Symbolbild: Rettungsfahrzeuge stehen nach einem Unfall mit mehreren beteiligten Fahrzeugen auf der Bundesstraße. (Quelle: dpa/J. Stähle)
Bild: dpa/J. Stähle

Unfallstatistik - Weniger Verkehrstote, aber "Vision Zero" ist noch weit entfernt

Die aktuelle Unfallstatistik zeigt: Die Anzahl der Unfalltoten auf Berlins und Brandenburgs Straßen ist leicht rückläufig. Doch das langfristige Ziel, dass "nahezu niemand" mehr tödlich verunglückt, wird in der Region längst noch nicht erreicht. Andere Orte sind deutlich weiter.

Auf den Straßen Berlins sind in den ersten zehn Monaten 2019 weniger Menschen gestorben als im Jahr zuvor. 33 Tote und knapp 15.000 Verletzte erfasste die Berliner Polizei von Januar bis Oktober, wie das Statistische Landesamt am Dienstag mitteilte.

2018 waren im gleichen Zeitraum 36 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Verletzten sank um rund 500 Menschen. Die Zahl der Straßenunfälle stieg hingegen leicht: Um mehr als 2.200 auf rund 121.800 Unfälle.

Todeszahlen auch in Brandenburg rückläufig

Auch in Brandenburg kamen in den ersten zehn Monaten 2019 weniger Menschen ums Leben als im Vorjahr. Hier zählte die Landespolizei von Januar bis Oktober 109 Tote und rund 10.000 Verletzte, wie das Statistische Landesamt erklärte.

Im Vorjahr waren im selben Zeitraum 120 Menschen gestorben. Die Zahl der Verletzten ging um rund 110 Menschen zurück. Doch auch hier stiegt die Zahl der Straßenunfälle leicht: Um rund 950 auf knapp 69.800 Unfälle.

Mobilitätsgesetz gilt in Berlin seit 2018

Zwar scheinen die Zahlen der Verkehrstoten und Verletzten rückläufig sein, aber von dem Ziel "Vision Zero", also Null Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr, sind sowohl Berlin als auch Brandenburg noch weit entfernt. Das Projekt "Vision Zero" gilt EU-weit und sieht vor, dass im Jahr 2050 "nahezu niemand" mehr auf europäischen Straßen ums Leben kommt.

Um dieses Ziel zu erreichen, verabschiedete Berlin im Juni 2018 das erste Mobilitätsgesetz Deutschlands. Um die Zahl der Verkehrstoten auf Null zu reduzieren, verständigte sich der Senat darauf, vor allem Kreuzungen, die als Unfallschwerpunkte für Radfahrer und Fußgänger gelten, sicherer machen.

Nur ein Toter in Oslo

Auch in Brandenburg fordert die Initiative "Verkehrswende Brandenburg jetzt" ein Mobilitätsgesetz mit konkreten Maßnahmen, Zeitplänen und Budgets. Seit August 2019 sammelt die Initiative Unterschriften, die sie dem Landtag vorlegen will, damit sich dieser mit dem Thema befasst. 20.000 Unterschriften müssen dafür bis August dieses Jahres gesammelt werden.

Im europäischen Vergleich ist Oslo übrigens in puncto "Vision Zero" sowohl Berlin als auch Brandenburg einen großen Schritt voraus. Die norwegische Hauptstadt sorgte vor wenigen Tagen für Furore, da es dort 2019 nur einen einzigen Verkehrstoten gab - und keinen einzigen Fußgänger oder Radfahrer, der tödlich verunglückt ist.

Zwar ist ein Vergleich schwierig. Denn: In Oslo (Gesamtbevölkerung 680.000 Einwohner) beträgt die Bevölkerungsdichte 1.500 Einwohner pro Quadratkilometer, in Berlin sind es 4.000 Einwohner. Andererseits hat Oslo auch eine Reihe von Maßnahmen für die Verkehrssicherheit umgesetzt, die hierzulande noch in weiter Ferne scheinen: So sind 90 Prozent der erweiterten Innenstadt Oslos autofrei, sämtliche Fahrzeuge können wegen straßenbaulicher Maßnahmen nur sehr langsam fahren. Und: Die Verkehrswege für Fußgänger, Radfahrer und Autos sind streng getrennt.  

Sendung: Brandenburg Aktuell, 07.01.2020, 19:30 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Solange der Mensch auf das eigene Fahrzeug angewiesen ist, z.B. aufgrund des schlecht vernetzten und SEHR LANGSAMEN ÖPNV´s oder weil letzterer nicht in vernünftiger Weise zur Nachtzeit angeboten wird, ist all das Geforderte illusorisch. Die Städte für Pkw´s einfach nur unbefahrbar zu machen, ändert rein gar nichts.

  2. 1.

    Innenstädte sollen ja auch in Deutschland mal Autofrei werden?Aber,das sämtliche Fahrzeuge wegen Straßenbaulicher Maßnahmen nur sehr langsam fahren,wird es hier nicht geben.Ganz im gegenteil.Wir passen die Parkhäuser und Parkplätze den SUVs an.Geländewagen für den Asphalt von 0/100 unter 4 sekunden.
    Hoffentlich kommt bald Tempo 130 auf Autobahnen.Tesla und Co brauchen keine Luxus F1 Autos für Städte produzieren.Daher Tempo 130.Es reichen dann auch Autos mit 90 Ps auf Deutschlands Strassen.Und keine Ps Protze mit 200 Ps+.
    Das ist Wahnsinn.
    Das hat mit Zukunft nichts zu tun.



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