Ein Rollstuhlfahrer wartet in einem Berliner Bahnhof auf einen Fahrstuhl. (Quelle: dpa/Robert Schlesinger)
Video: Abendschau | 06.12.2019 | Regina Paschke | Bild: dpa/Robert Schlesinger

Daten für Berlin und Brandenburg - Etliche Bahn-Aufzüge funktionieren wochenlang nicht

Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist oder mit schwerem Gepäck reist, braucht auf einem Bahnhof einen Fahrstuhl. Doch wie eine Datenanalyse des BR zeigt, sind viele Aufzüge oft wochenlang defekt. In Berlin und Brandenburg fallen besonders zwei Bahnhöfe negativ auf.

In den Bahnhöfen in Berlin und Brandenburg fallen im bundesweiten Vergleich über das Jahr verteilt besonders oft Aufzüge aus, viele davon sind meistens wochenlang außer Betrieb. Das geht aus einer bundesweiten Datenauswertung des Bayerischen Rundfunks (BR) hervor. Für die Recherche wurde die Funktionstüchtigkeit von mehr als 2.000 Aufzügen der Deutschen Bahn in ganz Deutschland für 365 Tage untersucht. Dafür wurden Echtzeitdaten aus sämtlichen Aufzügen ausgewertet. Diese Daten sind öffentlich zugängig.

In Berlin und Brandenburg wurden demnach 319 Aufzüge unter die Lupe genommen. Davon waren 21 Prozent über das Jahr verteilt vier Wochen oder länger inaktiv. Der Durchschnittswert für ganz Deutschland lag bei 15 Prozent.

In Berlin befindet sich der Fahrstuhl mit dem schlechtesten Wert am Bahnhof Zoo. Er konnte an 159,6 Tagen im Jahr nicht benutzt werden. Das entspricht einer Verfügbarkeit von 55,6 Prozent. Ein weiterer Fahrstuhl dort war an 106 Tagen außer Betrieb. Auch in Brandenburg fiel ein Aufzug besonders negativ auf: Am Bahnhof in Finsterwalde (Niederlausitz) fuhr ein Aufzug an 177,9 Tagen nicht. Die Verfügbarkeit belief sich hier auf 50,6 Prozent. Ein weiterer Aufzug in dem Bahnhof fiel an 165 Tagen aus.

Ganz anders im Bahnhof Elsterwerda: Dort wurde zwischen August 2018 und November 2019 kein einziger Ausfall festgestellt. Bei keinem anderen Bahnhof in Berlin und Brandenburg ist das der Fall.

Die Deutsche Bahn betonte auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass im Schnitt rund 97 Prozent aller Fahrstühle auf den Bahnhöfen im ersten Halbjahr dieses Jahres verfügbar gewesen seien. Aufgrund von Sensoren, die frühzeitig Schäden und Ausfälle erkennen und melden, konnte dieser Wert innerhalb der vergangenen vier Jahre um 7 Prozentpunkte gesteigert werden. Der BR kommt nach einer Auswertung der Daten auf eine ähnlich hohe Verfügbarkeit von durchschnittlich 96 Prozent. In der Region konnte dieser Wert allerdings nicht erreicht werden: In Berlin lag der Verfügbarkeitswert bei 94,3 Prozent, in Brandenburg bei 94,9 Prozent.

Insgesamt betreibt die Bahn bundesweit rund 2.200 Aufzüge und etwa 1.000 Rolltreppen. Damit ist zwar nicht einmal jeder zweite der insgesamt rund 5.700 Bahnhöfe in Deutschland mit einem Aufzug ausgestattet. Allerdings seien rund 80 Prozent der Einrichtungen barrierefrei, etwa weil Rollstuhlfahrer über Rampen auf die Bahnsteige gelangen könnten, sagte eine Bahn-Sprecherin der dpa. Jedes Jahr kämen rund 100 weitere Bahnhöfe dazu. 2018 hat die Deutsche Bahn eigenen Angaben zufolge rund 170 Millionen Euro für die Reparatur und Instandhaltung von Aufzügen ausgegeben.

