Linksgerichtete und polizeikritische Demonstranten am Wismarplatz in Friedrichshain tragen ein Transparent vor sich her. (Quelle: PM Cheung)
Audio: rbb 88,8 | 31.01.2020 | Swetlana Oheim | Bild: PM Cheung

Kundgebung in Friedrichshain - Linke Demo gegen Polizeigewalt bleibt weitgehend friedlich

In Berlin-Friedrichshain haben am Freitagabend Demonstranten aus dem linken Spektrum gegen den Europäischen Polizeikongress am 4. und 5. Februar in Berlin-Mitte protestiert.

Nach einer Auftaktkundgebung am Wismarplatz zogen die Menschen durch das südliche Friedrichshain. Ziel war der Annemirl-Bauer-Platz am Ostkreuz, wo die Kundgebung um 22.40 Uhr offiziell beendet wurde. Ursprünglich sollte sie um 22.00 Uhr zu Ende gehen.

Wie die Einsatzleitung der Polizei am Samstag mitteilte, gab es insgesamt 21 Festnahmen, unter anderem wegen Verstößen gegen das Vermummungsverbot. Drei Polizisten seien leicht verletzt worden. Zunächst hatte die Polizei von 18 Festnahmen gesprochen. Im Zusammenhang mit dem Einsatz seien 44 Strafanzeigen im Umfeld der Demo gestellt worden.  

Vorbei am Wohnort der erschossenen 33-Jährigen

Das Demo-Motto lautete "Rache für Maria" - in Anlehnung an den Tod einer 33-jährigen Frau, die vor einer Woche bei einem Polizeieinsatz erschossen worden war. Die Demonstrationszug führte daher auch durch die Grünberger Straße, vorbei am Wohnhaus der Getöteten.

Ursprünglich sollte die Kundgebung gegen den Polizeikonkress am Richardplatz in Neukölln stattfinden, wegen des Todes der Frau wurde sie jedoch verlegt.

Wie die Polizei in ihrer Einsatzbilanz am Samstag mitteilte, waren rund 800 Kräfte im Einsatz, noch am Freitag hatte die Polizei von 350 eingesetzten Polizisten gesprochen. Die Teilnehmerzahl habe "im unteren vierstelligen Bereich" gelegen. Angemeldet war die Demo laut Polizei ursprünglich nur für 100 Teilnehmer.

Polizei berichtet von zahlreichen Übergriffen

Hin und wieder, so schrieben Augenzeugen auf Twitter, seien Feuerwerkskörper gezündet worden. Die Polizei habe die Kundgebung eng begleitet und immer wieder "provoziert". Gegen Ende der Demo habe die Teilnehmerzahl stark abgenommen. Zum Schluss hätten sich nur noch etwa 400 Menschen beteiligt, hieß es auf Twitter.

Einen Tag nach der Demo berichtete die Polizei ihrerseits von zahlreichen Übergriffen auf Beamte: So hätten Demonstranten versucht, einen Polizisten in den Protestzug zu ziehen. Dem Beamten sei gegen den Helm getreten worden, hieß es. Zudem hätten Demonstranten einen Bauzaun auf die Straße gezogen und ein geparktes Auto beschädigt. Noch am späten Freitagabend hatte Polizeisprecher Martin Halweg von einem weitgehend friedlichen Verlauf gesprochen. Die Polizei habe keinen Grund gesehen, die Demo aufzulösen, sagte Halweg rbb|24.

Sendung: Inforadio, 01.02.2020, 19.00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

40 Kommentare

  1. 40.

    An alle selbsternannten "Demonstranten" wie könnt Ihr gegen Gewalt sein wenn ihr dabei Gewalt anwendet? Wärt Ihr wirklich gegen Gewalt, dann wärt Ihr friedlich. Und die Polizei würde keine Gewalt anwenden MÜSSEN. Das ist der Job der Polizei, sich vor Eurer Gewalt zu schützen.
    Demonstrieren kommt aus dem lateinischen und bedeutet zeigen oder auch hinweisen. Ihr wollt auf Polizeigewalt hinweisen, dann seit selber gewaltfrei.

