Mit Hochdruck gegen den Dreck im Flughafentunnel Tegel (Bild: rbb/Thomas Rautenberg)
Audio: Inforadio | 07.12.2019 | Thomas Rautenberg | Bild: rbb/Thomas Rautenberg

Tunnelwartung in Tegel - Weg mit dem Dreck!

Nach der Arbeit nur noch schnell nach Hause - und dann ist die Stadtautobahn in Berlin wegen einer Tunnelwartung gesperrt. Warum muss ein Tunnel eine ganze Nacht lang für Wartungsarbeiten geschlossen werden? Von Thomas Rautenberg

Die Tür ist zu, die Fahrt mit dem Einsatzfahrzeug der Berliner Autobahnmeisterei kann losgehen. Es ist 21:15 Uhr, und seit einer Viertelstunde ist die A111 in Richtung Stadtzentrum dicht. Im Radio läuft der Hinweis, der viele Autofahrer nerven wird: Die A111 ist wegen Wartungsarbeiten gesperrt.

Leer ist es auf der gesperrten Autobahn aber nicht. Tieflader stehen herum, die schwere Technik zur Baustelle gebracht haben. Auf der Standspur parken die Fahrzeuge von Landschafts-Baufirmen.

Das Wasser spritzt in alle Richtungen

Die Gärtner haben in kürzester Zeit an den Böschungen schon Unmengen Strauchwerk abgeschnitten. In hohen Bergen liegt das Grünzeug auf der Fahrbahn herum. An der Einfahrt zum Flughafentunnel Tegel reinigt eine Spezialfirma derweil Regenwasserschächte. Wir fahren in den Tunnel hinein. Hier wird es richtig laut: Ein Kompressor dröhnt. Stefan Moritz von der Autobahnmeisterei ist dabei, Fluchttüren und Hinweisschilder abzukärchern. Das Wasser spritzt in alle Richtungen. Der junge Mann hat sich seinen orangefarbenen Arbeitsanzug bis auf einen kleinen Gesichtsausschnitt zugezogen.

Straßenmeister Stefan Moritz (Bild: rbb/Thomas Rautenberg)Straßenmeister Stefan Moritz

"Wir machen hier Wartungsarbeiten an den Fluchttüren im Tunnel, damit alles funktioniert, damit die Meldungen ankommen, damit im Fall eines Unfalls die Leute flüchten können und damit das auch mitbekommen wird", erklärt Stefan Moritz. Durch den Verkehr hat sich im Tunnel eine Menge Schmutz gebildet: "Das muss auch regelmäßig sauber gemacht werden." Zudem müsse die Funktionstüchtigkeit der Türen gewährleistet werden oder die Hydranten-Anlagen für das Löschwasser gewartet werden. Im Flughafentunnel muss viel geputzt werden: zehn bis fünfzehn Türen, Strahlen-Ventilatoren, Kameras und Hydranten. "Das ist also sehr umfangreich", so Moritz.

Nur durch eine Glastür von der Autobahn getrennt

Der Wassernebel hat sich inzwischen verzogen. Durch das Glas der Fluchttüren schimmert das fahle gelbe Licht der Nachbarröhre, in der die Autos unbehelligt von den Wartungsarbeiten Richtung Norden fahren. Für mich ist es schon ein sonderbares Gefühl, nur durch eine Glastür getrennt neben dem Autobahnverkehr zu stehen. Die Tür lässt sich jederzeit öffnen, dann schalten die Schilder auf der anderen Seite automatisch auf Tempo 30, berichtet Moritz.

Jürgen Schulze hat Nachtschicht in der Leitzentrale (Bild: rbb/Thomas Rautenberg)
Jürgen Schulze arbeitet in der Leitzentrale | Bild: rbb/Thomas Rautenberg

Die Berliner Tunnelleitzentrale, in der alle Meldungen zusammenlaufen, ist nur wenige hundert Meter entfernt in der Scharnweberstraße. Die Zentrale ist rund um die Uhr besetzt. Insgesamt 400 Videokameras, die in allen zwölf Berliner Autotunneln installiert sind, übertragen dorthin ihre Bilder. Heute Abend hat Gerhard Schulze Schicht in der Tunnelwarte. Er hat 26 Monitore im Blick, und er spürt es, wie er sagt, wenn sich etwas zusammenbraut.

"Man hat ein gewisses Gefühl, wenn der Verkehr nicht regelmäßig läuft oder wenn es Unregelmäßigkeiten oder Vorkommnisse gibt. Das ist wie eine Art siebter Sinn, der sich entwickelt", sagt Schulze.

Im Schritttempo wird die Tunnelwand gewaschen (Bild: rbb/Thomas Rautenberg)
Tunnel-Waschwagen holt den Schmutz von den Wänden | Bild: rbb/Thomas Rautenberg

Der Dreck kann wie ein Brandbeschleuniger wirken

Nachdem alle Fluchttüren sauber sind und auch die Hinweis- und Verkehrsschilder wieder wie neu leuchten, beginnt nun der Tunnel-Waschwagen mit seiner Arbeit. Dabei handelt es sich um ein Spezialfahrzeug mit einem 5.000 Liter-Tank auf der Ladefläche und einer großen Rundbürste im vorderen Teil des Fahrzeugs, die an einem hydraulischen Arm an der Tunnelwand entlang läuft. Der Dreck an den Wänden entsteht durch Reifenabtrieb oder Abgas-Rückstände. Mindestens dreimal im Jahr muss der Tunnel gereinigt werden, weil der Dreck wie ein Brandbeschleuniger wirken kann, erklärt ein Mitarbeiter. Ein anderes Team schließt im Scheinwerferlicht die Löcher in der Straßendecke mit kochendem Asphalt. Auch die Gärtner haben schon einen Großteil des Gestrüpps auf die Fahrzeuge verladen. Es ist zwei Uhr, und zum morgendlichen Berufsverkehr wird die A111 zwischen Schulzendorfer Straße und Festplatz wieder freigegeben. Bis dahin muss alles fertig sein.

Sendung: Inforadio, 07.12.2019, 9:25 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Das ist der gleiche Dreck, den die Berliner in ihren Lungen haben, dank der Autofahrer.

  2. 1.

    Ohne Atemschutz? - Dann kann man den Dreck ja gleich fressen.

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