Vorraum einer Sparkasse in Berlin. (Quelle: rbb)
Audio: rbb 88,8 | 07.01.2019 | Matthias Bartsch | Bild: rbb

Berlin-Charlottenburg - Hosenbein von schlafendem Obdachlosen angezündet

Erneut ist ein Obdachloser in Berlin Opfer eines Angriffes geworden: Während der 45-Jährige im Vorraum einer Bankfiliale schlief, wurde sein Hosenbein angezündet. Er trug schwere Verletzungen davon. Der Täter könnte ein flüchtiger Bekannter des Opfers sein. 

Beim Schlafen im Vorraum einer Charlottenburger Bank ist ein Obdachloser in der Nacht zum Dienstag angezündet worden. Der Mann habe eine schwere Brandverletzung am Bein erlitten und sei in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte die Polizei mit.

Ersten Informationen zufolgte alarmierte ein Bankkunde kurz nach Mitternacht die Polizei, weil er im Vorraum der Bank in der Otto-Suhr-Allee, in dem mindestens zwei Obdachlose schliefen, einen starken Brandgeruch wahrgenommen hatte. Die Beamten fanden dort den verletzten Mann. Er gab den Polizisten gegenüber an, dass er in dem Vorraum geschlafen habe und durch das Feuer an seinem Hosenbein wach geworden sei. Er wurde zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. 

Bekannter des Opfers möglicherweise tatverdächtig

Sowohl der Zeuge als auch der zweite Obdachlose waren bereits weg, als die Beamten eintrafen. Die Männer sollten sich bei der Polizei melden, sagte der Sprecher. Anhand der Angaben des Opfers bestehe der Verdacht, dass ein flüchtiger Bekannter von ihm für die Tat in Frage komme, dies werde nun geprüft. Hinweise auf Hasskriminalität lägen nicht vor, hieß es. Falls es Aufnahmen einer Überwachungskamera gebe, würden diese geprüft.

Zahlreiche Übergriffe auf Obdachlose in Berlin

In Berlin ist es in der Vergangenheit bereits mehrfach zu Übergriffen auf Obdachlose gekommen. Im September wurden in Friedrichshain drei Obdachlose mit Glasflaschen angegriffen und schwer verletzt, kurz zuvor hatte ein Unbekannter die Decke eines Mannes angezündet, der auf einer Parkbank im Volkspark schlief.

Im Sommer 2018 hatte ein Mann nach einem Streit zwei Obdachlose am S-Bahnhof Schöneweide mit Benzin übergossen und angezündet. Eines der Opfer starb, der Täter wurde im März zu acht Jahren Haft verurteilt.

Weitere Gefängnisstrafen gab es im August für zwei Männer wegen einer Brandattacke auf zwei Obdachlose am Alexanderplatz.

Sendung: Abendschau, 07.01.2019, 19:30 Uhr

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15 Kommentare

  1. 15.

    " Die Überschrift lenkt den Leser aber in Richtung Hasskriminalität. " inwiefern denn ? Überschrift : " Hosenbein von schlafendem Obdachlosen angezündet " ist lediglich eine Beschreibung der Tat , nicht mehr , nicht weniger, eine Lenkung des Lesers ist darin nicht erkennbar ( und auch nicht beabsichtigt )

  2. 14.

    " Zahlreiche Übergriffe auf Obdachlose in Berlin " , ob nun aus Hass oder sonstigen Motiven , es ist schon in höchstem Maße niederträchtig, einem schlafenden Menschen die Kleidung anzuzünden

  3. 13.

    "Anhand der Angaben des Opfers bestehe der Verdacht, dass ein flüchtiger Bekannter von ihm für die Tat in Frage komme, dies werde nun geprüft. Hinweise auf Hasskriminalität lägen nicht vor, hieß es. " Oftmals übersieht man den Wald vor lauter Bäumen. Hier steht als nicht die Eigenschaft als Obdachloser im Vordergrund sonder der Verdacht richtet sich gegen einen Bekannten des Opfers. In den allermeisten Fällen kennen sich Opfer und Täter und es ist eine Beziehungstat. Die Überschrift lenkt den Leser aber in Richtung Hasskriminalität.

  4. 11.

    Guten Abend distelkamp,

    "den" ÖRR gibt es nicht, das würde bedeuten, dass sämtliche Radio- und Fernsehsender immer mit gleicher Position zu allen Themen berichten würden - das hätte mit Pluralismus und Vielfalt im Rundfunk nichts zu tun. Der rbb ist ausschließlich für Berlin und Brandenburg zuständig, wir berichten nicht über Russland, Frankreich, die USA oder irgendein anderes Land sondern nur über die Region. Genauso verhält es sich ja auch mit SWR, NDR, MDR & Co. Was also die Kollegen vom z.B. Auslandsjournal in ihrer Sendung berichten, ist deren Angelegenheit und redaktionell nicht mit uns verbunden. Über die Situation von Obdachlosen in Berlin und Angriffe auf Obdachlose, wie in diesem Fall, berichten wir immer wieder.

