die Aberkennung dessen ab 3 "Rämpler". Versicherer reagieren auf eine Unfallhäufigkeit viel erzieherischer genauer, als es die die Wahrnehmung einiger nicht Betroffener jemals könnte. Schlimm wenn Oma nicht mehr kommen könnte, trotz toller Fahrerassitenzentwicklung, die auch genutzt und nicht abgestellt wird. Und sollte Opa eine Gefahr für die Enkelkinder werden, wenn er diese aus der Kita abholt, ja dann gibt es Kräfte in der Familie, die das besser regeln als ein Konjunkturprogramm für Fahrschulen.

  13. 16.

    Das Thema ist natürlich sehr emotional. Ältere Autofahrer stehen irgendwann zwangsläufig im Zwiespalt, die individuelle Mobilität abzugeben oder eben noch mit erhöhter Vorsicht weiter mobil zu bleiben. Eine regelmäßige Untersuchung kann da sicher helfen, die eigenen Fähigkeiten noch richtig einzuschätzen, ein Heilmittel sind sie aber nicht. Was gern unterschlagen wird, ist die Tatsache, dass regelmäßige Fahrtauglichkeitsuntersuchungen bei Senioren in diversen Ländern eben keinen signifikanten Einfluss auf die Unfallhäufigkeit dieser Altersgruppe haben! Die Zahlen bleiben etwa gleich. Das ist auch nicht ganz unlogisch, weil schwere Unfälle meist auf ein Spontanversagen der Autofahrer zurückzuführen sind, was in Tests vorher nur selten absehbar ist. Viel wichtiger für Senioren ist, regelmäßig zu fahren, denn die Fahrsicherheit nimmt mit den gefahrenen Kilometern zusammen ab. Trainings bringen also mehr als Untersuchungen.

  14. 15.

    Ich bin sehr dafür, dass die Fahrtauglichkeit in bestimmten zeitlichen Intervallen geprüft werden muss.
    Was ist jedoch die Konsequenz wenn man selbst oder ein Arzt feststellt, dass jemand nicht mehr Fahrtauglich ist.
    Wie ist dann der Alltag regelbar?
    Gerade im Kreis Uckermark werden sowohl ältere als auch jüngere Menschen direkt dazu genötigt mit dem PKW zu fahren. Der ÖPNV ist in der Fläche in so unverschämter Weise ausgedünnt worden, dass es an Werktagen ein beschränktes Angebot an Busverbindungen, an den Wochenenden kaum oder garnicht und in den Abendstunden so gut wie keine Busverbindung angeboten werden.

  15. 14.

    Streit u Debatte sind von gestern. Das autonome Fahren der kommenden Automobile wird hier erhebliche sachliche Folgen zeitigen. Die dann Alten können aufatmen.

  16. 13.

    Hat sich denn schon einmal jemand darüber Gedanken gemacht, wie ältere Pendler bis zum Renteneintritt mit aktuell 67 Jahren zu ihrer Arbeitsstelle kommen? Einen Rentner im Auto habe ich jedenfalls noch nicht rauchend und mit Smartphone in der Hand und ohne zu blinken um die Kurve fahren sehen. Jüngere Fahrer, auch Frauen, schon öfter. Man kann hinsichtlich der Unfallhäufigkeit nicht nur immer auf die ältere Generation zeigen. Und was ich ganz schlimm finde, ist die Gesetzeslücke, dass Besoffenen und bekiffte Unfallfahrer durch Anwälte und Gerichte noch geschützt sind. Die doppelte Strafe wäre hier anzuwenden. Der Leser versteht schon, wiei ch das meine.

  17. 11.

    Zitat: "Wer die Fahrkünste anderer bezweifelt und sich sorgt, sollte behutsam das Gespräch suchen."
    Wie weltfremd ist denn dieser Vorschlag? Steige ich dann an jeder Ampel oder im Stau aus und latsche zu dem Nichtskönner (meistens rücksichtslose Nichtblinkende!) hin?

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