Wohnhaus in der Grünberger Straße in Berlin-Friedrichshain (Bild: TeleNewsNetwork)
Audio: rbb 88,8 | 27.01.2020 | Matthias Bartsch | Bild: TeleNewsNetwork

Polizist tötet Frau in Friedrichshain - Slowik rechtfertigt Schuss aus sechs Metern Entfernung

Drei Tage nach dem Polizeieinsatz mit tödlichem Ende in Berlin-Friedrichshain werden Details bekannt. Polizeipräsidentin Slowik rechtfertigte den Schuss auf die Frau, die mit einem Messer bewaffnet war. Sie und den schießenden Polizisten trennten sechs Meter.

Nach dem tödlichen Schuss eines Berliner Polizisten auf eine Frau in Friedrichshain hat Polizeipräsidentin Barbara Slowik Einzelheiten zu dem Einsatz bekanntgegeben. Demnach fiel der Schuss auf die mit einem Messer bewaffnete Frau aus einer Distanz von sechs Metern.

Slowik rechtfertigte am Montag im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses den Schusswaffengebrauch. Als Polizisten sich am Freitag nach einem Notruf Zutritt zu dem Zimmer der Frau verschaffen wollten, solle sie Widerstand geleistet haben, so Slowik. "Das hat sie mit einem Messer getan. Sie ist den Beamten mit einem Messer entgegengetreten auf einer sehr nahen Distanz von sechs Metern etwa." Daraufhin habe der Polizist geschossen. Eine Obduktion hatte ergeben, dass der Schuss in den Oberkörper tödlich gewesen war.

Slowik: besondere Gefahr durch Messerangriffe

Slowik betonte, völlig unabhängig von dem Einzelfall wolle sie klarmachen, "dass Messerangriffe egal auf wen, aber auch auf Polizisten, aus kurzer Distanz innerhalb von fünf, sechs Metern, in kürzester Zeit tödlich enden können." Sie fügte hinzu: "Wird eine Hauptschlagader getroffen, am Hals, am Bauch, am Bein, ist das binnen zwei Minuten tödlich. Da wird es auch keine Rettung geben, da gibt es auch keine Hilfe." Und weiter: "Da ist zur Eigensicherung der Schusswaffengebrauch durchaus vorgesehen."

Ausschreitungen nach Demonstration

Der Mitbewohner der 33-Jährigen hatte nach Angaben der Ermittler am frühen Freitagmorgen die Polizei gerufen. Der Mann habe angegeben, er werde von der Frau bedroht.

Nach dem Tod der Frau waren am Samstagabend in Friedrichshain rund 50 Menschen zu einer unangemeldeten Demonstration zusammengekommen. Die Menschen, teilweise vermummt und schwarz gekleidet, versammelten sich in der Grünberger Straße in der Nähe des Frankfurter Tors. Dabei kam es laut Polizei auch zu Ausschreitungen. Es sollen Straßenbarrikaden aus herausgerissenen Verkehrsschildern und Bauzäunen errichtet worden sein.

"Unsere Einsatzkräfte wurden beschimpft, als sie die Versammlung auflösen wollten", sagte der Sprecher. Auf die Fahrbahn seien mit blauer Farbe Slogans wie "Rest in Peace Maria" und "Polizei = Mörder" geschrieben worden. Die Beamten notierten mehrere Strafanzeigen. Die Gruppe flüchtete zum Boxhagener Platz und löste sich auf. Niemand wurde verletzt.

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58 Kommentare

  1. 58.

    Was beweist dass sie nicht lesen können und nichts verstehen. Außer sich hin zu stellen und so zu tun als ob man besser ist als die anderen, kommt wohl nichts.

  2. 57.

    Ich danke Ihnen für die aufschlussreichen Fragen, die m. E. wirklich weiterführen und Aufschluss geben können. Das grundsätzliche Recht auf Eigensicherung und inwieweit dem nachgekommen werden kann, scheint mir geklärt worden zu sein.

  3. 55.

    Wenn in einer bedrohungslage sofort gehandelt werden muss. Würden sie aufs sek warten?

  4. 54.

    Der Einsatz des SEK ist in der Polizeidienstvorschrrift 100 geregelt, die Verschlusssache ist. Auf der Seite der FDP kann man aber lesen, dass diese Bedrohungslage zum Aufgabenbereich des SEK gehört: https://www.gdp.de/gdp/gdp.nsf/id/dp201607

  5. 53.

    In Anbetracht dessen, dass die routinemäßigen Ermittlungen wegen vorsätzlicher Tötung gegen den Polizisten eingeleitet wurde und hier keiner weitere Details kennt, eine Kommentar der deutlich macht, dass es Ihnen weniger um die reale Sachlage dieses Falles (die noch zu ermitteln ist) geht, als um eine allgemeine Solidaritätsbekundung ggü dem Polizisten. Den Beamten wollen Sie offenbar um jedem Preis in Schutz nehmen. Den Reflex kann ich sogar nachvollziehen. Trotzdem verkennen Sie damit, dass eben auch Polizisten Menschen sind und nicht fehlerfrei agieren. Allerdings wiegt die Verantwortung Ihres Berufes jedoch sehr schwer und insbesondere für Amtsträger gilt Recht und Gesetz - von diesem Vertrauen lebt unsere Demokratie. Das wissen Polizist*innen aber nach meiner Erfahrung auch.

    In anderen Medien wird erwähnt, dass vier Beamte zugegen waren - vier Beamte und eine Frau mit einem Messer.

  6. 52.

    Nein, er hat gegen Dienstvorschriften verstoßen und hat wenn auch nicht strafrechtlich so doch moralisch den Tod eines Menschen zu verantworten.

