Eine Wasserbehandlungsanlage bei Vetschau (Quelle: imago images/Rainer Weisflog))
Audio: Antenne Brandenburg | 15.12.2019 | Michael Lietz | Bild: imago stock&people

Trotz Schutzmaßnahmen - Schadstoff-Grenzwert in Brandenburger Spree überschritten

Um sauberes Trinkwasser zu gewährleisten, hat Brandenburg im April einen Grenzwert für Sulfate in der Spree festgelegt. Dieser wurde 2019 jedoch an mehr Tagen überschritten als erlaubt. Aufklärung über möglichen Gefahren soll es erst im Herbst 2020 geben.

Brandenburg hat sein Ziel verfehlt, die Sulfat-Belastung der Spree in diesem Jahr unter den Richtwert für Trinkwasser zu senken. Das hat das Brandenburger Wirtschaftsministerium am Sonntag eingeräumt und damit auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion reagiert. Der am 30. April dieses Jahres für die Messstelle Neubrück (Oder-Spree) festgesetzte Immissionsrichtwert von 280 Milligramm je Liter sei demnach bereits an 40 Tagen überschritten worden, darf aber höchstens an 37 Tagen über dem Wert liegen.

Sulfate sind Schwefelsalze, die mit anderen Schadstoffen, wie Eisenhydroxid, vor allem durch das abgepumpte Grundwasser aus den aktiven Tagebauen und durch den Grundwasserwiederanstieg in den stillgelegten Gruben in die Spree gelangen. Diese Schadstoffe schädigen Fische und andere Tiere sowie Pflanzen. Für Menschen sind sie nicht giftig, können aber Durchfälle verursachen und den Wassergeschmack verändern.

Ministerium: Keine Auswirkungen auf Trinkwasser

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wurde der Richtwert für Sulfate an der Messstation Neubrück besonders in diesem Frühjahr an diversen Tagen überschritten. Einen massiven Anstieg von über 300 Milligramm je Liter habe es zuletzt Mitte Oktober gegeben. Die Überschreitung des Messwertes am Pegel Neubrück habe jedoch keine Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität des Wasserwerkes Briesen (Oder-Spree), versicherte das Ministerium.

Kritik kommt von der Frankfurter Grünen-Landtagsabgeordneten Sahra Damus, die die Anfrage stellte. "Es geht um eine sichere Trinkwasserversorgung von über 65.000 Menschen in der Region. Der Sulfat-Erlass wurde eigens dafür erstellt, dass es bei Überschreitungen der Werte zu Maßnahmen kommen soll", sagte Damus.

Trinkwasser für Frankfurt (Oder) und den Süden Berlins

Das mit Sulfat und anderen Stoffen belastete Spreewasser wird mit Grundwasser vermischt und zur Trinkwasserversorgung aufbereitet. Das Wasserwerk Briesen versorgt Frankfurt (Oder) und mehrere umliegende Gemeinden nahezu ausschließlich. Über das am Müggelsee liegende Wasserwerk Friedrichshagen nutzen die Berliner Wasserwerke Spreewasser.

Aus Sorge um die Trinkwasserversorgung haben die Stadt Frankfurt (Oder) und die Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft im Mai dieses Jahres Klage beim Verwaltungsgericht Cottbus eingereicht. Sie richtet sich gegen die Genehmigung zur Flutung des Ostsees mit sulfatbelastetem Spreewasser, das später in den Fluss zurückgelangen könnte.

"Trinkwasserversorgung von 65.000 Menschen"

Laut der Antwort an die Grünen haben bereits im Mai mehrere Ministerien, das Landesbergamt, Gesundheitsämter des Landkreises Dahme-Spree, die Stadt Frankfurt (Oder) und der Wasserwerksbetreiber eine "Aufgabenstellung für eine Gefährdungsabschätzung für das Wasserwerk Briesen" ausgeschrieben. Das Ergebnis werde zum dritten Quartal 2020 erwartet. Aktuell habe das Landesbergamt "keine Handreichung über Sofortmaßnahmen".

Das sieht man beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) anders. "Das Landesbergamt könnte einen Sulfat-Grenzwert wie von uns vorgeschlagen von 240 Milligramm je Liter für die Lausitzer Tagebaue festlegen", sagte BUND-Landesgeschäftsführer Axel Kruschat der Deutschen Presse-Agentur. "Was hier in Brandenburg und auch in Sachsen angeblich nicht geht, funktioniert aber beim Tagebau Garzweiler II im nördlichen rheinischen Braunkohlerevier tadellos. Was die Bergbauunternehmen an Kosten für die Reinhaltung des Wassers sparen, wird auf die Verbraucher des Trinkwassers abgewälzt", so Kruschat.

