Mahnwache in Treptow (Quelle: rbb/David Donschen)
Video: rbb|24 | 20.01.2020 | Material: Abendschau | Bild: rbb/David Donschen

Nach Unfall mit BVG-Bus - Hunderte trauern um tote Radfahrerin in Johannisthal

Nach dem Unfalltod einer 35-jährigen Radfahrerin in Johannisthal musste der ADFC zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ein weißes "Geisterrad" in Berlin aufstellen. Am Montagabend versammelten sich rund 300 Menschen zur Mahnwache.

Mehrere hundert Menschen haben bei einer Mahnwache in Berlin-Johannisthal um die 35 Jahre alte Radfahrerin getrauert, die am Sonntag bei einem Unfall mit einem BVG-Linienbus ums Leben gekommen war, als sie von dem abbiegenden Bus erfasst und überrollt wurde.

Einen Tag nach dem zweiten tödlichen Abbiege-Rad-Unfall des Jahres stellte der Radfahrerverband ADFC am Montag an der Unfallstelle am Groß-Berliner Damm, Ecke Pilotenstraße ein weißes Fahrrad auf, um an den Unfall zu erinnern. Nach einer Schätzung der Berliner Polizei waren insgesamt 300 Menschen vor Ort.

"Wir brauchen sichere Straßen und Kreuzungen", sagte Ragnhild Sørensen vom Verein Changing Cities. Nach der Mahnwache war eine Fahrraddemo zum Bundesverkehrsministerium geplant.

Unfallforscher sieht Busfahrer im Vorteil

Der Unfall entfachte in Berlin eine Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen beim Abbiegen von Linienbussen. Der BVG-Bus, der die Radfahrerin erfasst hatte, gehört zu der neuesten Serie von zwölf Meter langen, einstöckigen "Citaro"-Bussen, wie die BVG mitteilte. Diese Busse verfügen über eine Technik, die beim Abbiegen helfen soll: Ein Monitor zeigt dem Busfahrer, was auf der rechten Seite des Fahrzeugs passiert.

Siegfried Brockmannn, Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, bezeichnete am Montag im rbb dieses Abbiegesystem als "ein gutes System". Per Kamera könne der Busfahrer auf seinem Monitor die ganze rechte Seite des Fahrzeugs überblicken. Bei Lkw hätten solche Sicherheitssysteme auch noch zusätzlich einen Piepton oder ein Blinklicht, das den Fahrer warne, sobald sich jemand im Gefahrenbereich aufhalte. Ob auch der Gelenkbus der BVG ein solches optimiertes System habe, könne er aber nicht sagen, so Brockmann.

Grundsätzlich sei der Busfahrer dem Lkw-Fahrer beim Rechtsabbiegen überlegen, denn: "Ein Bus hat rechts vorne tiefgezogene Scheiben, der Busfahrer sitzt auch tiefer. An der rechten Bustür gibt es eine große Scheibe, direkte Sichtbeziehungen sind da – das fehlt beim Lkw.“

Sendung: Abendschau, 20.01.2020, 19:30 Uhr

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49 Kommentare

  1. 49.

    Mal abgesehen davon dass ich keine Probleme habe etwas einzusehen aber ich habe ihnen recht gegeben. Muß ich ihnen den Unterscheid auch noch erklären?

    Ich kann sogar loben! Sie sind, nicht ganz ungeschickt, schön ausgewichen. :-P

  2. 48.

    „ Sie haben recht, der genaue Unfallhergang ist unbekannt“. Danke für ihre Einsicht. Hoffentlich hält diese auch für andere Fälle an.

  3. 47.

    Natürlich ist der Busfahrer nicht das Kindermädchen für Radfahrer. Soll er auch nicht. Er soll sich einfach an die Verkehrsregeln halten. Falls sie einen Führerschein haben verzichten sie im Interesse ihrer Mitmenschen auf das Autofahren. Im übrigen kann ich Henry nur zustimmen.

