Baustelle der Seniorenresidenz im polnischen Krzeszyce (Quelle: rbb/Abendschau)
Video: Brandenburg Aktuell | 31.01.2020 | Katharina Zabrzynski | Bild: rbb/Abendschau

Seniorenresidenz entsteht in Polen - Bezahlbar alt werden hinter der Grenze

Für Menschen mit durchschnittlichen Renten sind Plätze im betreuten Wohnen rar, Pflegeplätze sowieso. Darauf fußt das Geschäftsmodell eines Berliner Unternehmers. Er baut in Polen ein ganzes Dorf für Senioren. Von Katharina Zabrzynski

Der Berliner Unternehmer kennt sich mit der Pflegesituation in Deutschland aus. Artur Maszejs Mutter leitet ein Pflegeheim in Berlin, seine Frau arbeitet bei einem ambulanten Pflegedienst. Er selbst hat jahrelang Immobilien für seniorengerechtes Wohnen vermittelt. Dass er einmal selbst zum Bauherrn würde, habe er trotzdem nicht gedacht. "Alles begann mit einem Scherz im Büro. Irgendwann sagte eine Kollegin, warum bauen wir nicht selbst?", erzählt er.

Bei seiner Analyse merkt er schnell, dass die Nachfrage nach betreutem Wohnen für Senioren mit einer durchschnittlichen Rente hoch ist. Er will eine Seniorenresidenz bauen, die sowohl Betreuung als auch Pflege gewährleistet, komfortabel ist und die sich auch Menschen mit weniger Vermögen leisten können.

Der Unternehmen Artur Maszej zeigt einem Interessenten eine Wohnung in der Seniorenresident im polnischen Krzeszyce (Quelle: rbb/Abendschau)
Die Bungalows sind bereits alle verkauft und sollen im Juni bezugsfertig sein | Bild: rbb/Abendschau

Grundstücke in Deutschland zu teuer

Maszej sieht sich Grundstücke in Deutschland an, besucht rund hundert Pflegeheime in ganz Deutschland, um am Ende festzustellen: alles zu teuer. "Ich hätte in Großziethen bauen können, doch die 100 Quadratmeter großen Bungalows hätten am Ende jeweils eine halbe Million Euro gekostet", sagt er.

Also geht er über die Grenze nach Polen. Auf einem gut fünf Hektar großen, vom Wald umgebenen Grundstück in Krzeszyce, 30 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt, baut er nun ein ganzes Dorf. Eine Seniorenresidenz aus acht Bungalows, 39 Apartments, mit einem Restaurant, Schwimmbad, Freizeit-Unterkünften und einer Betreuungsstation. Außerdem soll ein Pflegeheim mit 44 Betten und ein Demenzdorf für 15 Personen entstehen – das alles soll bereits in wenigen Jahren fertig sein.

Ein 100 Quadratmeter großer, seniorengerechter Bungalow in seiner Seniorenresidenz kostet 200.000 Euro – inklusive Solaranlage, Stellplatz, Bad und Einbauküche. Ein 1-Zimmer-Appartment mit Balkon gibt es für 64.000 Euro.

"Keine Stelle ausgeschrieben - aber schon 40 Bewerbungen"

Maszej selbst stammt aus Stettin und spricht Polnisch. Für sein Herkunftsland sprachen die Nähe zu Deutschland und die Grundstückspreise. Doch auch die Personalkosten liegen um ein Vielfaches unter den deutschen. Maszej sagt, er wolle das Pflegepersonal überdurchschnittlich entlohnen, aber selbst dann dürften die Kosten nicht mal halb so hoch sein, wie in Deutschland, schätzt er.

Das er genügend Personal finden würde, darüber mache er sich keine Sorgen. "Wir haben noch keine einzige Stelle ausgeschrieben und schon 40 Bewerbungen erhalten", sagt er. Das Kuriose dabei: Fünf Bewerbungen kamen aus Deutschland - aus Berlin, Schwedt und Frankfurt (Oder). "Das deutsche Pflegesystem steht Kopf", stellt er fest. Die Bewerber aus Deutschland sagten ihm: "Ich ziehe nach Polen, verdiene weniger Geld, habe aber nicht mehr den Druck auf der Arbeit." Er finde das erschreckend.

Gleichzeitig sei ihm von Anfang an klar gewesen, dass er in Deutschland nicht genug Personal für sein Vorhaben finden würde. "Jede dritte Pflegekraft in Berlin und Brandenburg ist 50 Jahre alt. Wie soll ich eine Pflege in fünf oder zehn Jahren noch gewährleisten?"

Ich habe das nicht vorhergesehen. Der Wendepunkt kam, als wir den ersten Bungalow zum Verkauf ins Netz stellten – 20 Minuten später kam die erste Reservierung aus Bayern. Da wussten wir, wir liegen richtig.

