Feuerwehreinsatz am 28.12.19 in der Drakestraße in Berlin Lichterfelde (Bild: imago images/Marius Schwarz)
Bild: imago images/Marius Schwarz

Landesbranddirektor in der "Morgenpost" - Berliner Feuerwehr: 200 Angriffe auf Einsatzkräfte im Jahr 2019

Allein in der Silvesternacht hat die Berliner Feuerwehr 24 Angriffe auf ihr Personal gezählt, doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. In den vergangenen zwölf Monaten hat offenbar die Gewaltbereitschaft gegen die Einsatzkräfte zugenommen. Das sieht auch die Polizei so.

Die Berliner Feuerwehr hat im vergangenen Jahr 200 Angriffe auf Einsatzkräfte verzeichnet. Das sagte Landesbranddirektor Karsten Homrighausen am Montag der "Berliner Morgenpost".

Feuerwehr verfolgt "Null-Toleranz-Strategie"

Die Schwere der Attacken habe deutlich zugenommen, so Homrighausen. Jeder Angriff werde angezeigt, sagte der Berliner Feuerwehrchef. Man verfolge eine "Null-Toleranz-Strategie", denn Angriffe auf Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte seien schlicht nicht tolerierbar. Die Behörde erfasst erst seit 2019 Attacken auf ihre Mitarbeiter.

Wie groß teilweise die Aggression gegen Rettungskräfte sei, habe man besonders in der vergangenen Silvesternacht gespürt, so Homrighausen. Nach Behördenangaben gab es 24 Übergriffe, davon 20 mit Pyrotechnik. Drei Feuerwehrleute wurden verletzt. In Neukölln versuchten mehrere Personen, gewaltsam die Tür eines Löschfahrzeugs zu öffnen und mit Schreckschusswaffen hineinzuschießen. In Pankow wurde ein Löschfahrzeug massiv mit Pyrotechnik beschossen, ein Rettungswagen später durch Beschuss mit Schreckschusswaffen beschädigt.

Feuerwehrmann auf dem Weg zum Dienst angegriffen

Der jüngste Angriff auf einen Feuerwehrmann ereignete sich am vergangenen Wochenende. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, war der Mann am am Samstagabend mit der U-Bahn auf dem Weg zu seiner Nachtschicht. Über seiner Uniform habe er eine zivile Jacke getragen, sei aber anhand seiner Hose als Feuerwehrmann identifizierbar gewesen. Als der 38-Jährige den U-Bahnhof Prinzenstraße verlassen wollte, sollen sich ihm der Beschreibung nach fünf bis sechs Jugendliche in den Weg gestellt haben. Als die Jugendlichen nicht weichen wollten, habe er sie zur Seite geschoben. Daraufhin sei er mit der Faust attackiert worden.

Weitere Gruppenmitglieder sollen ihn getreten haben. Die Polizei nahm vier Verdächtige im Alter von 14 bis 16 Jahren fest. Der Feuerwehrmann wurde mit Kopfverletzungen ambulant in einem Krankenhaus behandelt. 

7.000 Angriffe auf Polizisten

Angriffe gibt es auch immer wieder auf die Berliner Polizei. Jeden Tag werden durchschnittlich 19 Polizisten Opfer einer Gewalttat, sagte die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Wochenende. Diese Taten haben sich 2019 auf knapp 7.000 summiert. Das sei gegenüber dem Vorjahr ein leichter Anstieg. "Zudem werden Kolleginnen und Kollegen immer wieder beleidigt, bedroht und beschimpft", kritisierte die Polizeipräsidentin.

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Antwort auf [Ein Radfahrer] vom 13.01.2020 um 11:58
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3 Kommentare

  1. 3.

    Ich nehme an, es ist Ihnen zu komplex, dass einer Straftat Beschuldigte in einem Rechtsstaat Rechte genießen? Die Haftprüfung gibt es seit der frühen Neuzeit - und sie wird in diversen Bundesländern fokussiert, um sie zu begrenzen oder abzuschaffen. Das sind dann spätmittelalterliche Verhältnisse.

    Haben Sie auch an die Unschuldsvermutung gedacht oder daran, dass Beamt*innen z.T. dazu neigen, falsche Behauptungen aufzustellen, um eigene Fehler zu verdecken oder um Personen gezielt einzuschüchtern?

    Die Strafmündigkeit herabzusetzen, ist v.a. im rechten Spektrum sehr beliebt, unterstreicht es doch autoritäre Ideologiefragmente: Man solle auf Ältere hören, auf Vorgesetzte, auf Beamt*innen etc. Nur was, wenn Vorgenannte z.T. Blödsinn reden? Was, wenn blinder Gehorsam eben jene Diktaturen deutscher Vergangenheit befördert, die selbstredend nicht das Geringste mit Gerechtigkeit zu tun hatten?

    Die Ungleichbewertung von Gewalt je nach Adressat*in ist rechtl. unzulässig: Willkür.

  2. 2.

    Sehr gut geschrieben! Aber ich habe wenig Hoffnung das in Dtschl. etwas geändert wird.
    https://www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/feuerwehrmann-auf-dem-weg-zur-nachtschicht-von-jugendlichen-verpruegelt

  3. 1.

    Jeder Angriff ist einer zuviel und wer erwischt muss,muss umgehend vor dem Kadi landen und nicht erst sehr viele Monate später.Da die Täter immer jünger werden,sollte auch das Alter für die Strafmündigkeit herabgesetzt werden. Wer schon mit 12 straffällig und gewaltig wird,der sollte nicht bis 14 einen Freifahrtschein bekommen. Jugendliche sind im Allgemeinen heute weiter als Gleichaltrige noch vor Jahrzehnten. Da das eben auch kriminelles Verhalten bezrifft, müssen die Gesetze dem Rechnung tragen und angepasst werden. Wer sich nichts zu schulden kommen lässt,hat ja nichts zu befürchten.

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