Technikmuseum, Modell Wagenreinigungsanlage (Zustand 30er Jahre) (Quelle: Jan Menzel)
Video: Abendschau | 27.12.2019 | Frank Drescher | Bild: Jan Menzel

Berliner Technikmuseum - Eine Wagenreinigungsanlage fürs Museum

Schnelle, luxuriöse Reisen liefen zu Beginn des 20. Jahrhunderts allein mit der Bahn. Auf dem Areal des Technikmuseums wird nun eine historische Serviceanlage wiedererrichtet, in der einst die Luxuszüge für die Luxusreisen täglich präpariert wurden. Von Jan Menzel

Er rattert und rauscht wie ein Großer: Der "Fliegende Kölner" schiebt sich langsam aus der mächtigen Bahnhofshalle heraus. Der legendäre Schnellzug aus den 1930er Jahren gehört zu den Stars auf der großen Modellbauanlage im Berliner Technikmuseum. Das prächtige Portal des Anhalter Bahnhofs, so wie es früher einmal war, ist hier originalgetreu aufgebaut. Dahinter befinden sich die beiden halbrunden Lokschuppen und schließlich eine langgezogene flache Halle. Was es jetzt noch als Modell gibt, soll bald originalgetreu im Museum stehen: Für 13 Millionen Euro soll die Halle - nicht in voller Länge, aber immerhin auf 60 Metern - wiederaufgebaut werden. So viel ist als Ruine noch von der einst 180 Meter langen Anlage übrig. Im nächsten Jahr sollen die Planungsarbeiten für die Erweiterung beginnen.

Technikmuseum, Ruine Wagenreinigungsanlage, Front (Quelle: Jan Menzel)
Die Ruine der Wagenreinigungsanlage | Bild: Jan Menzel

Ausblick und Schaufenster für die Parkbesucher

"Das Gebäude bricht heute dort ab, wo der große zentrale Weg durch den Park am Gleisdreieck verläuft, der direkt hinter unserem Gelände entlangläuft", sagt Lars Quadejacob. Er ist Leiter des Sammlungsbereichs Landverkehr bei der Stiftung Deutsches Technikmuseum und damit maßgeblich verantwortlich für die neue Gestaltung dieses Bereichs.

Er möchte am liebsten eine Glasscheibe als Abschluss des Gebäudes setzen. Solch eine Glasscheibe könnte gleichermaßen Ausblick aus dem Museum und Schaufenster für die Parkbesucher sein. Dabei ist sich Quadejacob gemeinsam mit SPD-Fraktionschef Raed Saleh schnell einig, dass dies ein perfekter Ort für ein Café wäre. Saleh gehört zu den Fürsprechern des Museums. Seine Fraktion hat sich in den Haushaltsberatungen für den millionenteuren Wiederaufbau der Wagenreinigungsanlage eingesetzt.

Links: Lars Quadejacob, Abteilungsleiter Landfahrzeuge Technikmuseum, Rechts: Raed Saleh, SPD-Fraktionschef AGH (Quelle: Jan Menzel)
Lars Quadejacob (l.) und Raed Saleh | Bild: Jan Menzel

Virtuell durch die Fahrzeuge gehen

"Dieser Ort ist für mich ein Ort der Bildung, ein Ort, wo Kinderaugen strahlen", schwärmt Raed Saleh. "Das ist der Ort, an dem man Leuten Technik vermitteln und Zusammenhänge erklären kann. Und jeder Cent, den wir hier ausgeben, ist gut angelegtes Geld." Zumal Museums-Macher Lars Quadejacob große Pläne hat.

Im neuen Gebäude sollen die Besucher mit dem Smartphone auch auf eine virtuelle Bahn-Reise in die Vergangenheit gehen können. "Wir werden in diesem Wagenschuppen auch Wagen-Modelle im Maßstab 1:5 zeigen, die über 100 Jahre alt sind und die zu unseren kostbarsten Beständen gehören. Und die können wir auf neuartige Weise erschließen, indem wir die Leute virtuell durch diese Fahrzeuge hindurchgehen lassen, und man kann das selber steuern. Das heißt: Man kann als Besucher durch Modelle gehen, die es heute im Original so gar nicht mehr gibt", sagt Quadejacob.

Ein Gebäude aus dem 19. Jahrhundert

Das Gebäude lässt das Herz von Lars Quadejacob höher schlagen: "Es wurde bereits in den 1880er Jahren gebaut und dort wurden die Reisezugwagen gereinigt", erklärt er. "Es gab zentrale Stutzen, über die ein Unterdruck erzeugt wurde, so dass man die Wagen staubsaugen konnte und die Scheiben gewischt werden konnten." Außerdem wurden die Speisewagen der Mitropa mit Proviant versorgt. In den 30er Jahren wurden dort auch die berühmten Schnelltriebwagen untergebracht, berichtet Quadejacob. So wie auch der "Fliegende Kölner", der jetzt noch seine Runde auf der Modellbahn zieht.

Aber schon bald wird er im Original zu sehen sein, wenn es nach Quadejacob geht, als Dauerleihgabe. 2023, so lautet zumindest das ehrgeizige Ziel, soll die alte Wagenreinigungsanlage wiederaufgebaut sein und eröffnet werden.

Sendung: Inforadio, 27.12.2019, 06:00 Uhr

Beitrag von Jan Menzel

1 Kommentar

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  1. 1.

    Das ist ja schön für das Museum., aber wo uns ja immer erzählt wird es gäbe nicht genug Handwerker für den Wohnungsbau frage ich mich wo diese für den Bau herkommen sollen.

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