Zwei Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes stehen vor der entschörften Fliegerbombe am Roten Rathaus (Bild: rbb/Donschen)
Video: Abendschau | 21.01.2020 | Kerstin Breinig | Bild: rbb/Donschen

Menschen können zurück in ihre Wohnungen - Weltkriegsbombe am Roten Rathaus ist entschärft

Die Weltkriegsbombe am Roten Rathaus ist erfolgreich entschärft worden. Um 0:13 Uhr konnte ein Kriminaltechniker den Zünder unschädlich machen. Zuvor war das Areal vollständig evakuiert worden. 1.900 Menschen hatten ihre Wohnungen verlassen müssen.

Entwarnung am Roten Rathaus in Berlin-Mitte: Die auf einer Baustelle gefundene Weltkriegsbombe ist erfolgreich entschärft worden. In der Nacht zu Mittwoch, exakt um 0.13 Uhr, machte ein Kriminaltechniker den Zünder des Blindgängers unschädlich. Anschließend konnten die Anwohner in ihre Wohnungen im Sperrkreis zurückkehren.

Seit dem Nachmittag waren die Polizei und viele weitere Helfer damit beschäftigt gewesen, einen Radius von rund 300 Metern rings um den Fundort abzuriegeln. Rund 1.900 Anwohner mussten ihre Wohnungen verlassen.

Gegen 23.45 Uhr hieß es dann auf Twitter, dass die Entschärfung begonnen hat. Man rechne damit, dass der Sprengkörper in rund 30 Minuten unschädlich gemacht werden könne - ein Zeitplan, der fast auf die Minute genau eingehalten wurde.

Ein Polizeifahrzeug steht am Abend der Bombenentschärfung auf dem abgesperrten Alexanderplatz. Quelle: Christian Spicker/www.imago-images.de
Bild: Christian Spicker/www.imago-images.de

Evakuierung durch Polizei und viele Helfer

Im Sperrkreis lagen unter anderem das Rote Rathaus, der Fernsehturm, Hotels und Teile des historischen Nikolaiviertels. Bei der Räumung waren die 250 Einsatzkräfte der Polizei von Feuerwehrleuten, Mitarbeitern des Ordnungsamtes Berlin-Mitte und weiteren Helfern unterstützt worden.

Ursprünglich sollte die Bombe bereits ab 23 Uhr unschädlich gemacht werden, doch dann stellte sich heraus, dass sich noch immer jemand im Sperrkreis aufhielt. Erst nachdem auch die letzte Person den gefährlichen Bereich verlassen hatte, konnte der Bombenexperte mit seiner Arbeit beginnen. Wenig später twitterte die Einsatzleitung der Polizei die gute Nachricht.

Fernsehturm war seit 17 Uhr geschlossen

Außerhalb des Sperrkreises hatte die Polizei einen weiteren Bereich festgelegt, in dem sich keine Menschen im Freien aufhalten durften, darunter Teile des Alexanderplatzes und der Fischerinsel sowie der Abschnitt des Spreeufers zwischen Jannowitz- und Rathausbrücke. 

Auch der Fernsehturm war seit dem späten Nachmittag gesperrt. Ein Sprecher der beliebten Sehenswürdigkeit sagte, bis 17 Uhr hätten Gäste in Ruhe ihren Besuch beendet und niemand sei mehr nach oben gelassen worden. Die Polizei berichtete, viele Behörden und öffentliche Gebäude im Sperrbereich hätten ihre Evakuierung bereits "selbstständig abgeschlossen".

Ersatzunterkunft im Bezirksamt Mitte

Für alle Bürger, die von der Evakuierung betroffen waren, hatte die Bezirksverwaltung eine Ersatzunterkunft in der Kantine des Bezirksamtes Berlin-Mitte in der Karl-Marx-Allee 31 eingerichtet.

Gegen 21.30 Uhr twitterte das Bezirksamt, dass die Kantine keine weiteren Menschen mehr aufnehmen könne. Nach Angaben von Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (SPD) befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits 200 Menschen dort. Zusätzlich wurden daraufhin der Saal der Bezirksverordnetenversammlung, die Cafeteria und weitere Sitzungsräume für Menschen freigeräumt. Die Kapazitäten so kurzfristig bereitzustellen, sei für den Bezirk aber keine größere Schwierigkeit gewesen, sagte Gothe dem rbb. Nach einer erfolgreichen Bombenentschärfung am Alexanderplatz im vergangenen Sommer seien Helfer und Verwaltung bereits geübt.

Nahverkehr war stark eingeschränkt

Seit Beginn der Evakuierung war der Busverkehr der BVG-Linien 200 und 300 um den Sperrkreis herumgeleitet worden. Die U-Bahnen der Linie U2 hielten nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nicht mehr am U-Bahnhof Klosterstraße.

