Beamte der Spurensicherung sichern am 23.08.2019 in einem Faltpavillon Spuren am Tatort des Mordes an einem Tschetschenen im kleinen Tiergarten. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Audio: Inforadio | 10.12.2019 | Marcel Wagner | Bild: dpa/Christoph Soeder

Mord im Kleinen Tiergarten - Putin bezeichnet in Moabit getöteten Georgier als "Banditen"

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den in Berlin-Moabit ermordeten Georgier als einen "Banditen" bezeichnet, der selbst viele Menschen auf dem Gewissen habe. "In Berlin wurde ein Krieger getötet, der in Russland gesucht wurde, ein blutrünstiger und brutaler Mensch", sagte Putin in der Nacht zum Dienstag auf einer Pressekonferenz zum Ukraine-Gipfel in Paris, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnahm.

Der Mann habe auf der Seite von Separatisten im Kaukasus gekämpft und dort alleine bei einem Anschlag den Tod von 98 Menschen verschuldet. Zudem sei er an einem Anschlag auf die Moskauer Metro beteiligt gewesen. Im Jahr 2010 hatte es zwei Sprengstoffattacken auf die U-Bahn in der russischen Hauptstadt gegeben. Den deutschen Behörden warf Putin vor, den "Verbrecher und Mörder" trotz entsprechender Gesuche nicht ausgeliefert zu haben. Allerdings habe Russland nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen nicht um die Auslieferung des späteren Mordopfers vom Kleinen Tiergarten in Berlin gebeten. Derartige russische Ersuchen seien der Bundesregierung nicht bekannt, hieß es am Dienstag.

Putin will zwei deutsche Diplomaten ausweisen

Der 40-jährige Georgier, der in der russischen Teilrepublik Tschetschenien auf Seite der Separatisten gekämpft haben soll, war am 23. August im Kleinen Tiergarten in Berlin-Moabit von hinten erschossen worden. Der mutmaßliche Täter wurde kurz darauf gefasst, sitzt seither in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt staatliche Stellen in Russland oder in der Teilrepublik Tschetschenien, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Die Behörde hat deshalb die Ermittlungen übernommen.

Der Mord hat die deutsch-russischen Beziehungen schwer belastet. Die Bundesregierung wirft Russland fehlende Kooperation bei der Aufklärung des Falls vor und wies deshalb in der vergangenen Woche zwei russische Diplomaten aus.

Putin kündigte in Paris eine "spiegelgenaue" Reaktion an, also die Ausweisung von ebenfalls zwei Mitarbeitern der deutschen Botschaft in Moskau. Gleichzeitig zeigte er sich aber bereit, die deutschen Ermittler bei der Aufklärung des Mordes zu unterstützen. Zu den möglichen Hintergründen der Tat sagte er: "Ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist. Das ist ein verbrecherisches Umfeld. Da kann alles Mögliche passieren."

Sendung: Inforadio, 10.12.2019, 7 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

4 Kommentare

  1. 4.

    Sie werden doch nicht erwarten, dass die Behörden ihre Ermittlungsergebnisse in einem Liveticker veröffentlichen. Die zwei russischen Diplomaten wurden sicher nicht ohne Grund gebeten, das Land zu verlassen.

    Dass Merkel sich im Allgemeinen eher vorsichtig und wenig "alarmistisch" äussert, ist nun auch nichts Neues. Zumal sie an - so weit es unter den aktuellen Umständen möglich ist - guten Beziehungen zu Russland interessiert ist.

  2. 3.

    Ist überliefert, was Merkel zu Putins Vorhaltungen gegenüber Deutschland in der PK sagte?

  3. 2.

    Der russische Präsident trägt die Verantworung für vom Personal des russischen Staats begangene Taten, die mit dem Völkerrecht und dem Strafrecht betroffener Länder unvereinbar sind.

  4. 1.

    Merkel rudert in Paris zurück. Es gäbe einen Anfangsverdacht gegen russische Behörden, "nicht mehr und nicht weniger". Der Anfangsverdacht ist die allererste Stufe von Ermittlungen, Kramp-Karrenbauer sieht "schwerwiegende Beweise", ohne welche zu nennen.

    Ganz davon abgesehen, dass es im Augenblick überhaupt keine Beweise gibt, schon gar keine "schwerwiegenden", was es gibt sind Indizien.

Das könnte Sie auch interessieren

Das TLF 9.000 in Schönborn
Martin Schneider / rbb

Schönborn - Posse um Zulassung von neuem Feuerwehr-Truck

Kaum hatte die Feuerwehr in Schönborn ihren nagelneuen Lösch-Truck im Gerätehaus stehen, kam der Schock: Der Kreis Elbe-Elster wollte das Auto nicht zulassen. Angeblich ist es zu schwer. Dabei rollt ein baugleiches Fahrzeug seit kurzem durch Oberhavel. Von Sascha Erler