Polizisten schützen Feuerwehrleute bei einem Einsatz in der Silvesternacht an der Sonnenallee Ecke Reuterstraße in Berlin-Neukölln. (Quelle: imago-images/Snapshot)
Audio: Radioeins | 02.01.2020 | Thilo Cablitz | Bild: imago-images/Snapshot

45 Böller-Opfer im Unfallkrankenhaus - Berliner Polizei zieht gemischte Bilanz der Silvesternacht

Feuerwehr und Polizei zeigen sich entsetzt über Angriffe auf die Einsatzkräfte in der Silvesternacht, teilweise mit Schreckschusswaffen. Insgesamt fiel die Bilanz - zumindest bei der Polizei - aber gemischt aus.

Die Berliner Polizei hat eine gemischte Bilanz der Silvesternacht gezogen. Polizeisprecher Thilo Cablitz sagte am Donnerstagmorgen im rbb, die Situation sei zwar im Vergleich zu den Vorjahren besser geworden. Doch sei sie bei weitem noch nicht gut.

Es habe es deutlich mehr Einsätze gegeben als beim vorangegangenen Jahreswechsel, es seien aber weniger Menschen verletzt worden. Allerdings sprach das Unfallkrankenhaus Berlin am Donnerstagvormittag von 45 Patienten, die durch Feuerwerkskörper verletzt wurden. Am Neujahrstag hatte das UKB zunächst von 22 Patienten berichtet, die schwere Verbrennungen erlitten hätten oder denen durch Explosionen Finger abgetrennt worden seien - in einem Fall die ganze Hand. Die Zahl sei aber durch Verlegungen aus anderen Krankenhäusern und weitere Opfer, die am Mittwoch in die Rettungsstelle gekommen seien, gestiegen.

Rettungswagen mit Schreckschusspistole angegriffen

Angesprochen auf Berichte über Schreckschusspistolen, die zu vielerorts zu Silvester abgefeuert wurden, sagte Polizeisprecher Cablitz, diese seien schon seit Jahren ein Problem. Regelmäßig würde die Polizei zu Silvester viele Waffen beschlagnahmen. Aber da die Schreckschusswaffen frei käuflich seien, stehe die Polizei zu jedem Jahreswechsel vor dem gleichen Problem. Viele hätten auch in diesem Jahr mit Schreckschusspistolen gegen das Waffenrecht verstoßen, so Cablitz weiter: "Menschen erwerben die, gehen dann zu Silvester damit auf die Straße, verwenden sie unsachgemäß und verantwortungslos und gefährden damit andere."

So meldete etwa die Berliner Feuerwehr, in der Silvesternacht hätten mehrere Personen versucht, die Fahrzeugkabine eines Löschfahrzeugs zu öffnen und mit Schreckschusswaffen hineinzuschießen. An einer anderen Einsatzstelle sei ein Rettungswagen durch den Beschuss mit einer Schreckschusswaffe beschädigt worden.

Die Gewerkschaft der Polizei beklagte die Angriffe mit Schreckschusspistolen. Solche Pistolen ließen sich nicht von echten Waffen unterscheiden, sagte Sprecher Benjamin Jendro.

Feuerwehr und Polizei entsetzt über Angriffe auf Einsatzkräfte

Die Berliner Feuerwehr zählte von 19 bis 6 Uhr morgens insgesamt 24 Übergriffe auf Einsatzkräfte und -fahrzeuge, die meisten davon mit Pyrotechnik. Der Chef der Berliner Feuerwehr beklagte das Ausmaß der Gewalt gegen Polizisten und Feuerwehrleute in der Silvesternacht. "Was ich dort beobachte, das entsetzt mich auch", sagte Karsten Homrighausen am Mittwoch in der rbb-"Abendschau". Die Schwere der Angriffe nehme immer weiter zu.