Über die Daten

Die Deutsche Bahn stellt über eine Datenschnittstelle die Betriebsinformationen ihrer Aufzüge in Echtzeit zur Verfügung. BR Data hat zwischen August 2018 und November 2019 den Betriebszustand aller kundenrelevanten Aufzüge abgefragt. Da es bei einigen Abfragen zu Störungen bei der Datenübertragung kam, ist der erhobene Zeitraum länger als die 365 Tage, die in die Analyse eingeflossen sind. Es wurde bei der Auswertung nur die von der Bahn definierte "kundenrelevante Hauptzeit" von 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr berücksichtigt.

Die Aufzüge können drei unterschiedliche Zustände melden: ACTIVE, INACTIVE und UNKNOWN. Die Verfügbarkeit eines Aufzuges ist der Anteil der ACTIVE- und UNKNOWN-Zeiten an der Gesamtzeit. Beispiel: Innerhalb von 16 Stunden ist ein Aufzug 14 Stunden verfügbar. Er hat in diesem Zeitraum eine Verfügbarkeit von 14 / 16 = 0.875 (87,5 %). Die Ursachen für INACTIVE-Meldungen, etwa Vandalismus, Wartungsarbeiten oder technische Defekte, konnten nicht an den Daten abgelesen werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 05.12.2019, 10 Uhr

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22 Kommentare

  1. 22.

    @ Alfred Neumann:
    Ich erwarte kein Vorrecht, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin. Ich bin schon oft genug nicht eingestiegen, wenn mir die Bahn zu voll erschien und ich die Fahrgäste nicht mit meinem Fahrrad nerven wollte.

    Ich erwarte allerdigs nach wie vor, dass Menschen ein bischen mitdenken und aufeinander Rücksicht nehmen; wenn viele große Aufkleber mit einem Fahrradbild darauf an einem Abteil angebracht sind, kann man ja schon irgendwie davon ausgehen, dass es sich um ein Abteil überwiegend für Fahrräder handelt - es sei denn, der restliche Zug ist voll, dann ist das in dem Augenblick natürlich hinfällig.
    Wenn ich ohne Fahrrad S-Bahn fahre, setze ich mich bewusst nicht ins Fahrradabteil. Das finde ich perönlich völlig logisch und schade, dass man das erst erklären muss.

    Ihren Vorschlag mit dem Ausbauen der Klappsitze wie in manchen Regionalbahnen teile ich uneingeschränkt!

  2. 21.

    @Nico: Ich bin mir nicht sicher, ob ich Ihre Frage richtig verstehe...
    Auf den Treppen wollen tue ich mit Fahrrad natürlich gar nichts. Wenn aber der Aufzug mal wieder defekt ist, muss ich ja irgendwie vom oder zum Bahnsteig gelangen (einen Radweg dorthin gibt es nicht), was dann nur über die Treppen geht - egal, ob ich den Umweg über die Thaerbrücke nehme oder nicht, da man ja von beiden Seiten Treppenstufen zu überwinden hat.
    Und für Rollstuhlfahrer ist es dann halt einfach unmöglich, selbständig diese Station anzusteuern bzw. zu verlassen. Und - um es mal mit Helge Schneider zu sagen - das prangere ich an!

  3. 20.

    Als Radfahrer haben Sie keinen Vorrechte in Mehrzweckabteil. Ihr Fahzeug ist quasi in den Bahn gegen Aufpreis geduldet. Einzig Rollstuhlfahrer haben einen Anspruch darauf, dass man denen Platz macht. Wenn andere für Radfahrer Platz machen, damit die sich setzen und ihr Fahrzeug vor sich in den Gang stellen können, ist jedoch ein Zeichen der Höflichkeit.

    Lösung: Klappsitze ausbauen! Das haben andere Verbünde erfolgreich praktiziert.

  4. 18.

