Radfahrer überquert mit Victory-Zeichen die Allende-Brücke (Quelle: rbb/Pudwell)
Video: Abendschau | 22.11.2019 | Tobias Schmutzler | Bild: rbb/Pudwell

Erstes Teilstück freigegeben - Der Verkehr rollt wieder über die Köpenicker Allende-Brücke

Schon vor 20 Jahren war klar: Die Allende-Brücke ist marode. Anfang dieses Jahres ging dann nichts mehr auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung in Köpenick. Endlich wurde gebaut. Und seit Freitag rollt der Verkehr wieder über die Brücke - zumindest über ein Teilstück. Von Thomas Rautenberg

Karlheinz Wolf ist gekommen, um noch einen Blick auf die gesperrte Allende-Brücke zu werfen, bevor am Freitag ab 16 Uhr der Verkehr wieder rollen darf.

Zehn Monate Stillstand hat der Köpenicker erlebt und im Stau auf den Umleitungsstraßen gestanden. Jeder wusste, dass die alte Brücke bröckelt, sagt Wolf. Trotzdem wurde von den Verantwortlichen auf Zeit gespielt – da kriege er immer noch Puls: "Ich fahre hier lang. Ich stehe im Stau. Ich brauche eine halbe Stunde länger. Das betrifft alle, die in diesem Kiezbereich wohnen."

1981 wurde die Allende-Brücke als wichtige Nord-Süd-Verbindung in Köpenick gebaut. Zuletzt nutzten täglich etwa 30.000 Fahrzeuge die Überfahrt über die Müggelspree. Vor 20 Jahren kam dann die schlechte Nachricht: Der sogenannte Betonkrebs machte sich im Bauwerk breit – eine chemische Reaktion der Baustoffe, die unweigerlich zur Zerstörung des Brücke führt. Ein Ersatz musste her, soviel war klar. Doch Berlin war knapp bei Kasse.

Abriss und Neubau wurden viel teurer

2014 wurde zunächst der westliche Brückenteil gesperrt. Breite Risse hatten sich aufgetan. Nach jahrelangem Hin und Her stellte der Senat endlich knapp 16 Millionen Euro für Abriss und Neubau der Brücke bereit. Doch dafür wollte keine Baufirma den Auftrag übernehmen. Also neu kalkulieren und europaweit ausschreiben! Mit 37 Millionen Euro war das Projekt inzwischen mehr als doppelt so teuer geworden, sagt Kathrin Vietzke. Sie ist Leiterin des Projektmanagements in der Senatsverkehrsverwaltung und damit zuständig für alle Berliner Brücken: "Wenn etwas mehr kostet als vom Parlament genehmigt, dann muss man das Parlament schon noch mal fragen: Wollt ihr das wirklich? Ist das Geld da? Diese Fragen muss man im parlamentarischen Raum diskutieren. Man kann dann nicht einfach beauftragen."

Die Zeit ging ins Land. 2018 wurde der erste Brückenteil abgerissen. Der gesamte Verkehr zwängte sich da schon seit vier Jahren über die andere, die östliche Brückenhälfte. Mitte Januar dieses Jahres machte auch dieser Teil der Brücke schlapp: "Wenn man sich die Fahrbahn als Platte vorstellt, hat sich die gesamte Brücke quasi verdreht. Sie hat sich auf der rechten Seite gehoben und auf der linken Seite gesetzt. So sind Verdrehungen entstanden, für die dieses Bauwerk nicht bemessen worden ist."

Dann kam der sprichwörtliche Blackout

Die Vollsperrung traf die Köpenicker ins Mark. Von da an ging nichts mehr auf den ohnehin überfüllten Straßen. Der Frustpegel stieg. Vier Wochen später im Februar kam der sprichwörtliche Blackout: Bei Bauarbeiten an der Brücke traf ein Bohrer die Hauptstromkabel für Köpenick. 31.500 Haushalte und knapp 2.000 Gewerbebetriebe saßen anderthalb Tage ohne Strom da. Auch Kathrin Viezke dachte, sie treffe der Schlag. Der ohnehin enge Zeitplan drohte völlig durcheinander zu geraten: "Ich habe gedacht: Nicht schon wieder! Auf dieser Baustelle bleibt uns auch echt nichts erspart. Dass es so lange dauern und so viele Betroffenheiten auslösen würde, haben wir uns im ersten Moment nicht vorstellen können."

Dennoch sind die Bauarbeiter sechs Wochen vor der Zeit mit dem ersten Brückenteil fertig geworden. Für die Köpenicker wird sich jetzt vieles entspannen. Allerdings geht die Bauerei noch weiter: Nun muss die östliche Überfahrt der Allende-Brücke abgerissen und neu errichtet werden.

Sendung: rbb 88,8, 22.11.2019, 9:50 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

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13 Kommentare

  1. 12.

    Huch, ne halbe Stunde eher daheim als sonst, was fange ich jetzt bloß mit meiner Freizeit an ;-)
    Und vor mir war ein Rettungswagen, der vielleicht einen Friedrichshagener Schlaganfallpatienten jetzt 10 min eher ins Krankenhaus bringen kann.....

  2. 11.

    Ein Busfahrer hält sich grundsätzlich an die Regeln, wenn er sich am Ende einer Busspur in den weiter führenden Fahrstreifen einfädelt.

