Jäger Torsten Reinwald nimmt vor dem Start der Jagd einen Imbiss (Quelle: rbb/Wolf Siebert)
Audio: Inforadio | 18.01.2020 | Wolf Siebert | Bild: rbb/Wolf Siebert

Auf der Pirsch mit einem Jäger - "Ich bin ein überzeugter Kochtopf-Jäger"

Torsten Reinwald liebt die Natur - und er liebt die Jagd. Wolf Siebert hat den ehrenamtlichen Jäger begleitet, und sich erklären lassen, warum für ihn die Liebe zur Natur und die Jagd zusammenhängen.

Jäger Torsten Reinwald ist an einem sonnigen Sommerabend nach Schönwalde bei Wandlitz gefahren. Eine ältere Dame hat ihn um Hilfe gebeten, weil ihr Rasen mit den alten Rotbuchen, Douglasien und Rhododendren von Wildschweinen umgepflügt worden ist.

"Die Wildschweine riechen die Schnecken und Würmer unter dem Boden und gehen gezielt auch dorthin", erklärt der 48-Jährige, der seit zehn Jahren einen Jagdschein besitzt. Der sportliche Mann mit gepflegtem Backenbart und wachen Augen liebt nicht nur die Natur, sondern jagt auch gern - und das aus Überzeugung.

Kein Fleisch aus dem Supermarkt

"Schon in der Schule habe ich mich immer gefragt, wenn du Fleisch isst, musst du auch in der Lage sein, ein Tier zu töten. Anders geht es nicht", so Reinwald. "Ich bin ein überzeugter Kochtopf-Jäger. Meine Hauptmotivation ist, was Essbares in die Kühltruhe zu kriegen, wo ich auch genau selber weiß, wo es herkommt." Er esse viel bewusster und lasse "die Finger von Supermarktware".

Reinwald ist hauptberuflich Pressesprecher des Deutschen Jagdverbands, pro Woche ist er rund zehn Stunden in seinem kleinen Jagdrevier in Schönwalde unterwegs. Da die Tiere aus Reinwalds Jagdrevier in den Garten der älteren Dame gekommen sind, wird von ihm erwartet, dass er Schäden durch Wildschweine verhindert.

Hochsitze bauen, Sturmschäden beseitigen

Sich um das Jagdgebiet zu kümmern, bedeutet für ihn mehr, als nur Tiere zu schießen. Er baut Hochsitze, beseitigt Sturmschäden und legt Grünstreifen mit Wildpflanzenmischungen an. Bevor Maisfeld und Wiesen in seinem Jagdrevier gemäht werden, versucht er, mit seinem Hund Dasko Rehe und ihre Kitze zu vertreiben, damit sie nicht vom Mähdrescher zerquetscht werden. "Ich fühle mich hier zuhause", betont er. Zum Tier- und Artenschutz gehört für ihn auch, dass er Füchse und Waschbären jagt. Denn sie sind die Feinde der Vögel, die am Boden brüten.

Der älteren Dame kann er heute  erstmal nicht weiterhelfen. Obwohl sich der Jäger in der Nacht auf die Lauer gelegt hat, ist diesmal kein Wildschwein aufgetaucht.

Treibjagd mit 150 Jägern

Drei Monate später treffe ich ihn wieder: In Baruth, südlich von Berlin, findet eine große Herbstjagd mit 150 Jägern und Hundeführern statt. Sie stammen aus der Region, aber auch aus Skandinavien. Alle Altersgruppen sind dabei, es überwiegt der Männeranteil. Die Jagd-Teilnehmer wirken alle erfahren, sehr sachlich und konzentriert. Da es noch recht früh und frisch ist, soll ein Lagerfeuer gegen die Kälte helfen. An einem Biwak-Zelt gibt es Essen. Eine Stärkung sei wichtig, wenn man sich drei Stunden im Wald aufhalte. "Da braucht man Kohlenhydrate", sagt der erfahrene Jäger Reinwald.

Die treiber sind mit den Hunden im Wald unterwegs (Quelle: rbb/Wolf Siebert)

Hunde mit Sicherheitsweste und Glöckchen

Die folgenden drei Stunden werden anstrengend - körperlich und mental. Bei dieser Jagd dürfen Wildschweine, Hirsche und Rehe, aber auch Waschbären und Füchse gejagt werden. "Die Natur regelt sich nicht selbst", betont Reinwald, "auch wenn das gern behauptet wird." Durch den Klimawandel und die warmen Winter fänden Wildtiere genug Nahrung und es gebe viele Maisfelder. "Das aber hat Folgen: Der Hirsch schält mit seinem Geweih die Baumrinde ab, Rehe fressen Knospen, Blätter und Zweige, und das Wildschwein mag Maiskolben auf dem Feld. Waldbesitzer und Bauern erwarten von uns, dass wir dagegen etwas tun."