    An der S-Bahn-Station Storkower Straße befindet sich der von mir für die Auswahl zum "schlechtesten Aufzug der Welt" nominierte Lift.
    Das Teil ist einfach nur Schrott. Dennoch wird der Aufzug, welcher regelmäßig defekt ist (gerne auch mal für längere Zeit), immer wieder so weit repariert, dass er wieder ein paar Tage oder Wochen durchhält - um dann anschließend wieder auszufallen. Für das Geld der vielen Reparaturen hätte man inzwischen vermutlich einen neuen, dauerhaft funktionierenden Aufzug bauen können.

    Ich muss oft, während ich bei Lift-Ausfall mein schwer beladenes Fahrrad die vielen Treppenstufen dort rauf- oder runterschleppe - an die Menschen mit Kinderwagen, vor allem aber an die Rollstuhlfahrer denken, welche dann nur mit fremder Hilfe bzw. gar nicht die Treppenstufen an der Station rauf- oder runterkommen und die im schlimmsten Fall dann eben nicht an dieser Station aus- oder einsteigen können. Das ist traurig, ärgerlich und alles in allem schon ein starkes Stück!

  5. 17.

    @hajo: Bitte spielen Sie nicht Randgruppen gegeneinander aus, danke!
    Ich selbst pendle regelmäßig mit meinem mit zwei Satteltaschen beladenen Fahrrad in der S-Bahn - wofür ich nebenbei bemerkt ja auch einen Fahrpreisaufschlag bezahle! - von der Storkower Straße nach Mühlenbeck. Diese Strecke kann ich nicht eben mal radeln, es sei denn als gezielte Fahrradwanderung in der Freizeit, wobei es für so etwas schönere Routen gibt.
    Im Übrigen habe ich in der S-Bahn im Fahrradabteil noch niemals Differenzen mit Rollifahrern oder Kinderwagenbesitzern gehabt, sondern wenn dann immer nur mit Menschen (meist alte Griesgrame, Touristen oder junge Menschen mit Kopfhörern), welche sich, obwohl die Bahn oft nicht einmal zur Hälfte gefüllt ist, ohne Fahrrad, Rolli, Kinderwagen oder großes Gepäck ins Fahrradabteil der S-Bahn setzen, sich dann aber von Fahrrädern bzw. deren Besitzern gestört fühlen und gegebenenfalls rummaulen (meist nur die alten Griesgrame)...

  6. 16.

    Ich erkenne keinen nennswerten Unterschied bei den Reparaturen. Dafür sind aber die meisten S-Bahnhöfe bereits barrierefrei, U-Bahnhöfe noch lange nicht. Die Bahnhöfe
    o Deutsche Oper (U2)
    o Borsigwerke (U6)
    o Holzhauser Straße (U6)
    o Platz der Luftbrücke (U6)
    o Möckernbrücke (U7)
    o Paulsternstraße (U7)
    o Mierendorffplatz (U7)
    o Schönleinstraße (U8)
    bekommen auch so schnell keinen.

    Fällt Ihnen etwas im Bild auf?
    https://www.berlin.de/buergerhaushalt-marzahn-hellersdorf/vorschlaege/mitmischen/sites/www.berlin.de.buergerhaushalt-marzahn-hellersdorf.vorschlaege/files/stz_biesdorf/u-bhf_elsterwerdaer_platz_1.jpg

  7. 15.

    Alles was barrierefrei ist, hilft nicht nur Menschen im Rollstuhl oder Gehbehinderten sondern auch Eltern mit Kinderwagen. Um das zu testen , sollten sich Verantwortliche mal 2- 3 Tage im Rollstuhl durch die Stadt bewegen und auch öffentliche Gebäude testen. Das wäre sicher sehr lehrreich und die Probleme , die sich bei solchem Test zeigen, könnten für mehr Verständnis sorgen. Das sollte auch mal verpflichten für Aitofahrer sein, die Behindertenparkplätze unbefugt nutzen oder diese und auch Übergänge und Ecken auf Straßen zuparken.

  8. 14.

