Eine schwangere Frau hält sich den Bauch (Quelle: dpa/Korhonen).
Bild: dpa/Lehtikuva/Emmi Korhonen

Überlastete Kreißsäle - Berliner Kliniken wiesen 2018 hunderte Schwangere ab

Die Geburt kündigt sich an, eine Schwangere fährt in die Klinik - und wird nicht aufgenommen. Diese Situation ist in Berlin gar nicht mal so selten: Weil Kreißsäle überlastet waren, mussten 2018 fast 400 Frauen weiterverwiesen werden.

In mindestens 397 Fällen sind Schwangere 2018 von Berliner Kliniken abgewiesen worden. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Antwort der Gesundheitsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des Linken-Abgeordneten Wolfgang Albers hervor [pardok.parlament-berlin.de].

Die betroffenen Frauen wurden demnach an andere Kliniken weiterverwiesen. Insgesamt waren 2018 in Berliner Kliniken knapp 42.000 Geburten erfasst worden.

Keine Komplikationen oder Schäden durch Weiterleitung

Laut Gesundheitsverwaltung erfolgten diese 397 Abweisungen an acht von insgesamt 19 Geburtskliniken. Zwei Kliniken hätten auf Nachfrage angegeben, keine Frauen weiterverwiesen zu haben. Weitere acht Häuser hätten keine Angaben machen können, eines habe nicht geantwortet, hieß es.

Von Mai bis etwa Mitte Dezember seien für die 68 Entbindungsplätze 775 sogenannte Kreißsaaleinschränkungen gemeldet worden, mit einer Dauer zwischen 60 Minuten und 24 Stunden eingetragen.

"Dem Senat sind keine durch eine Weiterleitung bewirkten Geburtskomplikationen oder Schäden an Mutter oder Kind bekannt", betonte die Gesundheitsverwaltung. 2017 sei es in einem Fall "durch die Verkettung verschiedener Ursachen" auf dem Gelände eines aufnehmenden Krankenhauses und nicht erst im Kreißsaal zu einer Geburt gekommen.

Sendung: Abendschau, 06.01.2020, 19:30 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Diese Aussage ist in mehrerer Hinsicht Quatsch, so ein hochentwickeltes gesundheitssystem wie bei uns das für jeden offen steht gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.
    sie können ja gerne mal in ein entwicklungsland gehen und dort versuchen sich behandeln zu lassen.
    Das kostet natürlich alles viel Geld was wir mit unseren Steuern und Abgaben mit fast 50% Blechen müssen.
    Und deswegen finde ich das hier mehr als übertrieben zu sagen man müsste jetzt immer alle Kapazitäten auf 1000 % vorhalten das wäre unbezahlbar.
    Außerdem könnte man zynisch sagen wir brauchen auch nicht zu viele Kinder auf dieser Welt.

  2. 6.

    Ja unser Gesundheits System ist wirklich nicht mehr gut.
    In jeder Beziehung. Auf einen Termin für eine Magenspiegelung muss man zu Beispiel 4 bis 5 Monate warten.
    Das ist fast so schlimm wie für die Frauen und ihre Kinder wenn sie keine Hebamme finden
    Man kann den Eindruck gewinnen in einem Entwicklungsland zu leben.
    Und das in einem angeblich so reichem Land wie Deutschland.

  3. 5.

    Einen Patienten los werden hat manchmal Glücksspiel Charakter. Die Krankenhäuser handeln nicht mehr medizinisch sondern wirtschaftlich. Heißt das wohl fällt hintenrunter, es ist nur noch die Wirtschaftlichkeit entscheidend.

  4. 4.

    Ich verstehe weder die Meldung noch die Aufregung - weniger als ein Prozent aller anstehenden Geburten konnte nicht im Krankenhaus der ersten Wahl erfolgen, sondern musste in einem anderen stattfinden.
    Ja, zu bestimmten Zeitpunkten waren in einer Klinik alle Kreißsäle belegt und alle Teams beschäftigt. Da Geburten nicht nach Plan erfolgen passiert das.
    Ich finde es eher diskussionswürdig, dass angehende Eltern quasi mit dem positiven Schwangerschaftstest nach einer Hebamme für die Nachbetreuung suchen müssen und nach einem Betreuungsplatz fürs Kind auch. Dies als Beispiele für Punkte, an denen Angebot und NAchfrage wesentlich deutlicher auseinander klaffen.

  5. 2.

    So langsam beschleicht mich das Gefühl ich lebe in ein Dritte Weltland. Es herrschen hier Zustände das man sich wirklich schämen muss.

  6. 1.

    Fehlt nur noch die Meldung, dass Kreißsäle aufgrund von ‚zu geringem Gewinn‘ stillgelegt werden. Dann sollte man dieses Land verlassen...

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