Enno Rosenthal (Quelle: privat)
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Interview | Enno Rosenthal vom Waldbauernverband - "Viele suchen jetzt Wald, damit sie einen Beitrag leisten können"

Waldbäume machen gerade harte Zeiten durch. Gleichzeitig ruhen angesichts des Klimawandels große Hoffnungen auf dem Wald. In Brandenburg schlagen bereits Forst-interessierte Berliner auf, so Enno Rosenthal, der auch Möchte-Gern-Waldbesitzer berät.

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rbb|24: Herr Rosenthal, Sie sind Vorsitzender des Waldbauernverbands in Brandenburg mit 2.500 Mitgliedern - darunter viele kleine Waldbesitzer. Da bekommen Sie sicher auch viel zum Waldzustand zurückgemeldet. Wie geht es dem Wald denn?

Enno Rosenthal: Von der Witterung her, hatten wir jetzt zwei miese Jahre. Es war im Sommer sehr trocken, dadurch hat der Wald Schaden genommen. Die größten Schäden waren natürlich die Brandschäden, aber es gab auch Sekundärschäden durch die Trockenheit, durch Schädlinge. Da haben wir besonders bei Fichten, Birken und Buchen Probleme - zunehmend aber auch bei Kiefern: Vom Süden nach Norden wandert die Pilzkrankheit Diplodia das Land herauf. Der Pilz ist sonst auch immer latent vorhanden, zeigt sich aber verstärkt durch die extrem trockenen Jahre.

Seit September hat es aber ja auch mehr geregnet …

Der Boden und die Bäume sind sehr dankbar für diese Feuchtigkeit. Aber die Schäden, die während der Vegetationsperiode aufgetreten sind, kann man während der Vegetationspause nicht ausgleichen. Die einzigen Bäume, die jetzt noch ein bisschen wachsen, sind die Nadelbäume - die profitieren von diesem Wasser.

Für die Nadelbäume wäre aber problematisch, wenn wir wieder einen milden Winter kriegen. Sie sind darauf eingestellt, dass es eine Winterruhe gibt. Diese braucht der Baum, damit er seine Reserven in den Wurzeln sammeln kann. Die Nährstoffe können nicht in die Wurzeln zurückfließen, weil bei milden Temperaturen das Wachstum und die Transpiration nicht aufhören. Nadelbäume brauchen unbedingt Frost.

Im Moment haben wir weniger mit Trockenheit zu kämpfen, als mit zu viel Wasser: Solange es keinen Frost gibt, werden unsere Wege dadurch unbefahrbar.

Aber wir wollen nicht über die Naturerscheinungen jammern, sondern müssen uns Gedanken machen, wie wir Menschen besser damit umgehen. Es ist nicht so, dass durch extreme Wetterereignisse unser Wald insgesamt stirbt, sondern es gibt Anpassungsprozesse. Wir haben eine große Baumartenvielfalt und auch eine Vielfalt an Standorten - dadurch wird immer Wald da sein. Doch er wird sich möglicherweise in seiner Zusammensetzung verändern.

Ist dann ein Waldumbau überhaupt nötig?

Ja. Historisch bedingt haben wir sehr ausgedehnte, reine Kiefernwälder. Diese erfüllen die Waldfunktion nicht so wie ein artenreicher Mischwald. Dazu kommt, dass diese Kiefernwälder - besonders im Bestandsalter zwischen 30 und 70 Jahren - jetzt schon sehr intensiv genutzt werden. Wir haben große Holzindustrien, die sehr viel Holz brauchen. Wenn die Bestände sehr aufgelichtet werden, hat das negative Auswirkungen auf den Wald: Die Flächen verlieren durch intensive Sonneneinstrahlung und Windbeeinflussung ihre Waldfunktion, hagern aus [trocknen aus, Anm.d.Red.] und vergrasen.

Fast flächendeckend überhöhte Wildbestände lassen eine natürliche Verjüngung von Laubbaumarten in Kiefernbeständen nicht zu, weil die Tiere unter anderem die Knospen junger Bäume abfressen. Und wenn man große Kiefernwaldungen hat und da kein anderer Baum steht, kann sich dort auch kein Laubholz verjüngen. Ein Eichehlhäher, der die Früchte hertragen könnte, schafft so eine große Entfernung nicht.  Deshalb ist schon die helfende Hand des Menschen und sein Verstand gefragt, auf welchen Standorten welche Baumarten möglicherweise durch Saat oder Pflanzung nachgezogen werden können.

Es heißt, wenn der Waldumbau schon weiter wäre, würden diese klimatischen Extreme den Wald nicht so hart treffen. Warum dauert das so lange?

