Marktplatz Bernau (Bild: imago images/Bernd Friedel)
Bild: imago images/Bernd Friedel

Daten von Immobilienunternehmen - Mieten im Speckgürtel steigen stärker als in Berlin

Immer mehr Menschen ziehen in den Speckgürtel von Berlin. Deswegen steigen dort die Mieten mittlerweile stärker als in der Hauptstadt selbst. Vor allem die Erstvermietungen tragen laut dem BBU-Monitor 2019 zum hohen Preisniveau im Umland bei.

Im Berliner Speckgürtel sind die Mieten zuletzt stärker gestiegen als in der Hauptstadt selbst.

Wer eine Wohnung im Umland bezog, zahlte 2018 im Schnitt 6,74 Euro netto kalt pro Monat. Das  waren 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Verband Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU) in seinem Monitor am Dienstag auf Basis von Daten seiner Mitglieder mitteilte.

"Die vergleichsweise hohe Steigerungsrate ist dem hohen Anteil von Erstvermietungen in diesem Jahr geschuldet", erklärte Verbandsvorstand Maren Kern das Mietenwachstum im Umland. Dort bleibe es aber billiger als Berlin. In der Hauptstadt erhöhten die Mitglieder die Mieten bei Neuverträgen demnach um 4,7 Prozent auf 7,80 Euro und damit langsamer als im Vorjahr. In Brandenburg waren es im landesweiten Durchschnitt 2,7 Prozent auf 5,76 Euro.

Verband verteidigt Mieterhöhungen

Der Verband vertritt sowohl Genossenschaften und städtische Gesellschaften als auch private Vermieter wie die Deutsche Wohnen und Vonovia. Die Mitglieder halten etwa 43 Prozent der Mietwohnungen in Berlin und 44 Prozent in Brandenburg. Auch in bestehenden Verträgen wurde das Wohnen bei ihnen teurer: in Berlin um 2,7 Prozent auf durchschnittlich 6,14 Euro, in Brandenburg um 2 Prozent auf durchschnittlich 5,14 Euro.

"Unsere Mitgliedsunternehmen stehen nachweislich für gutes und bezahlbares Wohnen in Berlin und dem Land Brandenburg", betonte Kern. Man liege deutlich unter dem Durchschnitt der Mieten, die in Inseraten auf Online-Immobilienportalen verlangt würden, betonte der Verband.

Er zog aber gleichzeitig - mit Blick auf die Debatte um den geplanten Berliner Mietendeckel - in Zweifel, dass solche Portale repräsentative Daten liefern. Viele große Vermieter inserierten dort nicht mehr so häufig wie früher, weil sie mehr Wohnungen direkt über ihre Vermietungsbüros vergäben, hieß es.

Lompscher: Keine Ausnahmen vom Mietendeckel möglich

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) wies auf rbb-Nachfrage die Vorwürfe zurück. "Die Forderung des BBU, gemeinwohlorientierte Wohnungsunternehmen vom Mietendeckel auszunehmen, ist aufgrund des im Grundgesetz festgeschriebenen Gleichbehandlungsgrundsatzes rechtlich nicht umsetzbar", sagte Lompscher dem rbb.

"Wohnungsunternehmen mit günstigen Bestandsmieten werden vom geplanten Mietendeckel nicht oder nur in geringem Umfang betroffen sein", so Lompscher weiter, da ihre Mieten in der Regel unter der zulässigen Obergrenze liegen würden. Zudem lasse der Mietendeckel moderate Erhöhungen zu.

Laut BBU-Marktmonitor liegen allerdings zumindest die Mieten für die drei am häufigsten neu vermieten Baualtersklassen zum Teil deutlich über den Obergrenzen, die Lompschers Mietendeckel bislang vorsieht. Bei 8.825 BBU-Wohnungen, die bis 1948 gebaut wurden, lag der Durchschnittspreis bei Neuvermietung bei 8,61 Euro pro Quadratmeter. Der Mietendeckel sieht für diese Gebäudeklasse allerdings lediglich Preise bis maximal 6,45 Euro vor. In der Baualtersklasse 1949-1972 verlangten die BBU-Unternehmen bei Neuvermietung im Schnitt 7,44 Euro pro Quadratmeter. Laut Mietendeckel dürften es aber maximal 6,08 Euro sein. Für insgesamt fast 21.000 Wohnungen würden sich damit Mietsenkungsansprüche ergeben, sollte der Mietendeckel wie geplant beschlossen werden.