Artur Maszej, Unternehmer

"Da bleibt in Deutschland am Ende nicht viel übrig"

Die Nachfrage nach Maszejs Seniorendorf ist seinen Angaben zufolge hoch, obwohl der Bau noch gar nicht abgeschlossen ist. Auch Hans-Peter Schmidt* (*Name auf seinen Wunsch hin geändert) ist auf der Suche nach seiner womöglich letzten Unterkunft. Die Wirbelsäule bereitet dem 76-jährigen Potsdamer Probleme, demnächst könnte er auf Hilfe angewiesen sein. Doch so lange wie möglich wolle er selbstständig bleiben und auf einen gewissen Komfort im Alter nicht verzichten, sagt er.

Dass er deshalb einmal einen Alterssitz in Polen erwägen würde, hätte er früher nie gedacht: "Der Preis und das Umfeld müssen stimmen, und da bleibt in Deutschland am Ende nicht viel übrig. Seit einem Jahr suche ich einen Ort, an den ich ziehen könnte", sagt der pensionierte Betriebswirt. Ein in Maszejs Dorf zum Kauf stehendes 2-Zimmer-Apartment hat sein Interesse geweckt.

Für eine vergleichbare Seniorenresidenz in Potsdam oder Berlin müsse er etwa 4.000 Euro Miete aufbringen, rechnet er vor. Hier könne er für einen Bruchteil dessen leben. Und auch die Umgebung sage ihm zu. "Das ist natürlich etwas für Naturliebhaber, für einen Städter ist das nichts", sagt er. Wird er kaufen? "Man gibt ja was auf, die Umgebung, auch sein Heimatland. Und das ist eine Sache, die ich mir noch überlegen muss."

Drei Stunden lang bleibt Hans-Peter Schmidt in Krzeszyce, informiert sich bei Maszej über die medizinische Versorgung, seine Ansprüche aus der Pflegekasse im Ausland und welche Trennwände er noch ziehen könnte.

Maszej: "Interessenten aus Italien, Polen, Österreich aber vor allem Deutschland"

Die ersten Bungalows sollen im Juni bezugsfertig sein – alle sind längt verkauft, sagt Artur Maszej. 13 Apartments sollen noch dieses Jahr fertig werden. Die Fenster werden gerade eingebaut, bis auf eine sind alle Wohnungen verkauft. Aber auch Apartments, von denen gerade mal die Fundamente stehen, sind bereits vom Markt.

Die hohe Nachfrage überrasche selbst Maszej: "Ich habe das nicht vorhergesehen. Der Wendepunkt kam, als wir den ersten Bungalow zum Verkauf ins Netz stellten – 20 Minuten später kam die erste Reservierung aus Bayern. Da wussten wir, wir liegen richtig", sagt er.  Die Käufer kommen laut Maszej aus Italien, Polen, Österreich aber vor allem Deutschland. Viele wollten so schnell wie möglich einziehen. "Es zeigt wie dramatisch die Lage auf dem Markt ist", sagt der Unternehmer.

Sendung: Abendschau, 30.01.2020, 19:30 Uhr

Beitrag von Katharina Zabrzynski

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    Hallo in die Runde . Habe die Sendung auch mit Spannung verfolgt und würde mir gern vor Ort ein Bild machen.Bevor ich eine Kommentar abgebe,
    Wer hat Interesse von Berlin aus eine Fahrgemeinschaft oder Bahngruppenfahrt miz zu organisieren.
    Wer hat schon Kontakt mit dem Investor. Mit der angegebenen E.mail Adrese hatte ich kein Glück.
    ich bin schon 12 Jahre Wohnprojetklerin und warum nicht Polen unser Nachbarland.
    Ein guter Grund auch im alter eine neue Sprache zu lernen.
    Mit vielen Grüssen marion Geisler .

  2. 19.

    Wie hoch sind die Nebenkosten bei einer Wohnung ca 80 m2

  3. 17.

    Schreiben sie an info@seniorenresidenz-sonnenwald.eu

    Eine Email, die Unterlagen werden dann unverzüglich an Sie versendet.
    Mit besten Grüßen
    Artur

  4. 16.

    Fand den Beitrag ungemein interessant und würde gern mehr erfahren. Bitte um Kontaktangaben oder Kontaktaufnahme
    VG Peter

  5. 15.

    Na ja, immer schön langsam. Das ist auch eine Frage der Ansprüche. Wer Mercedes fährt, könnte sich sicher in so manchen Regionen ein Haus kaufen, natürlich nicht mit dem „Standard“, wie dort gezeigt.

  6. 14.

    Ja klar kann man das in Polen günstiger anbieten, ist doch überhaupt nicht mit Deutschland vergleichbar, von daher sollte man das übliche meckern über Deutschland unterlassen.