    Ja klar. Die BVG ist ja auch ein kommunales Unternehmen. Die Bahn ist ein privater Konzern, der auf maximale Gewinnerzielung ausgerichtet ist. So was passiert eben, wenn wichtige gesellschaftliche Bereiche privatisiert werden. Das geht immer zu Lasten des Bürgers. Im Gesundheitswesen sieht's ja nicht viel besser aus. Von Wohnungsunternehmen gar nicht erst zu reden... Danke SPD, danke CDU.

  9. 13.

    Es kümmert sich in dieser Stadt niemand zügig und mit Herz der Behebung der ausfallenden Aufzüge. Das ist menschenverachtend und diskriminierend! Wer spricht eigentlich in der Werbung von "Berlin mit Herz" oder "Berlin tut gut"???? Tut es niemandem!

  10. 12.

    Sie vergessen wohl die Rollstuhlfahrer,die Reisenden mit großen Koffern und die riesigen Kinderwagen.Also wenn dann alle anklagen.
    Aber ich glaube eher,sie leben in ihrer kleinen Welt ,anstatt mal selbst den Aufzug zu benutzen.

  11. 10.

    Fahrräder sollten innerhalb Berlin im ÖPNV generell nicht gestattet werden. Berlin baut ständig unter RRG die Radwege aus. Also liebe Radfahrer nutzt bitte diese und blockiert nicht Rollstuhlfahrer die Aufzüge bei U +S Bahn und teilweise auch in den Zügen.

  12. 9.

    Das es besser geht zeigt die BVG. Die ist bei Reparatur von Aufzügen deutlich schneller als bei der Bahn. Sicher ist auch hier Platz für Optimierung. Aber mit einsprechenden Personal und Ersatzteillager lässt sich schon einiges an Zeit einsparen.

  13. 8.

    Die Auswertung ist geschönt, weil die DB davon ausgeht, dass nachts kein Fahrstuhl benötigt wird. Im Personenbeförderungsgesetz gibt es diese Einschränkung nicht. Sie sollten eine Woche mit dem ÖPNV durch Berlin fahren und dafür barrriefrei in der App eingeben. Spontane Fahrten mit Regionalzügen können Sie gleich vergessen. Achten Sie auch auf hohe Bordsteinkanten. Viele Wege ändern sich dadurch.

  14. 7.

    Wenn von 20 Bahnsteigen 1 (oft der einzige) Fahrstuhl defekt ist, dazu andere nicht barrierefrei oder durch sonstige Baustellen eingeschränkt, hat ein Reisender mit Gehbeinträchtigter (oder Fahrrad, Kinderwagen..) gute Chancen, dass er direkt zu Hause bleiben kann. Nicht jede Fahrt heißt in A einsteigen und in B aus.

  15. 6.

    Ob der Nachdenker fliegen kann?
    Auf einem Bahnsteig eingeschlossen, möglichst bei Frost, ist für den "Nachdenker" offensichtlich kein Problem, 96 % der Aufzüge funktionieren ja. Betroffene, die einen Anschluss brauchen, ist eine Bahnfahrt dann ein Tagestrip.

  16. 5.

    Hallo Nachdenker,

    als außergewöhnlich geh"behinderter" Mensch nutzt mir ein Wert von 96 Prozent nichts. Ich bin darauf angewiesen, dass der einzelne Aufzug tatsächlich funktioniert. Nicht ich bin behindert, sondern ich werde durch nicht funktionierende Aufzüge behindert gemacht.

  17. 4.

    Wenn trotz großer Verunreinigungen und Vandalismusschäden 96 Prozent aller Aufzüge funktionieren, worüber wird denn jetzt schon wieder lamentiert? Ich finde das das ein guter Wert ist.

  18. 3.

    Und da regen sich einige über Pömpel in Moabit auf... bei uns in Z'dorf ist das Teil gefühlt nie in Betrieb. Über die olfaktorische Belastung mag ich gar nicht reden... Und Z'dorf hat nur EINEN Ein-/Ausgang, also mit Auswahl ist da nicht so viel...

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