Ein Zollbeamter präsentiert Kokain aus einem großen Kokainfund (Bild: dpa)
Video: Abendschau | 11.12.2019 | Norbert Siegmund | Bild: dpa

Jahresbericht Organisierte Kriminalität - Polizei registriert "Kokainschwemme" in Berlin

Von einer "Kokainschwemme ungeahnten Ausmaßes" spricht das Berliner Landeskriminalamt anlässlich des Jahresberichts zur Organisierten Kriminalität. Insgesamt wurde gegen 460 Verdächtige ermittelt. Auffällig dabei: Rockerbanden und arabische Clans.

Kokain spielt in Berlin eine immer größere Rolle. Das stellte die Berliner Kriminalpolizei am Mittwoch bei der Präsentation eines Lagebildes zur Organisierten Kriminalität (OK) in der Hauptstadt fest.

"Wir erleben gerade bundesweit, europaweit kann man sagen, eine Kokainschwemme ungeahnten Ausmaßes", sagte der Abteilungsleiter im Landeskriminalamt (LKA) für den OK-Bereich, Sebastian Laudan. Es gehe um beschlagnahmte Koks-Mengen, "die man vor Jahren noch nicht hat glauben können". Dabei sei auch Berlin sowohl Umschlagplatz als auch Zielort von Drogenschmuggel und Drogenhandel.

Das sehr einträgliche Geschäft mit dem Kokain werde von diversen Banden, Gruppen und Ethnien betrieben, sagte Laudan. "Die Rauschgiftkriminalität ist das Schmiermittel der Organisierten Kriminalität. Das war schon vor vielen Jahren so, das wird auch in der Zukunft so sein."

Außer dem Drogenhandel ging es bei den 59 OK-Ermittlungsverfahren der Berliner Polizei vor allem um Autodiebstahl, Schmuggel- und Zolldelikte, Zwangsprostitution und Fälschungen. Insgesamt hat die Berliner Kriminalpolizei im vergangenen Jahr etwa 460 Verdächtige aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität erfasst.  

Die erfassten Schäden lagen bei insgesamt knapp 100 Millionen Euro. Der tatsächliche Schaden liege noch deutlich höher, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD). Der große Teil der Verdächtigen (63 Prozent) habe eine ausländische Staatsangehörigkeit. Von den deutschen Verdächtigen habe zudem ein deutlicher Anteil einen Migrationshintergrund.

Auffällig waren den Angaben zufolge besonders Rockerbanden, Gruppierungen aus der früheren Sowjetunion und arabischstämmige Clans. Zu den Clans will die Polizei im Frühjahr 2020 eine eigene Analyse vorstellen.

Geisel spricht von "20 einschlägigen Familien"

Die Berliner Polizei hat in den zurückliegenden Monaten den Druck auf Mitglieder krimineller Clans verstärkt. Immer wieder gab es großangelegte Razzien in Shisha-Bars, Spielkasinos und Cafés, flankiert von Verkehrskontrollen. Die Einsätze fanden in mehreren Ortsteilen statt, darunter Neukölln, Wedding, Reinickendorf und auch Steglitz und Zehlendorf.

Man habe seit Anfang des Jahres über 300 Einsätze gefahren, sagte Innensenator Geisle Ende November im ARD-Morgenmagazin. Das gehe vom Ahnden des Parkens in der zweiten Reihe bis hin zu Razzien und Finanzermittlungen. "Die gesamte Bandbreite des Rechtsstaates wird genutzt, weil der Rechtsstaat unter Druck ist", erklärte der SPD-Politiker. "Wir haben etwa 20 einschlägige Familien, von denen sind sieben bis acht intensiv kriminell", bilanzierte Geisel. Das seien insgesamt mehrere Tausend Menschen. 

Der Innensenator brachte dabei auch härtere juristische Maßnahmen ins Gespräch. Nach italienischem Vorbild solle man auch in Deutschland über die sogenannte Beweislastumkehr nachdenken. Diese würde bedeuten, dass Kriminelle, "wenn sie im Strafverfahren sind, nachweisen müssen, woher sie ihr Vermögen erworben haben", so Geisel. Italien habe damit im Kampf gegen die Mafia große Erfolge erzielt.

Berlin bundesweit auf Platz drei

Nach dem deutschlandweiten Lagebild 2018 des Bundeskriminalamtes (BKA) gab es 535 Ermittlungsverfahren der Polizeibehörden gegen Bandenkriminalität. Davon betrafen 59 Fälle Berlin. Damit lag Berlin auf dem dritten Platz hinter denen um ein Vielfaches größeren Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Zum ersten Mal enthielt das Lagebild des Bundeskriminalamtes ein eigenes Kapitel zur sogenannten Clan-Kriminalität, die vor allem von Mitgliedern arabischstämmiger Familien ausgeht, aber auch von Großfamilien, die aus dem früheren Jugoslawien und der Türkei stammen.

Sendung: Abendschau, 11.12.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

15 Kommentare

  1. 15.

    Es ist schon anmaßend was Sie hinein interpretieren. Und übrigens, es gibt nur 'Eine Welt' in der wir zusammen leben.

  2. 14.

