Einer von vier Angeklagten im Zusammenhang mit dem Diebstahl der Goldmünze "Big Maple Leaf" aus dem Bode-Museum kommt zur Verhandlung
Bild: Audio: rbb 88.8, 20.01.2019, Ulf Morling

Prozess in Berlin - Staatsanwaltschaft fordert jahrelange Haft für Goldmünzen-Raub

Sie ist einen Zentner schwer, fast vier Millionen Euro wert - und bis heute verschwunden: Die Goldmünze "Big Maple Leaf" wurde 2017 aus dem Bode-Museum gestohlen. Der Prozess gegen vier Angeklagte vor dem Berliner Landgericht geht auf die Zielgerade. Von Ulf Morling

Keinen Zweifel an der Täterschaft der vier Angeklagten hat Staatsanwalt Thomas Schulz-Spirohn in seinem knapp einstündigen Plädoyer nach einjähriger Prozessdauer am 36. Verhandlungstag. Die drei Mitglieder einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie und der mitangeklagte Museumswachmann, der seit Kindertagen mit einem der mutmaßlichen Komplizen befreundet sei, hätten die "ziemlich dreiste Tat", die im Nachkriegs-Berlin ihresgleichen suche, "sehr professionell und gezielt begangen", so der Staatsanwalt. 

Auch Haftbefehle und Einzug des Wertes der Beute beantragt

Unter anderem wegen des Millionenwertes der Münze und der hohen kriminellen Energie forderte der Anklagevertreter Haftstrafen für die zur Tatzeit 18- und 20-jährigen beiden Brüder, für ihren Cousin und den tippgebenden mitangeklagten Freund, "die in der oberen Hälfte oder dem oberen Drittel des Strafrahmens anzusiedeln sind", so Staatsanwalt Schulz-Spirohn gegenüber dem rbb.

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft selbst präzisiert, dass sie für den Wachmann Denis W. sechs Jahre, für die Täter Wissam und Ahmed R. sieben Jahre und für Wayci R. fünf Jahre Freiheitsstrafe fordert. Zudem wurden Haftbefehle wegen Fluchtgefahr sowie die Einziehung des Wertes der Tatbeute in Höhe von 3,75 Millionen Euro und des Pkw von Wissam R. beantragt.

"Das war eine eiskalte Tat"

Insgesamt dreimal waren die drei ausführenden Täter beim Bode-Museum vor Ort. Sie kundschafteten mit tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen und Schals unter Beobachtung der Überwachungskameras den S-Bahnhof Hackescher Markt aus sowie den Weg über die Schienen zum Bode-Museum.

Auch am 27. März 2017 um 3.03 Uhr nahmen die S-Bahnkameras die drei Vermummten auf. Nachdem sie über die Gleisanlagen und ein ungesichertes Fenster in einen Umkleideraum im zweiten Stock des Museums eingestiegen waren, zerstörten sie das Glas der Vitrine, in der die Goldmünze "Big Maple Leaf" ausgestellt war. Nach dem Transport der 100 Kilogramm schweren Goldplatte auf die Gleisanlagen wurde die Münze mit einer Schubkarre weitertransportiert und schließlich zum Fluchtfahrzeug abgeseilt. Ein Wachmann lief zur Tatzeit Streife im Keller. "Die Angeklagten mussten damit rechnen, dass sich Personal in dem Museum befand. Sie mussten also auch damit rechnen, dass dieses Personal beiseite geschafft werden muss", so Staatsanwalt Schulz-Spirohn in seinem Plädoyer. Es sei eine eiskalte Tat gewesen.

Die 100 Kilogramm schwere Goldmünze «Big Maple Leaf» steht im Bode-Museum in Berlin

Anonymer Tipp und viele Spuren

"Ohne detailliertes Wissen wäre eine solche Tat nicht möglich gewesen", davon ist der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag überzeugt. Erst ein paar Tage vor der Tat sei der zur Tatzeit 18-jährige Denis W. entweder als Wachmann gezielt in das Museum eingeschleust worden, oder er habe einfach den drei Mitangeklagten von den sicherheitsrelevanten Gegebenheiten des Museums berichtet - auch davon, dass eines der Fenster im Umkleideraum nicht alarmgesichert sei. Nach der Tat sei schließlich durch die Informationen eines Vertrauensmannes der Polizei der Verdacht auf die drei angeklagten Mitglieder der arabischstämmigen Großfamilie gefallen.

Über ein viertel Jahr nach dem spektakulären Coup wurden bei Hausdurchsuchungen Spuren gesichert. So fand sich am Seil, mit dem die Münze von den Gleisen zum Auto heruntergelassen wurde, die DNA von Wissam R., zur Tatzeit 20 Jahre alt. Auf dem Handy von Wachmann W. war nach Goldpreisen recherchiert worden, Goldpartikel wurden an der Kleidung mehrerer Angeklagter und im mutmaßlichen Fluchtauto festgestellt. Auch Spuren des Glases des Museumsfensters, durch das eingestiegen wurde, und der zerstörten Vitrine, in der die Goldmünze ausgestellt war, wurden in Wissam Rs. Neuköllner Wohnung festgestellt, so Staatsanwalt Schulz-Spirohn. "All das zusammen genommen lässt keine andere Interpretation zu, als dass die hier Angeklagten gemeinschaftlich den schweren Diebstahl begangen haben."

