20.12.2019, Berlin: Musiker Frank Zander (M) verteilt bei seinem 25. Weihnachtsfest für Obdachlose und Bedürftige Weihnachtsgans an die Gäste. (Quelle: dpa/Fischer)
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Video: 25 Jahre Weihnachtsfeier für Obdachlose | 14.12.2019 | Bild: dpa/Fischer

Interview | Fest für Obdachlose mit Frank Zander - "Wie eine Familienfeier, die ein bisschen größer geworden ist"

Bereits zum 25. Mal hat Frank Zander am Freitag zum Weihnachtsessen ins Estrel-Hotel geladen. 3.000 Obdachlose kamen. Am Eingang begrüßte der Gastgeber persönlich seine Gäste - der anstrengendste Part, meinte Frank Zander vorab im rbb-Interview.

rbb: Das Weihnachtsessen für Obdachlose ist zu einer riesigen Institution in Berlin geworden. Ist das Druck oder Routine?

Frank Zander: Nein, das ist kein Druck und auch keine Routine. Es ist immer noch das Thema: Familie Zander mit Freunden lädt ein. Das ist keine große Fabrik, sondern immer noch eine Familienfeier, die ein bisschen größer geworden ist.

Worauf können sich die Obdachlosen in diesem Jahr freuen?

Sie können sich auf einen wunderschönen, beheizten Saal freuen, auf die gedeckten Tische und auf ihre Kollegen, die sie sonst nur in der Kälte sehen. Natürlich gibt es auch viele Geschenke, die wir von Firmen gestellt bekommen haben. Es sind wieder Friseure da, die die Menschen frisieren. Zum Essen gibt es 3.000 Gänsekeulen und Plätzchen. Wir haben den besten Koch. Uns ist einfach wichtig, dass es eine Feier für arme Menschen ist.

Sie werden am Eingang wieder die Obdachlosen begrüßen. Welche Begegnungen machen Sie dabei?

In erster Linie ist es für uns Weihnachten. Die Menschen kommen auf uns zu. Wenn ich die armen Menschen am Eingang willkommen heiße, bekommen sie ein Leuchten in den Augen, strahlen mich an und umarmen mich. Das ist sehr herzzerreißend, denn sie haben sich nicht als arme Menschen verkleidet. Das sind wirklich arme Menschen. Jedes Mal sage ich meinen reichen Freunden: 'Kommt einfach mal hierher, um zu sehen, wie gut es euch geht.' Dann bin ich auch ziemlich kaputt, weil es eigentlich die anstrengendste Arbeit ist, alle zu begrüßen. Manchmal brauche ich auch einen kleinen Schuss Wodka, weil mich das sehr rührt.

Was genau rührt Sie dabei?

Diese Menschen glänzen wieder. Ich sehe beispielsweise Muttchen in ihren Rollstühlen und mit Hunden. Sie bedanken sich bei mir und umarmen mich. Ich muss auch jedes Mal erklären, dass wir keine Stiftung sind. Alles geht direkt an die Diakonie. Ich sammel und singe, was auch schon ein bisschen anstrengend ist. Aber ich halte durch.

Sind in den letzten 25 Jahren auch Freundschaften entstanden?

Ja, klar. Die Menschen freuen sich jedes Mal. Sie sagen zu mir, dass ich damit weiter machen soll. Das Essen sei für sie das Highlight des Jahres. Sie erzählen, dass sie sonst irgendwo rumhängen und weggeschickt würden. Ich bekomme auch mal was geschenkt. Das Entgegenkommen ist gewaltig.

Auf welchen Teil des Abends freuen Sie sich am meisten?

Es gibt einen sehr schönen Teil des Abends mit Reinhard Mey. Wir sind wahnsinnig stolz, dass er kommt. Zum 25. Weihnachtsessen ist auch Ulli Zelle mit seiner Band dabei. Das wird ein tolles Programm. Zum Schluss komme ich nochmal auf die Bühne. Es haben sich auch zahlreiche Fernsehstationen angemeldet, beispielsweise aus Frankreich, Russland, Italien und Spanien. Es wird mir häufig die Frage gestellt, warum ich das mache. Ich mache es nicht, weil die Leute meine CD kaufen sollen, sondern weil ich noch einen christlichen Urfunken habe. Es ist Weihnachten und ich möchte was abgeben. Mir geht es gut, ganz einfach.

Was motiviert die zahlreichen Helfer mitzumachen?

