14.02.2017, Berlin: Unter einer Dunstglocke liegt der Fernsehturm am Alexanderplatz (Quelle: dpa/Federico Gambarini)
Audio: Inforadio, 27.12.2019, Michael Ernst | Bild: dpa/Federico Gambarini

Mehr als 25 Tage - Ozonwerte in Berlin und Brandenburg zu oft überschritten

Hohe Ozonwerte sollten, so ist der Richtwert in Deutschland, möglichst an nicht mehr als 25 Tagen überschritten werden. Diese Marke wurde aber im noch laufenden Jahr an mehreren Messstellen in Berlin und Brandenburg gerissen.

Die Anzahl der Tage mit hohem Ozonwert lag in diesem Jahr in Berlin und auch an einigen Brandenburger Orten deutlich über dem empfohlenem Maß. An einer Berliner Messtelle in Berlin-Marienfelde wurden die Werte an 37 Tagen überschritten, an einer Brandenburger Messstelle an 34 Tagen.

Vom Umweltbundesamt (Uba) heißt es, pro Kalenderjahr sollte es nicht mehr als 25 Tage geben, an denen der tägliche Mittelwert von über 120 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten wird.

Neben der Messstelle in Berlin-Marienfelde gab es bis zum 26. Dezember vor allem im Grunewald und in Friedrichshagen häufig Ozonkonzentrationen über dem Grenzwert, dort waren es jeweils 33 Tage. Auch in Frohnau (30 Tage) und Neukölln (28 Tage) konnten die Empfehlungen nicht eingehalten werden. An den übrigen Messstellen in Wedding (22), Buch (14) und Frankfurter Allee (5) gab es keine Überschreitungen.

Berlin Marienfelde 37  
Berlin Grunewald (3.5 m) 33  
Berlin Friedrichshagen 33  
Berlin Frohnau (3.5 m) 30  
Berlin Neukölln 28  
Berlin Wedding 22  
Berlin Buch 14  
Berlin Frankfurter Allee 5  

Quelle: Umweltbundesamt

In Brandenburg wurde die höchste Zahl an Überschreitungen in Lütte (Belzig) gemessen: mit 34 Tagen. Dahinter folgen Elsterwerda (33), Blankenfelde-Mahlow (31), Spreewald (29), Eisenhüttenstadt und Cottbus (beide 28), sowie Wittenberg, Nauen und Frankfurt (Oder) mit jeweils 26 Tagen.

Lütte (Belzig) 34
Elsterwerda 33
Blankenfelde-Mahlow 31
Spreewald 29
Eisenhüttenstadt 28
Cottbus 28
Wittenberge 26
Nauen 26
Frankfurt (Oder) 26
Hasenholz 24
Spremberg 23
Brandenburg a.d. Havel 20
Potsdam, Groß Glienicke 20
Schwedt (Oder) 19
Luckenwalde 19
Dallgow-Döberitz 19
Neuruppin 18
Potsdam-Zentrum 16

Quelle: Umweltbundesamt

Atemwegsprobleme bei hohen Ozonwerten

Hohe Ozonwerte in Bodennähe sind problematisch. Es greift viele andere Stoffe an und kann deshalb Menschen, Pflanzen und Materialien schädigen. Bei Menschen kann es vor allem Atemwegsprobleme hervorrufen. Ab einem Ozonwert von 180 µg/m3 (Ein-Stunden-Mittelwert) werden Warnungen an die Bevölkerung herausgegeben.

Ozon in Bodennähe bildet sich bei intensiver Sonneneinstrahlung durch chemische Prozesse aus anderen Schadstoffen. Dazu gehören zum Beispiel auch Stickstoffoxide, die unter anderem durch den Straßenverkehr entstehen. Sommerliche Hochdruckwetterlagen begünstigen die Ozon-Entstehung. Zu hohe Konzentrationen gab es daher an Berliner Messpunkten vor allem im Juni und im August.

Hohe Konzentrationen werden dabei auch im Stadtumland oder in städischen Grünflächen gemessen. Wie das Umweltbundesamt erklärt, werden die Vorläuferstoffe des Ozons aus der Stadt geweht, wo sie dann zu Ozon reagieren. Ozon in Innenstädten hingegen reagiert oft weiter - beispielsweise mit Stickstoffmonoxid (NO) aus Autoabgasen. Dort können die Ozonwerte dann niedriger liegen.