Polizisten wurden 14 Mal angegriffen, etwa in Kreuzberg, Neukölln und Prenzlauer Berg, ebenfalls mit einer Reihe Verletzter. Angriffe auf Einsatzkräfte seien "trauriger Alltag", so  Polizeisprecher Cablitz im rbb. Im Schnitt würden etwa 19 Polizeibeamte pro Tag Opfer einer Gewalttat.

Sendung: Radioeins, 02.01.2020, 09:00 Uhr

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21 Kommentare

  1. 21.

    Zunächst mal möchte ich allen, die in der Silvesternacht Dienst tun, meinen Respekt und meine Hochachtung zollen.
    Das schließt selbstverständlich Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter ein.
    An dieser Stelle auch meine Verachtung allen Krawallmachern der Silvesternacht.
    Das schließt selbstverständlich all jene aus, die Silvesterfeuerwerk sachgemäß verwenden.

  2. 20.

    Was tun Sie denn, wenn sie selbst Hilfe benötigen?? Sehr naiv.

  3. 17.

    @Alerta

    Ob Sie noch so reden, wenn Ihnen oder ihrer Familie etwas passiert und Sie dann 15 bis 20 Minuten warten müssen, bis die ersten Kräfte da sind wage ich zu bezweifeln.

  4. 16.

    Das RRG Polizei und Feuerwehr vernachlässigt, ist hinreichend bekannt...insofern gebe ich ihnen recht. Innere Sicherheit ist nicht die Stärke des RRG Senats
    Trotzdem leistet unsere Polizei und auch Feuerwehr vorbildliches. In keinem Land dieser Welt hätte ich zur Polizei mehr Vertrauen als hier in Deutschland.

  5. 15.

    Ist auch besser so. Die meisten Menschen wollen nämlich keinen Polizeistaat. Sonst hätten hier die Konservativen und die Rechten das Sagen. Nein Danke!

  6. 14.

    @ Beobachter

    Die Zeiten sind leider vorbei der besten Polizei bzw Feuerwehr. Wir sind kaputt gespart und nicht die oberste Priorität bei RRG

  7. 13.

    Mit ihren Ansichten braucht sie wahrscheinlich niemand.
    Ich wünsche Ihnen trotzdem ein gesundes 2020 .

  8. 11.

    Die Bilanz der Angriffe sollte man nicht so als Realität sehen, viele Kollegen schreiben die Statistik gar nicht mehr, da es eh sinnlos ist und nichts bringt. Jedes Jahr wird im Januar geredet und nichts passiert und diese verbotszonen binden auch nur Kräfte, welche woanders fehlen. Das kriegsähnliche Spektakel findet dann halt woanders statt.

  9. 9.

    Haben sie eigentlich keine anderen Hobbys, als ständig unsere Polizei zu diffamieren?
    Ich bin froh,in einem Land mit der wohl besten Polizei, zu leben.
    Sie sollten es auch sein.

  10. 7.

    Gibt es auch Zahlen zu den Verletzten durch Polizeigewalt?

  11. 5.

    Der kleine Waffenschein ist falsch aufgezogen worden. Da man ihn erst im Nachhinein beantragen muss, sollte die Waffe außerhalb von Wohnung o. Grundstück geführt werden. Wäre der Erwerb grundsätzlich von diesem Schein abhängig, würde so mancher erst gar nicht in den Besitz eines solchen Gerätes kommen.

  12. 4.

    Den schlechten Ruf hat die Polizei selbst zu verantworten.

  13. 3.

    Also man sollte einfach den VERKAUF von Schreckschuss und anderen Waffen bundesweit verbieten. Kein Privatmensch braucht Waffen. Auch Gefährdete nicht, die soll man mit Polizeischutz schützen.

  14. 2.

    Ich kann nicht nachvollziehen, was diese Personen treibt.
    Es bleibt nur ein komplettes Verbot von Feuerwerkskörpern und Schreckschusspistolen übrig.
    Den Feuerwehrleuten und Polizisten vielen Dank für Ihre Arbeit und ein gesundes und friedliches neues Jahr!

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