Hannah Wiemers (oben rechts) und andere Mitgleider der Crew beim Videochat mit Madrid. (Quelle: Hannah Wiemers)
Hannah Wiemers (oben rechts) und andere Mitgleider der Crew beim Videochat mit Madrid | Bild: Hannah Wiemers

Interview | Eberswalder Studentin wollte zur Klimakonferenz - "Karibik hatte ich eigentlich nicht auf meiner Reisewunschliste"

Die Eberswalder Studentin Hannah Wiemers segelte wochenlang Richtung UN-Klimakonferenz - zumindest, solange diese noch in Santiago de Chile stattfinden sollte. Die Verlegung nach Madrid kam für die Crew zur Unzeit - nun hängen sie in der Karibik fest.

rbb|24: Frau Wiemers, wo erreichen wir Sie gerade und in welcher Umgebung findet das Telefonat statt?

Hannah Wiemers: Sie erreichen mich gerade auf Martinique, einer französischen Insel in der Karibik. Ich sitze hier gerade in einem Café und arbeite. Es ist warm, um nicht zu sagen: sehr heiß hier.

Hätten Sie je gedacht oder hatten Sie je vor, Martinique oder die Karibik zu besuchen?

Ich hatte die Karibik tatsächlich nie auf meiner Reisewunschliste, deshalb habe ich damit nicht gerechnet.

Als die UN-Klimakonferenz COP25 von Santiago de Chile nach Madrid verlegt wurde, dachten Sie…

…dass wir wohl definitiv nicht gemeinsam an der COP teilnehmen können. Da war ich erstmal sprachlos.

Wo genau waren Sie zum Zeitpunkt als klar wurde, dass es der 2. Dezember und Madrid würde?

Da waren wir gerade circa zwei Tage hinter den Kapverden – und damit mitten auf dem Atlantik.

Warum haben Sie Ihr Schiff nicht gewendet und sind Richtung Madrid gesegelt?

Wir hätten unser Schiff so gerne einfach gedreht. Das war aber leider nicht möglich, weil wir mit dem Segelschiff natürlich auch von gewissen Winden und Strömungen abhängig sind und die einen sehr großen Umweg in Richtung Norden erfordert hätten. Dann hätten wir es zeitlich nicht geschafft. Zudem haben wir das Schiff ja gechartert, um damit nach Südamerika zu reisen – und nicht, um wieder zurückzufahren. Das heißt, das Schiff und oder vielmehr die Crew, mit der wir reisen, hat natürlich auch weitere Pläne. Es gab zudem auch Teilnehmer, die die Teilnahme am Projekt "Sail to the Cop" mit anderen Projekten verbunden haben. Sie sind natürlich immer davon ausgegangen, dass wir in Südamerika ankommen werden.

Wie waren die Wochen auf See? Der Atlantik ist ja nicht gerade der Wannsee…

Wir sind jetzt seit fast genau neun Wochen auf dem Schiff. Abgesehen von einer Woche, die wir in Belem verbracht haben, und den paar Tagen nun, die wir schon in Martinique sind, waren wir die meiste Zeit auf See – mit kürzeren Stopps an Land. Die erste Zeit, vor allem auf der Nordsee, war wirklich sehr rau. Es war ein harter Start, da manche von uns noch nie auf einem Segelschiff gewesen sind. Es blieben nur wenige von der Seekrankheit verschont. Es haben aber alle sehr gut aufeinander aufgepasst und sich umeinander gesorgt. Nachdem wir dann die Nordsee und dann später auch den Bay of Biscaye überwunden hatten, die Bucht zwischen Frankreich und Spanien, die auch nochmal wirklich sehr rau ist, konnte uns dann auch nichts mehr so wirklich schocken. Auf dem Atlantik war es dann, bis auf ein paar stürmische Tage, sehr schön ruhig.

Wie ist die Stimmung an Bord?

Wirklich sehr gut. Wir sind 36 Menschen auf diesem Schiff – und das ist schon wirklich eine Leistung, dass wir uns alle noch gern haben. Wir sind aber auch gemeinsam durch schwierige Zeiten gegangen – wie die teils lange anhaltende Seekrankheit und die Absage der Klimakonferenz. Es kennt ja jeder, dass es einen stärken kann, wenn man in Beziehungen durch schwierige Zeiten geht – und ganz genau das ist uns auch passiert mit unserer Gruppe.