Eigentlich wird der Waldumbau schon ganz lange betrieben, schon seit den frühen DDR-Zeiten. Aber Wald ist ein dynamisches System. Und wir haben eine Million Hektar Wald in Brandenburg, davon ungefähr 750.000 reine Kiefernbestände...

Brächten wir ein Prozent der Waldfläche pro Jahr in Verjüngung und Umbau, würde es hochgerechnet 100 Jahre dauern. Im Land Brandenburg entspricht ein Prozent 10.000 Hektar. Wir sind derzeit ungefähr bei 3.000 bis 4.000 Hektar.

Gründsätzlich könnten wir also in einem überschaubaren Menschen-Zeitraum unseren Wald wirklich art- und naturgerecht gestalten - wenn uns nicht verschiedene Hindernisse im Wege stünden.

Welche sind das?

Es kostet Geld und Mühe. Es gibt zwar auch Fördermittel durch die EU, Bund und Land. Aber für kleine Waldbesitzer ist es kompliziert, wenn sie nicht organisiert sind. Denn bevor Geld fließt, muss man einen Antrag stellen, verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Das ist ein Problem für einen kleinen Waldbesitzer - der in Brandenburg im Durchschnitt älter als 65 Jahre alt ist.

Wobei auch viele Junge nachkommen, die zwar oft -  mal salopp gesagt - wenig Ahnung haben, aber gleichzeitig sehr wissensdurstig sind. Das merken wir bei unserer Waldbauernschule [Schulungsangebot des Waldbauernverbandes, Anm.d.Red.].

Wir hatten letztens eine Schulung über die sozialen Netzwerke Facebook und Youtube angekündigt - da kamen viele aus Berlin, auch viele Frauen. Die haben sich beschwert, dass wir kein veganes Essen anbieten und keine Fahrgemeinschaften gebildet haben und außerdem unsere Seiten Papier nicht doppelt beschreiben. Also: Der ökologische Gedanke ist auf dem Vormarsch!

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Information

Waldbauernverband

"Im Land Brandenburg gibt es ungefähr 96.000 Waldbesitzer. Davon haben ungefähr 95.500 Wälder mit weniger als 200 Hektar - die nennt man üblicherweise Kleinwaldbesitzer. In Brandenburg ist aber typisch, dass wir hauptsächlich Kleinstwaldbesitzer haben - die haben im Durchschnitt weniger als zehn Hektar. Und für diese Klientel, die vom Wald nicht lebt, gibt es den Waldbauernverband. Wir haben ungefähr 2.500 Mitglieder." (Enno Rosenthal)

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14 Kommentare

  1. 14.

    Puh, ein Glück verdienen Öl- und Kohlekonzerne und die Industrien, die zur Zeit von ihnen abhängen, überhaupt kein Geld, sonst dürfte man deren Lobbyisten ja auch nicht glauben, sondern müsste auf die Wissenschaftler hören.

  2. 13.

    Ja danke. Ich würde lieber die Ökosysteme behalten, die unsre jetzige Zivilisation am Leben erhalten, als ein paar hunderttausend Jahre zu warten, bis die Natur eine neue Balance gefunden hat.

  3. 12.

    .. nun Herr Dr.Kawasaki, mit anderslautenden Meinungen scheinen Sie es nicht so zu halten, das ist heute scheinbar populär, Ihre Fakten sind Szenarien , die Weltuntergangspropheten und Klima Lobbyisten vertreten werden und damit Geld verdienen doch der erhebliche Einfluss der Sonneneinstrahlung wird völlig ausgeblendet.
    Der Herr Rosenthal weiss sicher wovon er redet.
    .

  4. 11.

    @Dr. Kawasaki: Wenn Ökosysteme kippen, entstehen neue Ökosysteme. Im Extremfall: wenn auf einer Fläche statt Wald eine Wüste entsteht, so ist auch das ein Ökosystem. Sicher nicht das, was die Menschen anstreben, aber es ist eins.

    Auch in der Vergangenheit hat es Extremwetterereignisse gegeben, das ist unbestritten. Herr Rosenthal hat explizit auf die bevorstehende Häufung hingewiesen und nicht behauptet, dass diese Ereignisse in der Vergangenheit ebenso gehäuft auftreten. Manchmal hilft es, einfach genau zu lesen.
    Und in der Waldschule geht es ja gerade darum, Waldbesitzer fit zu machen für die Anforderungen der Zukunft.

  5. 10.