  4. 46.

    Schon klar, alles bedauerliche Einzelfälle. Tote sind in unserem bisherigen Verkehrssystem fest eingeplant.

    Sie haben recht, der genaue Unfallhergang ist unbekannt. Gänzlich bekannt ist wie Radfahrer und Fußgänger immer wieder Opfer sind.

    Wir sind mittendrin im Thema.

  5. 44.

    Stimmt. Die sind dermaßen traumatisiert dass sie, nachdem sie ein Kind totgefahren haben, so ähnliche Aussagen machen wie sie "auf was soll ich denn noch aufpassen" und eine Woche später bei Rot über eine Ampel brettern.

  6. 43.

    Bei der erschreckenden Einstellung der meisten Autofahrer hier wundert es dass wir nicht 10 Tote am Tag haben. Unglaublich, die meisten hier bräuchten eine sofortige Nachschulung, wenn nicht gar eine Einladung zur MPU, wo festgestellt wird ob sie überhaupt geistig in der Lage sind ein KfZ zu führen.

  7. 42.

    "Außerdem ist ein Busfahrer nicht das Kindermädchen für die Radfahrer. Radfahrer wollen soooo erwachsen sein, aber da auch selbst mal aufzupassen, das ist wohl zu viel verlangt. Ein bisschen mehr Kooperation und Rücksichtnahme würde den Radfahrern besser zu Gesicht stehen."

    Man kann nur hoffen dass sie keinen Führerschein haben, mit der Einstellung geht es nämlich ganz schnell zur MPU und dann ist die Pappe weg. Begründung: Ihnen fehlt die "geistige und charakterliche Eignung" zum Führen eines Kraftfahrzeugs.

    Aber dann bitte auch kein Rad fahren, für solche Leute wie sie gibt es die BVG, als Fußgänger können sie dann wenigstens keinen allzu großen Schaden anrichten.

  8. 41.

    Stimmt. Die Bus- und LKW-Fahrer machen das bestimmt nicht aus Spaß an der Freude und sind danach auch traumatisiert. Ich möchte nicht wissen, wieviele von denen deshalb schon ihren Beruf aufgeben mussten.

  9. 40.

    Weil ein LKW-Fahrer nicht nur auf Radfahrer achten muss, sondern auchvsuf andere Sachen achten muss und, die Augen nicht ständig auf der Kamera haben kann.

    Außerdem ist ein Busfahrer nicht das Kindermädchen für die Radfahrer. Radfahrer wollen soooo erwachsen sein, aber da auch selbst mal aufzupassen, das ist wohl zu viel verlangt. Ein bisschen mehr Kooperation und Rücksichtnahme würde den Radfahrern besser zu Gesicht stehen.

  10. 39.

    Der Typ vom ADFC kann ja mal versuchen, mit einem LKW oder mit einem Bus flott abzubringen. Dann eird er sich aber wundern. Das sind immerhin ca. 3 m in der Breite und ca. 15 m in der Länge sowie mindestens 30 t an Masse, die um die Ecke befördert werden müssen. Das ist etwas anderes als ein bisschen Metall mitvzwei Rädern und Speichen.

  11. 38.

    musste gerade an die USA und dortige Kreuzungen denken, wo alle anhalten und wer zuerst gehalten hat, der fährt auch als erster wieder. Wäre hier undenkbar.

  12. 37.

    Hallo Andrea
    besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Warum der Jürgi keinen Bus mehr fährt können wir nur mutmaßen. Aber es wird schon seinen Grund haben.

  13. 36.

    Ja, Sie haben recht. Die Markierung auf dem gestrigen Symbolbild(?) muss mit dem Unfall nichts zu tun haben. Warten wir die Ermittlungsergebnisse ab.

  14. 35.

