Mutter und Kind in einer Straße in Prenzlauer Berg (Quelle: imago images/Jürgen Ritter)
Bild: imago images/Jürgen Ritter

Schuljahr 2019/20 - Wo Eltern die meisten Anträge auf Grundschulwechsel stellen

Wo Kinder eingeschult werden, ist von ihrem Wohnort abhängig. Aber Tausende Eltern waren in diesem Schuljahr mit der Zuweisung des Schulamtes nicht zufrieden. Vor allem in zwei Bezirken gab es viele Wechselwünsche. Klagen hingegen hatten selten eine Chance.

Tausende Berliner Eltern wollen ihre Kinder auf andere Grundschulen schicken, als die, die ihnen entsprechend des Einzugsgebiets vom Schulamt zugewiesen wurde.

In elf Bezirken der Haupstadt gab es für das laufende Schuljahr insgesamt fast 12.100 Anträge von Eltern, die ihre Kinder von anderen Grundschulen aufnehmen lassen wollten. Das geht aus der Antwort der Senatsbildungsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Marianne Burkert-Eulitz [parlament-berlin.de] hervor. Die "Berliner Morgenpost" hatte als erstes darüber berichtet.

Anträge werden oft bewilligt, Klagen jedoch abgewiesen

Im Vergleich zum vorherigen Schuljahr, mit 11.600 Anträgen, ist die Zahl leicht gestiegen. Lediglich der Bezirk Treptow-Köpenick hat keine Zahlen gemeldet. Besonders viele Anträge von Eltern wurden in Pankow (1.677) und Mitte (1.567) gestellt. Dort und in Tempelhof-Schöneberg wurden auch die meisten Anträge bewilligt.

Die wenigsten Anträge gab es in Spandau (526) und Marzahn-Hellersdorf (541). Im Mittelfeld liegen Charlottenburg-Willmersdorf, Neukölln und Steglitz-Zehlendorf mit jeweils mehrs als 1.200 Wechselwünschen. In jedem Bezirk mit bekannten Zahlen ist weit mehr als die Hälfte der Anträge erfolgreich - in ganz Berlin waren 7.400 Anträge erfolgreich, also gut zwei Drittel der Wechselwünsche.

Kinder werden in der Regel in der Nähe ihres Wohnortes eingeschult, dem sogenannten Einzugsbereich. Die Zuweisung und Einteilung der Einzugsbereiche übernimmt das Berliner Schulamt. Eltern haben jedoch die Möglichkeit, einen Antrag beim Amt einzureichen, falls sie mit der Entscheidung nicht zufrieden sind.

Um einen Grundschulwechsel juristisch einzufordern, ist eine Klage möglich. Doch dies nutzen wenige Eltern, nur 47 mal wurde aufgrund eines abgelehnten Antrags ein Widerspruch vor Gericht eingereicht. Die Chancen auf Erfolg waren gering: Lediglich zwölf Mal urteilten Richter in allen Bezirken zusammen zu Gunsten von Eltern.

Von besonderer Bildung bis schlechter Ruf

Wie Burkert-Eulitz und der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, der "Berliner Morgenpost" sagten, seien die Gründe für die Wechselwünsche vielfältig. Oft sagten die unterschiedlichen Schulprofile den Eltern nicht zu, zum Beispiel, wenn die Schule eine Musikförderung oder Fremdsprachenbildung anbietet.

Zudem änderten sich auch immer wieder die Einzugsbereiche, wenn beispielsweise im Umfeld einer Grundschule dichter gebaut wurde und es somit mehr Kinder gibt. Weiter Grund für einen Wechselwunsch des Kindes könnte der schlechte Ruf einer Schule sein.

Trotz all der bewilligten Anträge arbeitet das Schulamt mit dem Grundsatz: Kurze Beine, kurze Wege. Kinder sollen nah an ihrem sozialen Umfeld bleiben und fußläufige Wege haben.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

7 Kommentare

  1. 7.

    Immer mehr Grundschüler in Berlin kommen aus einem Elternhaus, in dem nicht Deutsch gesprochen wird. Besonders betroffen sind Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln. Politiker fordern jetzt neue Konzepte, um die Integration zu fördern.
    In vielen Schulen in Berlin sind Ausländer-Kinder mit erheblichen Sprachdefiziten in der Mehrzahl. Deutsche Eltern versuchen ihre Kinder dann ggf. in einer anderen Schule als der wohnsitz-zugeteilten unterzubringen.
    Die wenigsten Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache meldete mit 7,5 Prozent Treptow-Köpenick. Warum gerade dieser Bezirk keine Zahlen geliefert hat, wäre vielleicht noch zu untersuchen.

    Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg können zurzeit bereits knapp 90 potenzielle Schüler nicht unterrichtet werden. In allen Fällen handele es sich dabei um Kinder und Jugendliche mit erheblich mangelnden Deutschkenntnissen, wofür die Schulen nicht ausreichende Kapazitäten haben und sich die Schulleiter weigern, diese Kinder aufzunehmen.

  2. 6.

    Hallo, unser Sohn sollte in einer entfernten GS eingeschult werden (Fußweg 30 Minuten, 2 Hauptverkehrsstraßen weiter, kein Bezug zu der Schule), der Bruder war in der nahes GS (8 Minuten Fußweg, 5 Minuten Fußweg zur KITA). Die Geschwisterregelung gab es noch nicht, leider. Das Motto kurze Beine, kurze Wege, Freunde etc. hat in der Schulverwaltung von Tempelhof/Schöneberg keinen interessiert. Manche Politiker wissen nicht, worüber SIE sprechen …

  3. 5.

    Ist schon auffällig das besonders in Mitte die Wechselabsichten hoch sind, wahrscheinlich weil Mutti und Papi bei einer anderen Schule besser Ihre Kids mit dem 3L Diesel zu Schule chauffieren können, als wenn das Kind zur Schule um die Ecke läuft.

  4. 4.

    Danke. Wir haben die Info, dass Treptow-Köpenick keine Zahlen geliefert hat, jetzt in den ersten Absatz genommen.
    Beste Grüße

  5. 3.

    Liebe Redaktion,

    es sind doch nur elf Bezirke, die Zahlen geliefert haben. Daher ist elf doch richtig.

    Bitte den Rechtschreibfehler bei „Richter“ korrigieren.

  6. 1.

    „In den elf Bezirken“?????? Als rbb sollte man doch wissen, dass es nicht elf sind....

Das könnte Sie auch interessieren

Lisa Schwesig (Quelle: rbb)
rbb|24

Der Absacker - Entscheidungen mit Strahlkraft

Seit der Corona-Pandemie teilt sich die Gesellschaft für Lisa Schwesig in zwei Teile. Die einen sind einsam, die anderen nicht einsam genug. Daneben warten politische Entscheidungen, die uns jahrzehntelang beschäftigen könnten.