Steffen Brose, Forstwirt vom Landesbetrieb Forst Brandenburg und weitere Helfer stellen am 20.12.2019 einen Schutzzaun gegen die Afrikanische Schweinepest nahe dem Grenzfluss Neiße auf. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: rbb|24 | 20.12.2019 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: dpa/Patrick Pleul

Brandenburg stellt Schutzzäune auf - Mit Duft und Stromschlag gegen die Schweinepest

Auf einer Länge von 120 Kilometern stellt Brandenburg Zäune entlang der polnischen Grenze auf. Die Elektro- und Duftgitter sollen Wildschweine fernhalten, die mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert sind. Nicht jeder findet die Idee gut.

An der  der Grenze zu Polen hat am Freitag der Bau von Zäunen zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) begonnen. Wie Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis90/Die Grünen) nahe der Stadt Guben (Spree-Neiße) sagte, handelt es sich nicht um eine "hundertprozentige Sicherheitsangelegenheit". Vielmehr seien die Zäune "ein Präventionsbaustein unter vielen".

Steffen Brose, Forstwirt vom Landesbetrieb Forst Brandenburg und weitere Helfer stellen am 20.12.2019 einen Schutzzaun gegen die Afrikanische Schweinepest nahe dem Grenzfluss Neiße auf. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Aufbau eines Elektro-Wildabwehrzaun inklusive Duftkomponente in Brandenburg | Bild: dpa/Patrick Pleul

Duftstoff soll Wildschweine abschrecken

Die Entscheidung für den Wildschwein-Zaun sei nach dem Nachweis von ASP in Westpolen gefallen. Die mobilen Elektro- und Duftzäune sollen auf einer Länge von 120 Kilometern entlang der Grenze in den Landkreisen Oder-Spree und Spree-Neiße sowie im Bereich Frankfurt (Oder) aufgestellt werden. Sie sind den Angaben zufolge 90 Zentimeter hoch und sollen je nach Gefährdungslage lokal und zeitlich begrenzt zum Einsatz kommen.

Die Zäune sind elelektrisch geladen. Daneben kommt auch Duftstoff zum Einsatz. Er kann auf den Zaun, aber auch auf andere Dinge aufgetragen werden, wie zum Beispiel auf Bäume. Das Mittel enthält Geruchsbestandteile von Wolf, Luchs, Bär und Mensch. Das Wild soll durch den Duft abgeschreckt werden und sich zurückziehen.

Das Virus war unter anderem bei einem toten Wildschwein rund 40 Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt entdeckt worden. Die im Nachbarland um die Funde herum eingerichteten Pufferzonen reichten nun bis an die deutsche Grenze heran. "Jetzt haben wir halt zusätzlich die Gefahr, dass direkt infizierte Tiere, infizierte Wildschweine bei Niedrigwasser sozusagen hier nach Deutschland, nach Brandenburg eindringen könnten", sagte Nonnemacher.

Vor allem an Oder und Neiße

Geplant ist bislang der Aufbau entlang von 120 Kilometern des insgesamt 280 Kilometer langen Grenzverlaufs zwischen Brandenburg und Polen. Schwerpunkte der Präventionsmaßnahmen sind neben neben dem Landkreis Spree-Neiße zudem der Landkreis Oder-Spree sowie die Stadt Frankfurt (Oder).

Die Wildschutzzäune sollen je nach Gefährdungslage entlang der Neiße und Oder zum Einsatz kommen und täglich abgegangen und kontrolliert werden. Die Entscheidung über den genauen Verlauf treffen die Landkreise. Die Kosten für den Aufbau der Zäune übernimmt das Land Brandenburg.

Kein fester Zaun wie in Dänemark

Die Kosten für den Aufbau der Zäune übernimmt das Land, sie kosten insgesamt etwa 160.000 Euro. Auch in anderen Bundesländern wurden bereits Zäune angeschafft, aber noch nicht aufgebaut - etwa in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Nonnemacher wies daraufhin, dass die Zäune, die in Brandenburg zum Einsatz kommen, sich deutlich von dem festen metallenen Zaun unterschieden, den die Dänen an der Grenze zu Deutschland errichtet haben. Man wolle keinen Grenzzaun errichten. Nonnemacher sagte, die Landkreise an polnischen Pufferzonen würden jetzt auch verstärkt bejagt, und es werde dort auch verstärkt nach verendeten Tieren gesucht.

Der sich in der Testphase befindende Zaun gegen Wildschweine aus Deutschland (Anti Schweinepestzaun) an der dänisch deutschen Grenze am 14.02.2019. (Quelle: imago images/Christian Spicker)
Wildschweinzaun in Dänemark | Bild: imago images/Christian Spicker

"Teil des Werkzeugkoffers gegen die Schweinepest"

Die Zäune kommen nach Angaben von Nonnemacher zunächst da zum Einsatz, wo auf polnischer Seite die sogenannten Restriktionszonen sind. Das sind die Pufferzonen um die Gebiete, wo infizierte Tiere gefunden wurden. Die Ministerin betonte im rbb, die Zäune seien keine Einzelmaßnahme, sondern "Teil unseres Werkzeugkoffers gegen die Afrikanische Schweinepest."

Der Deutsche Jagdverband hält Zäune im Kampf gegen die Schweinepest für nutzlos, weil das Virus auch durch den Menschen verbreitet wird. Tino Erstling vom Landesbauernverband sagte dem rbb, die Zäune seien wirkungsvoll - einen hundertprozentigen Schutz böten sie allerdings nicht. "Wichtig wäre aus unserer Sicht eine Informationskampagne der Landesregierung, die die Bürger nochmal dezidiert darauf hinweist, dass die Einfuhr von frischem Schweinefleisch beziehungsweise Wurstwaren aus Polen im Moment hochproblematisch ist."

Derzeit ist noch kein Fall der Schweinepest in Deutschland bekannt. Nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts in Greifswald befindet sich die Seuche in Westpolen aber in einer Phase des maximalen Wachstums.

Das Vorgehen im Ernstfall

  • Schweinepest-Verordnung

  • Vorgehen bei infiziertem Schwein in Deutschland

  • Welche Vorsichtsmaßnahmen werden ergriffen

  • Wie reagieren andere betroffene Länder

  • Zu erwartende wirtschaftliche Folgen

Sendung: Inforadio, 20.12.2019, 10:40 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Irgend wann in den 80ern war im Norden der SBZ ebenfalls eine SchweinePest "ausgebrochen". So weit ich mich erinnere gab es ein Einreise und Ausreiseverbot(wer einreiste durfte nicht mehr raus) Dekonterminierungsmasnahmen und das restriktiv. Undenkbar in dieserFreien Welt. Auch hier werden die Freiheitsrechte des einzelnen höher bewertet als das Recht auf Unversehrtheit der Allgemeinheit.

  2. 3.

    Da gebe ich Ihnen vollkommen recht.

    Ich frage mich wer beim Aufbau und Abbau mitwirkt. Bestimmt wieder billige Arbeitskräfte.

  3. 2.

    Wenn man sich daran erinnert, wie laut doch der Aufschrei war, als sich Dänemark mit einem Zaun vor der Afrikanischen Schweinepest schützt.....
    Wie sagte schon meine Mutter? "Wenn zwei dasselbe tun, ist es nie das gleiche."

  4. 1.

    Eine Zaunhöhe von 90 Zentimetern dürfte für ein Wildschwein kein Hindernis darstellen. Aber vielleicht lacht es sich ja tot. Und am Ende hinterlassen diese Zäune jede Menge Plastikmüll in der Natur, in dem sich alles mögliche Getier verheddet.

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