In Berlin-Hohenschönhausen steht eine Reihe kahler Platanen in Februar 2019 (Bild: dpa/Peter Zimmermann)
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Video: rbb|24 | 27.11.2019 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Peter Zimmermann

Waldzustandsbericht 2019 - Nur jeder zehnte Baum im Berliner Wald ist ganz gesund

Der Zustand des Berliner Waldes hat sich deutlich verschlechtert. Wie ein aktueller Bericht zeigt, weisen neun von zehn Bäumen Schäden auf. Schuld daran ist vor allem die extreme Trockenheit der vergangenen Sommer.

Die vergangenen beiden Hitzesommer haben Berlins Wäldern massiv zugesetzt: Neun von zehn Waldbäume zeigten Schäden durch extreme Trockenheit, heißt es im Waldzustandsbericht, den Umweltsenatorin Regine Günther am Mittwoch vorstellte. Die Grünen-Politikerin nannte das eine "kritische Lage". Der Wald als Frischluftversorger und Erholungsraum sei stark gefährdet. Um gegenzusteuern, sollten mehr Bäume gepflanzt und ökologisch bewirtschaftet werden.

In Berlin sind rund 16.000 Hektar des Stadtgebiets mit Wald bedeckt. Das sind etwa 18 Prozent der Fläche der Hauptstadt. "Die Bestandsaufnahme ist alarmierend", sagte Günther. Fast 59 Prozent der Eichen und 23 Prozent der Kiefern zeigten bei Stichproben gravierende Schäden. Das waren deutlich mehr als im Vorjahr, als bei Buchen 39 Prozent und bei Kiefern 6 Prozent Schäden registriert wurden.

Schlechte Wasserversorgung im Boden

"Das war ein Absturz im zweiten Dürrejahr", sagte Elmar Lakenberg, Leiter der Berliner Forsten. "Seit Beginn der Zeitreihen-Messung im Jahr 1950 hatten wir keine schlechtere Wasserversorgung im Boden." Zwei solche Dürresommer hintereinander habe es seitdem nicht gegeben.

Trotz bis zu 15 Meter tiefer Wurzeln bekamen viele Berliner Laubbäume bis Ende August nicht genug Wasser und reagierten mit Laub- und Astabwurf. Rund 60 Prozent haben nun hohe Schadstufen. Nadelbäume, die sich über mehrere Jahre regenerieren, hatten es etwas leichter, nahmen aber auch zu fast 23 Prozent Schaden. Für zwei Prozent der Bäume, die für den Bericht genau beobachtet wurden, kam der Regen im Herbst zu spät. Sie starben ab.

Zwischen 2003 und 2005 bereits große Trockenheit

Inwieweit sich die Wälder wieder regenerieren können, hängt vom Wetter der kommenden Jahre ab. Bereits zwischen 2003 und 2005 litten Berlins Bäume unter großer Trockenheit, anschließend verbesserten sich die Werte durch mehr regelmäßigen Niederschlag.

Günther kündigte an, dass in diesem Herbst 335.000 neue Laubbäume in Berlins Wäldern gepflanzt werden sollen - rund 80.000 mehr als üblich. Es sollten weiter heimische Arten wie Eichen, Linden, Feldahorn und Haselnuss sein. Bei Eichen greifen die Förster dabei aber auch schon auf Saatgut aus Rumänien zurück. Denn Bäume von dort könnten bei gleicher Frosttoleranz Hitze besser aushalten. Bäume aus dem Mittelmeerraum bekämen dagegen in kalten Berliner Wintern Probleme.

Neue Stellen geplant

Ziel sind vielfältige, naturnahe und laubholzreiche Berliner Mischwälder, die ökologisch bewirtschaftet werden sollen. Sie gelten Hitze und Trockenheit gegenüber als widerstandsfähiger. Für 2020/2021 stehen mit 32 Millionen Euro für Berlins Wälder rund fünf Millionen Euro mehr zur Verfügung als bisher. Damit würden unter anderem 16 neue Stellen sowie vier Ausbildungsstellen bei den Berliner Forsten finanziert, sagte Günther in der rbb-Abendschau. Es soll auch mehr Wege und Brunnen geben, um Waldbrände schneller löschen zu können. Um den Klimawandel aufzuhalten, helfe aber nur eine konsequente Reduktion von Kohlendioxid in der Atmosphäre. Auch dazu müsse Berlin seinen Beitrag leisten.

Berlin beobachtet die Gesundheit seiner Wälder seit 1991 mit einem Stichproben-Netz. Im Sommer werden dafür rund 1.000 Bäume kontrolliert.

Sendung: Inforadio, 27.11.2019, 12 Uhr

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8 Kommentare

  1. 7.

    Jepp!
    Und so blöd ist Bäume gießen als Arbeit doch auch wieder nicht, dass man sagen kann, die ALG Empfänger würden nur SCH...Jobs bekommen.

  2. 5.

    Ich habe als Ehrenamtler unserer Genossenschaft die Wasserversorgung der Bäume und Grünflächen unserer Wohnanlage sehr gerne übernommen :-)
    Vorher habe ich Wasser aus meiner Wohnung dafür genutzt - jetzt geht's über die Gemeinschaft und alle haben etwas davon.
    Ich finde es gut und wichtig, einen kleinen Beitrag zu leisten. Es ist traurig genug, dass die Senatsverwaltung nur appelliert, aber Gelder einspart und gefühlt nur für Touris bereithält, um denen eine Infrastruktur zu bieten, aber die wichtigen Dinge einfach verkommen zu lassen.

  3. 4.

    Dass es den Berliner Bäumen schlecht geht, hat man ja nicht zuletzt auch an dem tragischen Unfall auf dem Hüttenweg vor ein paar Wochen erkennen müssen, der tragischerweise tödlich endete. Hoffentlich wird ein Teil der neuen Stellen auch zur Baumpflege, insbesondere der Zustandsprüfung verwendet, damit sich so etwas möglichst nicht wiederholt!

  4. 3.

    Wieviele Arbeitnehmer*innen und HartzIV-Empfänger*innen sind ganz gesund?

  5. 2.

    Ich habe gelesen, daß Berliner Bürger für die Bäume Patenschaften übernehmen sollten, d.h. regelmäßig einen Baum gießen, wenn es nicht regnet. - Die deutschen Bürger, 48 Prozent an der Zahl sind eh schon ehrenamtlich tätig in Sportvereinen, Feuerwehr, Kirchen, Sozialverbänden etc. , aber anscheinend ist dies unseren Politikern immer noch zu wenig. Wenn alle von heute auf morgen nichts mehr ehrenamtlich tun würden, würde unser ganzes System zusammenbrechen.

  6. 1.

    Es ist noch nicht all zu lange her, da gab es Wassertankwagen in Berlin, die bei großer Hitze die Bäume in der Stadt gegossen haben. In den letzten Jahren habe ich nie einen gesehen.
    Das wäre billiger und besser gewesen als nun wohmöglich neue Bäume zu Pflanzen.
    Und das bei einem grünen Senat.

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