  2. 38.

    PPS. : Schauen Sie mal mit Hilfe der Suchmaschine Ihrer Wahl in den "Faktencheck Links- und Rechtsextremismus" (ist auch auf Fritz.de verlinkt). Sehr objektiv mit für Sie auch sicherlich unangenehmen Fakten. Interessant sind auch unter anderem die Zahlen zu linker antisemititscher Gewalt...

  3. 37.

    Auf dem Plakat steht Eigentum vor Menschenleben? Wer ist denn durch Wohnungseigentum gestorben? In Ganz Deutschland vergammeln ganze Städte und Dörfer, mit Wohnungen und Häusern noch und nöcher. Da können die alle günstig wohnen, mit Garten, Bio, Öko, fast Auto-frei, Saubere Luft... Das die ausgerechnet alle nach Berlin ziehen müssen, ist doch jedem sein Problem. Da muss man hinterher nicht beleidigte Leberwurst spielen.

  4. 35.

    Die nächste friedliche Demo mit nur gut einem Dutzend Festnahmen und Anzeigen u.a. wg. Landfriedensbruch
    https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/pressemitteilung.889676.php
    Die Damen und Herren schein gut organisiert zu agieren.

  5. 34.

    Also Detlev Rohwedder und Michael Newrzella sind schon mindestens zwei, die auf das Konto der linken RAF gehen...

  6. 33.

    "Seit 1990 würden 200 Menschen von Rechten umgebracht, von Linken einer."

    Bitte bennen Sie eine Quelle für diese Zahlen.

  7. 32.

    Sie sollten Ihre Blase verlassen:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/rechter-protest-wird-radikaler-ein-baum-ein-strick-ein-pressegenick/25085764.html
    Auch bei rechten Demos schreitet die Polizei ein. Nur wird danach in den Kommentaren nicht so laut von den getroffenen gebellt.

  8. 31.

    Natürlich sind linke Extremisten ganz harmlos. Wenn man allerdings die Bundesrepublkik auch aus der Zeit vor der Wiedervereinigung jenseits von einer Konditionierung durch Ede Schnitzeler erleben konnte, sieht die Wirklich anders aus.

  9. 30.

    Seit 1990 würden 200 Menschen von Rechten umgebracht, von Linken einer. Eventuell sollten Sie über Ihre Ängste noch einmal nachdenken.

  10. 29.

    Ich würde mir wünschen das die Polizei nicht nur bei "linken" Demos so engagiert zugreift. Wenn unsere Kanzlerin als Vo..., Ar... bezeichnet wird von "besorgten Bürgern", Politiker an den Galgen gewünscht werden oder volksverhetzende Parolen gerufen werden ist der Wille einzuschreiten kaum vorhanden.

  11. 28.

    Die von Ihnen beobachteten 98% Mitläufer hinter dem maskierter und uniformierten schwarzen Block stellen vielleicht sogar noch eine grössere Gefahr für die FDGO dar. Allerdings dürfte die sich heute schwerer herausreden können, dass man von nichts gewusst habe.

    Bei den Demos, die ich gesehen habe, legten die Polizisten meist erst dann die Schutzausrüstung an, wenn sich die Anzeigen mehrten, dass die Gewalttäter in den Reihen der Demonstranten aggressiv wurden und anfingen, im Schutz der Masse das GG zu missbrauchen.

  12. 26.

    hmm.... wenn ich den letzten Abschnitt lese, passt die Überschrift nicht zum Artikel. Weitgehend friedlich ist irgendwie anders...
    @Peter aus Friedrichshain : Wenn ihr Linken so friedlich seid, dann müssten doch eigentlich die Vermummten die Bösen sein. Also sollte doch alles getan werden, solche Leute aus dem Demonstrationszug zu verbannen. Vor allem, weil jeder weiß, dass die Vermummung als Ordnungswidrigkeit/Straftat die Polizei zum Handeln zwingt....

  13. 25.