    Wenn in diesem Bus dann 40 Fahrgäste sitzen, dann ist der Bus vielleicht 12-18 m lang, 40 Leute auf PKW wären 150-200m lang.

    Ihrer Ansicht nach sollte sich der ÖPNV dem Individuellen Verkehr unterwerfen. Ich halte das für fragwürdig, wenn nicht grundlegend falsch.

  3. 10.

    .. einer von den beiden Radfahrern macht was falsch... schlechtes Symbol .. was hier auf die Radfahrer geworfen wird..

  4. 9.

    Es könnten mehr Straßenbahnen fahren. Bürgermeister Igel wollte sich ja dafür einsetzen. Allerdings: wenn die im Stau stehen, bringt es auch nichts. Ansonste: volle Zustimmung für Martin (5).

  5. 8.

    Dem ist fast nichts mehr hinzufügen. Nur wie soll der ÖPNV z.B. in der Wendenschlossstr. oder in der Grünauer Str./ Regatta Str. verbessert werden? Es fehlt doch schlichtweg der Platz. Die Strassen können ja nicht verbreitert werden.

  6. 7.

    Wenn sich Busse und Straßenbahnen an Verkehrsregeln hielten, wie es JEDER Verkehrsteilnehmer muss, nicht die Grünphasen zerschössen, Rad und Busspuren nicht die Kapazitäten raubten, dann gäbe es viel weniger Staus.
    Man kann doch nicht dem einen bei jeder sich bietenden Gelegenheit Steine in den Weg legen und ihn dann für die daraus resultierenden Probleme verantwortlich machen, während man dem anderen Sonderrechte zum Nachteil der anderen einräumt und ihn dafür feiert, dass er so toll funktioniert.
    Ich sehe zwar einen Bus mit 20 bis 30 Fahrgästen, der sich am Ende der Busspur reindrängelt oder die Grünphase zerschießt, mit 40 km/h dahinschleicht, an den Haltestellen meist alle Verkehrsteilnehmer zum Stillstand verdonnert. Aber ich sehe auch 40 Personen in Autos, die an den nächsten 2 Ampeln das nachsehen haben. Und im Verlauf 80 Weitere Autos die darunter leiden müssen, dass diese 40 noch nicht längst weg sind.
    ÖPNV raubte mir 1 Stunde täglich wenn ich ihn nutzte. Ohne trotzdem 30.

  7. 6.

    das sind ja endlich nach der langen Stauzeit einmal gute Nachrichten, wenn man bedenkt, dass die Vollsperrung sich nicht nur auf Treptow / Köpenick ausgewirkt hatte, sondern auch noch weit darüber hinaus. Aber wie bereits von Vorrednern angedeutet ist dies ja nicht das Ende der Bauerei... bleibt auch abzuwarten, was beispielsweise mit der Behelfsschlossbrücke passieren wird, wobei nach 24 Jahren das Wort nicht mehr ganz so angebracht erscheint.
    abschliessend wäre es jetzt toll, wenn die heissgeliebte provisorische Busspur auf der Müggelheimer Str. stadteinwärts auch zeitnah wieder verschwindet

  8. 5.

    Auf das Auto zu verzichten, ist in einem Bezirk wie unserem schwierig. Viele Wege führen ins benachbarte Bundesland. Der ÖPNV ist in jede Richtung ungenügend und teuer. Von Müggelheim nach Friedrichshagen dauert es mit den Öffentlichen dreimal solange. Da die wohnortnahe Versorgung mit Kita, Schulen, Ärzten usw. nicht gegeben ist, bleibt alternativ aus genannten Gründen nur das eigene Auto. Die Verdichtung des Wohnraums wird ihr übriges tun, da die Infrastruktur weder verbessert wird, noch mitwächst. Die Bewohner der "autoarm" geplanten Quartiere werden nicht auf ihr Auto verzichten, wenn Wege unverhältnismäßig viel Zeit kosten und wenig Komfort bieten. In anderen Städten der Welt gibt es gute Lösungen. Berlin feiert die Eröffnung einer zweispurigen Brücke als wäre es eine technische Sensation. Für Berlin ist es das wohl auch, aber global gesehen bleibt es beschämend.
    Seien wir dankbar und verlieren wir nicht die Hoffnung.

  9. 4.

    Sie haben Recht und gerade auch, weil in den kommenden Jahren noch Tausende von Wohnungen im Bezirk gebaut werden sollen und demzufolge noch mehr Fahrzeuge dazu kommen werden. Der ÖPNV ist leider auch nicht unbedingt besser, unzuverlässig und zu wenig Kapazitäten.

  10. 3.

    Prinzipiell geht es mit den Staus in Köpenick immer weiter. Nach der Baustelle Seelenbinderstr. kommt die Bahnhofstraße für Monate dran. Und die Lange Brücke und die Pyramidenbrücke (Lindenstraße/ Alte Försterei) müssen auch komplett demnächst erneuert werden. Die üblichen Staus, gegen die nichts hilft außer Verzicht aufs eigene Auto, verlagern sich nur an andere Orte.

  11. 1.

    Das sind doch mal gute Nachrichten. Allerdings hat sich in den Bericht der Fehlerteufel eingeschlichen. Im letzten Satz wird geschrieben, dass die westliche Überfahrt abgerissen werden müsse. Die weiteren Arbeiten betreffen aber (hoffentlich) den östlichen Teil der Brücke ;-)

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