Archivbild: Mehrere hundert Menschen nehmen am 07.09.2019 an einer Mahnwache an der Stelle teil, an der am Tag zuvor vier Menschen bei einem Verkehrsunfall gestorben waren. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Fünf Tote in zwei Wochen - Vereine rufen zu Demo für mehr Verkehrssicherheit auf

Nach vier tödlichen Unfällen in nur zwei Wochen fordert die Initiative "Changing Cities" den Senat auf, Fußgänger und Radfahrer besser zu schützen. Die Aktivisten sagen: Der Senat kümmere sich vor allem um den Verkehrsfluss - und zu wenig um die Sicherheit.

Mehrere Verkehrsvereine planen für Samstagnachmittag vor dem Berliner Rathaus eine Demonstration für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Anlass seien die vier getöteten Fußgänger und ein Radfahrer, die seit Anfang Dezember Opfer von Verkehrsunfällen geworden sind, wie der Hauptinitiator "Changing Cities" am Dienstag mitteilte. Die Demonstration soll um 15.30 Uhr vor dem Roten Rathaus in der Rathausstraße beginnen.

"Jedes Jahr sterben über 3.000 Menschen auf deutschen Straßen. Wenn wir das Terror nennen, gibt es dann bald ein Programm, das diese Tode effektiv verhindert?", sagt Ragnhild Sørensen von "Changing Cities" zur Begründung der Demonstration.

Linck: "Verkehssicherheit ist kein Hexenwerk"

Mitinitiator Nikolas Linck vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Berlin sieht in der Verkehrssicherheit "kein Hexenwerk". Viel mehr sei es eine politische Entscheidung, ob der Verkehr flüssig laufe oder, ob er sicher sei für Menschen. "Möglichst viele Kfz möglichst schnell durch die Stadt zu schleusen, hat in Berlin noch immer Priorität vor dem bestmöglichen Schutz von Menschenleben", so Linck.

Bislang seien 2019 laut Verkehrsclub Deutschland Nordost, der Mitinitiator der Demonstration und einer Mahnwache ist, in Berlin 39 Menschen im Straßenverkehr getötet worden, darunter 25 Fußgänger und sechs Radfahrer.

Mahnwache in der Landsberger Allee geplant

Zusätzlich zur Demonstration ruft "Changing Cities" für Donnerstagabend (17.30 Uhr) zu einer Mahnwache in der Landsberger Allee/Ferdinand-Schultze-Straße auf. Dort war am Sonntag ein 51-Jähriger Fußgänger beim Überqueren der Straße von einem Auto erfasst worden. Der Fahrer war offenbar zu schnell gefahren und stand mutmaßlich unter Alkoholeinfluss. Zum Gedenken an den Verunglückten will die Organisation eine weiße Figur am Unfallort aufstellen.

Am Dienstag wurde - ebenfalls auf der Landsberger Alleee - erneut ein Fußgänger von einem PKW erfasst und tödlich verletzt.

Innerhalb von fast zwei Wochen fünf Tote

Zwischen Anfang und Mitte Dezember wurden in Berlin insgesamt fünf Verkehrsteilnehmer - Fußgänger und Radfahrer - bei Unfällen getötet.

In Zehlendorf wurde am 6. Dezember eine 73-Jährige beim Überqueren der Argentinischen Allee von einem abbiegenden Autofahrer überfahren. Am 11. Dezember kollidierte am Schloss Charlottenburg auf dem Luisenplatz ein anderer Autofahrer mit einer 69-jährigen Radfahrerin, weil er die Rotphase einer Baustellenampel missachtete. Die Radfahrerin starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Am 14. Dezember starb eine 76-Jährige im Krankenhaus an den Folgen eines Unfalls. Sie war eine Woche vorher in Lankwitz von einem abbiegenden Pkw angefahren worden.

Sendung: Inforadio, 18.12.2019, 17:30 Uhr

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27 Kommentare

  1. 27.

    Nichts von dem einschlägig Benannten - vereinzeltes rowdyhaftes Verhalten von Radfahrenden, zu Fuß Gehende mit Musikstöpseln, die ihre Sinne ablenken - ist GRUNDFALSCH. Ohne Eigensicherung, dass ich persönlich dann nicht fahre, soweit kein Blickkontakt zu dem per tonnengeschützten Stärkeren existiert, säße ich längst nicht mehr hier und wäre mindestens schon dreimal überfahren worden.

    Und doch verkehrt eine solche erforderliche Sichtweise Ross und Reiter. Und sie ist zynisch vor dem Hintergrund dessen, dass über 80-Jährigen ein höheres Maß an Eigensicherung abverlangt wird als 50- und 60-Jährigen an Umsichtspflicht.

  2. 26.

    "Warum so etwas hier nicht enfernt wird, kann ich nicht begreifen."

    Das ist eben der Preis der Meinungsfreiheit. Unter dem geht es nicht.

  3. 25.