Torsten Reinwald gehört an diesem Tag nicht zu den Jägern auf dem Hochsitz. Er hat eine andere Aufgabe: Er ist Führer einer Gruppe von Treibern, die mit ihren Hunden in einem festgelegten Abschnitt den Jägern das Wild vor die Flinten treiben.

Der 48-Jährige hat sich auf die Arbeit mit dem Hund spezialisiert. "In dieser Aufgabe, den Wildtieren Beine zu machen und sie zu finden, gehe ich auch auf." Die Hunde sind mit einer Sicherheitsweste bekleidet. Diese soll vor den Hauern der Wildschweine, aber auch vor Brombeerstacheln schützen. Außerdem sind die Hunde mit einem GPS-Halsband ausgestattet, das mit den Handys der Treiber verbunden ist. Damit sie von den Schützen nicht mit Wild verwechselt werden, tragen sie Glöckchen.

Gezielter Stich, um das Leiden des Tieres zu beenden

Nach einer Einsatzbesprechung rücken die Treiber in Abständen von gut 20 Metern vor. Es geht quer durch den Wald, durch kniehohes Gras und Brombeergestrüpp. Torsten Reinwald und die Treiber halten Sichtkontakt und sprechen auch über Funkgeräte miteinander. Bald sehen wir die Hunde nicht mehr, sondern hören Sie nur noch. Plötzlich verändert sich ihr Bellen. Es handelt sich um einen Spurlaut, erklärt Reinwald. "Das heißt, die Hunde sind auf einer ganz frischen Fährte."

Die Hunde haben einen Waschbären gestellt, der unter einen umgestürzten Baum geflüchtet ist. Die Hunde sind direkt an den Tieren dran, durch einen Gewehrschuss könnten sie verletzt werden. Reinwald holt ein Dolch mit einer 23 Zentimeter langen Klinge heraus. Plötzlich herrscht Stille. Torsten Reinwald ist außer Atem, eine Hand ist blutverschmiert. Er hat den Waschbär mit einem gezielten Stich ins Herz getötet, um das Leiden des Tieres schnell zu beenden.

Wildschweine bleiben bis zur letzten Sekunde liegen

Wenig später tötet Torsten Reinwald mit dem Messer noch ein Wildschwein. Auch hier waren die Jäger sehr nah am Tier, und bei Gewehrschuss bestand die Gefahr eines Querschlägers. Reinwald geht ruhig und konzentriert wie ein Handwerker vor. Wie ein Chirurg schneidet er anschließend den Bauch auf, holt die Innereien heraus und zersägt Knochen. Wenig später stöbern Rheinwalds Treiber noch ein Wildschwein auf. Ein Jäger erlegt es mit einem gezielten Schuss.

Reinwald ist zufrieden: "Das war schon gut. Die Hunde haben super gearbeitet. Das war zum Abschluss noch mal das Paradebeispiel. Wir haben das Schwein nicht gesehen. Aber die Hunde haben es gefunden und ihm Beine gemacht." Und genau das sei das Entscheidende, denn ohne Hunde hätte man keine Chance bei einer Bewegungsjagd, so Jäger Reinwald. "Vor allem seit die Wölfe wieder hier sind, sind die Wildschweine noch ausgebuffter. Die bleiben bis zur letzten Sekunde liegen. Ein Reh oder Hirsch hätte schon längst die Flucht ergriffen."

Auf der Pirsch mit einem ehrenamtlichen Jäger

Die Natur nutzen und schützen

Die Jagd ist zu Ende. 66 Sauen, 19 Rehe, vier Füchse und vier Waschbären lautet die Bilanz. Reinwald und ich sind völlig durchgeschwitzt. Wir essen eine Suppe, seine Hände sind blutverschmiert. Ich habe erlebt, dass Jagd für Torsten Reinwald mehr als nur ein Ehrenamt ist.

"Für mich ist es eine Passion. Ich bin mit dem Herzen und dem Verstand dabei. Die Jagd füllt mich aus und es ist für mich ein schönes Gefühl, die Natur zu nutzen und gleichzeitig zu schützen. Das ist für mich das intensivste Naturerlebnis, was es überhaupt gibt." Während im Hintergrund die Jagdhörner erklingen, fügt er hinzu: "Das spornt mich immer wieder an."

Sendung: Inforadio, 18.01.2020, 09:24 Uhr

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Beitrag von Wolf Siebert

21 Kommentare

  1. 21.

