BVG Trucks (Quelle: Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Berlin)
Audio: rbb 88,8 | 06.01.2020 | Peter Klinke | Bild: Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Berlin

Falschparker im Visier - BVG schickt eigene Abschleppflotte auf die Straßen

Falschparkern auf Busspuren und in Haltestellenbereichen in Berlin soll es schneller an den Kragen gehen als in der Vergangenheit: In der Nacht auf Dienstag schickt die BVG erstmals eine eigene Abschleppflotte auf die Straßen. Auf Verkehrssünder warten saftige Strafen.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) setzen in der Nacht auf Dienstag erstmals eigene Abschleppwagen ein, um Fahrzeuge von Busspuren, Haltestellenbereichen oder Straßenbahngleisen zu entfernen. Bisher mussten die Bus- oder Straßenbahnfahrer darauf warten, dass die Polizei das Abschleppen anordnet, damit ihr Weg wieder freigemacht wird.

Auf die Straßen schicken die Berliner Verkehrsbetriebe zunächst zwei größere Abschleppwagen, mit denen auch Fahrzeuge über 3,5 Tonnen umgesetzt werden können. Daneben werden vier kleinere Abschlepper eingesetzt. "Wir fangen nachts an und weiten dann nach und nach aus", teilte BVG-Sprecher Jannes Schwentu mit. "Wann genau wir auch tagsüber selbst abschleppen, entscheidet sich dann je nach Verlauf."

Drei BVG-Abschleppfahrzeuge (Quelle: BVG/Tenbusch)
| Bild: BVG/Tenbusch

BVG sucht noch Personal

Nach den ersten Monaten werde man schauen, inwieweit Anpassungen am Fuhrpark nötig seien, erklärte Schwentu. Die BVG hat die Fahrzeuge gebraucht gekauft und dafür zwischen 30.000 und 180.000 Euro pro Stück bezahlt. Die Flotte komplettieren sollen darüberhinaus zwei größere Wagen, die neu gekauft werden sollen.

Rund 40 BVG-Mitarbeiter stehen dafür bereit. Die Verkehrsbetriebe suchen auf ihrer Internetseite [karriere.bvg.de] noch personelle Verstärkung für den Abschleppdienst.

Tausende Umsetzungen im vergangenen Jahr

Noch lasse sich Schwentu zufolge nicht vorhersagen, wie viele Autos künftig monatlich abgeschleppt werden. Eine realistische Einschätzung sei erst "nach den ersten Wochen und Monaten" möglich. In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres hatte die Berliner Polizei rund 4.000 Autos von Schienen und Busspuren entfernt, hieß es von der BVG. Mehr als 800 Mal rückten die Abschleppdienste umsonst aus, weil die Autos bereits umgeparkt worden waren.

Beschlossene Sache ist der Einsatz der BVG-eigenen Abschleppwagen schon lange. Die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür hat bereits das Mobilitätsgesetz 2018 geschaffen. Allerdings fehlte noch die nötige Gebührenordnung. Diese gibt es erst seit Ende November 2019 und sieht folgende Strafgebühren vor: Für das Abschleppen werden gut 208 Euro fällig, bei größeren Fahrzeugen über 3,5 Tonnen Gewicht sind es mehr als 650 Euro. Die Bußgelder für die Falschparker verhängt weiterhin die Polizei.

FDP fordert weitere Maßnahmen

"Es gibt keine Entschuldigung dafür, vorsätzlich so zu parken, dass man den Berliner ÖPNV behindert", sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), die auch BVG-Aufsichtsratsvorsitzende ist. "Zugeparkte Haltestellen und Busspuren sollen der Vergangenheit angehören. Ab jetzt kann unsere BVG selbst abschleppen, damit die Berlinerinnen und Berliner mit Bus und Bahn sicher und schnell von A nach B kommen."

Für die oppositionelle Berliner FDP kann die BVG-Abschleppflotte nur der Auftakt für weitere Maßnahmen gegen Falschaprker sein. "Die Erweiterung der Kompetenzen der BVG zum Vorgehen gegen Falschparken auf Busspuren ist eine effektive Maßnahme, um ungehinderten und fließenden Verkehr zu gewährleisten. Genauso konsequent muss nun auch das Blockieren von Fahrspuren durch Parken in zweiter Reihe sanktioniert werden", forderte der FDP-Infrastrukturpolitiker Henner Schmidt. "Neben restriktiven Maßnahmen gegen Falschparken muss aber auch der Mangel an Parkplätzen behoben werden, z.B. durch den Bau von Tiefgaragen."

Sendung: Fritz, 6.1.2020, 10:30 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Basisdemokrad] vom 07.01.2020 um 00:14
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18 Kommentare

  1. 18.

    Weitgehende Zustimmung, Berliner: Lass die Platte weiterspielen! Natuerlich gibt es Leute, die ein eigenes Auto brauchen. Mindestens die Haelfte aber kaeme prima ohne aus: Man stelle sich mal vor, wie entspannt wir ALLE die Strassen nutzen koennten, wenn schon die Haelfte der dicken Blechkisten nicht mehr rumstuende: Fliessender Kraftverkehr auf den Hauptstrassen, problemloses Halten und Parken wo es echt erforderlich ist, gefahrloser Radverkehr auf Haupt- und Nebenstrassen, Spielstrassen, die den Namen verdienen, Platz fuer Fussgaenger, Rollis, Kinderwagen... - Nur um die schicken dicken Abschlepper waer's schade; die wuerden kaum noch benoetigt.

