Silvester in Berlin (Quelle: rbb/Helena Daehler)
Video: rbb|24 | 01.01.2020 | Material: TNN, rbb|24/N.Donath, Abendschau, rbb88.8/H.Daehler | Bild: rbb/Helena Daehler

Polizei- und Rettungseinsätze - Brände, Verletzungen und Übergriffe in der Silvesternacht

Für Polizei und Rettungskräfte war die Silvesternacht eine Herausforderung: In Hennigsdorf gab es einen Großbrand, in Berlin rückte die Feuerwehr Hunderte Male aus, selbst Kinder wurden durch Böller schwer verletzt, wieder gab es Angriffe auf Einsatzkräfte.

Polizei und Feuerwehr hatten in Berlin in der Silvesternacht wieder alle Hände voll zu tun. Zwischen 18 Uhr und 6 Uhr morgens sind mehr als 3.000 Notrufe eingegangen, teilte die Polizei mit, etwas mehr als im vergangenen Jahr. Bereits Stunden vor dem Jahreswechsel mussten die Einsatzkräfte immer wieder ausrücken, um Brände zu löschen und Menschen zu helfen. Die Polizei twitterte bis morgens um sechs und berichtete im Minutentakt über Zwischenfälle, Übergriffe, Brände und Verletzungen, vor allem im Zusammenhang mit Pyrotechnik. 

In Neukölln schossen junge Männer Böller mit einer Steinschleuder quer über die Sonnenallee. In Kreuzberg soll ein Mann mit Feuerwerkskörpern auf Kinder geschossen haben. In Treptow soll aus einer Gruppe heraus mit einer Schreckschusspistole auf Passanten geschossen worden sein. Unbekannte warfen vor Mitternacht an der Autobahn 100 im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg mit Böllern. In der Fuggerstraße in Schöneberg zerbarsten Fensterscheiben mehrere Wohnungen, nachdem ein Sprengsatz explodiert war, zu dem Polizei am Neujahrstag noch keine näheren Informationen bereitstellen konnte.

Auch die Rettungskräfte selbst wurden zum Ziel zahlreicher Angriffe: Die Berliner Feuerwehr meldete am Morgen insgesamt 24 Übergriffe auf ihre Leute. In Neukölln und Pankow wurden Einsatzfahrzeuge mit Feuerwerkskörpern und Schreckschusspistolen beschossen. In Neukölln versuchten mehrere Personen zudem, die Türen zur Mannschaftskabine des Einsatzfahrzeuges zu öffnen, teilte die Feuerwehr über Twitter mit. An zwei Schauplätzen in Kreuzberg wurden zudem Pyrotechnik und Steine auf Einsatzkräfte geworfen. Auch die Polizei berichtet ebenfalls von mehreren Angriffen auf ihre Beamten.

Feuerwehr fährt 1.500 Einsätze

Die Feuerwehren fuhr in der Silvesternacht rund 1.500 Einsätze. In 617 Fällen waren Brände zu löschen - das waren fast 50 Prozent mehr als beim Jahreswechsel 2018/2019. 

In der Belziger Straße im Stadtteil Schöneberg brannte eine Dachgeschosswohnung komplett aus. Die Feuerwehr verhinderte mit einem Großeinsatz, dass der Brand auf weitere Häuser und Gebäudeteile übergriff. Auch in der Kaiserin-Augusta-Allee in Charlottenburg mussten die Einsatzkräfte einen Brand im Dachgeschoss löschen. In der Quickborner Straße im Märkischen Viertel breitete sich ein Brand vom 5. Stock bis in die 8. Etage aus, bevor er von der Feuerwehr gestoppt werden konnte. Auf Twitter berichtete die Feuerwehr auch von zahlreichen brennenden Autos.  

Die Feuerwehr in der Hauptstadt war mit fast1.400 Kräften unterwegs. Die rund 850  Berufsfeuerwehrleute wurden dabei in erheblichem Maße durch Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren, der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerkes unterstützt.

Böllerverbotszonen um die Pallasstraße und am Alexanderplatz

Besonders im Fokus der Berliner Polizei standen in diesem Jahr die neu eingerichteten Böller-Verbotszonen am Alexanderplatz und rund um die Pallasstraße in Schöneberg. In den vergangenen Jahren hatte es dort immer wieder Übergriffe auf Einsatzkräfte gegeben.

Polizeisprecher Thilo Cablitz sprach davon, dass mehrere Gruppen versucht hätten, in die Verbotszone einzudringen. Sie hätten sich aber ohne große Auseinandersetzung davon abbringen lassen.