    Auch in Frankreich trägt die Polizei zum Schutz vor extremistischen Gewalttätern entsprechende Ausrüstung: https://tinyurl.com/wznh7ev

    Das Problem hier sind die von Ihnen beobachteten "98%" Mitläufer, die einfach die schwarz uniformierten und maskierten Gewalttäter in ihren Reihen gewähren lässt, sich dann dumm stellt und die Schuld bei anderen sucht. Es scheint typisch Deutsch zu sein dass man bewusst wegschaut.

  14. 24.

    Wie falsch der eingeschlagene Weg ist, zeigt sich wieder mal an dem falschen Pseudonym dass Sie verwenden.

    Die Schlußbilanz wirft ein anderes Licht auf die Gewalttäter in schwarzer Uniform:
    44 Anzeigen wurden wegen Landfriedensbruchs, Verstößen gegen das Versammlungs- und Sprengstoffgesetz, Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung ausgestellt, dazu kommen noch 21 vorläufige Festnahmen

  15. 23.

    Ich weiß nicht wie viele du aus der autonomen Szene. Die welche ich kenne haben nichts gegen den Staat oder gegen Ordnungskräfte. Teilweise gehen sie arbeiten, zahlen Steuern usw.selbst in der Rigaer gibt es solche.

    Und wenn ich auf eine Demo gehe und hunderte Beamten „begleiten“ mich mit eine wahnsinnigen Panzerung, Behelmung usw. wird mir unheimlich auf einer solchen Demo. Jetzt sag mir nicht die müssen sich schützen.

    Auf einer solchen Demo sind mehr als 98% der Teilnehmer friedlich. Sie laufen nur mit damit sie ihrer Meinung äußern wollen. Schau die andere Länder an. In der Schweiz rannten die Polizisten auch nicht gepanzerter herum. Selbst in Frankreich und erst recht nicht in Österreich. Man sieht die schlimmen Szenen nur im Fernsehen. Es gibt nur Polizisten die entsprechend gekleidet im Notfall eingreifen.

    Sind unsere Polizisten zu feige... ? Oder wollen sie alle anderen Bedrohen?



  16. 22.

    Ich weiß nicht wie viele du aus der autonomen Szene. Die welche ich kenne haben nichts gegen den Staat oder gegen Ordnungskräfte. Teilweise gehen sie arbeiten, zahlen Steuern usw.selbst in der Rigaer gibt es solche.

    Und wenn ich auf eine Demo gehe und hunderte Beamten „begleiten“ mich mit eine wahnsinnigen Panzerung, Behelmung usw. wird mir unheimlich auf einer solchen Demo. Jetzt sag mir nicht die müssen sich schützen.

    Auf einer solchen Demo sind mehr als 98% der Teilnehmer friedlich. Sie laufen nur mit damit sie ihrer Meinung äußern wollen. Schau die andere Länder an. In der Schweiz rannten die Polizisten auch nicht gepanzerter herum. Selbst in Frankreich und erst recht nicht in Österreich. Man sieht die schlimmen Szenen nur im Fernsehen. Es gibt nur Polizisten die entsprechend gekleidet im Notfall eingreifen.

    Sind unsere Polizisten zu feige... ? Oder wollen sie alle anderen Bedrohen?



  17. 21.

    Die WELT meldet 21 Festnahmen und 44 Strafanzeigen. Gesichert wurde der Aufzug von 800 (!) Polizisten, "Die Polizei berichtete von zahlreichen Übergriffen auf Beamte: Demonstranten hätten versucht, einen Polizisten in den Protestzug zu ziehen. Bei der anschließenden Auseinandersetzung sei einem Beamten gegen den Helm getreten worden, hieß es".

    Ich hoffe, die Gerichte machen entschieden Gebrauch vom geltenden Recht, damit diese Art der "Demonstration" künftig unterbunden wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Haluka Maier-Borst
rbb|24/Mitya

Der Absacker - Bei grün darfst du gehen, bei gelb ...

Lange konnte man fast vergessen, dass Berlin mit der Corona-Ampel seine ganz eigene Regelung hat. Doch jetzt, wo der Sommer zu Ende geht, wird das Ganze auf einmal aktuell. Haluka Maier-Borst fragt sich: Was kann man jetzt tun?