    Freundliche Grüße,

    Ihre Redaktion

  5. 10.

    interessant die Berichtertattung der ÖRR zu verfolgen , in diesem Bericht des rbb wird auf Attacken auf Obdachlose hingewiesen ( schlimm genug ) , in einem kürzlichen Beitrag der ARD zu den Weihnachtsfeierlichkeiten in Moskau wurde die dortige Situation der Obdachlosen ganz besonders negativ hervorgehoben . Obdachlose gibt es leider überall- auch in den USA , Frankreich usw

  6. 9.

    "Bescheuert" ist eine Verniedlichung, wenn man "bösartig" meint.
    Und es ist leicht, für Missstände Sündenböcke zu suchen.
    Die Gründe für Obdachlosigkeit sind zweifellos sehr unterschiedlich.
    Meiner Meinung nach sollte es in jeder Regierung eine ständige Institution (z. B. ein Senatsressort, ein Ministerium etc.) geben, die stets ermittelt, wo die Not am größten ist und was dagegen getan werden könnte.
    Ansonsten würde ich (auch wenn es zynisch klingen mag) Obdachlosigkeit ähnlich angehen wie Drogensucht:
    Hilfsangebote jeder nur möglichen Art, doch keine Rundumversorgung, so lange die Betroffenen in ihrem Verhalten selbst kein Problem sehen und daher auch nichts daran ändern wollen.
    "Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben." (Konfuzius)
    Dem bedauernswerten Opfer dieses feigen Anschlags gute Besserung.

  7. 8.

    Trotzdem ist das kein Grund, einen anderen Menschen zu verletzen. Wie krank ist das denn! Hoffentlich wird derjenige gefunden!

  8. 7.

    Sorry, aber genau das ist das Problem. In einer Gesellschaft muss man sich an Regeln halten, sonst klappt das Zusammenleben nicht. Das Tierverbot macht Sinn. Diebstähle sind immer zu verurteilen. Da achtet aber die Heimleitung drauf. Viele wollen nicht im Heim schlafen, weil dort Alkohol verboten ist. Wer Hilfe will, bekommt sie. Niemand muss auf der Strasse schlafen, und in Banken ist das sehr störend und egoistisch. Meine Oma zB traut sich dann nicht rein.

  9. 6.

    Den Täter könnte man doch mittels der Überwachungskamerer feststellen?. Die Polizei sollte dies öffentlich machen.. denn einer wird den Täter erkennen.

  10. 5.

    Schon mal aufgefallen, daß die meisten Obdachlosen Tiere haben!? Keines dieser Unterkünfte ist auch nur eine Nacht bereit, ein Tier (Hund etc) aufzunehmen. Weiterhin werden oft die letzten Habseligkeiten dort von anderen Obdachlosen geklaut. Daran haben Sie wohl noch nie gedacht.

  11. 4.

    Ich wohne in Berlin-Friedrichshagen und hier gibt es ein Obdachlosenheim mit mehreren 100 Plätzen. Viele Obdachlose weigern sich auch solche Unterkünfte in Anspruch zu nehmen, aus welchen Gründen auch immer....

  12. 3.

    WANN qacht unser Senat endlich auf und unternimmt etwas konkretes FÜR Obdaclose
    es ist doch beschämend bei dem doch gut finanziell ausgestattetem Haushalt----
    zum Vorgang. Wie bescheuert muss so ein Mensch sein, der einem Hilflosen so etwa antut----

  13. 2.

    Es ist schon schlimm was man da macht und noch schlimmer ist es dass man von seiten des Senates oder BA des jeweiligen Bezirkes nichts macht um der Obdachlosigkeit entgegen zu treten. Es werden ja immer mehr, da brauche ich auch nicht zu zählen.
    Ich bin ehrlich mich stört es schon wenn in jeder Bankfiliale 2 Obdachlose schlafen und nach allgemeinen "Wohlgerüchen " riechen meist noch ihre Notdurft verrichten und ich als Kunde ja abends mal in die Bank muss. Nicht falsch verstehen, das sind auch nur Menschen aber Bankfilialen sind keine Wärmehallen. Da ist ganz, ganz dringend die Politik gefragt. Es kann ja nicht sein dass sich Abgeordnete im Senat Gedanken machen wie viele man aus dem Mittelmeer nach Deutschland holt und sich um die Obdachlosigkeit in Berlin überhaupt keine Gedanken machen und wenn dann genau das falsche.

  14. 1.

    Meine Güte was soll das denn?
    Sie sind genauso Menschen wie wir nur das Sis vielleicht alles verloren haben, ich denke nicht alle haben sich dafür entschieden Obdachlos zu werden.
    Es ist sowieso Traurig das Die Zahl der Obdachlosen von Jahr zu Jahr immer mehr wird.

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