    Dir Trollarmee marschiert wieder in den Kommentaren. Ich frage mich wirklich, wer all die Leute bezahlt, die die immer gleichen geschmacklosen Kommentare unter solche Artikel setzen... Na, entsprechende Interessenevrbände gibt es ja genug.

    Da werden 5 Menschen, vier davon Fußgänger, an für sie grünen Ampeln totgefahren und die Trolle schwadronieren über "Rowdyradfahrer", dass man "halt selber dumm ist, wenn man einfach bei Grün über die Straße geht" und dass immer die armen "Autofahrer zum Sündenbock" gemacht würden.

    Das sind die klassischen Trollstrategiern des Victim Blaming und Whataboutism. Schändlich, widerlich und niedrig. Warum so etwas hier nicht enfernt wird, kann ich nicht begreifen.


  4. 24.

    In 15 der 32 Londoner Bezirke wurde das Tempolimit in den letzten Jahren auf 32 km / h gesenkt. Fast ganz Inner London, eine Fläche, die viermal so groß ist wie Innerstadt Berlin, und eine ähnliche Fläche in sechs Außenbezirken.

  5. 23.

    An alle die nicht müde werden Fehlverhalten von Radfahrern + Fußgängern aufzuzählen: bitte beachten es die Toten auf Seiten der Fußgängern + Radfahrern gab und gibt und bitte nehmen Sie sich die Zeit den Artikeln zu lesen, dann würde Ihnen auffallen, das die Toten alle in einem Alter waren das dafür spricht das es sich nicht um Verkehrsrowdys handelte sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit um Menschen die sich an Verkehrsregeln halten- nur eben das wurde ihnen unter anderem zum Verhängnis!

  6. 22.

    Ja,ja, immer sind die ANDEREN schuld und die Autofahrer sowieso. Würden die sich so krass verhalten wie mancher Radfahrer, könnten sie ja am Kennzeichen identifiziert werden. Deshalb sollte es auch für Radfahrer eine Kennzeichenpflicht wie für Mofas und Motirroller geben, denn Etliche jagen mit ähnlichen Geschwindigkeiten durch die Stadt. Und zur eigenen Sicherheit muss es eibe Fahrradhelmpflicht geben. Auch als gute Vorbilder für Kinder.
    Der Aufschrei der Radler ist jetzt vorprogrammiert aber Autos haben auch eine Kennzeichenpflicht und die Fahrer eine Anschnallpflicht. Also - so what.
    Im Übrigen setzt Eigensicherung auch Vernunft voraus und die ist im Straßenverkehr unerlässlich.

  7. 21.

    Ich muss doch , egal als welcher Verkehrsteilnehmer, mein Verhalten im Straßenverkehr anpassen und mich entsprechend meiner eigenen Sicherheit zuliebe umsichtig verhalten. Ich bestehe nicht auf meine Vorfahrt, egal wieviele Räder ich unter meinem Hintern habe und gehe nicht " blibd" über die Straße.

  8. 19.

    Das ist schon spannend das an aggressiven Fahrrad Fahrern nun auch die Autofahrer schuld sind!?! Naja wenn sich einfach nur mehr als 60% aller Verkehrsteilnehmer LKW- Auto- Radfahrer und Fußgänger an den ersten Paragraphen der STVO halten würden würde weniger passieren! Diese mediale hetzte gegen jeden der irgendwie mit einem Verbrennungsmotor durch Berlin fährt egal wie, ist schon stark. Natürlich passieren Unfälle viele und jeder ist Zuviel aber mit etwas Rücksicht von allen wäre es viel entspannter und dazu gehört halt auch das die Presse die jeden Kuhfladen zu einer Pizza aufkocht vielleicht sich seiner Wirkung und Verantwortung mal anders stellt! Sorry aber das ist echt nur noch traurig wie sich hier alle nur noch bekriegen und auf den anderen zeigen wollen das er schuld ist ohne selber ein Stück ab- oder aufzugeben von seiner Freiheit.

  9. 18.

    " ...warum mich jeden Tag als Fußgänger so viele Radfahrer mit hohem Tempo auf dem Gehweg umfahren wollen."

    Ich glaube, dass kein einziger Radfahrer Sie auf dem Gehweg umfahren WILL. Nur eben, dass eine erkleckliche Anzahl von Radfahrenden sich leider an negatives Beispiel am jahrzehntelang praktiziertem Autofahren nimmt, wo die Devise galt und gilt, dass das Gefährt bis zum Letzten ausgenutzt werden muss. Da sind im Zuge dieses Denkens alle Anderen und inbesondere die Langsameren ein Störfaktor.

    Wer abrüsten will, muss deshalb beim Autoverkehr beginnen und muss dann dafür sorgen, dass sich ein nicht-aggressives Verkehrsklima auf weitere Verkehrsarten hin ausbreitet. Solange sich eine nicht existierende Vorfahrt beim Rechtsabbiegen kraft Masse ertrotzt wird, kann von einem Abbau der Aggressivität nicht die Rede sein.

