Polizisten nehmen in der privaten Schlosspark-Klinik eine Person fest (Quelle: dpa/Paul Zinken).
Bild: dpa/Paul Zinken

Attacke auf Fritz von Weizsäcker - Schwer verletzter Polizist bedankt sich für Unterstützung

Er hatte versucht, den tödlichen Angriff auf Fritz von Weizsäcker zu verhindern und kam fast selber ums Leben: Der 33-jährige Polizeibeamte, der den Angreifer aufhalten wollte, hat sich nun in einem Brief zu Wort gemeldet. Darin schreibt er von "tiefen seelischen Schmerzen".

Fünf Wochen nach dem tödlichen Messerangriff auf den Berliner Arzt Fritz von Weizsäcker hat sich der Polizist geäußert, der dem Mediziner zu helfen versucht hatte. "Ich habe gehandelt, weil es für mich nichts Bedeutenderes als das Leben gibt, und weil es Aufgabe der Polizei ist, dieses Leben mit allen Mitteln zu schützen", schrieb der 33-jährige Ferrid Brahmi in einem Brief, den die "Berliner Morgenpost" [morgenpost.de - Bezahlschranke] zu Heiligabend veröffentlichte. Er empfinde "tiefen seelischen Schmerz" über den Tod Weizsäckers. Der 19. November 2019 habe seine Vorstellung vom Leben, die er hatte und schätzte - und für selbstverständlich hielt - verändert.  

Angreifer in der Psychatrie

Der 59 Jahre alte Arzt - ein Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker - war am Abend des 19. November nach einem öffentlichen Vortrag in der Schlosspark-Klinik in
Berlin-Charlottenburg von einem Zuhörer niedergestochen und getötet worden. Der privat anwesende Kriminalkommissar hatte versucht, sich dazwischen zu werfen, und wurde schwer verletzt. Der Vater von vier Kindern musste danach notoperiert werden.

Der Angreifer, ein 57-jähriger Mann aus Rheinland-Pfalz, wurde direkt nach der Tat gefasst und in eine Psychiatrie eingewiesen. Er soll "wahnbedingt" eine Abneigung gegen die Familie von Weizsäcker haben. Die Behörden ermitteln wegen Mordes und versuchten Mordes.

Brahmi bedankte sich nun für die große öffentliche Anteilnahme. "Die Unterstützung hat mir gezeigt, dass auch in dunklen Zeiten Mitgefühl und Liebe in unserer Gesellschaft überwiegen."

FDP-Politiker Luthe: Dienstwaffe soll auch privat getragen werden dürfen

Der FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe forderte, Polizisten das Tragen ihrer Dienstwaffe auch außerhalb der Dienstzeit zu erlauben. "Wer von den Polizisten verlangt, jederzeit einzugreifen, hat auch die Pflicht, dass diese sich jederzeit schützen können", so Luthe. Er kritisierte, dass die schweren Verletzungen des Polizisten bisher noch nicht als qualifizierter Dienstunfall anerkannt wurde. "Statt schnell und entschlossen die tapfere Leistung des Beamten anzuerkennen, lässt der Senator einmal mehr den Amtsschimmel wiehern und den Kollegen im Unsicheren."Zuvor hatte die Senatsverwaltung für Inneres auf Nachfrage von Luthe mitgeteilt, dass die Prüfung des Vorfalls "noch nicht abgeschlossen" sei. Auch die Frage des FDP-Politikers, ob der Beamte sich korrekt verhalten habe, könne man wegen der laufenden Ermittlungen nicht beantworten.

"Die Behördenleitung der Polizei Berlin hat dem Polizeibeamten persönlich für seinen
Einsatz gedankt", so die Senatsinnenverwaltung. "Zur Würdigung besonderer Leistungen von Dienstkräften der Polizei Berlin kommen darüber hinaus weitere Anerkennungsmöglichkeiten in Betracht, beispielsweise die Verleihung des Ehrenzeichens für besondere Leistungen im
Dienst des Polizeipräsidenten in Berlin oder die Zahlung einer Leistungsprämie." Auch dazu laufe aktuell noch die Prüfung.

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12 Kommentare

  1. 12.

    Ob Sie es glauben (wollen) oder nicht, die Beschreibung entspricht den Tatsachen, Willi.

    https://ais.badische-zeitung.de/piece/0a/b5/12/f8/179639032-h-720.jpg

  2. 10.

    "57-jähriger Mann aus Rheinland-Pfalz" ... in Jogginhosen und Laufschuhen, wirklich sehr glaubhaft ?

  3. 9.

    Wenn ich in Gefahr gerate, wünsche ich mir auch so einen tollen Retter, der gleich eingreift. Unverständlich, dass diese Folgen noch nicht als qualifizierter Dienstunfall anerkannt wurden. Das ist wichtiger als jede Auszeichnung,deren Bedeutung aber hier nicht kleingeredet werden soll. Herrn Brahmi wünsche ich ein friedliches Weihnachtsfest mit der Familie und Alles Gute für 2020. Den Angehörigen von Herrn Dr.Weizäcker viel Kraft in ihrer Trauer.

  4. 8.

    Gute besserung und Frohe Weihnachten.
    Prüfung und hinauszögern typisch Herr Geisel. Kennen wir in lichtenberg nicht anders. War Bürgermeister der Herr.
    Allen frohe Weihnachten.

  5. 7.

    Danke! Menschen wie Sie sind wahre Weihnachtsengel.

    Möge allen Traurigen ein wenig Weihnachtsfriede gegönnt sein.

  6. 6.

    Ich schließe mich an. Danke, Herr Brahmi für Ihren Einsatz und Ihre Haltung! Alles Gute für Sie und Ihre Familie und hoffentlich sind Sie bald wieder völlig genesen, physisch so wie psychisch!
    Ich schließe mich auch der Forderung von Herrn Luthe an: gewährt den Beamten das Tragen Ihrer Dienstwaffen auch in der Freizeit! Und was, verdammt noch mal, gibt es hier Seitens der Senatsverwaltung noch zu prüfen??? Diesem Mann gebührt jedwede Unterstützung und Anerkennung!!!
    Gruß,
    Hajakon

  7. 5.

    Auch ich schließe mich diesen Worten an.....ein hoffentlich schönes Weihnachtsfest für die Familie des Polizisten und für die Hinterbliebenen des Opfers viel Kraft in dieser schweren Zeit.

  8. 2.

    Weitere gute Besserung dem Polizisten und meinen Respekt, gehandelt zu haben.
    Mein Beileid allen Angehörigen, es wird für sie ein schwer zu ertragendes Weihnachten.
    Gem. Beamtenrecht ist ein in der Freizeit befindlicher Polizist, beim Geschehen einer Straftat in seinem Beisein, automatisch im Dienst, somit gilt die Verletzung als im Dienst erfolgt; damit sollte auch jedem noch unempathischen Verwaltungspersonalbearbeiter klar sein, welches Dienstrecht anzuwenden ist.
    In Ausübung des Dienstes, ergo ein Dienstunfall.

  9. 1.

    Was gibt es denn hier noch zu prüfen????? Wir sollten dankbar sein, das es solche Menschen gibt! Ein friedliches Weihnachtsfest und alles gute für den Helden!!

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