Ein Katta schaut in einen roten Nikolaushut (Quelle: dpa/rtn)
Audio: Inforadio | 06.12.2019 | Interview mit Matthias Schirmer | Bild: dpa/rtn

Fakten zum 6. Dezember - Vier populäre Irrtümer über Sankt Nikolaus

Roter Mantel, weißer Bart und ein Sack voller Schokolade - so kennen viele Kinder weltweit den Nikolaus. Doch die historische Figur hat damit wenig zu tun. Matthias Schirmer über Irrtümer rund um Nikolaus, Sinterklaas oder Santa Claus.

1) Sankt Nikolaus verschenkte Schokolade.

Der Nikolaustag verdankt seinen Namen dem heiligen Bischof von Myra, der im 3. Jahrhundert in Lykien (im Südwesten von Antalya, der heutigen Türkei) geboren und mit dem Namen "Nikolaus" getauft wurde. Die Kakaobohne aber kam erst viele hundert Jahre später mit Christoph Columbus nach Europa – erst noch später wurde Schokolade daraus hergestellt.

Allerdings war Nikolaus zu Lebzeiten barmherzig und uneigennützig. So soll er sein Privatvermögen und das seines kleinen Bistums für soziale und caritative Zwecke gespendet haben. Zahlreiche Legenden ranken sich um ihn. Dies verdankt Sankt Nikolaus, Santa Claus oder Sinter Klaas jedoch auch der späteren Verschmelzung zweier historischer Nikoläuse: Seiner Person mit der des Mönches, Abtes und späteren Bischofs Nikolaus von Sion (bei Myra).

Der lebte wiederum mehr als 200 Jahre später, Mitte des 6. Jahrhunderts. Die wichtigste Legende, die ihn zum Kinderfreund machte, erzählt von einem armen Mann mit drei Töchtern, die er aus Geldmangel als Prostituierte anschaffen lassen wollte. Ihnen soll der Nikolaus in der Nacht heimlich drei Goldklumpen durchs Fenster geworfen haben. Mit dieser Mitgift konnten sie ehrenhaft heiraten. Nach anderen Legenden rettete er Kinder und Arme vor Hungersnöten, indem er Wunder tat. So gesehen scheint der historische Heilige Nikolaus eher ein Sozialreformer gewesen zu sein.

2) ... trug einen roten Mantel.

Frühe Darstellungen zeigen Nikolaus mit Bischofsmütze (Mitra) und Bischofsstab, nicht jedoch im roten Mantel, mit Pelzbesatz oder weißem Bart. Es ist auch ein Irrtum, dass die Coca-Cola Company den roten Mantel erfand. Richtig ist zwar, dass der Konzern ab 1931 weltweit mit weihnachtlichen Werbekampagnen für ihr Getränk warb. Der rote Mantel und der Rentierschlitten stammen jedoch aus den USA des 19. Jahrhunderts. In einem englischen Gedicht von 1821 kommt die Figur eines in Pelz gekleideten "Santeclaus" vor, der mit einem Rentier-Schlitten unterwegs ist. Ein Jahr später vervielfachte Clement Clarke Moore in seinem Gedicht "The Night before Christmas" die Anzahl der Rentiere und ließ ihn durch den Kamin kommen.

Den Vollbart verdankt Santa Claus dem Karikaturisten Thomas Nast, der für die Zeitung "Harper’s Weekly" zeichnete. Nun trug er meist auch einen roten, aber auch einen blauen, grünen oder violetten Mantel. Endgültig auf rot umgestellt wurde sein Outfit dann durch die steigende Popularität von Weihnachtskarten: Louis Prang war sehr erfolgreich mit einer Karte, auf der ein dicker Santa mit rotem Anzug abgebildet war.

3) … ist in den USA am beliebtesten.

Tatsächlich wird Nikolaus seit dem 8. Jahrhundert besonders in Russland verehrt. Als Patron Russlands trugen zwei russische Zaren seinen Namen. Eine Reliquienausstellung mit Knochen des Heiligen zog 2017 in Moskau fast 2,5 Millionen Pilger an. Es handelte sich dabei um Gebeine, die im frühen 11. Jahrhundert nach Italien gebracht worden waren: Vor der Eroberung Myras durch seldschukische, also muslimische Truppen sollen süditalienische Kaufleute die Knochen aus der St.-Nikolaus-Kirche in Myra/Demre gestohlen haben.

Sie wurden in die italienische Hafenstadt Bari gebracht und dort seitdem in der Basilika San Nicola verehrt. Später berichteten allerdings türkische Archäologen, sie hätten ihrerseits das Grab des heiligen Nikolaus entdeckt. Es läge unterhalb der Nikolaus-Kirche im heutigen Demre.

Die Gebeine aus Bari wurden in den 1950er Jahren archäologisch untersucht. Nach der Jahrtausendwende versuchte die Anthropologin Caroline Wilkinson das Gesicht des historischen Nikolaus zu rekonstruieren. Dabei stellte sie fest, dass diese Person einen Nasenbeinbruch hatte.

4) … hat nichts mit Weihnachten zu tun.

Tatsächlich versuchte Martin Luther, die Heiligenverehrung des Nikolaus im 16. Jahrhundert zu beenden. Stattdessen propagierte er den Geburtstag des "lieben Heilands", also den 24. Dezember zum Tag der Geschenke für Kinder. Ganz gelungen ist ihm dies allerdings nicht. Im Nachbarland Holland ist der Abend des 5. Dezembers nach wie vor Haupttag für Geschenke. Er heißt "Pakjesavond" (Geschenkabend). Hier spielen der Sinter Klaas und sein Gehilfe, der Swarte Piet, eine zentrale Rolle im Brauchtum.

Gegenüber den Schnäppchen-Events "Black Friday" oder "Cyber Monday" verliert das Geschäft mit dem Nikolaustag jedoch in Deutschland an Bedeutung. Nur gut ein Viertel der Konsumenten hatte in diesem Jahr vor, für den Nikolaustag einzukaufen. Im Vorjahr war es noch fast ein Drittel der Befragten. Für die eigenen Kinder werden einer Umfrage zufolge durchschnittlich 26 Euro ausgegeben. Für den Partner müssen 21 Euro reichen.

Sendung: Inforadio, 06.12.2019, 10:05 Uhr

Beitrag von Matthias Schirmer, Redaktion Gesellschaft und Religion

Kommentar

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Antwort auf [Schwester Constructa ] vom 06.12.2019 um 08:14
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3 Kommentare

  1. 3.

    Nikolaus' Grab kann man heute in der in der kleinasiatischen Region Lykien, heute Türkei, besuchen.
    Das Gebiet war in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts von Christen bevölkert. Dort war Nikolaus Bischof von Myra.

  2. 2.

    Ein schöner Beitrag. Eine Frage hätte ich schon noch gerne beantwortet gesehen. Was hat eigentlich der „Knecht Ruprecht „ mit dem Nikolaus zu tun. Als Kind hatten wir im Kindergarten eine Heiden Angst vor ihm. Denn er wedelte ständig mit seiner Rute herum und schaute böse drein. Sollte dieser etwas nur das Gegenstück zum guten alten Mann mit dem weißen Bart darstellen?

  3. 1.

    man gut, daß die kleinen Kinder noch nicht lesen können
    sonst wären die Illusionen im Eimer

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