Der Angeklagte im Mordfall Georgine sitzt in einem Saal des Berliner Landgerichts. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 03.01.2020 | Ulf Morling | Bild: dpa/Paul Zinken

Psychiatrisches Gutachten - Angeklagter im Fall Georgine ist voll schuldfähig

Im Prozess um die 2006 ermordete Berliner Schülerin Georgine hat am Freitag der psychiatrische Gutachter ausgesagt. Sein Fazit: Sollte der 44-jährige Angeklagte auch der Täter sein, wäre er voll schuldfähig.

Täter muss laut Gutachter nicht pädophil sein

Es gehe bei solchen Verbrechen um Dominanzgefühle, Macht und Gefühllosigkeit, erklärte der Gutachter vor dem Landgericht Berlin. Der Täter müsse nicht pädophil sein, um eine solche Tat zu begehen.

Der Mann soll die damals 14-jährige Georgine 2006 in den Keller seiner Wohnung in Berlin-Moabit gelockt, bewusstlos geschlagen und vergewaltigt haben. Um die Tat zu verdecken, soll er das Mädchen getötet und den Leichnam weggebracht haben. Dieser wurde bis heute nicht gefunden.

Die Ermittler kamen auf seine Spur, nachdem der Angeklagte Jahre später, 2013, in einem anderen Fall wegen sexuellen Missbrauchs eines Mädchens verurteilt wurde.

Gegenüber verdecktem Ermittler mit der Tat geprahlt

Ein entscheidender Punkt bei der Anklageerhebung war die Überzeugung der Staatsanwaltschaft, dass zur Tatzeit sowohl der Angeklagte als auch Georgine in derselben Funkzelle in Moabit eingeloggt waren. Das wichtigste Indiz für die Mordkommission stammt aber aus einem anderen Zusammenhang.

Als sich 2018 die Hinweise verdichteten, dass der Mann die Tat begangen haben könnte, wurde nach rbb-Informationen ein verdeckter Ermittler auf ihn angesetzt. Ihm gegenüber soll der Verdächtige mit der Tat geprahlt haben. Nach seiner Festnahme im Dezember 2018 bestritt er seine Aussagen allerdings wieder.

Prozess geht dem Ende entgegen

Das rätselhafte Verschwinden von Georgine war über Jahre einer der bekanntesten Vermisstenfälle in Deutschland. Nach fünf Monaten und 31 Verhandlungstagen geht der Prozess nun dem Ende entgegen.

Laut Landgericht soll der 15. Januar der letzte Prozesstag sein. Für kommende Woche werden die Plädoyers erwartet.

Sendung: Abendschau, 03.01.2020, 19.30 Uhr 

2 Kommentare

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  1. 2.

    Dem Angeklagten eine faire Verhandlung und vom Gericht eine gerechte Entscheidung.
    P.S. Man(n) muss nicht erst in Sing Sing landen, um mit dem "Singen" anzufangen.

  2. 1.

    Auch wenn das nichts an dem furchtbaren Tot des Mädchens nicht ändert, hoffe ich das der Täter für immer ins Gefängnis muss.

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