Ein selbsternannter Clan-Chef (l.) steht wegen des Vorwurfs der Körperverletzung in zwei Fällen vor dem Amtsgericht Tiergarten. (Quelle: rbb)
Video: Abendschau | 14.01.2020 | Norbert Siegmund | Bild: rbb

Zeugen ziehen Aussagen zurück - Mann aus Clan-Milleu wegen Körperverletzung vor Gericht

Ein Mitglied eines kriminellen Clans steht in Berlin wegen schweren Körperverletzungen vor Gericht. In einem Fall rückte das Opfer überraschend von seiner ursprünglich belastenden Aussage ab. Ein anderes Opfer, eine Altenpflegerin, hat bis heute Angst.

Ein selbsternannter Clan-Boss und Rapper muss sich seit Dienstag in Berlin wegen zwei Fällen von gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten.

Der sogenannte "Patron" soll im Herbst 2017 eine Frau brutal überfallen und verletzt haben. Gemeinsam mit anderen Tätern soll der heute 38-Jährige in Berlin-Wedding die Wohnungstür der Frau eingeschlagen und sie dann mit einem Holzstock geschlagen und auch getreten haben, sagte Gerichtssprecherin Lisa Jani. Laut Anklage habe der Mann die Frau, eine Altenpflegerin, gar nicht persönlich gekannt.

Zeugen rücken von belastenden Aussagen ab

Die Frau habe am Telefon mit ihrem Ex-Freund, einem Rapper aus dem Umfeld des Angeklagten, über das Sorgerecht gestritten. Kurz brachen die Männer laut der Aussage der Frau in ihre Wohnung ein, in der sich auch der kleine Sohn der 30-Jährigen befand. Während der Verhandlung brach die Frau mehrfach in Tränen aus. Bis heute habe sie Angst, wenn sie bestimmte Autos sehe, sagte sie.

In einem weiteren Fall soll der Angeklagte wieder zusammen mit weiteren Mittätern einen Mann überfallen und geschlagen haben – möglicherweise mit einem Schlagring. Allerdings sind in dem Prozess zwei Zeugen von ihren ursprünglichen, belastenden Aussagen wieder abgerückt. Sie beriefen sich vor Gericht auf fehlende Erinnerungen und die Einigung ihrer Familien außerhalb des Gerichts.

Angeklagter ursprünglich eindeutig identifiziert

Die beiden jungen Männer hatten direkt nach einem brutalen Angriff auf sie im Februar 2019 im Bezirk Mitte zweimal bei der Polizei ausgesagt. Beide identifizierten damals den Angeklagten eindeutig. Er habe einen von ihnen brutal ins Gesicht geschlagen, danach hätten die anderen Angreifer noch zugetreten, sagten sie damals. Nun widerriefen die Männer ihre Aussagen. "Ich weiß nicht, wer geschlagen hat", sagte das Opfer. Er habe viel Alkohol getrunken. Sein Freund sagte, er könne den Täter nicht genau identifizieren, der Angeklagte sei höchstens in der Nähe gewesen.

Auf die erstaunten Fragen der Richter zu diesen Änderungen der ursprünglichen Aussagen erwiderte der geschlagene junge Mann, die Familie des Angeklagten und seine eigenen Familie hätten sich darauf geeinigt, dass der 38-Jährige nicht geschlagen habe. Beide Familien würden sich kennen. Die Richterin warf beiden Zeugen vor, entweder damals eine falsche Verdächtigung geäußert zu haben oder nun vor Gericht falsch auszusagen: "Beides ist eine Straftat."

Angeklagter sitzt in Untersuchungshaft

Der Angeklagte äußerte sich nicht zu den Vorwürfen und schwieg auch am Dienstag während der rund sechs Stunden langen Verhandlung. Er wohnt als abgelehnter Asylbewerber mit einer Duldung in Berlin und sitzt weiterhin in Untersuchungshaft.

Der Prozess wird am 28. Januar mit den bereits befragten und zwei weiteren Zeugen fortgesetzt.

Sendung: Abendschau, 14.01.2020, 19.30 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Es gibt eine Strafprozessordnung. Die gilt selbstverständlich auch für Verfahren bei abgelehnten Asylbewerbern. Im Falle einer Verurteilung ist die Abschiebung in das Heimatland nach frühestens der Hälfte der zu verbüßenden Haftzeit möglich. Es wäre aber auch nicht im Sinne der Strafverfolgung, jemanden einfach abzuschieben, anstatt in einem Prozess für seine begangene Straftat zu verurteilen. Egal, ob Deutscher oder ausländischer Straftäter: Ein Prozess hat stattzufinden!

  2. 2.

    Wie kann ein abgelehnter Asylbewerber und Gewalttäter, welcher noch dazu sein Umfeld terrorisiert und bedroht und dadurch mundtot macht, weiterhin im geduldeten Status hier auf Kosten der Steuerzahler verbleiben? Und die Behörden schlottern aus Angst vor diesem Kriminellen?
    In unserem Land läuft mächtig was falsch und das muss auch gesagt werden dürfen!!!

  3. 1.

    "Er wohnt als abgelehnter Asylbewerber mit einer Duldung in Berlin und sitzt weiterhin in Untersuchungshaft." Wem gebührt der "Dank"?

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