  10. 17.

    Die Radler-Variante ist sicherlich die bessere gegenüber der gegenwärtig vorherrschenden Autoverkehrsdominanz. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir keine Dominanz brauchen. Für Falkensee mag Ihre Utopie funktionieren und ist sie wie bspw. bei Münster und Erlangen als flächenhaft angelegten Städten gut. Für eine Zusammenballung wie Berlin würde eine Radlerdominanz allerdings auf indische und chinesische Verhältnisse hinauslaufen. Kein Rüberkommen, analog der Straßenseiten-Teilung wie beim Autoverkehr, nur, dass es eben nicht stinkt.

    Deshalb ist in Städten wie Berlin, aber auch schon in Potsdam, vor allem der Ausbau des konzentrierten öff. Nahverkehrs vonnöten. Eine einzige Straßenbahn ersetzt mehr als hundert Autos und auch mehr als hundert Räder. Jede/r darf raten, wo die Verkehrssicherheit am Größten und die Trennung zw. den Straßenseiten am Geringsten ist.

  11. 15.

    Rot an Ampeln bedeutet für viele Fußgänger und Radfahrer nur eine Empfehlung. Auch frage ich mich, warum mich jeden Tag als Fußgänger so viele Radfahrer mit hohem Tempo auf dem Gehweg umfahren wollen.
    Mangelnde Beleuchtung bei den Radfahrern ist ein weiteres Manko bei der Verkehrssicherheit.
    Kurzum die Verkehrssichertskonzepte sind nur so gut, wie alle(!) Verkehrsteilnehmer sie umsetzen. Ich empfehle jedem Paragraf 1 STVO.

  12. 14.

    Linck: "Verkehssicherheit ist kein Hexenwerk"
    Stimmt es gibt auch Fußgängerampeln.

  13. 13.

    In dieser Stadt wird alles für Autofahrer getan die sich aber ganz oft nicht an Regeln halten und fahren wie es ihnen in den Kram passt. Viele, nicht alle, interessieren Verkehrsregeln so gar nicht.

  14. 12.

    Mich würde mal interessieren, wieviele von den 39 die Unfälle selbst verschuldet haben. Es wird immer so getan, als wenn stets Autofahrer Schuld wären.
    Wer selbst Auto fährt wird schnell merken, dass es eben nicht mit grüner Welle durch die Stadt geht sondern alles getan wird um den fließenden Verkehr zu behindern, was natürlich nicht gut für das Klima ist.
    Ich kann mich düster an ein Interwiev mit Frau Junge Reier oder wie die damals hieß erinnern, das war da schon das Verkehrskonzept.

  15. 11.

    Wie wäre es, wenn die Radfahrer für diese ganzen Investitionen endlich auch mal bezahlen, statt alles auf Kosten anderer mit zu nutzen und einen Führerschein für 1000€ zu machen.

  16. 10.

    Wenn Radfahren so unsicher und gefährlich ist, sollte es zum Wohle aller verboten werden.
    Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an Verkehrsregeln halten wollen, haben im Straßenverkehr nichts verlorren. Jene, die keinen blassen Schimmer von Verkehrsregeln haben schon gar nicht.

  17. 9.

    Es gibt leider keine Statistik, bei wie vielen "Leuten die einfach zwischen parkenden Autos auf die Straße laufen" die Autos dort nicht parken dürfen. Die würde vermutlich einen anderen Umgang mit Fuß-, Radweg-, Feuerwehreinfahrts-, Zweitereihe- und bisandieEckeparkern auslösen.
    Solange aber das Recht auf freie Fahrt und Parkplatz vor der Tür über der Sicherheit der Gesellschaft steht, müssen wir die Verletzten und Toten in Kauf nehmen. Anders lassen sich die Verwarnungen statt Umsetzungen bei zugeparkten Rettungswegen nicht erklären...

  18. 8.

    Dem Kommentar kann ich mich nur anschließen. Ich pendele täglich nach Berlin zur Arbeit. Bevor man die Autofahrer unter Generalverdacht und alle Radfahrer zu Heiligen macht, sollte man mal mit offenen Augen durch den Stadtverkehr gehen. Radfahrer fahren wo sie wollen, Verkehrsregeln scheinen für sie nicht zu gelten. Das ganze Autofahrer-Bashing treibt seltsame Blüten. Eine Kollegin musste letzte Woche beobachten, wie jemand an den geparkten Autos die Scheibenwischer absichtlich abgebrochen bzw. so verbogen hat, dass sie nicht mehr funktionstüchtig waren. Der Autofahrer scheint in der Berliner politischen Landschaft der Sündenbock für alles zu sein. Für Dreck, für Lärm, für alles, was in dieser Stadt nicht funktioniert. Es wäre zu wünschen, dass wieder Sachlichkeit in diese Debatten einkehrt.

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