Angeklagte im Fall der gestohlenen Goldmünze sitzen im Berliner Landgericht (Bild: imago images/Olaf Wagner)
Audio: rbb 88,8 | 27.01.2020 | Ulf Morling | Bild: imago images/Olaf Wagner

Vier Männer angeklagt - Verteidiger fordern Freispruch im Goldmünzenraub-Prozess

Im Prozess um den Diebstahl der zwei Zentner schweren Goldmünze "Big Maple Leaf" aus dem Berliner Bode-Museum hat die Verteidigung auf Freispruch plädiert. Es gebe keine unmittelbaren Tatzeugen und Beweismittel, keine eindeutigen Spuren wie Goldsplitter, höchstens Indizien, die eine Verurteilung rechtfertigen könnten, sagte der Verteidiger eines der vier Angeklagten am Montag. 

Ein Gutachter hatte im Prozess mit digitaler Bearbeitung der Überwachungsvideos die beiden Brüder und ihren mitangeklagten Cousin trotz Vermummung wiedererkennen wollen. Das sei eine "selbst gebackene Methode aus Computerspielen entwickelt" und könne nicht zur Verurteilung führen, so die Anwälte.

Staatsanwaltschaft: fünf bis sieben Jahre Haft

Die 21- bis 25-jährige Männer müssen sich seit mehr als einem Jahr vor dem Landgericht verantworten. Sie sollen in der Nacht zum 27. März 2017 die Münze mit einem damaligen Goldwert von knapp 3,75 Millionen Euro gestohlen haben. 

Die Staatsanwaltschaft hat in der vergangenen Woche auf Strafen von fünf bis sieben Jahren Gefängnis plädiert. Das Urteil soll nach bisheriger Planung der Jugendkammer am 20. Februar gesprochen werden.

Wachmann soll Museum ausgekundschaftet haben

Drei der Angeklagten gehören zu einer arabischstämmigen Berliner Großfamilie, von der mehrere Mitglieder bereits durch Verbrechen aktenkundig geworden sind. Die beiden Brüder sowie ihr Cousin sollen über ein Fenster in das Museum eingestiegen sein. Das Trio soll dann eine Vitrine zertrümmert und das Goldstück mit Rollbrett und Schubkarre zu einem Auto geschafft haben. Ein 21-jähriger, mitangeklagter Wachmann soll vor der Tat die Örtlichkeiten ausgekundschaftet haben. Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen Diebstahl in einem besonders schweren Fall.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die "Big Maple Leaf" nicht mehr existiert. Sie sei wahrscheinlich zerteilt und eingeschmolzen worden. Dazu wird es einen gesonderten Prozess in einem Monat vor einer Zivilkammer des Landgerichts geben. In diesem Verfahren klagt der Eigentümer der Goldmünze, der von der Versicherung bisher nur zum Teil entschädigt wurde, auf Zahlung des vollen Wertes der Münze. Er hatte die "Big Maple Leaf" dem Bode-Museum als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Sendung: Inforadio, 27.01.20, 12 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Im Prinzip wird es heute um den Stundenlohn für diese Verbrecher gehen! Die Rede war beim letzten Mal so um die 10000 € Monatsgehalt,steuerfrei.

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