Symbolbild: Vermummte Beamte einer Spezialeinheit der Polizei bringen im November 2019 einen terrorverdächtigen Mann zur Haftvorführung am Gericht. (Quelle: dpa/Boris Roessler)
Video: Abendschau | 19.11.2019 | Rainer Unruh | Bild: dpa/Boris Roessler

Chemikalien für Bombenbau gekauft - Terrorverdächtiger in Berlin verhaftet

Ein 26-Jähriger ist am Dienstag in Berlin wegen Terrorverdachts verhaftet worden. Der Mann soll Chemikalien zum Bau von Bomben gekauft haben, hieß es von der Bundesanwaltschaft. In Chatgruppen soll er sich auch über Bombenbau ausgetauscht haben.

Ein 26-jähriger Syrer ist am Dienstagvormittag in seiner Berliner Wohnung verhaftet worden, weil er eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet haben soll. Das teilten die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin-Tiergarten und die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Mit der Verhaftung sei auch begonnen worden, die Wohnung des Mannes zu durchsuchen, hieß es. Der Verdächtige werde dem radikal-islamistischem Spektrum zugeordnet.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) bestätigte dem rbb, dass der Beschuldigte in der Stadt wohnt. "Er war Beschäftigter des Bode Museums und als dieses Arbeitsverhältnis beendet wurde, war er seit 2. September Reinigungskraft in einer Berliner Grundschule."

In Chatgruppe über Bombenbau informiert

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann vor, er habe geplant, "zu einem nicht bekannten Zeitpunkt an einem unbekannten Ort in Deutschland" eine Bombe zünden zu wollen, "um eine möglichst große Anzahl an Menschen zu töten und zu verletzen". Im August und September habe er bereits Chemikalien gekauft, die zur Herstellung des hochexplosivnr Sprengstoffs Triacetontriperoxid (TATP) benötigt werden.

Außerdem sei er seit Januar Teil einer Chatgruppe auf einem Messenger-Dienst gewesen, in dem verschiedene Anleitungen getauscht wurden - etwa zum Bau von Bomben, Türfallen oder zum Beschaffen von Schusswaffen. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios war der Mann bereits vor Monaten ins Visier der Ermittler geraten. Die ersten Hinweise kamen demnach von einem Geheimdienst aus dem Ausland an das Bundesamt für Verfassungsschutz. "Die deutschen Sicherheitsbehörden dürfen in Messengerdiensten nicht mitlesen, deswegen sind wir auf befreundete Nachrichtendienste angewiesen", so Geisel zum rbb. Der Zugriff erfolgte durch Spezialeinsatzkräfte der (Grenzschutzgruppe) GSG 9.

Der Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des Mannes ist nach Justizangaben bereits am 5. November vom Bundesgerichtshof erteilt worden. Der Haftbefehl wurde vom Berliner Amtsgericht in Tiergarten erlassen. "Die heutige Durchsuchungsmaßnahme dient dazu, die bestehenden Verdachtsmomente zu objektivieren", so die Bundesanwaltschaft.

TATP im Nahen Osten als "Mutter des Satans" bekannt

Der Sprengstoff Triacetontriperoxid (TATP) lässt sich mit sehr einfachen Mitteln herstellen, ist billig und hat eine hohe Wucht. Das alles macht ihn attraktiv für Terroristen. Die Hauptzutaten können Nagellackentferner und Haarbleichmittel sein. Im Nahen Osten ist TATP auch bekannt als "Mutter des Satans". Benutzt wurde es unter anderem bei den Terroranschlägen in Paris 2015.

Benjamin Jendro, Berliner Sprecher der Gewerkschaft der Berliner Polizei, wies darauf hin, dass Einsätze mit Terrorzusammenhang eine besondere psychische Belastung für Polizisten darstellten. "Wir werden nicht jeden Terroristen von seinen Plänen abhalten können, weil wir niemanden nachweislich beim Bombenbasteln erwischen werden", teilte er mit. "Der aktuelle Fall zeigt aber, dass die Sicherheitsbehörden wachsam und handlungsfähig sind."