Wir hatten 800 Bewerbungen, davon sind nun 80 Helferinnen und Helfer im Einsatz. Es ist auch eine tolle Feier für sie, weil sie Stars sehen können. Hinterher haben wir immer noch eine kleine Feier.

Fällt Ihnen eine Begegnung mit einem Obdachlosen ein, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es kam mal ein Riesenschrank von Mann zu uns, der sich plötzlich bei mir ausheulte. Der Mann hatte einen Tag vor der Weihnachtsfeier seinen Freund verloren, der auch mitkommen wollte. Das war schon sehr herzerweichend.

Wie geht es mit dem Weihnachtsessen weiter?

Solange ich Kraft habe, gebe ich es weiter. Ich bin auch ein gewisses Vorbild für einige. Denn ich habe auch meine Meinung zur Erwerbung: Erst wenn es wehtut, merkt der Mensch, dass etwas falsch gelaufen ist.

Hintergrund

Frank Zanders erste Weihnachtsfeier für Obdachlose fand 1995 im brandenburgischen Schloss Diedersdorf am südlichen Berliner Stadtrand statt - damals mit rund 250 Gästen. Inzwischen sind allein rund 350 Helfer nötig. Serviert wird das Essen von Prominenten aus Politik, Sport und Showbiz, darunter Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (alle SPD), Linken-Politiker Gregor Gysi, Schauspielerin Simone Thomalla, dem früheren Boxer Axel Schulz und Hertha-Urgestein Andreas "Zecke" Neuendorf.

Neben Gänsebraten und Musikprogramm erhalten die Gäste auch Sachspenden wie Lebensmittel, Kleidung oder Schlafsäcke, wie Zanders Agentur Zett-Records mitteilte. Unterstützt wird die Veranstaltung vom Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz als jahrelangem festen Partner und zahlreichen weiteren Sponsoren. Ermöglicht wird die Feier für Obdachlose durch zahlreiche Geld- und Sachspenden. So steuert die Gewerkschaft der Polizei in diesem Jahr über tausend warme Outdoorpullover und Jogginganzüge bei, wie es hieß. Hertha BSC stelle 166 Winterjacken und die Bäckerinnung über 120 Stollen zur Verfügung.

Rückblick auf das 24. Weihnachtsessen mit Frank Zander

Sendung: rbb 88,8, 20.12.2019, 16:45 Uhr

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Antwort auf [Dr. Kawasaki] vom 21.12.2019 um 07:34
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26 Kommentare

  1. 26.

    Da packt der Frank 1x Jahr so etwas an und schon wird er als Engel der Armen deklariert. Vermutlich brauchten einige Spender kurz vor Jahresende die Ausgaben fürs Finanzamt. Die eigentliche Leistung kommt vom Diakonischen Werk. Zander macht nur das Gesicht nach Außen und erntet den Dank alleine. Finde ich nicht richtig. Aber was soll’s. Gans geht immer. Merkwürdig, keine Kritik von der Veggiefraktion ? Offenbar traut sich da keiner. Die ganze Aktion ist überpowert. Die ganzen ehrenamtlichen Küchen sind tagtäglich im Einsatz und bekommen nicht solch ein Feedback wie diese Gänsefresserei.

  2. 25.

    Sehr klar umrissen Ihr Kommentar. Danke hierfür. Mein Nachbar, der krank und wie ich alleinstehend ist, freud sich auf die von mir mitgebrachten Würstchen und Kartoffelsalat zum Fest.

  3. 24.

    ...und wer neidisch ist auf die Aifmerksamkeit, die Frank Zander, die Promis und alle hier erwähnten Orgas für ihr Engagement bekommen, kann ja in den nächsten Tagen... oder sogar an allen 365 Tagen im Jahr!... mal in deiner unmittelbaren Nachbarschaft gucken, ob da jemand was braucht, was man selbst reichlich hat und teilen kann oder was sich sogar verdoppelt, wenn man es teilt, etwa Zeit, Nähe, einen gemeinsamen Tee, gemeinsam Spielen, Klönen usw. statt alleine vorm PC oder Smartfone zu hocken und Nörgelkommentare zu tippen.

  4. 23.

    Ja, bleibt er, während Nörgelkommentare, vor allem, wenn zahlreich, einfach vergessen werden. Warum? Es wird zu viel genörgelt und zu wenig gehandelt.

  5. 21.