    Nun ja, es ist schon sehr schlimm! Insbesondere scheint es ja eine sehr rege Nachfrage nach den Substanzen zu geben, ohne die sich eine solche "Schwemme" nicht erklären ließe. Mir jedenfalls ist kein Dealer bekannt, der im Görli oder sonstwo irgeneinem jungen, gut ausgebildeten young urban Professional hinterherlaufen muss, um den Stoff an diesen Mann, diese Frau zu bringen.

    Wer sich darüber aufregt, muss - wie immer im Kapitalismus - versuchen, die Nachfrage zu verhindern. Die Anbieterseite findet immer einen Weg, die Nachfrage zu befriedigen.

    Die Frage ist doch vielmehr, woher kommt diese Nachfrage? Das ist doch der Kern des Problems.

    Mit Law & Order - Sprüchen der A-tommüll f_ür D_eutschland usw. usw. wurde bisher noch kein einziger Drogentote verhindert, geschweige präventiv die aktuelle Drogennachfrage begrenzt.

    Nur, darüber wird kaum geredet - auch nicht von den Law & Order Leuten, denn denen geht es lediglich um Stimmungsmache - sie profitieren vom Dealen...

  3. 13.

    Henkel hat nicht erreicht, was er hätte erreichen könnte. Auch andere vor ihm haben sich das vorzuwerfen. Aber so oder so, es gilt jetzt nach vorn zu schauen. Zu begrüßen ist die Bereitschaft von Andreas Geisel, mal so einigermaßen aufräumen zu wollen. Denn das, was hier inzwischen alles möglich ist, ist einer europäischen Hauptstadt einfach unwürdig.

    Und auch Grüne und Linke müssen dann mal begreifen, dass ihre kunterbunten Gesellschaftsutopien nur Hand in Hand mit innerer Sicherheit zu verwirklichen sind. Friede-Freude-Eierkuchen ist eben nicht, wenn jeder alles darf und organisierte Schwerstkriminelle diese Freiheiten immer mehr gezielt für sich nutzen.

  4. 11.

    Da haben ja die „gezielten Schläge gegen die Clan-Kriminalität“ richtig Erfolg gehabt. Vielleicht sollte sich Berlin endlich mal eingestehen, dass der vermeintliche Kampf gegen Kriminelle null Wirkung hat. Von der Kuscheljustiz in Berlin mal ganz abgesehen. Jeder, der mit den Verhältnissen nur ein bisschen vertraut ist, kann die Frustration von Polizisten nachvollziehen, die die Typen bei Gericht abliefern und dann ein ums andere Mal zur Kenntnis nehmen müssen, dass sie vom Richter wieder laufen gelassen werden.

  5. 10.

    Unter Herrn Henkel wurde das Dealer-Problem auch nicht gelöst bzw. illegalen Drogen waren genauso leicht verfügbar.

  6. 9.

    Unter Sen. Inn Henkel gab es vor allem eins nicht, konsequentes Vorgehen gegen die OK. Der Herr war zu sehr mit medienwirksamen Auftritten in geräumten Häusern beschäftigt.

  7. 8.

    Der Berliner Justizsenator sorgt also dafür, dass hier eine Nachfrage an Drogen besteht, sorgt für einen reibungslosen Transport dieser Ware aus Übersee nach Europa Und Berlin, verhindert effektive Polizeiarbeit und schreibt auch noch den Richtern ihre Urteile. Was für ein Mann, der das alles schaffen kann. In ihrer einfachen Welt möchte ich nicht leben wollen.

  8. 7.

    Wer lässt denn die Dealer im Görli, Kotti oder in der U Bahn freien Lauf, Herr Geisel und Frau Herrmann. Unter Herrn Henkel von der CDU gab es keine Kuscheljustiz.

  9. 6.

    Ich möchte die wichtigste Person hierzu benennen. Justizsenator Dirk Behrendt/Grüne.

  10. 5.

    "Kein Wunder bei der Kuscheljustiz a la Innensenator Geisel sowie Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann, die den Treiben tatenlos zugesehen haben."

    Unter Innensenatur Geisel wird deutlich mehr gegen die Organisierten Kriminalität unternommen als unter seinem CDU-Vorgänger und "Law and Order"-Vertreter Henkel.

    Und die Experten sagen "Wir erleben gerade bundesweit, europaweit kann man sagen, eine Kokainschwemme ungeahnten Ausmaßes". Also ein Wunder, dass sogar eine Bezirksmeisterin an der deutschland- und europaweiten "Kokainschwemme" Schuld sein soll.

  11. 4.

    Einfach so Zeugs nicht rauchen, gut ist.

  12. 3.

    Kein Wunder bei der Kuscheljustiz a la Innensenator Geisel sowie Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann, die den Treiben tatenlos zugesehen haben. Da hilft nur die Null Toleranz Strategie.

  13. 2.

    Kampf gegen die Mafia? Umfasst das auch die Immobilienmafia? Die hier ihr Geld waschen und mit Menschenleben spekulieren?

  14. 1.

    Und das ist bestimmt erst die Spitze vom Eisberg.
    Sehr traurig was aus dieser Stadt geworden ist..

Das könnte Sie auch interessieren