Zusätzliche Indizien lieferte auch die richterliche Aussage der Freundin des Mitangeklagten Ahmed R., der zur Tat 19 Jahre alt war. Die junge Frau hatte ihn bezichtigt, über die Tat zu prahlen. "Wie schön, so jung schon so reich zu sein", soll er gesagt haben. Vor Gericht hatte die Zeugin ihre Aussage widerrufen. Sie hätte mit Ahmed R. Streit gehabt, deshalb habe sie ihn belastet.

Urteil im Februar

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt davon, dass die "Big Maple Leaf" nicht mehr existiert. Sie sei wahrscheinlich zerteilt und eingeschmolzen worden. Dazu wird es einen gesonderten Prozess in einem Monat vor einer Zivilkammer des Landgerichts geben. Im Verfahren klagt der Eigentümer der Goldmünze, der von der Versicherung bisher nur zum Teil entschädigt wurde, auf Zahlung des vollen Wertes der Münze. Er hatte die "Big Maple Leaf" dem Bode-Museum als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

In den nächsten Verhandlungstagen im Strafprozess im Kriminalgericht Moabit werden die Verteidiger der vier Angeklagten plädieren. Sie werden wohl Freisprüche fordern. Das Urteil soll nach bisheriger Planung der Jugendkammer am 20. Februar gesprochen werden.

Beitrag von Ulf Morling

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7 Kommentare

  1. 7.

    Es bleibt zu wünschen dass Berufsverbrecher bzw. mehrfach vorbestrafte Straftäter, die offensichtlich eine Haftstrafe miteinrechnen so lange wie möglich im Gefängnis untergebracht werden. Der Strafrahmen für unverbesserliche vorsätzliche Wiederholungstäter muss ausgeschöpft werden. Es müssen sechs bis sieben Jahre Haft vollzogen werden. Milde Strafen ermuntern diesen Personenkreis zu immer neuen Straftaten. Wenn es nach mir sowie zahlreichen Bekannten und Arbeitskolleginnen ginge wären acht bis zehn Jahre Haft für Wiederholungstäter angebracht. Wer auf andere Weise schwere Wiederholungsstraftaten ausschließen möchte soll vorschlagen wie das geschehen soll.

  2. 6.

    Zweierlei hat dieser Indizienprozeß zumindest für den Außenstehenden gezeigt: Mit einem bißchen "gesunden Menschenverstand" haben die Mitglieder des Remmoclans die Überwachungs- und Sicherheitstechnik des Bode-Museums ausgetrickst und ihre Tat ohne großen Aufwand und ohne Raffinesse sehr effizient ausgeführt. Zum Transport reichte ihnen eine handelsübliche Schubkarre. Andererseits muß man froh sein, daß es trotz aller Verteufelung der Kameraüberwachung, Überwachungsaufnahmen von einem S-Bahnhof waren, die erste Anhaltspunkte auf die Täter lieferten. Hinzukam, daß die Kriminaltechnik sich Untersuchungsmethoden, wie der DNA- Untersuchung, bedienen und so eine gerichtsfeste Indizienkette präsentieren konnte. Wer immer noch gegen "Kameraüberwachung" und die Ausweitung und Speicherung der DNA- Untersuchung polemisiert, muß einfach nur " mit dem Klammerbeutel gepudert sein".

  3. 5.

    Diese Verbrecher sind exemplarisch für eines der größten Geschwüre unserer menschlichen Zivilisation - der Gier.
    Ich hoffe auf ein entsprechendes Urteil.

  4. 4.

    Die Ganoven haben die Höchststrafe verdient. Wer so eiskalt vorgeht, darf nicht auf Milde hoffen. Von dem Urteil muss ein Signal ausgehen. Der Rechtsstaat lässt sich nicht zum Narren halten. Ich hoffe, die Richter greifen durch!

  5. 3.

    Mehr als Bewährungsstrafen + positiver Sozialprognose schafft die kuschelnde Berliner Justiz doch wieder nicht. Der eine Remmo-Sprössling wurde vor kurzem in Bayern wenigstens zu 2,5 Jahre wegen Diebstahl verknackt, auch unter Berücksichtigung seines ellenlangen Vorstrafenregisters made in Berlin. Hier hat er doch nichts zu befürchten, dafür sorgen schon die schmierigen Verteidiger.

  6. 2.

    Nicht schlecht! Bei einem Wert von 3.5 Millionen durch 4 und dann durch die Zeit im Gefängnis, (84 Monate) kommen die Ganoven auf ein Monatsgehalt von rund
    10 000 € steuerfrei! Kost & Logis zahlt ja der Steuerzahler, also der arbeitende Bürger. Da sollte mal einer sagen, dass hat sich nicht gelohnt! Bei dieser Rechtsprechung wird das ganz schnell salonfähig.

  7. 1.

    Strafe sollte mindestens vervierfacht werden. Im Moment entspricht sie einem Monatsnettoverdienst von mehr als 13.000€ ! !!

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