Der Weihnachtsbaum im Topf kann entweder gemietet oder gekauft werden. (Quelle: dpa/Ingo Wagner)
Bild: dpa/Ingo Wagner

Geschäftsmodell aus Berlin - Weihnachten unterm Mietbaum

Schön, traditionell, aber auch umweltfreundlich soll das Weihnachtsfest 2019 sein. Eine gefällte Tanne passt nicht ins Bild. Ein Landschaftsgärtner bietet deswegen in Berlin eine Weihnachtsbaum-Vermietung an. Von Kira Pieper

Der Konsument von heute vermeidet Plastik, kauft regionale Produkte und geht möglichst sparsam mit Strom und Wasser um. Auch das Weihnachtsfest soll am besten so umweltfreundlich wie möglich sein. Doch schon beim Weihnachtsbaum-Kauf stößt der Kunde an seine Grenzen. Denn die Tannen sind in der Regel gefällte Bäume, die nach kurzer Zeit heftig nadeln und deswegen möglichst schnell entsorgt werden.

Ein Verzicht auf den traditionell geschmückten Baum scheint indes auch keine Option zu sein. Laut Schutzgemeinschaft "Deutscher Wald" stehen jedes Jahr in der Weihnachtszeit bis zu 25 Millionen Bäume in deutschen Wohnzimmern.

Zum Unmut von Andreas Frädrich: "Mich hat es immer schon geärgert, wie viele Tannen auf dem Müll landen", sagt der Landschaftsgärtner dem rbb. Er hat sich daher etwas ausgedacht: Seit 2018 bietet er in Berlin Nordmann-Tannen im Topf zur Miete an. Die Bäume gelangen entweder mit Hilfe eines E-Mobils zum Kunden oder der Käufer muss seinen Baum an einem der sechs Mietpunkte in der Stadt abholen.

Tanne mit Anwachsgarantie

Für einen Baum mit einer Höhe von bis zu 1,80 Metern liegt der Mietpreis für bis zu vier Wochen bei 30 Euro. Plus 10 Euro Kaution, die zurückerstattet werden, wenn die Tanne bei Rückgabe in einem "einwandfreiem Zustand" ist, wie es auf der Homepage des Verleihers heißt. Der Baum kann auch gekauft und später eingepflanzt werden. Die gleiche Tanne kostet dann 40 Euro, inklusive sechsmonatiger Anwachsgarantie. Mieter und Käufer bekommen eine Pflegeanleitung für ihren Baum mitgeliefert.

Frädrich bezeichnet seine Geschäftsidee als besonders nachhaltig: "Das ist besser als jeder Plastikbaum und jeder Baum, der für drei Wochen abgeholzt wird." Zwei bis vier Mal können die zurückgegeben Töpfe weitervermietet werden, dann werde der Baum zu groß und die Wurzel zu umfangreich, so dass er eingepflanzt werden müsse, erklärt der Landschaftsgärtner. Die Weihnachtsbaum-Vermietung stößt offenbar auf Interesse: 786 Tannenbäume vermietete Frädrich im vergangenen Jahr. Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor. Was der Landschaftsgärtner aber jetzt schon sagen kann, ist: "Die Nachfrage steigt."

Tanne im Topf vom Discounter?

Ein Weihnachtsbaum im Topf - ein Novum ist das grundsätzlich nicht, denn auch Discounter und Baumärkte bieten Pflanzen in Kübeln an. Doch Landschaftsgärtner Frädrich erklärt, bei dieser eher kostengünstigen Ware handele es sich meistens nicht um Baumschulenware. Bäume aus der Baumschule würden von Anfang an im Topf gezogen - ein aufwändiges und deswegen kostspieligeres Prozedere. Die Weihnachtsbäume beim Discounter würden deswegen erst kurz vor dem Verkauf ausgewurzelt und in den Topf gesetzt. "Dann ist die Pfahlwurzel zerstört", sagt Frädrich. "So wächst ein Baum niemals an." Die Tanne gehe über kurz oder lang ein.

Martin Rometsch, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Weihnachtsbaum-Erzeuger, hingegen sieht das Baum-Vermietungs-Modell skeptisch. "Die Pflanze im Topf überlebt meistens nicht", meint er. Bei den Deutschen seien vor allem Bäume mit einer Höhe von 1,70 bis 2 Metern beliebt - und diese Bäume bräuchten für ihre Wurzeln noch mal genauso viel Platz. So ein großer Topf sei viel zu schwer. Außerdem gibt Rometsch zu Bedenken: "Der Topf, in dem die Tanne steckt, ist in der Regel aus Plastik. Das ist nicht nachhaltig." Zudem sei die Pflege im Kübel besonders aufwändig und damit teuer. Das wolle niemand bezahlen.

Landschaftsgärtner Frädrich ist anderer Meinung: Er habe viele Jahre an der "Tanne im Topf" getüftelt und glaubt, dass das System funktioniert. Auch im puncto Preispolitik habe er sich Gedanken gemacht. "Ich habe Bäume mit Charakter", sagt er. Da er seine Bäume nicht mit Pestiziden behandele, seien sie manchmal etwas krumm und damit auch nicht so teuer.

Nachhaltige, gefällte Bäume

Für Corinna Hölzel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist es ökologischer Sicht egal, ob ein Weihnachtsbaum gemietet oder gekauft wird. "Weihnachtsbäume, die nach dem Fest nicht entsorgt, sondern wiederverwendet oder eingepflanzt werden, sind unbedingt zu begrüßen", sagt Hölzel rbb|24. Allerdings ist auch die Expertin der Meinung, dass das Einpflanzen von ausgedienten Weihnachtsbäumen meistens schief gehe. Deswegen sei ein geschlagener Baum aus einem nachhaltigen, regionalen Wald mit FSC-Zertifizierung oder ein Bio-Baum eine gute Alternative, so Hölzel.

Der Geschäftsführer des Weihnachtsbaum-Erzeuger-Verbandes Rometsch stellt noch etwas anderes klar: "Ein geschlagener Baum landet nach Weihnachten nicht auf dem Müll." Vielmehr sei der Verwertungskreislauf ökologisch. Entweder werde der Baum kompostiert oder zu Tierfutter, und er werde nur in seltenen Fällen verbrannt. Und: "Für jeden Baum, der gefällt wird, wird ein neuer gepflanzt."

Andreas Frädrich glaubt indes nicht an die Nachhaltigkeit des Baumschlagens. "So viele Ziegen und Elefanten, die die ganzen entsorgten Bäume fressen können, gibt es doch gar nicht."

Beitrag von Kira Pieper

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5 Kommentare

  1. 5.

    " einem 'einwandfreiem Zustand' " ist grammatikalisch leider falsch.
    Sie können den Satz retten, wenn Sie das Wort "einem" weg lassen. Dann sieht diese Stelle so aus:
    [...] wenn die Tanne bei Rückgabe in "einwandfreiem Zustand" ist [...].

    Zum Inhalt: Hoffentlich setzt sich diese gute Idee durch.

  2. 4.

    ich finds ne ziemlich gute Idee!

  3. 3.

    Am besten man feiert Weihnachten nur noch im Ausland, die haben sich nicht so blöd.

  4. 1.

    Das ist ja ein Albtraum sich ein Mietbaum zu holen um Weihnachten zu feiern. Man kann alternativ sich auch grüne Tannenzweige mit der Weihnachtskrippe aufstellen.

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