Massenbesichtigung einer Berliner Wohnung in Schöneberg im November 2019. (Quelle: rbb/Arndt Breitfeld)
Video: Abendschau / rbb|24 | 24.11.2019 | A. Breitfeld, M. Panek | Bild: rbb/Arndt Breitfeld

Wohnungssuche in Berlin-Schöneberg - Zwei Zimmer, 550 Euro warm, 1.749 Interessenten

Fast 1.800 Interessenten nach zwölf Stunden. Die Anzeige eines Berliner Hausverwalters hat einen Ansturm auf eine freie Mietwohnung in Schöneberg ausgelöst. Ein krasses Beispiel, das die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt veranschaulicht. Von Milan Panek

Ein Wohnungsinserat aus Berlin-Schöneberg hat am Sonntag zu einer Massenbesichtigung geführt. Mehrere Hundert Menschen kamen in die Meininger Straße in der Nähe des Schöneberger Rathauses, um sich eine Zwei-Zimmer-Wohnung anzugucken.

Sie liegt im dritten Stock eines Hauses aus den 1950er Jahren. Die zwei Zimmer auf einer Fläche von insgesamt 54 Quadratmetern werden für eine Warmmiete von 550 Euro angeboten.

Um die Massen in Schach zu halten und eine Panik im Treppenhaus zu vermeiden, gab der Hausverwalter Anweisungen über ein Megaphon. Nur Gruppen von etwa 20 bis 30 Personen sollten auf einmal ins Haus gelassen werden.

Suchende werfen Verwalter Unmenschlichkeit vor

Mehrere Besucher kritisierten das Vorgehen das Hausverwalters. So empfand es eine junge Frau als unmenschlich, so viele Menschen auf einmal einzuladen. "Irgendwie ist das auch provokativ, finde ich. Ich weiß gar nicht, ob ich da reingehen soll. Letztendlich bleibt einem nichts anderes übrig." Eine andere Interessentin bezeichnete die Situation als "Katastrophe". Das spiegele "aber wirklich das aktuelle Bild total wider, was Wohnungssuche in Berlin bedeutet. Das ist kein Einzelfall".

Der Hausverwalter Rolf Harms rechtfertigte die Entscheidung, Hunderte Interessenten auf einen Schlag kommen zu lassen. Es sei eine Vorauswahl getroffen worden. Keine Chance hätten solche Bewerber gehabt, die nur eine Zweitwohnung suchen oder ein hohes Einkommen haben. "Alles, was über 5.000 Euro netto war, haben wir nicht eingeladen", so Harms. Beispielsweise nur die ersten 30 Interessenten einzuladen sei für ihn keine Option gewesen, weil diese "dann vielleicht gar nicht mehr aktuell sind". Seine Befürchtung: Dann kämen am Ende zu wenige zur Besichtigung.

In anderthalb Wochen soll die Entscheidung fallen, wer die Wohnung mit Blick aufs Rathaus Schöneberg bekommt.

Sendung: Abendschau, 24.11.2019, 19:30 Uhr

Beitrag von Milan Panek

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52 Kommentare

  1. 52.

    na, was war denn falsch? Pauschal mal eine Aussage runtermachen ist einfach. Ihren Hinweis auf Tante Google gebe ich zurück

  2. 51.

    Zieht ins Umland...45 Min. Fahrt nach Berlin ist wie von A nach B in Berlin und da fährt man länger mit der Bahn.
    Und die Mieten sind billig und wird auch nicht so eine Schufa verlangt! Zum großen Teil kommt es zu gute und raus aus der Großstadt!
    Kann ich von mir persönlich sagen und freue mich diesen Schritt gemacht zu haben!

  3. 49.

    Hallo ich verstehe das Gejammer der Stadtkinder nicht. Kommt in die Lausitz hier stehen genug Wohnungen leer! Hier werden sogar gute leerstehende Häuser abgerissen!
    Vernünftige Arbeit gibt es zwar hier nicht aber dafür Kohleausstieg! Das muss doch Anreiz sein!

  4. 48.

    Sagen Sie mal, googeln können Sie doch schon selbst, oder??? Bevor man etwas als "falsch" brandmarkt, überprüft man es. Ansonsten muss ich davon ausgehen, dass Sie hier einfach nur rumtuten wolllen, weil Sie aus irgendwelchen Gründen (die mich übrigens kein bisschen interessieren) die Realität nicht anerkennen wollen.

