Symbolbild: Ein Kind sitzt im Dunkeln einsam auf dem Fußboden. (Quelle: dpa/B. Pedersen)
Audio: rbb | 15.01.2020 | Torsten Glauche | Bild: dpa/B. Pedersen

Haus der Mutter durchsucht - Akte von vernachlässigtem Kind in Eberswalde beschlagnahmt

Jahrelang soll das Jugendamt einer Familie in Eberswalde Hilfsangebote gemacht haben - trotzdem kam ein fünfjähriges Mädchen nun ins Krankenhaus: unterernährt und verhaltensauffällig, wie es heißt. Jetzt sichert die Staatsanwaltschaft Beweise.

Im Fall des vernachlässigten Mädchens in Eberswalde hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) mit einem richterlichen Beschluss die Patientenakte des Kindes beschlagnahmt. Die erheblichen Vorwürfe habe die Staatsanwaltschaft zu diesem Schritt bewogen, sagte Staatsanwalt Ingo Kechichian dem rbb am MIttwoch.

Parallel zur Beschlagnahmung im Klinikum habe es eine Hausdurchsuchung bei der Mutter gegeben. "Uns geht es zunächst um die Sicherung von Beweisen und darum, ein Bild von der Wohnsituation zu bekommen", so Kechichian weiter. Das Kind solle nun begutachtet werden. Mit dem Jugendamt stehe die Staatsanwaltschaft in Kontakt.

Hilfsangebote zogen nicht

Das Jugendamt des Kreises Barnim hatte das fünf Jahre alte Mädchen im Dezember in Obhut genommen, nachdem eine Familienhilfe gerichtlich erwirkt worden war. Der Kreis sprach von Anzeichen von Unterernährung und Sprach- und Verhaltensauffälligkeiten. Das Jugendamt versuchte demnach seit 2017, der Familie zu helfen. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Misshandlung von Schutzbefohlenen gegen unbekannt eingeleitet.

Die "Märkische Oderzeitung" hatte berichtet, das Mädchen habe jahrelang kein Tageslicht gesehen und solle mindestens zwei Jahre auf sich allein gestellt gewesen sein. Der Landrat hatte dies nicht bestätigt und auf den ausstehenden Krankenhausbericht verwiesen.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Es ist ein immer wieder schwieriges Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmungsrecht der Einzelperson und den sog. Familien (?)...(meint, jeder darf Kinder in Welt setzen und eine FAMILIE gründen, mit und ohne Kompetenzen, für von ihnen Abhängige umfassend sorgen zu können, während man sonst in Deutschland für nahezu alles einen Schein braucht, der eine Befähigung nachweist)...und den sog. Versäumnissen der Jugendämter usw.
    Warum fällt gefährdetes Kindeswohl nicht dem jeweiligem Umfeld auf? Wo sind die Familien, Mitmenschen, Nachbarn, ...?
    Um ein Kind groß zu ziehen, braucht es ein ganzes Dorf, sagt ein afrikanisches Sprichwort ganz richtig, keine Ämter und Behörden, sondern Menschlichkeit und Achtsamkeit miteinander.
    In unserer sog. modernen Welt werden stattdessen Zuständigkeiten diskutiert, Debatten geführt usw. usf. , weil das DORF, die FAMILIE hinter Wohnungstüren einen eigenen Rechtsraum hat, in dem Kinder verwahrlosen und der jeweiligen (Un-)Fähigkeiten ihrer Eltern (?) ausgeliefert sind, bis der Arzt bzw. das Jugendamt kommt?! Wohin entwickelt sich eine solche Gesellschaft, die mit diesem Wort keine echte Gemeinschaft, kein Miteinander meint, sondern ein versuchsweise adminestrativ struktuirierte Verdichtung von vielen Einzelwesen, ausgestattet mit allen Rechten dazu. Hilflose Kinder haben darin keine Chance, allenfalls das Glück, in der "richtigen Famlilie zu landen" oder noch rechtzeitig (?) von irgendwem als bedürftig bemerkt zu werden.
    Wenn es denn gesellschaftliche Aufgabe ist, für Kindeswohl zu sorgen, fängt dies mit der (Aus-)Bildung der Eltern hat. Den Teufelskreis der sog. Bildungsfernen Familien können wir nur durch Bildung durchbrechen. Vielleicht dollten wir uns aus soiale Basiskompetenzen besinnen und diese in die Schulbildung stärker dennje einbeziehen. Es ist unsere einzige Chance, als sog. "hochentwickelte Gesellschaft" Verantwortung zu übernehmen, miteinander zu tragen und auch zu teilen. Und hier meint teilen nicht trennen sondern mitteilen. !!! KINDESWOHL fängt viel früher an, nicht erst, wenn es eine Aktennummé beim Jugendamt hat/ist.

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