    Ist man den Linken eigentlich heute auch schon ein Dorn im Auge, wenn man 50 Hektar Wald besitzt und diesen (auch mit dem erworbenen Wissen aus der von Enno Rosenthal gegründeten Waldbauernschule)ökologisch umbaut? Oder wird gefordert, dass Wald in die Hände des Staates gehört? (der ihn dann verkommen lässt) Geld wird man mit dem Wald in den kommenden 20 Jahren jedenfalls nicht verdienen können. Da ist es gut, wenn man nebenbei noch 100 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche besitzt, von deren Pachterträgen man den Waldumbau (gibt auch Förderung) bezahlen kann. Aber für die Linken ist man da sicher ein böser Großkapitalist... Ich fühle mich eher als aktiver Klimaschützer.

  6. 9.

    Gutes Interview. Danke rbb.

  7. 8.

    Dass die Erde flach ist und vor 6000 Jahren geschaffen wurde ist auch eine Meinung. Kritisieren darf man Meinungen in Deutschland, vorallem wenn sie faktisch falsch sind.

  8. 7.

    Schon okay, abgeholt wird er auch. Es ist in Brandenburg bisher deutlich mehr Wald für Windräder verschwunden, das aber nicht so schlimm, scheinbar. Die Fabrik würde echte Wertschöpfung bringen. Aber man kann es den Menschen nie recht machen.

  9. 6.

    Hallo Frau Bohne,

    was ich geschrieben habe, war keine Meinung. Ich habe faktisch falschen Aussagen des Herren widersprochen. Da spielt es keine Rolle, ob ich aus der Großstadt kommer oder aus einem Dorf. Wenn etwas grandios falsch ist, spreche ich das aus. Bitte fühlen Sie sich nicht stellvertretend für den Herren gekränkt, sondern akzeptieren Sie meine Kritik oder kontern Sie mit Argumenten und Belegen, so wie ich das getan habe.

    Vielen Dank.

  10. 5.

    abgeholzt natürlich, nicht abgeholt!

  11. 4.

    Der Wald ist enorm wichtig für den Klimaschutz. Deswegen wird er jetzt in Brandenburg auch großflächig abgeholt, um eine Autofabrik zu bauen.

  12. 3.

    Hallo Frau Dr. Kawasaki,

    Sie könnten den Herren in der Waldschule sicher vor Ort noch einiges erklären. Jeder hat halt seine Meinung und am Ende ist die von den Leuten aus der Großstadt schon immer die Beste. Natürlich nur basierend auf unabhängigen Fakten.

  13. 2.

    Noch ein Zitat, das einfach nur falsch ist: "Es wird sicher so sein, dass wir - wie die Wissenschaftler sagen - möglicherweise mehr trockene Sommer kriegen und öfter Extremwetterereignisse, also Starkregen und starke Stürme. Aber die hat es in der Vergangenheit auch gegeben." - Eine zukünftige Häufung schließt logisch aus, dass es früher "auch so" war. Es gab eben nicht früher häufiger Extremwetter und längere Dürren, als ...ja, früher! Sätze wie "gabs immer schon" erwarte ich eigentlich nur von Klimaleugnern.

    Wenn die Waldbesitzer sich nicht an den Klimawandel anpassen und alles dafür tun, den Klimawandel zu stoppen, dann dürfen sie auch keine Entschädigungen mehr vom Steuerzahler für Dürreschäden erwarten oder irgendwelche Fördermittel für den Waldumbau.

  14. 1.

    Herr Rosenthal mag Waldbauernvertreter sein, aber offensichtlich ist er alles andere als ein Klimaexperte. Was er behauptet, ist z.T. hanebüchener Unsinn. Nur eine Auswahl:

    "Man könnte sich eigentlich für seine ökologischen Sünden "freikaufen", indem man möglichst viele Bäume pflanzt." - Nein, kann man nicht. Wir reden von 10 Tonnen CO2 pro Jahr und Person. Es ist unmöglich, das Problem so zu lösen. Das hat der Klimaforscher Prof. Rahmstorf ausführlich erklärt. https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/koennen-baeume-das-klima-retten/

    "Die Natur gleicht immer alles aus." - Ach herrje. Wie kommt man auf so eine unsinnige Aussage? Wenn es so wäre, würden ganze Ökosysteme nicht einfach kippen! Das Kippen von Ökosystemen ist das Paradebeispiel dafür, dass sich eben nicht alles ausgleicht in der Natur, sondern dass es außer Kontrolle geraten kann!

    Als Lobbyist für Waldbesitzer ist der Mann geeignet. Aber nicht um Natur zu erklären.

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