  2. 17.

    Falsch ! Nachts befinden sich auch Nachthaltestellen von Nachtlinien, die ständig zugeparkt sind. Die BVG Mitarbeiter würden eh nachts arbeiten, halt nur andere Aufgaben übernehmen. Somit würden die Nachtzuschläge eh anfallen. Außerdem wird nur in den ersten zwei Wochen nur nachts gearbeitet und dann im 24/7 Betrieb fortgefahren.

  3. 16.

    Die Busfahrer die es melden, dass die Busspur blockiert ist, sind dann ihrer Meinung nach Denunzianten? Vielleicht sollten sie einfach nicht dort parken, dann wäre sowas nicht notwendig.

  4. 15.

    Das hier jede Meldung immer genutzt wird, um Autohass heraus zu Posaunen! Meine Güte, nicht jeder Autofahrer parkt verboten! Noch weniger ist davon auszugehen, dass die Mehrheit auf Busspuren und Schienen parkt! Die BVG kann die schwarzen Schafe jetzt Abschleppen und das ist auch gut so! Jetzt noch ein paar Kontrollen der Busspuren und die Typen abstrafen, die sich für besonders schlau halten und am Stau vorbei brettern, um dann an der nächsten Ampel alles zu verstopfen! Da muss die Polizei echt mal ran!!! Eine weitere Sauerei ist die Freigabe der Busspuren für Taxis! An manchen Strecken sind das ganze Kolonnen von Droschken! Ich sehe keinen Mehrwert für die Allgemeinheit, wenn Taxis die Busspuren nutzen dürfen! Das ist einfach nur unfaires Vordrängeln!

  5. 14.

    Nachts kann doch auch Polizei und OA abschleppen - da ist doch Zeit! Tagsüber, Berufsverkehr, wenn die Latte-Macchiato-SUVs auf der Busspur stehen, dann bitte sofort abschleppen. Nachts parkt man doch nur vorm Späti in Neukölln in zweiter Reihe....

  6. 13.

    Abschleppflotte zur Nacht? Da gibt es kein Parken in zweier Reihe. Ich empfehle tagsüber/abends etwa den Abschnitt Brunnenstraße im Wedding.

  7. 12.

    Wenn der Senat mal wieder auswärts tagt, kann die BVG gleich mit mehreren Autos üben. Vorigen Mai standen einige Limousinen angefangen bei einem Lexus bis hin zur S-Klasse hier in Spandau in der Fußgängerzone vor dem Rathaus rum. Dort hätte die BVG beim Üben nichtmals Rücksicht auf die eigenen Busse nehmen müssen. Sonderrechte haben die nämlich nicht.
    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2019/03/senat-falschparken-verkehrsregeln-strafzettel.html

  8. 11.

    Grüße zurück :) Aus Erfahrungen in der Familie (Bruder bei der Straßenbahn)weiß ich, dass es nicht nur um Falschparker geht, sondern auch um Autos, die zwar parken, wo sie dürfen, jedoch so blöd parken, dass die Bahn nicht dran vorbei kommt. Es sind oft nur wenige Zentimeter. Ich hatte da schon mal einen "Kuhfänger" empfohlen... :)

  9. 10.

    Sehr gut. Nachts wird geübt und wahrscheinlich effektiv schneller mehr weggeräumt als tagsüber im Verkehr möglich ist. Viel Erfolg! Freue mich auf zugängliche Bus-Haltestellen. In Kreuzberg stehen viele Parkhäuser und Tiefgaragen noch leer :)

  10. 9.

    Statt Tiefgaragen könnte man auch U-Bahnen und Radwege bauen um dem Parkplatzmangel entgegenzuwirken.

  11. 8.

    Blablabla...…leg mal ne andere Platte auf.

    Gut so BVG - ich wünsche fette Beute.....Tag für Tag, Nacht für Nacht - bis auch der letzte Blödbommel verstanden hat, seine Dose auch mal etwas weiter abzustellen - auf einem erlaubten Parkplatz.

    Viele Grüße von einem, der auch mal das Auto nutzt (weil dann drauf angewiesen ist!!), dafür eine Garage bezahlt, sich an die Regeln hält und trotz alledem möglichst wenig in der Stadt herumfährt!!!

  12. 7.

    Fahr- und Parkverbot in der ganzen Innenstadt! Schon sind wir die meisten Probleme los!

  13. 6.

    Abschleppen, Einschmelzen und Schienen draus machen! Danke!

  14. 5.

    jo wie ich unsere Autofahrer kenne,sind die Investitionen der BVG schnell wieder bezahlt.
    Ich finde es gut.

  15. 3.

    Fehlinvestition! Gebrauchte Diesel-Fahrzeuge in Berliner Innenstadt einsetzen! Keine kluge Entscheidung! Wo bleiben die Klima-Ziele 2020?

  16. 2.

    Na da werden sich die Denunzianten die Hände reiben, wenn diese großen Teile anrollen.

  17. 1.

    So ein Quatsch die Abschleppflotte nachts einzusetzen, nachts sind viele Busspuren als Parkzone freigegeben, zum anderen müssen die Mitarbeiter mit Nachtzuschlägen teuer bezahlt werden, wieso setzt man die Abschleppen nicht am Tage ein...., typisch BVG nur große Marketingaktionen statt handeln.

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