  7. 51.

    Tja , @ Heike das war wohl nichts mit den besserwissenden Kommentaren.
    Für mich bleibt es dabei der Beamte hat richtig gehandelt und basta.

  8. 50.

    Habe ich geschrieben dass sie nicht geschult sind?nein! Sie fahren ja nicht streife, sondern übernehmen die einsätze nur, wenn sie gerufen werden. Komischer kommentar von ihnen

  9. 49.

    Ich hoffe wir erfahren bezüglich der türöffnung bald mehr. Ohne grund wird sie wohl nicht geöffnet worden sein. Kamen schreie aus dem raum? Dann muss ein zugriff erfolgen wegen fremd- bzw. Eigengefährdung. Konnte ausgeschlossen werden dass sich eine andere person dort aufhielt? Würde ja den notzugriff wiedervrechtfertigen. Aber wir wissen es noch nicht. 6 meter ist kein großer abstand wenn eine person mit einem messer auf einen losrennt. Vllt 1oder 2 sekunden bis sie zusticht. Achso die info, dass die frau auf den polizisten zugegangen sei, auch nach der schusswaffenandrohung, geht von der staanwaltschaft aus. Die frau war schon polizeibekannt und u.a. drogenkonsumentin

  10. 48.

    "Das sek ist ,einfach gesagt, ein service für die ersteintreffenden beamten von den abschnitten oder einsatzhundertschaften".

    Ich habe schon lange nicht mehr einen solchen Stuß gelesen. Die SEK sind speziell geschulte Beamte für genau solche Situationen.

    Ich traue weden den Aussagen von Fr. Slowik, noch den vin Hr. Geisel, einfach nur deshalb weil sie den bekannten Informationen widersprechen, bzw. unlogisch sind.

  11. 47.

    Was schreiben sie denn da? Wenn der Schuß aus 6 Metern erfolgt ist, dann ist die Frau noch sehr weit weg gewesen. Woher wissen sie ob die Frau gerannt ist? Außerdem unterschlagen sie das wesentliche. Warum wurde überhaupt die Tür geöffnet?

  12. 46.

    Das sek ist ,einfach gesagt, ein service für die ersteintreffenden beamten von den abschnitten oder einsatzhundertschaften. Die polizei vor ort prüft den sachverhalt zunächst und informiert das sek z.b. zur bewältigung von lebensbedrohlichen lagen. Vielleicht wusste man während der sachverhaltsaufnahme nicht dass die frau ein messer hatte und sich verbarrikadierte. War das sek vllt. schon andereweitig im einsatz? Fragen über Fragen. Letztendlich weiß man es nicht und man muss frau slowik, die sich dazu im abgeordnetenhaus äußern musste, vertrauen.

  13. 45.

    "Ein Messer ist eine gefährliche Waffe, die den Tod des Angegriffenen verursachen kann. Also heißt das.....der Beamte darf und MUSS von der Dienstwaffe Gebrauch machen. ( Eigenschutz)......"

    ne, muss er nicht. Und ob er es darf, hängt von den Umständen ab. Ob das hier der Fall war, kann niemand von uns wissen und wird hoffentlich überprüft werden. Auf keinen Fall ist das Vorhandensein einer Waffe alleine eine gerechtfertigter Grund für den Schusswaffengebrauch.

  14. 44.

    Aber die vom SEK sind Kampfsportler, und deswegen waren Sie auch zuständig. Ein ehemaliger SEK-Beamter beschreibt das hier detailliert im Podcast, warum das was für das SEK ist:: https://www.stern.de/panorama/stern-crime/podcast/podcast-spurensuche--sek---wenn-es-um-leben-oder-tod-geht-9099940.html

  15. 43.

    Ein kampfsportler wird man Innerhalb der 3 jahre ausbildung keinesfalls. Und ein messer mit dem tonfa abwehren ist sowieso schwer. Ich weiß nicht welche informationen sie über die polizei haben. In diesem sachverhalt hieß es für den polizisten, ich will lebend aus diesem einsatz. Er musste in bruchteilen von sekunden entschieden. Jedenfalls wurde die frau nicht ohne grund erschossen. Wenn mir jemand mit einem messer entgegenrennt würde ich genauso handeln.

  16. 42.

    Ein wichtiger Kommentar. Selbstverständlich muss sich ein Staat auch daran messen lassen, wie er mit seinen schwächsten Mitgliedern umgeht und dazu gehören natürlich auch (psychisch) kranke Menschen. Auch deren Leben ist ein hohes Gut und genauso zu schützen. Die alternativlose Zwangsläufigkeit (bzw Schwarzweißmalerei), die hier von einigen Mitkommentatoren heraufbeschworen wird "Wer mit einem Messer bedroht, muss.. ", ist nicht akzeptabel.

  17. 41.

    Erst informieren, dann tippen. Warum zweifeln sie die Worte eines Kommentatoren an?

    "dass die meisten Berliner Polizisten keine Kampfsportler sind, sondern normale Bürger, "

    Achja? Warum erhalten dann Berliner Polizisten eine Nahkampfausbildung?

  18. 40.

    Tja, hat sich aber nun mal so abgespielt wie von mir beschrieben. Nur und das gebe ich offen zu, ist das schon sehr,sehr lange her. Das war Anfang der 80er Jahre. Und wie ich schon erklärt habe, bin ich kein Experte. Mir erscheint nur die Vorgehensweise dieses Polizisten mehr als fragwürdig.

  19. 39.

    Nein, eine entwaffnung mit dem tonfa gibt es nicht. Polizisten sind keine kampfsportler.

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