Archivbild: Lebensgroßes Transparent mit dem Bild der seit dem 25. September 2006 vermissten Georgine Krüger (damals 14 J.) lehnt an einen Polizeiwagen in Berlin-Wedding. (Quelle: imago images/B. Friedel)
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Fall aus Berlin-Moabit - Georgine Krüger: seit 13 Jahren vermisst

Seit 13 Jahren ist Georgine Krüger aus Berlin-Moabit spurlos verschwunden. Ein Tatverdächtiger steht seit diesem Sommer vor Gericht, ein Sexualstraftäter, der ganz in der Nähe wohnte. Aber reichen die Beweismittel aus? Von Uta Damm

Georgine Krüger aus Berlin-Moabit war 14 Jahre alt, als sie am 25. September spurlos verschwand. Es war ein Tag, an dem eigentlich ihr großer Traum in Erfüllung gehen sollte. Sie hatte eine Zusage für eine kleine Rolle in der Serie "Türkisch für Anfänger" bekommen und sollte sich am Nachmittag bei der Agentur melden. Georgine war nervös an diesem Morgen. Vesna Krüger, Georgines Mutter, erinnert sich: "Sie war total aufgeregt, auch in der Schule. Der Lehrer sagte, so habe ich die Georgine noch nie gesehen, wie an diesem Tag."

Doch die Agentur bekam keinen Anruf von Georgine und sie tauchte auch nicht zu Hause auf. Für die Familie war schnell klar, dass etwas passiert sein musste. Sie meldete Georgine als vermisst. Auch die Polizei ging schnell von einer Straftat aus – auch, weil sie sich nicht bei der Agentur gemeldet hatte: "Das war für uns ein Indiz dafür, dass Georgine nicht aus freien Stücken ihr Umfeld verlassen hat", so Ermittler Bernhard Jaß.

Eine der größten Suchaktionen der Berliner Polizei

Über die letzten Stunden vor Georgines Verschwinden sind nur Eckdaten bekannt: Die 14-Jährige fuhr mit dem Bus von ihrer Schule mit der Linie M27 nach Hause. An ihrer Haltestelle stieg sie gegen 14 Uhr aus. Danach bog sie in die Straße ein, in der sie wohnte. Um 14:15 Uhr wurde ihr Handy ausgeschaltet. Von da an gab es kein Lebenszeichen mehr von ihr. Zu Hause kam sie nie an.

Für die Familie brach eine Welt zusammen – auch für die sieben Jahre jüngere Michelle. Von nun an drehte sich alles um die Fragen: Wo ist Georgine? Und was ist passiert?

Die Berliner Polizei startete eine der größten Suchaktionen ihrer Geschichte: Hunderte Wohnungen, Keller und Dachböden wurden durchsucht. Sie befragten die Familie, Mitschüler und Nachbarn. Doch jahrelang  gab es keine Spur.

"Er ist dringend verdächtigt"

Seit dem 31. Juli 2019 läuft nun am Berliner Landgericht ein Prozess gegen Ali K. Der 44-jährige Vater von drei Kindern wohnt unweit des Hauses, in dem Georgine damals lebte. Die Staatsanwaltschaft Berlin wirft ihm ein schweres Verbrechen vor: "Er ist dringend verdächtigt, das Mädchen an der Bushaltestelle abgefangen zu haben, sie in den Keller seines Wohnhauses in Berlin-Moabit gelockt zu haben und sie dort aus sexueller Motivation heraus, getötet zu haben", so Sprecher Martin Steltner.

Laut Prozessakte ist Ali K. bereits 2012 strafrechtlich aufgefallen. Damals wurde er wegen einer Sexualstraftat verurteilt: In seinem Keller hatte er eine Minderjährige geschlagen und sexuell bedrängt. Weil Ali K. in der Nähe von Georgines Familie lebte, geriet er bei späteren Ermittlungen in den Fokus der Mordkommission. Ermittler Bernhard Jaß und seine Kollegen entschieden sich für einen außergewöhnlichen Schritt: Sie setzten auf Ali K. verdeckte Ermittler an, speziell ausgebildete Polizeibeamte, die als Privatpersonen eingesetzt werden. Während der Ermittlungszeit führen sie ein anstrengendes und mitunter gefährliches Doppelleben.

Im Fall von Ali K. nahmen die verdeckten Ermittler gezielt Kontakt mit ihm auf. Sie freundeten sich intensiv mit ihm an. Dieses Vertrauen wurde so eng, dass Ali K. ihnen nach eineinhalb Jahren offenbar erzählte, wie er Georgine vergewaltigt und dann getötet habe. Die Leiche von Georgine habe er verpackt und im Hausmüll entsorgt. Diese Aussagen zeichneten die Ermittler auf.

Zählen Aufnahmen vor Gericht?

"Wenn Ton- und Videoaufnahmen getätigt werden, stellt sich die Frage: Wie sind die zustande gekommen? Ist zielgerichtet ein persönliches Gespräch aufgenommen worden? Was ist tatsächlich verwertbar? Das ist sehr kompliziert und muss juristisch aufgearbeitet werden", sagt Michael Böhl, vom Bund deutscher Kriminalbeamter.

Das Gericht muss nun darüber entscheiden, wie glaubhaft diese Aufnahmen sind. Und wie die Aussagen mehrerer Frauen, die alle erklärten, dass Ali K. sie bedrängt hätte, gewichtet werden. Das Urteil wird in den nächsten Wochen erwartet.

Sendung: Täter-Opfer-Polizei, 04.12.2019, 21:00 Uhr

Beitrag von Uta Damm

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