Zu wenig in der Atmosphäre ist auch schlecht

Aktuelle und frühere Luftdaten - darunter auch der Ozonwert - sind auf der Internetseite des Umweltbundesamtes einsehbar.

Natürlicherweise kommt Ozon in höheren Schichten der Atmosphäre vor und erfüllt dort einen wichtigen Zweck: Es hält die Ultraviolettstrahlung der Sonne ab. Dass diese Ozonschicht teils Löcher aufwies und aufweist, bereitet Forschern daher schon seit vielen Jahren Sorgen.

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15 Kommentare

  1. 15.

    "Gefährlich ist das Gas wirklich nur (...) für empfindliche oder kranke Personen" Opfer von Umweltverschmutzung werden gerne mal "empfindlich" oder "krank" genannt. Eine typische Schuldumkehr.

  2. 14.

    So viel Ahnung bei so wenig Wissen, wie bei jeder Umweltdiskussion.
    Ozon ist nichts als eine sehr reaktive Sauerstoffverbindung, die aus Luftsauerstoff entsteht und mit ihm im Gleichgewicht, sehr weit auf Seite des Sauerstoffs, steht. In Bodennähe liegt das Gleichgewicht sehr weit auf der Seite des Sauerstoffs, Ozon ist auch durch Anwesenheit reaktiver Moleküle sehr instabil.
    In höheren Schichten kommt Ozon schon rein thermodynamisch natürlich vor. Durch Strahlung mit hoher Energie kann es sich bilden und ist bei Verhältnissen, wie sie einige Kilometer über uns zu finden sind, doch stabil. Weiterhin wird so auch energiereiche Strahlung, z.B. Ultraviolette, unter Spaltung von Ozon, abgefangen.
    Gefährlich ist das Gas wirklich nur in höheren Konzentrationen in Bodennahe für empfindliche oder kranke Personen.

  3. 13.

    Das Bodenozon (manchmal auch als Sommersmog bezeichnet) entsteht bei starker Sonnenstrahlung. Autoabgase fördern den schnellen Zerfall des Gases. Aus diesem Grunde sind die Messwerte an viel befahrenen Straßen niedriger als in ruhigen Zonen. Und genau aus diesem Grund gibt es keine Mess-Stellen an den Autobahnen.
    Neben aller Panik : Laserdrucker, Kopierer und Faxgeräte erzeugen im Betrieb so viel Ozon, dass sie nicht in geschlossenen Büros betrieben werden sollten...
    Bei Hitzeperioden im Sommer wird übrigens durchaus vor der Ozonbelastung für Asthmatiker gewarnt

  4. 12.

    Die Werte der Messstation direkt an der Frankfurter Allee waren deutlich geringer, als in Friedrichshagen, obwohl der Fahrzeugverkehr viel höher ist. Über Friedrichshagen befinden sich die Anflugrouten für Tegel und Schönefeld. Gibt es vielleicht doch eine Verbindung zum Flugverkehr? Kann das bitte mal wissenschaftlich untersucht werden.

  5. 11.

    Warum wurde die Bevölkerung nicht aktuell gewarnt, als die Werte zu hoch waren ?

  6. 10.

    Alfred Neumann: ja, ne autofreie Innenstadt wäre wirklich nötig.

    Timmermann: "uns"? Die Autofahrer sind hier nun wirklich nicht die Opfer. Die Opfer ist die atmende Bevölkerung.

    Jürgenn: "Aber Autofahren verteufeln ist ihnen ja wichtiger und auch einfacher." - Es ist nicht einfacher, es ist schwieriger, das auszusprechen. Denn die Autolobby ist verdammt mächtig. Und das muss sich ändern. Denn sie wird nicht verteufelt, Autoverkehr ist tatsächlich eine der wichtigsten Ursachen für diese Luftverschmutzung.

    Adrian: danke. Kann ich mir also sparen, das zu beantworten. :-)

    Nick Nickel: "Ich denke, fliegen ist für die Umwelt ziemlich schlecht..." - Ich fürchte, da denken Sie ganz richtig.

  7. 9.

    Jaja immer schön Die Autofahrer die Schuld in Die Schuhe schieben, ist ja auch leicht und nix mehr neues.
    Ich fahre ein E Golf und der Strom dafür wird aus Erneuerbare Energien hergestellt, also Tanke ich 100% Ökostrom.

  8. 8.