  5. 47.

    "Prekär heißt, keine festen Arbeitsverträge. " Wo haben Sie denn diese Aussage her? Sie ist falsch. Übrigens gibt es zB im Medienbereich ganz viele Menschen ohne festen Vertrag. Rechenen Sie die auch dem Prekariat zu? Die Moderatoren zb der Abendschau würden sich bestimmt bedanken für diese Klassifizierung ;-)

  6. 45.

    Den Grund warum Vermieter für die Lebensverhältnisse ihrer Mieter haften konnten sie mir irgendwie nicht vermitteln.

  7. 44.

    Wer oder was auch immer. Aber warum soll der Vermieter dafür gerade stehen?
    Es gibt öffentliche Wohnungen und Genossenschaften. Das diese nicht genug sind, ist auch nicht die Schuld der Vermieter. Wenden Sie sich an die richtigen Stellen, mit den richtigen Forderungen. Dazu gehören auch Gewerkschaften.
    Der Vermieter kann doch nicht alles ausbügeln, womit Sie bei anderen gegen die Wand laufen. Zahlt der Arbeitgeber keinen guten Lohn, dann nehme ich es mir einfach beim Vermieter. Dann könnte ich ja auch Morgen bei Ihnen vorbei kommen und mir nach Lust und Laune nehmen was ich gerne hätte oder für die Produkte Ihres Arbeitgebers nur noch das bezahlen, was ich angemessen finde. Merken Sie eigentlich, was Sie für eine selbstherrliche Einstellung haben.

  8. 43.

    Wie wäre es mit richtig lesen? Ich habeüberhaupt nichts davon geschrieben, dass ich überhaupt befristete Arbeitsverträge bekommen hätte. Aber es gibt dennoch genügend Menschen, denen das leider so geht. Und nein, auch vor 20 Jahren hätte ich mir mit meinem Gehalt niemals eine Wohnung leisten können. Auf was für einem hohen Ross sitzen Sie eigentlich? Es gibt genügend Arbeitsstellen, die weit unter Tarif entlohnt werden. Und die Menschen, die dort arbeiten, können sich nicht alle was besser Bezahltes suchen.

  9. 42.

    Meine Güte, da hat ja wieder jemand den totalen Durchblick .... Prekär heißt, keine festen Arbeitsverträge. Freelancer, Franchiser, Subunternehmer, Geringverdiener, Alleinerziehende etc pp. - sie alle leben prekär. Das betrifft immer mehr Menschen, Leute wie du und ich. nicht wie Sie, versteht sich.

  10. 41.

    Wie sagte Gorbatschow: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."
    Und wer sich nicht kümmert, den bestraft es auch. Also hört mal auf mit eurem Gejammer und dem soziale Hängematte Anspruchsdenken.
    Wo wart ihr, als man Plattenbauten zurück gebaut oder abgerissen hat? Wo war euer Protest als die Mieten im Keller waren. Wo wart ihr, als niemand in XBerg wohnen wollte, wegen der Türken, oder im Wedding?
    Zieht doch in die städtischen Buden und wenn die nicht reichen, dann geht denen auf den Keks und wählt andere Politik, die mehr billige Wohnungen bauen. Es liegt nicht am Preis sondern am Mangel.

  11. 40.

    Also Entschuldigung, weil Sie nur befristete Arbeitsverträge bekommen, können Sie das nicht den Vermietern anlasten. Das ist sorry aber Ihr Problem. Da müssen sie sich mit DIESEM Problem an die Politik wenden oder an ihre Gewerkschaft (Sie sind doch in einer Gewerkschaft?) oder sich weiter bilden. Und nicht ihre Probleme mit anderen einfach auf Vermieter abwälzen.
    Und warum haben Sie nicht vor 20 Jahren eine Wohnung gekauft, als die Preise radikal tiefer waren. Also sorry, ich höre immer nur Ausreden und Schuld auf andere schieben.
    Heute sind zwar die Wohnungen teurer, wie auch alles Andere inklusive Gehälter, aber auch die Kredite wesentlich billiger. Ich will mal so dreist sein und sagen, dass sich das fast gegenseitig aufhebt. Dazu die hohen Mieten. Ich zahle 0,37% statt 10 oder 11% vor 20 Jahren. Ihr wisst nicht wie es geht, DAS ist euer Nachteil und dafür sollen die Vermieter bluten.