    "Was haben Radfahrer neben einem Bus oder LKW zu suchen?": laut dem Parallelartikel beim RBB war die Frau auf dem Radweg, also genau da, wo sie verkehrsrechtlich hingehörte. Wo hat man denn Ihrer Meinung nach als Radfahrer (oder auch Fußgänger) etwas zu suchen? Gehen Sie bitte davon aus, dass nicht nur der Bus "gerade irgendwohin muss".

  15. 34.

    Ja, bin auch dafür. Gleich noch alle Flugzeuge abschaffen und alle Kreuzfahrtschiffe. Dann wieder Pferdekutschen einführen.....das wäre doch toll.
    Früher war eben doch alles besser...nicht wahr????

  16. 33.

    Bei so vielen Unfällen sollte man langsam mal nachdenken, ob Radfahren in einer Großstadt wirklich Sinn macht. ÖPNV für Kurzstrecken ist hervorragend.
    Künstlich, auf biegen und brechen, immer mehr Gefahrensituationen zu schaffen ist schon verantwortungslos.

  17. 32.

    "2) Die Fahreigenschaften von Bssen muss der Busfahrende beachten, nicht alle drumherum....."

    Und genau daran scheitert es. Gegenseitige Rücksichtnahme ist in dieser Stadt ein Fremdwort. Jeder achtet nur auf seine Ampel und fertig ist, Da ich nicht davon ausgehe, dass alle Verkehrsteilnehmer um mich herum perfekt und fehlerfrei sind achte ich auf möglichst jeden um mich herum.

    Manchmal denke ich man müsste mal für ein paar Tage alle Ampeln dieser Stadt ausschalten, damit die Menschen lernen GEMEINSAM den öffentlichen Verkehrsraum zu nutzen.

  18. 31.

    "Bei diesem rein optischen System habe es sich um einen Sonderwunsch des Kunden gehandelt, hieß es beim Hersteller in Stuttgart. Optional werden von Mercedes-Benz zwei andere Assistenzsysteme angeboten, über die der Unfallbus nicht verfügte." @rbb Warum nicht? Wären die BVG Busfahrer dann "gezwungen" mehr Sicherheitsabstand zu halten? Andauernd vorausschauender zu fahren? Mindestens ein Netter auf der M29 Strecke fährt tatsächlich so :) (Schulungen ;)
    "Das „Preventive Brake Assist“ genannte System empfiehlt der Hersteller als „den weltweit ersten aktiven Bremsassistenten für Stadtlinienbusse“. Bei akuter frontaler Kollisionsgefahr mit einem anderen Fahrzeug, einem Radfahrer oder Fußgänger warnt es durch ein rot aufleuchtendes Dreieck mit Fahrzeugsymbol im Zentraldisplay vor dem Fahrer, dazu ertönt ein akustischer Warnton. Gleichzeitig wird eine Teilbremsung eingeleitet, bis der Fahrer eingreift oder der Wagen zum Stehen kommt."

  19. 30.

    1) das ist schön. Wie wäre es mit weiteren 10 Jahren im Stadtverkehr, diesmal auf dem Rad?
    2) Die Fahreigenschaften von Bssen muss der Busfahrende beachten, nicht alle drumherum. Und wenn wegen des 'Überhangs' ein Abbiegen in dem Moment nicht möglich ist, dann muss der Busfahrende warten - Geradeausverkehr hat Vorrang
    3) Bei der Teilnahme am Strassenverkehr ist es unvermeidbar, auch mal vor, hinter und neben einem Kraftfahrzeug zu sein, es gibt nur eine Stadt. In der bewegen sich Fussgänger, Radfahrende und Kraftfahrzeuge, die unweigerlich in räumliche Beziehung geraten.
    Können wir einfach noch einmal ein paar einfache Regeln wiederholen? Geradeausverkehr hat den Vorrang vor Abbiegeverkehr. Wer abbiegt, muss dies vorsichtig tun und dem Geradeausverkehr AUF BEIDEN SEITEN DES FAHRZEUGS diesen Vorrang gewähren.

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