Brennendes Auto (Quelle: Morris Pudwell /rbb)
Video: Abendschau | 09.01.2019 | Kerstin Breinig | Bild: Morris Pudwell /rbb

2019 brannten fast 600 Autos - Zahl der angezündeten Autos in Berlin stark angestiegen

Jedes Jahr werden in Berlin mehrere hundert Autos angezündet. Doch 2019 waren es im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um ein Drittel mehr: Im vergangenen Jahr haben laut Polizei knapp 600 Autos in der Hauptstadt gebrannt.  

Die Zahl angezündeter Autos hat in den vergangenen zwölf Monaten in Berlin um ein Drittel zugenommen. Fast 600 Autos sind im vergangenen Jahr von Kriminellen, Extremisten und Pyromanen angezündet oder durch Flammen beschädigt worden, teilte die Polizei mit. Das waren 150 Fahrzeuge mehr als 2018, wie sie der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Brandstifter zündeten im vergangenen Jahr demnach 358 Autos direkt an. 238 daneben stehende Wagen wurden durch die übergreifenden Flammen beschädigt oder zerstört. Genaue Hintergründe zu den Brandstiftungen und -anschlägen nannte die Polizei nicht.

Erst in der Nacht zum Donnerstag hatten sowohl in Berlin-Schöneberg als auch in Hohenschönhausen wieder Fahrzeuge gebrannt.

Kleinerer Teil der festgestellten Täter politisch motiviert

In der Vergangenheit gingen die Ermittler unter anderem von Vandalismus, pyromanischen Tendenzen der Täter, gezielten Racheaktionen im privaten Umfeld, Versicherungsbetrug oder sogenannten Verdeckungsbränden aus. Im letztgenannten Fall soll mit einem Feuer eine andere Straftat vertuscht werden. Ein kleiner Teil der identifizierten Täter war laut Polizei politisch motiviert. 

2018 brannten insgesamt 63 Autos aus politisch motivierten Gründen, meist sollen es linksextreme Brandstifter gewesen sein. Fehlt ein Bekennerschreiben oder findet die Polizei keine eindeutigen Indizien bei Verdächtigen, ist ein solches Motiv für den Staatsschutz auch schwierig nachzuweisen. Insgesamt bleiben die meisten Täter unentdeckt, da sie eine solche Brandstiftung begehen können, ohne viele Spuren zu hinterlassen. 

Ermittlungsgruppe "Nachtwache" im September aufgelöst

Bereits Mitte 2019 hatte die hohe Zahl der Brandstiftungen zu Aufregung geführt. Die Polizei rief im Juli die Ermittlungsgruppe "Nachtwache" ins Leben. Fünf Beamte des Landeskriminalamtes sollten Brandstiftungen an Autos aufklären. Die Einsatzgruppe war aber im September 2019, unmittelbar nach einem Fahndungserfolg, schon wieder aufgelöst worden. Dem verhafteten, vorbestraften Serientäter konnte die Polizei 31 Taten zuordnen. Ein politisches Motiv hatte er offensichtlich nicht.

In den vergangenen Jahren hatte die Polizei immer wieder solche Serientäter fassen können. 2011 wurde ein 27-Jähriger verhaftet. Er gestand, für mehr als 100 Autobrände verantwortlich zu sein. Als Motiv gab er Frust an.

Berliner CDU forderte eine eigene App

Zuletzt hatte die Berliner CDU-Fraktion im Dezember eine App gefordert, mit der nächtliche Autobrände dokumentiert werden könnten. Nur wenn alle mithelfen würden, die unterwegs seien, gebe es eine Chance Täter zu stellen, so der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Burkard Dregger.

Sendung: Fritz, 09.01.2020, 7 Uhr

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9 Kommentare

  1. 9.

    Versicherungsbetrug dürfte den Großteil ausmachen. Mit dem Trend zur Elektromobilität werden noch mehr Autos brennen. Denn das neue Auto können sich viele nur auf diese Art leisten.

  2. 8.

    Ja, und was möchte uns nun rbb24 mit dem nächsten Artikel über die 600 brennenden Autos berichten? Das die Gründe vielschichtig sind, dass die Autos brennen? Die Geschädigten interessiert es mehr, wie der Staat den Betroffenen mehr zur Seite steht und nicht, welche Gründe vorlagen, um eben diese 600 Autos abzufackeln!

  3. 7.

    Eine Ermittlungsgruppe macht man ja nur dann, wenn es bereits Hinweise auf einen oder mehrere Täter gibt. Wenn es keine Gemeinsamkeiten zwischen den Bränden gibt, dann wird man auch mit tausenden Polizisten niemanden ermitteln. Da es diverse Anlässe für die Brandstifter gibt, Rache, Betrug oder Politische Systembekämpfung, wird man kaum Einfache Serien entdecken.

  4. 5.

    Die Justiz kann nur dann über Verdächtige urteilen, wenn diese zunächst einmal ermittelt werden. Vor diesem Hintergrund scheint mir das Hauptproblem im mangelnden Fahndungsdruck zu liegen. Es mutet bizarr an, dass eine spezialisierte Ermittlungsgruppe bereits nach EINEM Fahndungserfolg wieder aufgelöst wurde, obwohl dem Verdächtigen nur ein Bruchteil der Brände zugerechnet werden konnte.

  5. 4.

    Na ja, gerade die Justiz kann aber durch Ausnutzen des Strafrahmens in die eine oder in die andere Richtung ein Zeichen setzen. Brandstiftungen sind nun mal kein Pappenstiel und können nicht nur Menschen unberechenbar in Gefahr bringen sondern auch ganze Existenzen vernichten. Wenn der pendelnde Familienvater nicht mehr zur Arbeit kommt, dann ist das kleinste Problem daran, dass es ein älterer Gebrauchtwagen mit geringem Restwert war, der da abgebrannt ist sondern die Tatsache, dass er sich nicht mal eben so nebenbei ein anderes Auto leisten kann und auf dem alten Wagen vielleicht sogar noch eine Finanzierung läuft. So etwas findet bei der Strafbemessung meist keine Beachtung.

  6. 3.

    Die Justiz entscheidet nicht über den möglichen Strafrahmen. Eine Brandstiftung ist eine qualifizierte Art der Sachbeschädigung und mit 6 Monaten bis 10 Jahren wohl ausreichend ahndbar. Das Problem ist ja nicht das Urteil, sondern der Nachweis der Täterschaft. In Berlin sind allein 1,2 Millionen KFZ zugelassen, wie will man die alle schützen, wenn weit weniger als jedes 1000. tatsächlich angegriffen werden soll...?

  7. 2.

    Und wieviele davon waren wieder Versicherungsbetrug?

  8. 1.

    Das sind 1,6 Fahrzeuge an einem Tag! Ob Sonntag, oder Mittwoch. Bei diesen Zahlen sollte die Berliner Justiz mal langsam umdenken und die Strafen für Brandstiftung drastisch erhöhen und Kopfgelder ausloben.

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