Hinweis: Erste Pressemitteilungen zu dem Fall enthielten die Information, dass der Verdächtige 37 Jahre alt ist. Später wurde dies korrigiert. Wir haben den Text entsprechend geändert.

Sendung: Inforadio, 19.11.2019, 11.20 Uhr

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13 Kommentare

  1. 13.

    Ich glaube mit Naivität hat das nichts zu tun, da ja nicht alle per se Terroristen sind. Es ist eher eine Feststellung, das man mit einer rationalen Denkweise bei diesen Menschen an seine Grenzen stößt. Warum das so ist, hat sicherlich auch mit einem völlig eingeschränkten Weltbild zu tun. Und das ist natürlich hochgefährlich für die Gesellschaft.

  2. 11.

    @Nis Randers: ich glaube nicht, dass diese/solche Typen herkamen, um in Frieden zu leben, sondern ganz im Gegenteil, um Unfrieden zu stiften.

  3. 10.

    Na warten wir mal ab. Ich empfehle derweil das Feature "Ein Käfig voller Enten" zur Geschichte der gerne angeführten Sauerlandzelle. Dort wird das zweifelhafte Thema TATP auch behandelt.

    https://www.deutschlandfunkkultur.de/ein-kaefig-voller-enten.3720.de.html?dram:article_id=190154

  4. 9.

    “Der Zugriff erfolgte durch Spezialeinsatzkräfte des GSG 9.”

    Es ist die GSG9, nicht der oder das GSG9.

  5. 8.

    "Ist für mich unbegreiflich, warum Menschen die hier in Frieden leben könnten, sich dagegen wenden."

    Genau diese völlig weltfremde Naivität ist ja das Problem. Es gibt seit vielen Jahren zahlreiche Menschen, die darauf hinweisen. Die überwältigende Mehrheit von ihnen wird umgehend als "rechts" diffamiert umd somit der Diskussion verwiesen, weil "rechts" nicht als legitimer Standpunkt gilt. Wichtiger als diese Diskussion scheint zu sein, dass man die Illusion aufrechterhält, dass Menschen im Grunde "gut" sind, und dementsprechend nur gute Absichten haben können.

  6. 7.

    " Schon vor Monaten sei er ins Visier der Ermittler geraten"
    Und trotzdem hat man ihn in einer Grundschule arbeiten lassen ???
    Ich kann das alles nicht verstehen......

  7. 6.

    Syrer...immer wieder Syrer. Ist für mich unbegreiflich, warum Menschen die hier in Frieden leben könnten, sich dagegen wenden. Und sozusagen das ausüben, wo vor sie eigentlich geflohen sind.

  8. 5.

    @Martin:
    Wasserstoffperoxid steht aber in der Liste zum Grundstoffüberwachungsgesetz.
    Wörtlich heißt es da: ">12 Gew.-% Abgabeverbot an private Endverbraucher". Und verdächtige Transaktionen und Diebstahl sind meldepflichtig.

    Eine Privatperson kann also gar keine konzentrierte Wasserstoffperoxid-Lösung mehr kaufen. Mit 12% kann man sich nicht mal mehr ordentlich die Haare blondieren. Bomben bauen schon gar nicht.

  9. 4.

    @Matze: 50%iges Wasserstoffperoxid kann man in jedem Chemikalienhandel sich frei bestellen, wie alle anderen Chemikalien auch. Es gibt nur eine kleine Liste an Chemikalien, die nicht einfach bestellbar sind, die sind im Grundstoffüberwachungsgesetz gelistet.

  10. 3.

    Nagellackentferner (Aceton) und Haarbleichmittel (hier gemeint: Wasserstoffperoxyd H2O2) wären die Grundstoffe, aber in hochreiner Form. 30%iges Wasserstoffperoxyd gibt es aber schon länger nicht mehr frei zu kaufen. Insofern wäre ja interessant, ob der Typ zu dumm war und ungeeignete Chemikalien kaufte oder ob er Hinterfrauen hatte, die ihm aus der Industrie das Zeug in reiner Qualität und größeren Mengen besorgt haben.

  11. 2.

    Entweder gleich abschieben oder für immer wegsperren.

  12. 1.

    Gut das man ihn aus dem Verkehr gezogen hat, weiter so.

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