    Tolle Leistung als Ururenkel von Frankenstein! - https://www.songtexte.com/songtext/frank-zander/der-ururenkel-von-frankenstein-43cf1f7f.html

  6. 20.

    Was Sie hier absondern ist einfach unredlich. Als Frank Zander vor 25 Jahren damit begann, Bedürftigen in dieser Stadt ein angesehenes Weihnachtsfest zu bereiten, hatte der gebürtige Neuköllner keine „Hintergedanken“ wie z.B. Werbung um seine Person zu machen. Es kam/kommt aus vollem Herzen und es war ihm ein persönliches Anliegen zu zeigen, wie naheliegend Nächstenliebe doch sein kann und er hat dies alle Jahre aufs neue gezeigt. Zudem ist sein Engagement ein Fingerzeig und gleichzeitig auch eine Mahnung an uns alle, niemals die Augen zu verschließen vor Armut, Ausgrenzung und Überheblichkeit in unsere ach so zivilisierten Gesellschaft.

  7. 19.

    Eigentlich geht die verarmte Berliner Familie in die Hundertausende.

  8. 18.

    Jedes Jahr dieselbe Arie. Eig kann die Berichterstattung kleiner ausfallen. Steht eh immer dasselbe im Bericht. Routine eben. Werbung für Zander und Co. So bleibt man als alternder Promi in Kopf der Leute.

  9. 17.

    Ich kann das nur unterstreichen. Frank
    Zander ist gebürtiger Neuköllner, ein Mann, der das Leben kennt und seine
    Lebensweisheit weiter gibt ohne selbst
    Ansprüche zu stellen. Ich wuensche ihm
    weiterhin viel Kraft für weitere Weihnachtsfeiern. Vielleicht noch bis zu
    seinem 80.


    aus

  10. 14.

    Widerlich, sich so als Wohltäter aufzuspielen. Damit meine ich die Selbstdarstellung der Politiker bei dieser Veranstaltung. Eine Show für die guten Umfragewerte. Mehr nicht. Wenn sie es ernst meinen würden, müssten sie für soziale Gerechtigkeit und Teilhabe sorgen. Dafür sind die Politiker verantwortlich. Und nicht um symbolisch 1x pro Jahr für ne halbe Stunde die Symptome zu bekämpfen. Wenn die Politik nicht versagen würde und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnen würde, wären solche privaten Initiativen überhaupt nicht nötig.

  11. 13.

    Klasse Sache. Super Leistung von Frank Zander.

  12. 12.

    Es ist in einem reichen Land, - wie Deutschland es noch immer ist, beschämend, - dass es immer mehr Menschen derartig schlecht geht
    Allein die gestiegenen Zahlen seit 1995 für das Weihnachtsessen von Frank Zander sprechen für sich. Ihm schulden alle grossen Dank!

    Zur Kritik an der Bundespolitik gehört auch, - dass die Tafeln immer mehr Zulauf bekommen - weil Menschen es nicht bis zum Monatsende allein schaffen, über die Runden zu kommen. Es ist wahrlich kein Ruhmesblatt!

    Apropos,- wo waren eigentlich die Politiker der Chistlichen Union,- um bei den Menschen zu sein, - und um bei dem Weihnachtessen zu helfen?

    Es wäre schön, - wenn die Abgeordneten im Bundestag im kommenden Jahr auch etwas dazu beitragen würden!

  13. 11.

    Eine sehr schöne Aktion! :) Großen Dank an Herrn Zander und den 80 Helferinnen und Helfer. T
    Tolles Interview!

  14. 10.

    Frank Zander, einer aus dem Volk, einer mitten im Volk. Ob beim Weihnachtsessen oder im Stadion. Lieblingsberliner <3

  15. 9.

    Gut, dass er es seit 25 Jahren uneigennützig macht, während IT-Girls oder andere „Promis“ und Politiker nur kurze auf den Zug aufspringen und nach drei Wochen aufgeben. Ist schließlich mit verdammt viel Arbeit und Herz verbunden!

  16. 8.

    Da bin ich ganz bei dir. Was Frank da seit so vielen immer wieder auf die Beine stellt ist einfach grandios. Gerade weil heutzutage Nächstenliebe und Respekt gegenüber anderen nicht mehr viel Wert ist. Traurig und sehr schade!

  17. 7.

    Dreimal Chapeau!!! für Frank. Einfach klasse dieser Mensch.

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