  12. 39.

    Der Innenstadtbereich ist nicht NUR besser verdienenden vorbehalten, das ist reine Hetze. Wie man in dem Beitrag sieht gibt es neben Genossenschaften und öffentlichen Gesellschaften auch private Wohnungen die günstig sind. Weniger verdienende können nicht die ganze Stadt für sich reklamieren und für ihren eigenen Vorteil gut ausgebildeten Fachkräften das Leben in der Stadt verwehren, die als Fachkräfte mit ihrem rechtmäßigem, gutem Verdienst etwas mehr haben möchten als Durchschnitt.
    Sie sprechen ja von Unterwanderung. Ist es nicht richtig, dass ganz Berlin von zuziehenden Schwaben, Hipstern und Linksökos unterwandert ist, die bei Wahlen die politische Führung ausgetauscht haben. Nun haben wir den Salat. 57% Nicht Berliner sind 57% Gentrifizierer, die Berliner verdrängt haben. Die einen drängen in die Städte und die anderen in die Innenstädte. Das ist quasi das gleiche. Die 57% sollten sich mal an die eigene Nase fassen.

  13. 38.

    "Mit den prekär Beschäftigten, den Kreativen, Studierenden usw., die gerade für den Charme, das Flair so vieler Berliner Kieze sorgen..." Echt? Das Prekariat sorgt für Flair? Eher für Unrat Verwahrlosung. Ungepflegte und schlecht sanierte Häuser gehören abgeschafft. Soll doch jeder mal arbeiten gehen, dann kann er sich auch die Wohnung leisten, die er haben will. Diese Sozialgetue ist kontraproduktiv.

  14. 36.

    Mit dem Mietendeckel werden sie es schaffen, die Zahl der Interessenten für solche Wohnungen auf 3000 hochzukatapultieren.
    Es wird dann die Zeit der grauen und schwarzen Märkte wiederkommen, mit bis zu 20.000 Schmiergeldzahlung dafür, einen mietengedeckelten Mietvertrag ergattern zu können.
    Bereit jetzt sind Schwarzmakler unterwegs, die für 5000 Cash ohne Quittung die begehrte Wohnung vermitteln. Diese Preise werden weiter steigen.

  15. 34.

    Viele der Kommentar lassen auf völlige Gedankenlosigkeit schließen. Warum soll der innerstädtische Bereich nur noch Bestverdienenden vorbehalten sein? Sind wir eine vierKlassengesellschaft? Was ist mit dem Recht auf Freizügigkeit? Mit der Durchmischung der Kieze? Mit ihren gewachsenen Strukturen? Mit den prekär Beschäftigten, den Kreativen, Studierenden usw., die gerade für den Charme, das Flair so vieler Berliner Kieze sorgen und leider gerade deswegen eine Klientel anlocken, die genau dieses besondere Lebensgefühl am Ort unterwandern und mittelfristig zerstören. Immer mehr Großstädte bluten deswegen förmlich aus, es gehen keine Impulse mehr von ihnen aus. Soweit ist Berlin noch nicht. Will es lebendig bleiben, braucht es eine lebendige Innenstadt. Die gibt es aber nicht ohne Freiräume und eine bunte Mischung von Leuten.

  16. 33.

    So einfach ist das nicht, auch Mittelschichtler können in Berlin keine Wohnungen mehr kaufen, weil die Preise so immens gestiegen sind. Außerdem ist der Wohnungskauf nicht immer machbar. Wie soll man mit befristeten Arbeitsverträgen denn bitteschön noch langfristig planen? Arbeitsstellen sind heutzutage alles andere als sicher. Was ist, wenn man eine Wohnung abbezahlen muss, und dann wird einem mittendrin der Job gekündigt und das Arbeitsamt drängt zu bundesweiten Bewerbungen? Ich würde mich auf keinen Fall finanziell an langfristige Verträge ketten, das wäre mir alles viel zu heikel. Davon mal abgesehen, dass ich zu wenig verdiene, um mir eine Wohnung kaufen zu können. Und nein, ein anderer Job ist keine Lösung. Ich mache meine Arbeit gern und sie ist sinnvoll.

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