Regina Maris liegt vor Anker. (Quelle: Hannah Wiemers)
Arbeitsplatz mit Aussicht: Die Regina Maris liegt in der Karibik vor Anker | Bild: Hannah Wiemers

Und nun Martinique statt Santiago. Warum ausgerechnet Martinique? Wer hat die Entscheidung nach welchen Gesichtspunkten gefällt?

Die Entscheidung wurde von unserem Organisationsteam getroffen. Sie haben uns alle mit einbezogen.

Ist diese Reise trotzdem ein politischer Erfolg?

Inwiefern sie ein politischer Erfolg ist, kann man jetzt gerade noch nicht so ganz sagen. Aber ich glaube, dass wir einfach als Jugendbewegung ein Stück weit dazu beitragen, dass dem Thema Klimakrise eine höhere Wichtigkeit zugeordnet wird.

Was können Sie bislang von der Reise für sich selbst mitnehmen?

Es ist auf jeden Fall ein persönlicher Erfolg für mich. Gerade die gruppendynamischen Prozesse haben mir sehr viele neue Aspekte gezeigt. Und ich habe ein ganz neues Verständnis dafür bekommen, wie ich mich selber politisch einbringen kann. Was das nachhaltige Reisen betrifft, habe ich vor allem mitgenommen, dass es nicht bedeutet, dass wir unser bisheriges Reiseverhalten etwas "grüner" gestalten – also nur nicht mit dem Flugzeug reisen, sondern dass wir unser Reiseverhalten von Grund auf hinterfragen müssen.

Und jetzt genießen Sie die freien Tage in der Karibik?

Tatsächlich ist es jetzt die hektischste Zeit unserer Reise, weil die Klimakonferenz ja gestern begonnen hat. Wir haben ja 22 junge Menschen aus Europa gewinnen können, die uns in Madrid vertreten. Die also zu unserer Gruppe dazugekommen sind. Sie sind alle mit dem Zug zur COP gereist – ganz im Sinne unserer Botschaft. Diese Truppe unterstützen wir von hier. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir online sind. Wir versuchen, so gut es geht, Einfluss auf die Klimakonferenz zu nehmen. Unser kleiner Luxus ist, dass wir am Abend oder am frühen Morgen einmal vom Boot springen und das Wasser hier genießen können.

Auf welchem Schiff setzen Sie denn wann die Segel Richtung Heimat?

Ich werde mit drei weiteren Teilnehmern dieser Gruppe im Februar auf einem Frachtschiff wieder zurück nach Europa reisen. Ich bin dann Anfang März wieder zurück.

Wie nachhaltig reist man denn auf einem Frachtschiff? Fährt das nicht mit Schweröl?

In der Tat sind Frachtschiffe nicht nachhaltig. Wir haben uns dazu entschieden, so zu reisen, weil wir eben nicht fliegen wollten, weil wir auch keine Nachfrage schaffen wollten. Und Flugzeuge sind nun mal nur für Passagiere ausgelegt – während Frachtschiffe für Waren ausgerichtet werden. Wir wollen auf denen quasi eher trampen. Zugleich war das auch die bezahlbarere Lösung – im Vergleich zur Reise auf Segelschiffen. Außerdem werde ich mit dem Frachtschiff in zehn Tagen wieder in Europa sein. Mit dem Segelschiff ist man mehrere Wochen unterwegs. Das war jetzt meine persönliche Prioritätensetzung.

Vielen Dank für das Interview!

Das Gespräch führte Sabine Prieß, rbb|24

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24 Kommentare

  1. 24.

    "Und wieso überhaupt "absolut"?" => Weil die Menschenrechte der zentrale Wert der Aufklärung und die Grundlage unseres Staatswesens sind.

    "entsprechenden Mehrheiten jederzeit geändert werden" => Dafür müsste eine totalitäre Ideologie eine Mehrheit erlangen und dann die Verfassung brechen, in welchem Falle diese uns ein Widerstandsrecht einräumt. Schon in der Schule wird uns allen beigebracht "Wehret den Anfängen", und jetzt kommt eine solche Ideologie, sagt offen was sie vorhat, und ihr haltet das für ganz normal?