    Jagd schreibt man mit d, nicht mit t. Ich glaube, Sie sind kein Jäger und wollen hier nur Leute provozieren. Trolle gibt es immer wieder.

  2. 20.

    Sie reden so aggressiv, dass ich bei Ihnen dasdas Gestatten des Führens einer Waffe schon als grob fahrlässig empfinde. Ich halte Sie für jemanden, der nicht kritikfähig ist. Ihre Aussagen gehen meilenweit an dem Bericht vorbei uns sollen anderen nur ein von Ihnen vermutetes Unwissen unterstellen. Genau mit dieser Haltung fördern Sie die Forderungen nach einer Modernisierung des Jagdrechts.

  3. 19.

    Falsch. Die Tollwut wurde durch Dezimierung der Fuchsbestände UND auch durch Impfköder besiegt. Die Impfköder wurden erst 1991 eingeführt - und sie wurden z.T. auch von Jägern ausgelegt. Ihr Behauptung ist also grober Unfug. Allerdings sind ohne Tollwut die Fuchjsbestände explodiert, was einen erheblichen Druck auf diverse Vogelarten insbesondere Bodenbrüter ausübt. Wollen Sie die Fuchsbestände nun etwa auch mit Impfködern begrenzen? Oder durch Pfeifen und Klatschen? Oder wie stellen Sie sich das vor?

  4. 18.

    Die Tollwut wurde durch Impfköder besiegt, nachdem die Jäger es 20 Jahre lang nicht geschafft haben alles kurz und klein zu schießen.

  5. 17.

    Aha, Sie glauben also, daß bei uns Tollwut mit Lichterkette und Stuhlkreis durch Veganer besiegt wurde, und daß man das mit der Schweinepest auch so handhaben wird. Alles klar, keine weiteren Fragen. Noch mal ganz langsam für Sie zum Mitmeißeln: Es ging um die Frage der Notwendigkeit von Jägern, nicht darum, ob die AUCH 'ne Treibjagt betreiben. Im Übrigen sind bei dieser Treibjagt 66 SAUEN geschossen worden (in Worten: "sechsundsechzig") - WESENTLICH mehr als alle andern Wildarten. Soll ich Ihnen den Zusammenhang zwischen 66 Sauen und Schweinepest auch noch erklären? Oder schaffen Sie das selbst?

  6. 16.

    "....große Herbstjagd mit 150 Jägern und Hundeführern statt. Sie stammen aus der Region, aber auch aus Skandinavien. " Ach, da ging es um Tollwut und Schweinepest? Das hat der rbb uns unterschlagen...... Gut, dass Sie diesen Fehler des rbb korrigieren. Bestimmt sehr sinnvoll eine Treibjagd gegen Tollwut. Oh man......

  7. 15.

    Warum tötet er Tiere, die er nicht für seinen Bedarf erlegt, wenn er schon meint, ein Jäger für seinen Kochtopf zu sein? Er widerspricht sich und seinem Anspruch von Ethik.
    Jagen für den eigenen Bedarf kann ich durchaus respektieren, aber nicht das Andere, nur weil der Mensch zu dumm war, durch sein Eingreifen das verursacht zu haben, was er heute vermeint töten zu müssen. Die Natur regelt sich ohne den Menschen besser, als mit dem Menschen. Wir sind es, die der Natur im Laufe der Evolution, langsam aber sicher den Garaus machen, wenn es nicht bald ein Umdenken zu mehr Sensibilität gibt.

  8. 14.

    Tiere zu töten um sie verzehren ist etwas das der Mensch tut seit bevor er von den Bäumen gestiegen ist. Das als "krank" zu bezeichnen ist also einigermaßen realitäts- und lebensfern. Krank finde ich allerdings Leute die Tiere zum Spaß jagen oder fischen und sie dann halbtot zurücklassen. Aber das tut der hier ja nicht.

  9. 13.

    Zitat:"Die Natur regelt sich nicht selbst" - auch wenn ich Respekt vor solchen Jägern habe, die wie er für seinen eigenen Bedarf jagt, finde ich dieses Argument absolut daneben.
    Was hat die Natur gemacht, bevor der Mensch anfing einzugreifen? Die Natur regelt sich besser selbst als mit dem Menschen, weil Mensch es verlernt hat mit der Natur zu leben.
    Und das weitere Argument, Füchse wegen der Bodenbrüter jagen zu dürfen ist auch absolut an den Haaren herbeigezogen. Bei Waschbären, die hier keine natürlichen Feinde haben, sehe ich es durchaus ein - aber Füchse sind nicht Imstande, Vogelpopulationen auszurotten - so etwas macht nur der Mensch - dies betrifft die ganze Fauna - daher ist die Fuchsjagd nichts als Befriedigung eines niederen menschlichen Instinkts - nicht mehr, nicht weniger.