    Mein Gott immer alles auf das Auto zu schieben ist langsam echt nervig und nix mehr neues, als ob es nichts anderes geben würde was Die Luft schlecht macht.
    Ich mein überlegen Sie mal wie viel ein Bus an Schadstoffen produziert, Fahren denn beim bremsen an jede Bushaltestelle, gut ein Bus kann mehr Personen mitnehmen als ein Auto aber ein Bus ist auch nicht wirklich viel umweltfreundlicher als ein Auto.
    Das der Verkehr nicht ganz unschuldig ist ist schon klar man muss aber auch bedenken wie viele Autos unter Baujahr 2005 oder weiter drunter noch unterwegs sind, davon gibt es immer noch sehr viele und sind zum großen Teil Verursacher, aber man sollte nicht vergessen das Autos auch immer effizienter, umweltfreundlicher und sparsam werden und noch mitdenken das es auf unsere Straßen oft zusehen ist E Autos, ich persönlich sehe Die Fahrzeuge in der letzten Zeit öfters auf den Straßen Fahren.
    Autofreie Zonen instädten unnötig, ich bin mehr dafür das Autos noch umweltfreundlicher werden können, machbar ist es bestimmt.
    Was aber wichtig ist auf unseren straßen ist genug Platz für alle Verkehrsteilnehmer sei es Radfahrer, Fußgänger oder Autos.
    Es sollte nur mehr Respekt unter den Menschen wieder herrschen grade auf der Straße.

  9. 7.

    Wie stellt man Elektroautos, U-Bahnen, S-Bahnen, Busse und Fahrräder noch gleich in der "vorindustriellen Zeit" her? Ach so, gar nicht.

  10. 6.


    Noch ein kurzer nachsatz. Hoher ozonwert hat auch was mit intensiver Sonneneinstrahlung und hoher Temperatur zu tun.

  11. 5.


    Vielleicht sollte man mal prüfen, warum die Grenzwerte an einigen Stellen überschritten wurden.
    Vielfach liegt es auch daran, dass an Langzeitbaustellen z.B. Ampelschaltungen nicht dem Verkehrsfluss angepasst werden. Oder Verkehr einfach Baustellen genau deshalb umfährt. Die nackte Zahl selbst sagt noch nichts über die Gründe aus.
    Aber Autofahren verteufeln ist ihnen ja wichtiger und auch einfacher.

  12. 4.

    Zitat: Gesetze, Richtwerte und Regeln dürfen folgenlos gebrochen werden, wenn es um den Autoverkehr geht.
    Mit Verlaub, davon steht hier im Artikel nüscht. Eiern Sie bitte nicht rum. Schreiben Sie klipp und klar, Sie wünschen sich die 'Vorindustrielle Zeit' zurück, die Sie gar nicht kennen. Aber Internet, Smartphone und deren über und über klimaschädlichen Server nutzen. Vielleicht schaut auch der rbb mal in seinen intensiv Klima-Räumen nach. Ich las vor wenigen Tagen in der Berliner Zeitung, Berlin sei so sauber, wie lange schon nicht mehr.
    Hört endlich auf uns fadenscheinig zu drangsalieren und auszubeuten.

  13. 3.

    Solange jeder meint er muss ständig sein Auto benutzen wundert mich das gar nicht. Da hilft nur eine autofreie Innenstadt, das predige ich hier schon seit Jahren.

  14. 2.

    Pfff...toll. Scheint keine Konsequenzen zu haben, wenn der Richtwert einfach mal überschritten wird. Kennen wir ja von den Stickoxiden und vom Feinstaub. Gesetze, Richtwerte und Regeln dürfen folgenlos gebrochen werden, wenn es um den Autoverkehr geht. Hier läuft was fatal schief. Es ist der Lobbyismus der Autoindustrie, der verantwortlich für die Gesundheitsschäden der Menschen ist.

  15. 1.

    Der Autoverkehr in Friedrichshagen ist deutlich geringer als in anderen, nicht belasteten, Bezirken. Wie wird sich die Belastung ab Oktober 2020 mit der Eröffnung des BER wohl entwickeln? Wieviel Kerosin wird eigentlich beim Start einer Boing oder eines Airbus in den bodennahen Luftschichten verbrannt? Kann ich mit meinem kleinen Diesel wahrscheinlich zwei Mal um die Erde fahren für, wobei sich die Emissionen noch gleichmäßig verteilen würden...
    Ich denke, fliegen ist für die Umwelt ziemlich schlecht...

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