Die Berliner Polizei schickte in der Silvesternacht 2.000 zusätzliche Beamte auf die Straße. Allein 550 von ihnen waren für die beiden Feuerwerks-Verbotszonen in Schöneberg und am Alexanderplatz zuständig. 140 Polizisten sollten direkt in und an den beiden abgesperrten Gebieten den Zugang kontrollieren. Weitere rund 400 Polizisten waren in der Umgebung verteilt. Andere Kräfte sicherten die große Silvesterparty am Brandenburger Tor ab.

Unter dem Hashtag #welcome110 twitterte die Berliner Polizei bis morgens um sechs über ihre Arbeit in der Silvesternacht.

Verletzungen auch bei Kindern, Berichte über Übergriffe

Das Berliner Unfallkrankenhaus hat in der Silvesternacht 15 Menschen mit schweren Verletzungen durch Böller oder Raketen behandelt. Dazu zählten in mehreren Fällen schwerste Verbrennungen, wie eine Kliniksprecherin am Neujahrsmorgen sagte. Mehrfach waren durch Explosionen Finger abgetrennt worden, in einem Fall die ganze Hand. Unter den Schwerverletzten waren auch vier Kinder unter zehn Jahren.

Alle Operationssäle des Unfallkrankenhauses waren den Angaben zufolge belegt. Insgesamt 13 der 15 Schwerverletzten wurden noch in der Nacht operiert. Vor allem die Hand-, die plastischen und die Unfallchirurgen seien rund um die Uhr beschäftigt gewesen, sagte sie. Das Krankenhaus erwarte an Neujahr noch einmal etwa die gleiche Anzahl an Verletzten. Es sei zu befürchten, dass viele noch nicht gezündete Feuerwerkskörper eingesammelt werden und dann explodieren.

Während der Silvesterfeier am Brandenburger Tor wurden vier Verdächtige wegen sexueller Belästigung von Frauen festgenommen. Das teilte die Polizei nach Mitternacht auf Twitter mit. Zuvor war bereits eine Frau gegen 19 Uhr auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz sexuell belästigt worden. Ein 19-jähriger Verdächtiger wurde vom Sicherheitspersonal der BVG festgehalten und der Polizei übergeben.

Ruhiger Jahreswechsel in Brandenburg

Deutlich ruhiger als in Berlin ging es zum Jahreswechsel in Brandenburg zu. "Aus polizeilicher Sicht war es eine sehr friedliche und ereignisarme Nacht", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Brandenburg am Neujahrsmorgen. Der Behörde seien nach aktuellem Stand keine schwereren Verletzungen infolge von körperlichen Auseinandersetzungen oder Detonationen von Feuerwerkskörpern bekannt.

Dennoch gab es einige Zwischenfälle: In in Wittstock (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) wurde eine junge Frau durch Teile eines gezündeten Feuerwerkskörpers verletzt. Die 20-Jährige bekam Teile eines Böllers oder einer Rakete ins Auge, wie die Polizei am Mittwoch weiter mitteilte. Wer die Pyrotechnik zündete, konnte zunächst nicht ermittelt werden. Die Frau
wurde ins Klinikum nach Potsdam gebracht.

In Cottbus wurde ein Zigarettenautomat gesprengt und komplett aus der Wandverankerung herausgerissen. Auf dem Bahnhof in Lübben (Dahme-Spreewald) sprengten zwei Unbekannte mittels Pyrotechnik einen Snack- und Getränkeautomaten. Zeugenaussagen zufolge stahlen sie Energy Drinks und Chipstüten.

Die Potsdamer Feuerwehr rückte allerdings nach eigenen Angaben zu zahlreichen Einsätzen aus, um brennende Müllcontainer zu löschen.

Der größte Einsatz fand am Silvesterbend in Hennigsdorf statt. Dort war das Dach eines Schulgebäudes in Brand geraten. Nach derzeitigem Erkenntnisstand könnte das Feuer von einer Feuerwerksbatterie ausgegangen sein, die im Hof des Schulgeländes abgefeuert
wurde. Möglicherweise seien einige der Feuerwerkskörper auf dem Dach gelandet, hieß es aus dem Polizeipräsidium. Der Landkreis geht davon aus, dass in den kommenden Tagen die Schäden soweit beseitigt werden können, dass der Unterricht wie geplant wieder aufgenommen werden kann.

Sendung: Inforadio, 01.01.2020, 06:00 Uhr

Kommentar

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108 Kommentare

  1. 108.

