Berlin: Ein Obdachloser liegt unter einer Decke in einem Eingang einer Kirche in Kreuzberg. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

"Nacht der Solidariät" - Über 3.200 Freiwillige melden sich für Obdachlosenzählung

Die Meldefrist für die Ende Januar geplante Obdachlosenzählung in Berlin endet an diesem Freitag. Bisher haben sich insgesamt über 3.200 Freiwillige für die "Nacht der Solidarität" in der Senatsverwaltung für Soziales gemeldet, wie Senatorin Elke Breitenbach im Sozialausschuss am Donnerstag bekannt gab.

Demnach hätten sich am meisten Freiwillige im Bezirk Mitte (429) berufen gefühlt, gefolgt von Tempelhof-Schöneberg (324) und Friedrichshain-Kreuzberg (299). Schlusslichter bilden die Randbezirke Reinickendorf (144), Marzahn (122) und Spandau (99).

Helfer werden vor Einsatz geschult

Ende November sagte der Projektleiter Klaus-Peter Licht im rbb, alle Helfer würden bis zur Zählung im Januar regelmäßig informiert werden. So bekämen sie vor dem Einsatz jeden Freitag eine Informationsmail.

Außerdem würden sie vor dem Einsatz, der am späten Abend des 29. Januar bis zum Morgen des 30. Januar 2020 laufen soll, intensiv geschult. Die Freiwilligen würden dabei in Teams von drei Personen losgehen und von einem Teamleiter angeführt, so Licht. "Wir haben einen Verhaltenskodex, der vorsieht: Privatsphäre der Obdachlosen achten, keine Fotos machen, niemanden wecken, wir respektieren einfach die Menschen."

Gleichzeitig gelte: Die Sicherheit für die Teams gehe vor. "Falls wir auf alkoholisierte und aggressive Obdachlose treffen, dann zählen wir aus der Entfernung." Sicher könne man nicht in allen Bereichen Berlins zählen und nach Obdachlosen schauen, "gleichwohl werden unsere Zahlen akkurat sein – und bestimmt genauer als die, die wir jetzt haben", so Licht.

Anzahl der Obdachlosen bis heute unbekannt

Ziel der "Nacht der Solidarität" vom 29. zum 30. Januar 2020 ist es, erstmals Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie viele Obdachlose in Berlin tatsächlich leben [berlin.de]. Bisher weiß das niemand. Fachleute gehen davon aus, dass es mehrere Tausend sind und ihre Zahl zuletzt stetig stieg. Seit Jahrzehnten gibt es lediglich Schätzungen. Sie schwanken zwischen 6.000 und 10.000 Menschen, die in der Hauptstadt auf der Straße leben - Tendenz steigend.

Die Zählung wird in der Zeit von 22 bis etwa 1 Uhr stattfinden. Die Teilnehmer müssen mindestens 18 Jahre alt sein und sollten drei Stunden zu Fuß unterwegs sein können. 

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12 Kommentare

  1. 12.

    Hier liegt ein Missverständnis vor - nicht ich, sondern "Hai" hat Paris ins Spiel gebracht. Das allerdings auch nur in Bezug auf die Namensherkunft der Aktion und nicht auf deren evntl. Folgen bezogen.

    Und natürlich werden logischerweise alle Obdachlosen - inklu derer, die sich während der Aktion in Unterkünften befinden - gezählt. Es geht doch um die absolute Anzahl und nicht darum, wieviele sich während der Zählung im Freien aufhalten.

    Mir scheint eher Ihre Kritik an der Aktion inhaltslos und faktenarm zu sein, Helmut.

  2. 11.

    Wie bitte? Sie bringen die Paris-Zählung ins Spiel und ich soll ihren Aussagen hinterher recherchieren? LOL! Entweder Sie liefern selbst oder ihre Aussagen dazu können als unbewiesener Unfug ignoriert werden. Wer etwas behauptet ist in der Pflicht, nicht der der es an den Kopf geknallt bekommt! Und das sich eine Mitzählung der Obdachlosen von Wohnheimen an dem Tag von ganz allein versteht passt zu Ihrer Sicht. Wissen Sie das oder vermuten Sie das auch nur? Wo gibt es denn mal echte Fakten über die "Nacht der Solidarität"? Ihre Beiträge sind mir zu inhaltslos und faktenarm!

  3. 10.

    Nun, Helmut, wie in Paris mit den gesammelten Daten umgegangen wurde müssen Sie schon selbst recherchieren, wenn es Sie denn interessiert. Sie haben ja Recht, natürlich brauchen Obdachlose hier wie in Paris im Prinzip die gleiche Unterstützung - nur kann man doch keine allgemeingültige Blaupause, bei so unterschiedlichen 'politischen Voraussetzungen' innerhalb dieser beiden Städte, ableiten.

    Die Erfassungsmethode: "Nacht/Winter" scheint mir logisch, insofern, als dass Obdachlose sich bei Nacht häufig sammeln und so leichter zu erfassen sind. Auch ist es m. E. so, dass die zahlenmäßige Erfassung der Menschen die im Winter auf der Strasse kampieren ein genaueres Bild für Hilfsangebote abgiebt, als dies im Sommer der Fall wäre. Und dass die Obdachlosen, die in bereitgestellten Unterkünften übernachten dazugezählt werden, versteht sich eigentlich von selbst.

    Nichts für ungut, aber Ihre Skepsis gegenüber dieser Aktion kann ich nicht teilen.