  10. 12.

    Mir fällt zu diesem Bericht nur ein Wort ein: Krank!!!! Die Jagd hat nichts mit Tierschutz zu tun! Wenn man sich schon so fotografieren lässt, mit Gewehr in der Hand und lächelnd, wenn es ums Töten geht, da fehlen mir einfach die Worte

  11. 11.

    Na dann erzählen Sie uns mal, wie man die Tollwut bei uns in den Griff gekriegt hat und wie man die Schweinepest abwenden will, wenn Jäger angeblich "nicht notwendig" sind. Oder halten Sie Tollwut und Scheinepest für gut, "weil das ja Natur ist"?

  12. 10.

    Na dann guten Appetit
    https://www.mdr.de/thueringen/wildfleisch-noch-immer-belastet-strahlung-tschernobyl-wildschweine-100.html

  13. 9.

    Frage mich ernsthaft, wie der rbb solch eine die Jagd glorifizierten tendenziöse Berichterstattung veröffentlicht. Das ist aus der Zeit gefallen. Echt gruselig. Soll damit polarisiert werden?

  14. 8.

    Wir haben in D/EU aber keine wilde, unberührte Natur, sondern eine Kulturlandschaft, seit Homo sapiens seit dem letzten Glazial hier besiedelt hat. Da es zu wenig Prädatoren gibt, muss der Mensch natürlich regulierend eingreifen. Im Übrigen ist es absolut natürlich, Tiere zu töten, wenn das Tier denn dann verwertet wird. Das ist nun mal das Große Gesetz der Natur. Tiere essen Pflanzen, Tiere essen Tiere, ja es gibt sogar Pflanzen die Tiere "essen". Und für den Mensch als Allesfresser ist eine Mischkost auch mit tierischem Produkt die natürliche Ernährung. Und Fleisch aus Jagd ist da noch am artgerechtesten, obwohl man unsere Nutztiere auch artgerecht halten kann, was leider aber in weiten Teilen nicht so getan wird. Bei der Jagd wird das Tier kurz und schmerzlos erlegt, wenn der Prädator es reisst, ist dass weitaus langwieriger und schmerzhafter. Wer vegan sein will, bitte, aber hören Sie auf, Leute ideologisch verblendet u. unwissenschaftlich als "Tiermörder" zu verunglimpfen.

  15. 7.

    Ja, das hat es. Das kann aber noch lange kein Grund sein, zu verunglimpfen. Auch Jägern kann man Respekt entgegenbringen. Das sollte man sogar als naturentfremdeter Großstädter schaffen, der dem heutige Zeitgeist unterliegt. Meinen Sie nicht?

  16. 6.

    Ich meinte übrigens Förster sind notwendig, Jäger wahrscheinlich nicht.

  17. 5.

    Erbärmlich unschuldige Lebewesen einfach abzustechen und erbärmlich diese einseitige Berichterstattung.

    Die Natur regelt sich sehr wohl selbst. Dies hat sie über Milliarden Jahre getan und das wird sie wenn der Mensch verschwunden ist oder zuindest gelernt hat, dass die Jagd nichts anderes als legalisierte Tierquälerei und Tiermord ist, auch wieder tun.

  18. 4.

    Was ist denn am Inhalt falsch? Jäger sind notwendig, aber es hat trotzdem etwas Martialisches und Animalisches.

  19. 3.

    Ehrenamt? Also, ich als ehrenamtlicher Helfer empfinde diese Bezeichnung für Hobbyjäger falsch. Selbst mit Sport hat die Jagd nichts zu tun. Private Jäger sind mir suspekt. Wenn er wenigstens seine Jagdbeute spenden würde...

  20. 2.

    Da spricht der Blinde von der Farbe. Ohne Jagd hätte unser Hirn gar nicht das nötige Eiweiß bekommen, das nötig war, um uns zum Homo sapiens zu entwickeln. Ohne Jagd hätten Sie also weder die technischen Mittel noch die Worte, um die Jagd zu diffamieren. Stattdessen würden Sie noch auf dem Baum hocken. Zudem hat gejagtes Wild im Gegensatz zum Nutztier ein deutlich artgerechteres Leben.

    Im Übrigen wird "dass" hier nach heysischer S-Schreibung mit Doppel-s und "zurückschießt" zusammengeschrieben. Sie sind wohl Veganer?

    Oder kommt Ihr Fleisch aus der Kühltheke?

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