    Mit Ignorieren ist nicht einfach ein Wegschauen gemeint, sondern das Ignorieren aus dem Bereich der Lern-Psychologie. Das Ignorieren kann dazu führen, dass ein bestimmtes Verhalten nicht mehr gezeigt wird. Dazu müßten aber die Voraussetzungen gegeben sein, dass dieses Verhalten an sich nicht selbstbelohnend ist und derjenige, der es zeigt, absolut keine Aufmerksamkeit (auch keine negative) erhält.

    Konsequentere Strafverfolgung, höhere Strafen, ... , würde ich mir auch wünschen. Nur befürchte ich, dass dies früher hätte passieren müssen. Die Behörden sind ob der Masse überfordert und überlastet, Delikte werden nicht weiter verfolgt, Akten angelegt und gleich wieder geschlossen, ... und die Täter wissen das. So wird es letztlich nur über Verbote zu händeln sein, leider. Aber keine Sorge, unsere Mühlen mahlen auch hier sehr langsam, das dauert vermutlich noch sehr lange.

  2. 107.

    Wir wohnen in der Gropiusstadt und bei uns geht es schon 1 Woche vor Weihnachten los.Unseren Hund bekommen wir dann kaum noch vor die Tür. Ordnungsamt und Poizei könnten unendlich viel Geld mit entsptrechenden möglichen Strafen eintreiben. Aber niemanden interessiert es, die bestehenden Gesetze einzuhalten. Das hat nichts mehr mit fröhlichem Feiern zu tun. Wo bleiben da die ganzen Umweltschützer? Silvester tun wir uns dies seit 3 Jahren nicht mehr an und flüchten auf ein Dorf in Brandenburg. Dort geht alles friedlich im erlaubten Zeitrahmen ab und jeder kehrt seinen Dreck weg. Als wir gestern zu Hause waren ging die Knallerei bei uns wieder zwischen 17.00 und 23.00 Uhr los? Es wird immer schlimmer. Wir sind für ein absolutes Verbot und nur noch öffentliche Feuerwerke an festen Plätzen. In anderen Ländern ist dies doch auch möglich. Man hat immer mehr das Gefühl, dass wir uns zu einer rechtsfreien Zone auch in anderen Bereichen entwickeln.

  3. 106.

    ...und wer soll das kontrollieren, bei einer immer geringer werdenden Polizeimannschaft? Demokratie kann und wird in Anarchie enden. Die Ignoranz, Gesetzeslosigkeit und Arroganz ist auf den Vormarsch. Jeder Depp hat nur noch Rechte, aber keine Pflichten mehr. Das ist die traurige Wahrheit.

  4. 104.

    Wer spricht denn von ignorieren? Es würde reichen, besser zu kontrollieren und Verstöße auch nachhaltiger (=finanziell schmerzhafter, also WIRKLICH schmerzhaft) zu "bedrohen" und auch wirklich zu verfolgen.

    Vor dem 31.12. 18.00 Uhr irgendwas zum Leuchten oder Knallen gebracht: konsequente 1.000 Euro; Leuchtspurmunition verschossen: 1.000 Euro; Menschen, Tiere oder Balkone beschossen: 5.000 Euro ohne der Frage nach Schaden oder kein Schaden.

    Und wenn man sich dann noch darauf einigen kann, dass(reine!) Knallkörper eine bestimmte Größe/Lautstärke nicht mehr überschreiten dürfen, primär also Feuerwerksbatterien und Raketen abgebrannt werden, dann wäre doch allen schon sehr geholfen.

  5. 103.

    Ja, denn leider funktioniert das Ignorieren eines Fehlverhaltens in solchen Fällen nicht, da A) das Fehlverhalten oftmals selbstbelohnend ist und B) jegliche Art von Aufmerksamkeit das Verhalten verstärkt.

  6. 102.

    Ich hätte da eine Geschäftsidee: Elektronisches Feuerwerk. So eine Art zusammenstellbare Lasershow für Privatleute. Und der Sound ist weniger laut als Böller und man kann sich Teile aus seiner Lieblingsmusik zusammenstellen: Paar Takte aus der kleinen Nachtmusik oder Queen "We will rockt you"- nur kleine Teile daraus, dann ist die private Zusammenstellung spannend. Es gibt eine Zeitschaltuhr- das ganze funktioniert nur 1,5 h, vielleicht auch nur ab 23.30 Uhr.

  7. 100.

