Eine schwangere Frau hält ihren Babybauch (Quelle: imago-images/Borislav Zhuykov).
Audio: Antenne Brandenburg | 29.01.2020 | O-Ton Marco Bohn | Bild: imago-images/Borislav Zhuykov

Engpässe im Kreißsaal - Entbindungen in Templin nur von 8 bis 20 Uhr möglich

Schwangere, die nahe Templin nachts Wehen bekommt, haben Pech: Denn der Kreißsaal am Sana-Krankenhaus hat dann geschlossen. Wegen Personalmangels kann derzeit keine Betreuung rund um die Uhr gewährleistet werden.

Werdende Mütter können derzeit im Sana-Krankenhaus Templin (Uckermark) nur eingeschränkt entbinden. Das sagte Klinikgeschäftsführer Marco Bohn am Dienstagabend in einer Sitzung des Sozialausschusses der Stadtverordnetenversammlung. Aktuell sei eine Versorgung von Entbindenden nicht rund um die Uhr möglich. Zwei Hebammen seien von 8 bis 20 Uhr im Dienst, präzisierte er auf Anfrage von rbb|24.

Grund dafür sind Umstrukturierungen im Bereich Kinderheilkunde und Geburtshilfe. Auch an der Spitze des Krankenhauses gab es eine Neubesetzung: Nachdem die bisherige Ärztliche Direktorin, Ruth Mähl, Mitte Dezember in Rente gegangen war, übernahm Martin Baehr Mitte Januar den Chefarztposten.

Entbindungen ab April wieder möglich

Laut Bohn soll sich die Situation aber bald wieder verbessern. Man könne sich darauf verlassen, zukünftig in Templin wieder Kinder zu bekommen, sagte Bohn dem rbb. "Im Kreißsaal sind demnächst ab dem zweiten Quartal auch wieder Geburten möglich." Darüber hinaus verspricht der Klinikchef einen hebammengeführten Kreißsaal mit einem ambulant-stationären Zentrum. Ein Dienstplansystem soll Abhilfe schaffen: "Es wird möglich sein, ab dem 1. April hier 24 Stunden lang gesund zu entbinden", sagte Bohn. Die Versorgung von 150 bis 180 gesunden Geburten pro Jahr sei gesichert.

Michael Zaske, Referatsleiter im brandenburgischen Gesundheitsministerium, versicherte, dass die Geburtshilfe am Sana-Standort Templin auch im neuen Krankenhausplan fest verankert sei.

Tendenziell weniger Geburten

Das Sana-Krankenhaus in Templin besitzt zwei Kreißsäle. Perspektivisch sollen dort vier Hebammen angestellt sein, eine Stelle ist aber derzeit auf der Website des Krankenhauses [sana-kt.de] ausgeschrieben. Aktuell gibt es daher eine Übergangslösung mit zwei Geburtshelfern. Alternativ können Frauen im 50 Kilometer entfernten Eberswalde, in Oranienburg (55 km), Neuruppin (65 km), Bernau (65 km) oder Schwedt (70 km) entbinden. 

Die Geburtenrate im Landkreis Uckermark ist nach Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg tendenziell rückläufig. So kamen bis September 2019 dort 614 Kinder zur Welt. 2018 waren es im gesamten Jahr noch 864 Kinder. Zum Vergleich: 2014 gab es 911 Lebendgeburten in der Uckermark.

Engpässe auch in anderen Landkreisen

In den vierzehn Landkreisen und vier kreisfreien Städten in Brandenburg gibt es aktuell 25 Kliniken mit einer Geburtsstation. Jedoch musste neben Templin auch das Städtische Krankenhaus in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) sein Entbindungsangebot zeitweise einschränken. So blieb der Kreißssaal dort an mehreren Wochenenden im vergangenen November aufgrund von Personalmangel geschlossen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.01.2020, 9 Uhr

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Antwort auf [Sven] vom 29.01.2020 um 14:28
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3 Kommentare

  1. 3.

    Wir müssen wohl unsere Kinder bald in Polen gebären. Dann sind die Kreissäle nicht so überlastet.

  2. 2.

    Wer mit Steuergeldern studiert, der sollte dem Steuerzahler dann zumindest eine bestimmte Zeit "dienen" man kann auch sagen "dankbar sein" In Form von zum Beispiel 5 Jahre eine Landpraxis oder Kleinstadt...
    Ich muss hier auch mal den öffentlichen Rundfunk kritisieren, der in unzähligen Ratgebersendungen die Leute für jede pille-palle "Erscheinung" zum Arzt hetzt.

  3. 1.

    Kann ja eigentlich so gut wie niemanden betreffen.

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