Betroffen war auch der Bahnhof Alexanderplatz. Er liegt zwar außerhalb des Sperrkreises - doch sollten während der Entschärfung keine S-Bahnen zwischen Jannowitzbrücke und Alexanderplatz verkehren, auch alle weiteren Zugfahrten zwischen Friedrichstraße und Ostbahnhof wurden unterbrochen. Seit dem Nachmittag hielten auch keine S-Bahnen der Linien S3, S5, S7 und S9 mehr am Bahnhof Alexanderplatz.

Auch Fahrgäste der Tramlinien M4, M5, und M6 mussten unmplanen: Die Bahnen hielten nicht mehr an den Haltestellen Bhf/Gontardstraße, Spandauer Straeße/Marienkirche und Alexanderplatz. Zahlreiche Straßen, die Spree und ein Teil des Spreekanals wurden ebenfalls gesperrt. Im Feierabendverkehr hatten sich laut Berliner Verkehrsinformationszentrale lange Staus auf der Leipziger Straße, Unter den Linden und Brückenstraße gebildet. Autofahrern wurde empfohlen, den gesamten Bereich rings um die City Ost weiträumig zu umfahren. 

Bombe deutscher Bauart

Die Weltkriegsbombe deutscher Bauart wurde nach Angaben der Polizei offenbar während des Zweiten Weltkriegs von der Roten Armee erbeutet und über Berlin abgeworfen.

Am Dienstag war der Sprengkörper gegen 11:30 Uhr am Alten Stadthaus entdeckt worden. Er kam bei Bauarbeiten nahe der Grunerstraße Ecke Jüdenstraße hinter dem Roten Rathaus zum Vorschein.

Sendung: Antenne Brandenburg, 22.01.2020, 01.00 Uhr

Kommentar

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27 Kommentare

  1. 27.

    ein Flux-Kompensator könnte hier helfen..Wird ein Fluxkompensator auf die richtige Art an einen Van der Graaf Generator angeschlossen, erhält man daraus einen brauchbaren Time-to-Nothing-Konverter, der wiederum zum passenden Zeitpunkt das Problem lösen könnte...aber wie sagt man so schön..kann sein, muss aber nicht

  2. 25.

    Rein technisch käme ein Bioradar in Frage. Dass der hier spezifisch eingesetzt wurde halte ich persönlich aber eher für unwahrscheinlich.
    Vermutlich eher: "Wir haben überall geklingelt und es hat sich niemand mehr gemeldet und wir haben auch nichts gehört und nichts (Licht o.ä.) gesehen."

    Das ist m.E. auch in Ordnung: Irgendwann muss mit der Entschärfung angefangen werden. Die Leute, die sich an die Evakuierung gehalten haben, wollen auch wieder nach Hause. Sollte die Entschärfung wider Erwarten schiefgehen und Schrapnelle aus Fensterglas Rigipswände durchschlagen (Quarks hatte da sehr eindrucksvolle Bilder), ist das das Problem derer, die sich durch ihr Versteckspiel der Evakuierung entzogen haben.

  3. 24.

    Als ob das im Fall einer Explosion viel Unterschied machen würde. Ob 50m oder 250m....... Hinüber wäre alles. Und das Rote Rathaus dürfte jedem ein Begriff sein. Das Alte Stadthaus nicht unbedingt.

  4. 23.

    Es gab im 2. Weltkrieg keine "russische Armee". Wer ein Minimum an Allgemeinbildung hat, weiß das. Es gab eine sowjetische Armee Namens Rote Armee, in der auch Ukrainer, Weißrussen, Turkmenen, Usbeken, Letten, Kasachen, Esten, Georgier, Litauer, Kirgisen Tadschiken, Armenier usw. usw. gegen die (vor allem) deutschen Invasoren kämpften. Weiß man das bei der Polizei nicht? Und beim RBB auch nicht? Dies auf "den Russen" zu reduzieren, ist das Narrativ des Propagandaministeriums von 1941. Es stellt sich die Frage, warum man das sogar heute noch kolportiert.

  5. 22.