Sendung: Brandenburg aktuell, 15.12.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Norbert Schulz] vom 15.12.2019 um 11:04
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12 Kommentare

  1. 12.

    Das beschrieben ist leider nur die Spitze des Eisbergs.

    Fundierte und wissenschaftlich belegte Infos gibt es gut aufbereitet in folgendem Blog.

    https://www.wassermanufaktur.com/blog/

    Wir in Frankfurt (Oder) haben das Glück von gefiltertem Wasser der Wassermanufaktur zu profitieren. Saubere Sache und dazu noch mit "grünem" Fußabdruck (kein Plastemüll, keine weiten Transportwege von Einweg-/Mehrwegflaschen).

  2. 11.

    Kucken Sie mal wie die Kommentarspalte hier aussieht wenn die Grünen irgendwas machen. Sofort wird die "Verbotspartei" Keule rausgeholt, und denkt denn keiner an die Kohlekumpel, und früher in der DDR konnte man seine Wäsche mit dem Leitungswasser färben und das hat uns auch nicht umgebracht...

  3. 10.

    Man sollte von den Grünen auch verlangen können die Flüsse und Seen der Natur zurück zu geben. Wenn die nicht nur im Namen grün sind sollte ein wichtiger Punkt sein die vielen, vielen Motorboote zu verbieten, die Fahrgast Schiffe zu reduzieren und dafür zu sorgen, dass alles was auf dem Wasser fährt umweltverträglich betrieben wird und Abwasser/Fäkalien-Auffabgbehälter besitzen die nicht heimlich in das Gewässer abgepumpt werden können.

  4. 7.

    Wer schützt uns eigentlich davor? Müssen wir denn alles so einfach hinnehmen?? Wo ist der Aufschrei der Grünen??? Ich glaube leider nicht mehr daran, das selbst die Grünen was tun. Trotzdem vielen Dank an Sahra Damus ( nicht Demus!)

  5. 6.

    Vielleicht begreifen jetzt endlich die Verantwortlichen für den Tagebau jetzt endlich was sie damit anrichten
    Eine Schande ist es, dass soetwas nicht vom Sachsen unterbunden wird.

  6. 5.

    Jetzt sind zwar die Grünen an der Regierung aber ändern wird sich vermutlich nichts.

  7. 4.

    Vielleicht bekommen nun ein paar Menschen mehr mit das der "billige und subventionsfreie" Kohlestrom noch sehr teuer wird. Der Verursacher sitzt in Cottbus in der Steinstrasse und bekommt nicht mal das Kohleloch Ostsee voll Wasser.
    Da steht mittlerweile eine Pfütze brauner Brühe drin.
    Das das Bergamt nichts tut ist bezeichnend, hier muss es Druck von den Grünen in der Landesregierung geben!

  8. 3.

    Das Wasser riecht komisch und schmeckt bitter - also muß es gesund sein. In Flaschen abfüllen und teuer an Hipster verkaufen.

  9. 2.

    Danke an alle die sich für den Gewässerschutz und sauberes Trinkwasser engagieren! Freunde aus Polen wundern sich immer wieder über den merkwürdigen Geschmack des Berliner Wassers. @rbb Was geht in Garzweiler II, was hier nicht gehen soll? Warum ist ein höherer Eintrag erlaubt als der Höchstwert der Trinkwasserverordnung? " Das heißt, die Berliner Wasserbetriebe fürchten, dass der gesetzlich vorgeschriebene Grenzwert von 250 Milligramm Sulfat pro Liter bald nicht mehr eingehalten werden kann, sagt[e 2015] Stefan Natz von den Berliner Wasserbetrieben: „Sulfat ist nichts Giftiges, sondern Sulfat wirkt laxierend, abführend. ... Aber mit Trinkwasser macht einfach jeder alles, von der Babynahrung bis zum Tee. Und deswegen hat der Gesetzgeber gesagt, 250 Milligramm. Darüber müssen wir auch gar nicht diskutieren, das ist unsere Vorgabe und die haben wir einzuhalten.“"
    https://www.deutschlandfunk.de/berliner-trinkwasser-belastung-mit-sulfat-nimmt-zu.697.de.html?dram:article_id=337447

  10. 1.

    Früher haben meine Großeltern das Wasser aus dem Brunnen gepumpt und sind sehr alt geworden! Da gab es keinen Ausschlag und Chlor kannte man nur aus Büchern. Was möchte man dem Leser hier mitteilen?

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