    Meinungsfreiheit wollen manche "Klimaschützer" übrigens auch abschaffen. Ihr könnt ja mal googeln, es gibt Online-Blogs auf denen "Klimschützer" fertige Formulierungen für StGB-Paragraphen posten in denen die Äußerung missliebiger Meinungen mit Geld- oder Gefängnisstrafe bedroht wird. Die meinen das so, wehret den Anfängen.

  2. 23.

    Diese Diskussionen gab es in den 80ern schon einmal. Da hieß es seitens der JU-Popper: "Atomkraftgegner überwintern bei Dunkelheit und kaltem Hintern". Diese Ignoranz hat uns alle wertvolle Zeit gekostet.

  3. 22.

    ...einige der von Ihnen für absolut gehaltenen Grundrechte sind aber durch genau Ihre Ansichten gefährdet. Und wieso überhaupt "absolut"? Gottgegeben oder wie? Diese Grundrechte wurden von Menschen für Menschen vereinbart und niedergeschrieben und können bei Notwendikeit und den entsprechenden Mehrheiten jederzeit geändert werden. Und Egoismus gehört offenbar auch zu den Grundrechten. Außerdem besteht jegliches menschliche Zusammenleben aus Vorschriften. Ihr ganzer Beitrag ist unlogisch, unüberlegt und selbstherrlich. 'n Abend

  4. 21.

    @Nachdenkende
    1. Danke dass Sie sich so offen zur Verletzung von Grundrechten bekennen, das macht mir die Antwort einfach: Grundrechte sind nicht verhandelbar, sondern absolut. Sie sind die Grundlage unserer Zivilisation. Die Behauptung dass Verbote, wie sie sich die Klimagläubigen wünschen, dem Gemeinwohl dienten, ist zurückzuweisen.

    2. "die Klimaveränderung aber ist wissenschaftlich belegt."

    Die Behauptung von @Kawasaki war, dass "Fernreisen klimaschädlich" seien. Das ist nicht Wissenschaft, sondern Voodoo. Wer behauptet, ich würde irgendeinen Schaden verursachen wenn ich Urlaub mache, hat das zu belegen, oder die Behauptung zurückzuziehen. Dass sich das Wetter manchmal ändert bestreitet niemand, aber das ist kein Beleg für diese Behauptung. Die Indizien sprechen dagegen: Die motorisierte Luftfahrt feiert bald ihren 120. Geburtstag, und bisher gibt es keine Anzeichen dass deswegen irgendein Unheil drohe.

  5. 20.

    Ich ignoriere den Klimawandel nicht. Ich ignoriere aber Leute, die mir vorschreiben wollen, wie ich leben soll. Ansonsten, Sie dürfen gerne ohne Strom etc. leben. Sie müssen nicht fliegen etc. ABER lassen Sie anderen den Spaß am Leben.

  6. 19.

    "Fernreisen sind grundsätzlich (!) klimaschädlich und müssen vermieden werden."
    Die Mehrheit der Menschen weltweit scheint aber ganz anderer Meinung als sie zu sein:
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/374860/umfrage/flugverkehr-entwicklung-passagiere-weltweit/
    Die Anzahl der Flugpassagiere wird sich bis 2037 verdoppeln.

  7. 18.

    Für Sie vielleicht schon, aber nicht für mich, da ich keiner Sekte angehöre. Ich brauche keinen Leithammel, der mir ständig vorschreiben will was ich zu tun habe um das Klima zu retten. Das weiß ich auch ganz alleine und setze es auch um.

  8. 17.

    Meines Erachtens zeigen Ihre zwei Prämissen (Vorannahmen) eine festgefahrene Weltsicht:
    1) Ist dieses beschriebene "Recht auf freie Entfaltung" historisch und kulturell gewachsen und wird zum Beispiel in anderen sehr entwickelten Kulturen (z.B. ostasiatischer Raum) als weniger relevant gesehen als in unserem Kulturraum. Es ist also nicht gottgegeben. Gemeinschaften funktionieren auch bei uns nur dann, wenn die Individuuen bereit sind, gelegentlich zu Gunsten des Gemeinwohls Verzicht zu üben ("der Staat" und das Gemeinwohl haben auch im nordwestlichen Kulturkreis eine Relevanz! Beim Thema Klima geht es sogar um noch mehr.
    2) Religionen beruhen auf Glauben, die Klimaveränderung aber ist wissenschaftlich belegt. Wenn Sie von Sekten sprechen, verunglimpfen Sie viele Mitmenschen, die sich darüber Gedanken machen, ob der historsich gewachsene Lebensstil unserer Art nicht so änderbar ist, dass es allen gut geht und die Natur gleichzeitig geschützt wird.