    Respektloser gehts wohl kaum. Niemand der bei der Polizei oder den Rettungskräften arbeitet muss sich so behandeln lassen. Es hat auch nichts mit Mitleid zu tun,wenn man so denkt ,sondern mit Menschenwürde.
    Bei Ihnen hat Erziehung wohl nicht stattgefunden,sonst müssten Sie gelernt haben, dass kein Angriff auf andere Personen zu tolerieren ist, auch nicht auf Polizisten,selbst wenn die ihr Berufsrisiko kennen.
    Dieses Berufsrisiko besteht aber u. A. wegen Typen, die kein Respekt von anderen Menschen haben.

  8. 99.

    Es wurden wieder massiv Bürgerinnen und Bürger mit und ohne Uniformen mit Feuerwerk und Waffen angegriffen. Es gab wieder zahlreiche Gliedmaßenamputationen und Brände. Die Stadt ist noch viel schmutziger als sonst.
    Nächstes Jahr werden wir die Zeit um den Jahreswechsel in einer Stadt in Hessen oder Bayern verbringen. Mit vernünftigen Menschen in gepflegter Umgebung feiert es sich schöner und gediegener. Unser Dank an Polizei, Feuerwehr, Krankenhauspersonal und Stadtreinigung in der Stadt mit zu vielen Unvernünftigen und Gesetzlosen.

  9. 97.

    Was für eine dummer Kommentar. Seien Sie froh das es die Polizei gibt.
    Ich hoffe für Sie, dass Sie. niemals selbst Schutz oder Hilfe brauchen.
    Oder sollte ich vielleicht doch gerade wünschen?
    Vielleicht denken Sie dann mal etwas mehr nach.

  10. 96.

    Diesen Eindruck hatte ich auch in diesem Jahr. Alles verlief gezielter und ruhiger ab. Hielt auch nicht lange an. So geschehen bei mir im Kiez.

  11. 95.

    Ich habe es mir gedacht. Sie können gut austeilen, aber Kritik ? das geht bei Ihnen gar nicht. Wo tragen Sie als Radfahrer Ihre Kosten ? Zahlen Sie eine Fahrradsteuer? Also ich für mein Fahrrad nicht.
    Ja und ich zahle für meinen Parkplatz jeden Monat fleißig, damit mein Auto solchen Menschen wie Ihnen nicht im Weg steht......

  12. 94.

    Niemand MUSS Polizist sein. Jeder der es ist, wollte es so. Mitleid ist da fehl am Platz!

  13. 93.

    Aha ... sie schreiben selbst von einer Minderheit, die mit Böllern nicht umgehen kann und damit Leute traktiert. Und als Konsequenz fordern Sie, dass auch friedlich Feiernde keine Raketen mehr steigen lassen dürfen - wo leben wir, in einer faschistoiden, orwellschen Verbotsgesellschaft?

    Nach dieser Logik verbieten Sie aber bitte auch gleich noch private Geburtstagsfeiern (Alkoholmissbrauch, Lärm), Rockkonzerte (Alkoholmissbrauch, Lärm, Urinierende auf den Abreisewegen), Fußballspiele (Hooligans), Nachbarschaftsfest einschl. des Festes zum 1. Mai (Alkohol, Lärm, Gewaltpotenzial), den Karneval der Kulturen (Alkohol Lärm, erhöhte Abgasemissionen durch Verkehrsstau) und den CSD (Alkohol, Abgasemissionen, Erregung öffentlicher Ärgernisse).

  14. 92.

    Sexuelle Belästigungen gibt es nicht nur an Silvester, sondern stehen (leider) jedes Wochenende, ja jeden Tag auf der Tagesordnung.

    Was also wollen Sie mit Ihrem Kommentar sagen? Dass man Silvester am besten komplett verbietet? Oder nich besser: alle Ereignisse, bei denen mehr als drei Menschen an einer Stelle stehen?

  15. 91.

    Dieser Kommentar von Ihnen zeigt mal wieder, dass Sie hier mit wenig Wissen, dafür aber mit vielen egozentrisch angelegten Vorurteilen argumentieren:

    Autofahrer bezahlen selbstverständlich für ihre Parkplätze, sie bezahlen sogar für die Straßen und Gehwege, die Sie als Fußgänger oder Radfahrer gratis benutzen dürfen: durch die Kfz-Steuer, die Minerslölsteuer sowie durch die auf Kraftstoffe erhobene Umsatzsteuer. Und in der Innenstadt ist außerdem eine gebührenpflichtige Vignette erforderlich.

  16. 90.

    Das ist nicht richtig. Das Lärmen zum Beginn eines neuen Jahres ist in unseren Breiten schon üblich gewesen bevor es wesentliche Beziehungen zu Asien gab...

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