  4. 9.

    Ich stelle fest, Sie sind auf keine meiner Fragen eingegangen, weder zu alternativen Erfassungsmethoden (Winter/Nacht), noch darauf, ob auch die Menschen dazugezählt werden, die in dieser Nacht in Notunterkünften und OL-Heimen schlafen etc. Sie scheinen eine Aktion zu verteidigen von der sie nicht viel wissen habe ich den Eindruck. Von welchen "anderen" sozialen Maßstäben gehen wir denn hier in Berlin aus, wenn die von Paris irrelevant sind? Und mal ehrlich, OL brauchen in Berlin das gleiche wie in Paris. Sie hatten immerhin soviel Zeit mir Meckerei vorzuverwerfen ohne auch nur auf einen meiner Punkte einzugehen...

  5. 8.

    Ich kann und will Ihre Paris Frage nicht beantworten, da sie für die Aktion in Berlin resp. deren Folgen tatsächlich irrelevant ist. Sie werden doch zugstehen, dass Paris und Berlin jeweils andere Maßstäbe an ihre Sozialpolitik anlegen, oder?!

    Und wie ich bereits schrieb, geht es dem Senat erklärtermaßen darum, auf Grundlage der erfassten Daten Hilfs- und Beratungsangebote auszuweiten und zu spezialisieren.

  6. 7.

    | "Welche Maßnahmen in Paris der Zählung folgten ist irrelevant.."

    Wer will das entscheiden, ob das was in Paris folgte relevant ist oder nicht? Sie etwa? Haben Sie Infos zur Zählung in Paris und deren "solidarische" Folgen für die OL oder nicht? Wollen oder können Sie die Frage nicht beantworten?? Wenn "nur" die Datenlage verbessert werden soll trifft das ja genau den Punkt, den ich versucht habe zu machen!

  7. 6.

    Klasse Aktion. Nur so läßt sich in Zukunft gezielt helfen. Wir wollen hier in Berlin nicht den zahlreichen Beispielen aus anderen Großstädten folgen und die Obdachlosen kriminalisieren. Jeder der angetroffen wird kann Kontakt aufnehmen oder auch nicht, dafür leben wir hier demokratisch.

  8. 5.

    Welche Maßnahmen in Paris der Zählung folgten ist irrelevant, hier geht es um Berlin. Der Senat hat angekündigt, die Hilfe für Wohnungslose aufgrund der gesammelten Daten zu verbessern. Was gibt es daran und an der Tatsache, dass diese Aktion durch Bürgerbeteilung zustande kommt zu meckern?

    Wenn sich (viele) Obdachlose, wie von Ihnen vermutet/behauptet, der Zählung bewusst entziehen, ist das ihr gutes Recht. Das werden dann diejenigen sein, die grundsätzlich keine Hilfe in Anspruch nehmen wollen.

  9. 4.

    1. Und weil andere einen Euphemismus dafür benutzen machen wir das nach? Was waren denn die "solidarischen" Folgen der Zählung in Paris und wann war diese? Links? Ich fürchte, so wie diese Aktion schon angelegt ist, wird sie nur dazu benutzt werden, die noch wohnende Bevölkerung zu beruhigen. Guckt, wir tun was mit x-tausend Freiwilligen, die steuersparend (umsonst) für uns arbeiten und soviel Obdachtlose (OL) gibt es gar nicht. Man darf gespannt sein was für die OL raus kommt!

    2. Und andere Wege der Zählung gäbe es also nicht, meinen Sie? Die breite Ankündigung der Zählung wird zudem dazu führen, dass viele sich bewusst entziehen werden, um nicht gezählt zu werden. Das hat mir die OL bei mir in der Nähe auch genauso von sich und anderen bestätigt! Der Senat hat entweder keine Ahnung wie OL ticken oder macht das ganz bewusst so. Auch gibt es im Sommer deutlich mehr OL als im Winter! Werden die, die in dieser Nacht in Sammelunterkünften schlafen auch mitgezählt?

  10. 3.

    Erstens: es heißt Nacht der Solidarität weil die Politiker in Paris die Zählung bei sich zuerst ausgedacht haben es so genannt haben
    Zweitens: die Zählung ist mit Absicht um die Uhrzeit damit alle bei ihren Schlafplätzen sind und so genauer gezählt werden kann
    Als ob die Sozialverwaltung sich die Uhrzeit einfach so ausdenkt die 5 Jahre CDU sind vorbei

  11. 2.

    Lauf Info heißt es: "Auf Grundlage der Ergebnisse aus dieser Nacht wird Berlin seine Hilfs- und Beratungsangebote ausweiten und spezialisieren. So wird diese Obdachlosenzählung zu einer Nacht der Solidarität." Das erscheint mir einleuchtend.

    Der Hauptgrund für diese Aktion ist das Erfassen der Obdachlosenzahl und nicht, einen Fragenkatalog mit jedem einzelnen Betroffenen abzuarbeiten. Wer im wachen Zustand angetroffen wird hat die Möglichkeit einige Fragen zu beantworten, Schlafende werden nicht geweckt.

  12. 1.

    "Nacht der Solidarität" ist ein Euphemismus, oder? "Nach der Solidarität" für wen? Für Berlin beim Geldsparen trifft es besser... Um welche "Solidarität" soll es sonst gehen? Wenn der Senat etwas über Obdachlose wüsste, dann das die meisten um 22-01 Uhr nachts bereits schlafen!

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