  9. 16.

    ...und diesen ganzen Mist, den Fräulein Wiemers von sich gibt, soll man glauben? Danke, es reicht, was uns diese studierenden Fachidioten zu suggerieren versuchen. Sicher muss sich, aber weltweit, grundlegend im Konsumverhalten etwas ändern. Aber nicht so!

  10. 15.

    Übrigens noch ein kleiner Nachtrag Warum müssen diese bedauernswerten jungen Erwachsenen so lange in der ungeliebten Karibik ausharren? Wollen sie den Anstieg des Meeresspiegels beobachten? Und wer bezahlt eigentlich diesen mehrmonatigen Urlaub?.......

  11. 14.

    Diese bedauernswerten engagierten Aktivisten!Da müssen sie doch tatsächlich mehrere Monate(!!!) in der warmen, sonnigen Karibik dahin vegetieren, während ihre Landsleute im trüben Mitteleuropa ausharren müssen und sich einen derartigen Luxus nicht mal mehr im schwer verdienten kurzen Urlaub leisten sollen bzw. aus „Klimascham“ wollen! Wie war das schon so oft in der Menschheitsgeschichte? Wasser predigen, Wein trinken.....
    Und was zeigt uns diese Geschichte mit der ganzen Herumsegelei auf den Weltmeeren? Diese Transportmittel sind wohl nicht so ganz massentauglich.....

  12. 13.

    Das Gute ist: alle sich hier äußernden Ignoranten werden ja um die Erlangung der entsprechenden Erkenntnisse nicht herumkommen. Nur ist dann leider sehr viel wertvolle Zeit verstrichen. Wenn die Einsichten nicht aus dem Kopf kommen, werden sie aber mit Sicherheit durch die Umstände erzwungen. Und ich wünsche den Ignoranten des Klimawandels von Herzen, dass sie dann noch leben...

  13. 11.

    Zur Motivation die entsprechende Sequenz aus Ben Hur schauen, Beiboot vor das Schiff spannen und ab an die Ruder!

  14. 10.

    Anstatt sich für sinnvolle Dinge gegen den Klimawandel einzusetzen reist unsere Klima Jugend durch die Welt, toll und wer zahlts....

  15. 8.

    Im nächsten Leben werde ich "Klimaaktivist". Dann kann ich auch mal ne tolle Segelreise machen...

  16. 7.

    Also zurück ins 19. Jahrhundert, weil die Klimasekte das so will? Es gibt da einige wichtige Grundsätze die dagegen sprechen:

    1. Das Recht auf freie Entfaltung der Person. Dies schließt unter anderem ein, dass jedermann und jedefrau das Recht hat, ein Luftfahrzeug zu besteigen, wenn es ihm/ihr beliebt, ohne irgendwem dafür Rechenschaft ablegen zu müssen, auch keinen selbsternannten Klimapriestern.

    2. Die Vorschriften einer Religion gelten immer nur für die jeweiligen Gläubigen, nicht für Außenstehende. Es ist deswegen nicht statthaft, wenn eine Religion versucht, anderen ihre Verhaltensregeln aufzuzwingen, insbesondere nicht im Umweg über den Staat.

  17. 6.

    Und wieder versuchen Sie Ihre Meinung als die einzig Ware hinzustellen.
    Was für Sie für klimaschädlich halten, ist für andere der wohlverdiente Jahresurlaub.
    Und Greta ist nicht unsere Lehrmeisterin.

  18. 5.

    Haben Sie immer noch nicht verstanden, worum es geht? Greta Thunberg hat selbst ihre Segelreise als absurd bezeichnet. Absurd deshalb, weil das keine Lösung für die Masse ist. Sie wollte zeigen, dass es aktuell keine klimafreundliche, massentaugliche Art gibt für Fernreisen! Fernreisen sind grundsätzlich (!) klimaschädlich und müssen vermieden werden.

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