Eine Person zerkleinert Kokain auf einem kleinen Spiegel (Bild: imago images)
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Neun Haftbefehle - Kokain-Lieferservice in Berlin gestoppt

Berliner Ermittler haben im Kampf gegen die Clankriminalität zu einem großen Schlag ausgeholt. Ermittler stoppten am Donnerstag einen Kokain-Lieferdienst, der in der Hauptstadt etwa 850 feste Kunden mit Drogen beliefert haben soll. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft weiter mitteilten, wurden bei der Razzia 36 Objekte durchsucht, neun Haftbefehle vollstreckt und elf Autos beschlagnahmt.

Die Tatverdächtigen sind laut Mitteilung im Alter von 16 und 36 Jahren. Sie sollen den illegalen Stoff im gesamten Stadtgebiet ausgeliefert haben. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) lobte am Donnerstag die Zusammenarbeit zwischen den Ermittlern von Polizei und Staatsanwaltschaft. "Wir bekämpfen die Clankriminalität auf allen Ebenen. Das Zeichen, das vom heutigen Einsatz ausgeht, ist eindeutig: Der Kampf gegen Clankriminalität geht auch 2020 unvermindert weiter", erklärte Geisel in einer Mitteilung.

Nicht der erste Schlag gegen Kokain-Lieferanten

Bereits im vergangenen November war der Berliner Polizei ein Ermittlungserfolg in diesem Bereich gelungen. Nach monatelanger Vorarbeit gegen eine mutmaßliche Bande von Kokain-Dealern wurden sechs Tatverdächtige festgenommen. Gegen drei von ihnen wurde Haftbefehl erlassen. Sie sollen die Organisatoren des illegalen Lieferhandels sein.

Die drei anderen Verdächtigen wurden wieder entlassen. Sie sollen als Fahrer tätig gewesen sein oder das Kokain gelagert haben, diese Vorwürfe wertete der Haftrichter als geringere Tatbeteiligung.

Kokain-Konsum in Berlin auf dem Vormarsch

Für das Jahr 2018 wurden durch eine nachträgliche Auswertung der Berliner Polizei elf Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit sogenannten "Koks-Taxis", also illegalen Lieferdiensten, festgestellt. Seit Mai 2019 werden solche Fälle nun gesondert erfasst, bis Anfang Oktober 2019 waren es bereits 35 Vorgänge. "Wir können die Anzahl der Services gar nicht überblicken. Wir wissen aber aus Ermittlungsverfahren, dass bei solchen Handynummern pro Tag dreistellige Anrufe eingehen", so der Chef der Berliner Drogenfahnder damals im Gespräch mit dem rbb. 

In Berlin steigt seit Jahren der Kokain-Konsum. Darauf deuten Untersuchungen der Berliner Abwässer hin, die von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht veröffentlicht wurden. Die Menge der nachgewiesenen Kokain-Rückstände hat sich in Berlin von 2014 bis 2018 fast verdoppelt. Im Jahr 2016 starben in Berlin 21 Menschen nach dem Konsum von Kokain, 2018 waren es 35. Für das Jahr 2019 liegt noch keine Gesamtzahl vor.

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Da merkt man mal wieder, dass all die Ermittlungen und Verfolgung von Händlern und Konsumenten nicht mehr als verschwendete Steuergelder sind.
    Der Kokainkonsum hat sich in den vergangenen Jahren VERDOPPELT. Die Bevölkerung wird nie aufhören sich zu berauschen, noch weniger in Zeiten von Lohndumping und Gig-Economy. Anstatt wertvolle Steuergelder zu verschleudern könnten diese in eine dringend notwendige Aufklärung und Präventionsarbeit gesteckt werden. Dazu sollten doese Substanzen entkriminalisiert werden, siehe Erfolgsmodell Portugal. Somit wäre Qualität und Sicherheit -vorallem für zukünftige Generationen gesichert.
    Der Krieg gegen Drogen ist nichts anderes als eine Industrie auf Kosten der Unterschicht.

  2. 3.

    Finde ich auch recht merkwürdig. Doch wie mir scheint, möchte man viel eher an die Hintermänner ran. Sozusagen die Quelle zum versiegen bringen. Der Anfang ist gemacht. Da steht aber noch sehr viel Arbeit an.

  3. 2.

    Eine sehr gute Nachricht.
    Danke an Polizei, Justiz und Politik.
    WEITER SO!

  4. 1.

    Die drei anderen Verdächtigen wurden wieder entlassen. Sie sollen als Fahrer tätig gewesen sein oder das Kokain gelagert haben.Super.Dann können die ja wieder weitermachen. Lukrativer Job.Passiert ja nichts,wenn man erwischt wird.

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