    Wenn man plötzlich nicht mehr nach Hause zur Familie darf und nicht weiß, was passiert, ist das erst einmal schlimm. Alle trudelten jedenfalls nach und nach im Rathaus B.-Mitte in der K.-Marx-Allee 31 ein. Die Mitarbeiter des Bezirksamtes, Polizei, Feuerwehr, Helfer - alle waren sehr bemüht, den Abend so angenehm als möglich zu gestalten. Alles lief ruhig und in großer Gelassenheit ab. Es gab sehr nette Gespräche mit Nachbarn des Nikolaiviertels bei Getränken, Knabberzeug und Obst und 0:45 Uhr waren wir wieder zu Hause.
    Ein großes Dankeschön allen umsichtigen Helfern und Verantwortlichen für die gute Betreuung und Organisation. Wir waren jederzeit gut informiert. Die Bezirksamt-MitarbeiterInnen lasen uns jeden Wunsch von den Augen ab. So soll es sein in solcher Lage. Besonderen Dank auch allen Mitbewohnern für die angenehmen Stunden entspannter Gespräche. Bei solchen Gelegenheiten merkt man auch, welche Vorteile es hat, Mitten in der Stadt fast auf dem Dorf zu leben. Man kennt sich.

  6. 21.

    Also zwischen Schribfehlern, kleinem Latrinum und ähnlichen Kirmskrams ....
    Hat schon einer mal einfach Danke gesagt - bei 250 Kilo vor der Nase wäre das eher angebracht.
    Good Job!

  7. 20.

    Die Aussagen Was nun Was sein könnte {Bezug: Evakuierung oder welche Bombe} ist irrelevant.
    Wir bzw. die anderen Anwohner des Sperrgebietes möchten schnellstens in unsere Wohnungen. Das ist uns hier wichtig.
    LG ein betroffener Anwohner

  8. 19.

    "Sie kam bei Bauarbeiten [...] hinter dem Roten Rathaus zum Vorschein"

    Nein! Sie kam hinter der Senatsverwaltung für Inneres (eben. Stadthaus)zum Vorschein ... bis zum Rathaus sind's noch mind. 250m Luftlinie mit der Bundesstraße und dem Parkplatz beim RR dazwischen! Die Senatsverwaltung hingegen, in der auch unzählige Menschen arbeiten, ist max. FÜNFZIG METER (!!!) vom Bombenfund entfernt ... Ich muss es wissen, denn ich war zur Fundzeit dienstlich vor Ort!

  9. 17.

    Eine deutsche Bombe mit 'nem russischen Zünder...
    Wie wollen die eigentlich sichergehen, dass wirklich alle Menschen aus den Häusern raus sind? Spürhunde? Drohnen? 1984?

  10. 16.

    Also gut. Müssen wir wohl zum Latein: evacuare = ‚ausleeren. Das ist die „Räumung eines Gebietes von Menschen“. Und mal unter uns, jeder weiß, was gemeint ist. Also sind die linguistischen Spitzfindigkeiten obsolet.

  11. 15.

    Man was für schlaue Kommentare...Hauptsache es geht alles gut.

  12. 14.

    Ich gehe mal ganz fest davon aus, dass der rbb es sofort meldet, wenn es dazu konkrete Informationen von der Polizei gibt. Immerhin wurde der Sperrkreis auf 300 und nicht auf 500 m festgelegt, so dass die Stadtbahntrasse nicht betroffen ist. Möglicherweise ist die in diesem Bereich verlaufende U2 betroffen, ganz gewiss aber die Buslinien 200, 248 und 300. Auch die Mühlendammschleuse wird wohl in diesem Zeitraum nicht schleusen, da die SOW im Sperrkreis liegt.

  13. 13.

    Der Duden nennt als Beispiel für den Begriff evakuieren: "Die Bewohner [aus einem Gebiet, Haus] evakuieren."

  14. 12.

    Sind S-Bahn, U-Bahn, Buslinien betroffen? Das wäre doch ne wichtige Info!

  15. 10.

    Steffen, das mit dem Kiolaiviertel wollte ich auch schon anmerken, ist inzwischen aber korrigiert. Ansonsten muss ich Sie allerdings enttäuschen: Die Formulierung, wonach die Gebäude evakuiert werden, ist vollkommen richtig. Wenn Sie mal versuchen, einen Menschen zu evakuieren, also alles rausnehmen, was sich in dem Menschen befindet, so dass im Menschen ein Vakuum herrscht, dann ist der Mensch nicht mehr lebensfähig.

    Ich bin ja hochzufrieden, dass sich inzwischen beim rbb die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Gebäude und nicht Menschen evakuiert werden, von daher machen Sie die armen Leute bitte nicht irre, indem Sie das Gegenteil behaupten.

  16. 9.

    "...liegen das Rote Rathaus und den Fernsehturm."

    Was raucht ihr beim rbb?

  17. 8.

    Sie schreiben: "Für die Entschärfung werden alle Gebäude im Sperrkreis evakuiert." Es werden nicht Gebäude evakuiert, sondern die Menschen und vermutlich auch Hunde und Katzen. Außerdem ist Ihnen das Nikolaiviertel durcheinander geraten: Kiolaiviertels,

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