Parteien begrüßen den BBU-Monitor

Die Parteien in Berlin und Brandenburg begrüßen die erhobenen Daten des BBU, ziehen aber unterschiedliche Schlüsse.

Unterstützung kam von der wohnungspolitischen Sprecherin der Links-Fraktion im Brandenburger Landtag, Isabell Vandre. "Häufig wird die rasante Preisentwicklung in der Bauindustrie beklagt. Deshalb unterstützen wir die Forderung des BBU an die Landesregierung, für mehr Flexibilität bei Sanierung und Neubau zu sorgen. Gleichzeitig warnen wir aber davor, den Preisanstieg auf dem Rücken von Mieterinnen und Mieter auszutragen."

Christian Gräff, wohnungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, sieht im BBU-Monitor nach seiner Aussage eine Ablehnung gegen den geplanten Mietendeckel des Senats. Die Daten würden zeigen, dass die Mitgliederunternehmen des BBU weniger Miete verlangen würden, als es auf dem Markt üblich sei, teilte er mit, "Diese positiven Ergebnisse stellen den sogenannten Mietendeckel einmal mehr infrage", so Gräff weiter. Die befürchteten Einnahmeverluste in Milliardenhöhen würde zu einem Rückgang beim Wohnungsneubaud führen. "Das ist nicht im Interesse der Berliner Mieter."

Aus Sicht der FDP-Fraktion im Abgeordenetenhaus zeigt sind die Mieten in der Innenstadt "für viele Berlinerinnen und Berliner "einfach zu teuer". "Mietendeckel, Mietpreisbremse oder auch Enteignung werden das Problem jedoch nur noch verschlimmern", teilte der wohnungspolitische Sprecher, Stefan Förster, mit. Es gebe nur einen Lösungsweg: "Bauen, bauen, bauen".

Sendung:  Inforadio, 10.12.2019, 11:30 Uhr

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Deshalb, bauen ja auch viele Familien, ihr eigenes Häuschen im Berliner Umland.

  2. 5.

    Schön und gut dass sie das hier reinschreiben aber haben sie diese Sachen auch den entsprechenden Stellen mal gemeldet damit dagegen was unternommen werden kann?

  3. 4.

    Bei mir im Haus steht eine Wohnung, renoviert und keine überhöhte Miete, seit fast einem Jahr leer. Eine zweite Wohnung, die ein Türke gemietet hat - er wohnt seitdem bei seiner Lebenspartnerin -, wird von ihm seit Hartz 4 eingeführt wurde immer wieder privat vermietet. Ob er jetzt noch einen Mietzuschuß bekommt, ist mir nicht bekannt. In einem anderen Block vermietet ein reicher Pole, der wieder in seiner Heimat lebt, seine Wohnung weiter und kassiert den Mietzuschuß. Man sollte mehr gegen diesen Mißbrauch vorgehen. Ich glaube, dann stände dem normalen Wohnungsmarkt viel preiswerter Wohnungsraum zur Verfügung.

  4. 3.

    Da werden sich die Brandenburger aber freuen. Mietsteigerungen durch Zuzug. Wie waren noch die Wahlergebnisse? Und was sagten viele Brandenburger? Wir haben Protest gewählt! Herzlichen Glückwunsch dazu. Seid freundlich zu euren neuen Nachbarn, die können nüscht dafür. Es ist die rötliche Symbolpolitik Berlins, die euch in die Uckermark treiben wird.
    Eure erdfarbenen Wunschpolitiker werden daran gewiss nichts ändern, das sind die Resultate eines prosperierenden Wohlstandes und der damit einhergehenden Entwicklung. Einen Mietendeckel haben eure Freunde bereits ausgeschlossen. Wohnen in Brandenburg wird bald teurer sein als in Berlin, ich lach mich schlapp.

  5. 2.

    Nicht nur die Mieten steigen, auch die Verkaufspreise der Grundstücke/Häuser steigen. Es vergeht nicht eine Woche, in meinem Briefkasten ein/e Makler/in mein Haus meistbietend verkaufen möchten. Berliner schauen auf Kita, Schule, Turnhalle ... In meinem Wohnort erstklassig. Der Niedrigzins ist die Qual derer, die nichts sehen möchten.

  6. 1.

    Wers glaubt, glaubt, glaubt.

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