  7. 13.

    Wie sagte meine Großmutter, in breitesten Dresdner Sächsisch, recht oft: " Die Wahrheit könn' se' alle nich' vertrag'n!".

  8. 12.

    Hatte mit Interesse die Abendschau verfolgt+die Sendung von der neuen Wohnanlage in PL auch.Wäre auch daran interessiert wenn ich's mit meinen Renten dass Bezahlen könnte.

  9. 11.

    Ich bin zwar kein Unternehmer, doch kenne ich Internika, indem Unternehmen gerade mal so über die Runden kommen. Das doppelte an Mitarbeiter Ausgaben durch Anteilhälften von Krankenkasse, Rentenversicherung, voller Berufsgenossenschaftsbeitrag. Dazu kommen die Abgaben an 3 Steuer Bereiche, hohe Beiträge zu Betriebsversicherungen, eigene Beiträge zur Krankenkasse und späterer Rente. Und wenn dann noch was übrig bleibt - Miete oder Hausrate, Essen und Trinken, Bekleidung, private Versicherungen... Noch Fragen???
    Wer dann noch Unternehmer bleiben will - muss ein Rad ab haben. Aber ja, es gibt noch diese Chefs mit solchen Anwandlungen !
    Nicht zu vergleichen mit Großbetrieben, die an der Börse spekulieren und ihren Mitarbeitern das Fürchten lernen...
    Aber klaro Sven...für Sie sind ALLE Arbeitgeber ...weine, nicht wahr? Die können ja alles steuerlich geltend machen... Aber dazu muss auch ein Plus auf deren Chefkonto sein....

    Wie kurzsichtig von Ihnen, Sven!

  10. 10.

    Wir verkaufen nur an Eigennutzer. Auch für Senioren die gerne mieten möchten haben wir passende und auf jeden zugewchnittene Angebote.

  11. 9.

    Wer kann denn diese Bungalows und Wohnungen erwerben? Nur Nutzer oder auch Geldanleger zum Vermieten?
    Es wäre schade, wenn solche Seniorenangebote wieder wie in Deutschland als Geldanlage angeboten werden bzw. es dem <<Bauherren egal ist, wer diese Angebote erwirbt. Eine Antwort wäre angebracht.

  12. 8.

    Das ist eine gute Idee und Sache. Nur müsste es auch noch mehr Plätze für Senioren mit kleiner Rente geben.
    Das die ärztliche Versorgung gegeben ist kann ich mir auch vorstellen.
    Krankenkassen arbeiten doch schon bei Zahnbehandlungen mit polnischen Zahnärzten zusammen.

  13. 7.

    Inwiefern? Dass das Rentenniveau nicht hoch ist, ist leider richtig. Nur würde selbst eine Erhöhung nicht viel bringen, wenn weiterhin niedrige Löhne gezahlt werden. Richte die Kritik doch einmal an die Chefs/Vorgesetzten. Berlin ist doch das beste Beispiel, was niedrige Löhne angeht. Das dein Chef dir einen niedriglohn zahlt, ist erstmal die Schuld vom Chef und nicht der Regierung. Die Geiz-ist-Geil Mentalität schlägt halt voll durch.

  14. 6.

    Und in Deutschland wird gegen Tesla demonstriert, der noch tausende Arbeitsplätze bei uns schaffen will. Erst gehen die " Alten " nach Polen und die " Jungen ", fahren dann zur Arbeit hinterher. Na dann demonstriert mal schön weiter gegen jeden neuen Arbeitsplatz. In Polen freut man sich auf jeden Arbeitsplatz und jeden neuen Steuerzahler. Und das Bauland ist da auch noch billiger.

  15. 4.

    "Außerdem soll ein Pflegeheim mit 44 Betten und ein Demenzdorf für 15 Personen entstehen – das alles soll bereits in wenigen Jahren fertig sein."

  16. 3.

    Die Idee, nach Polen auszuweichen, ist durchaus sinnvoll. Ist ein interessantes Modell für Senioren, die genug Erspartes haben, sich noch eine günstige Immobilie zuzulegen. Das Angebot richtet sich also an noch recht fitte alte Menschen die mobil sind (Bungalow mit Pkw Stellplatz, Besichtigungstermine vor Ort ) Sie wollen dort bleiben, ihren Lebensabend verbringen, nicht nochmal umziehen müssen. Was passiert wenn sie aber in der Idylle und Natur zum Pflegefall
    (Schlaganfall, der berühmte Oberschenkelhalsbruch, etc) werden, können sie bleiben, reicht die medizinische Versorgung dann noch vor Ort? Oder muss dann letzlich doch irgendwie ein Pflegeheimplatz in Deutschland gefunden werden.

  17. 2.

    Liest sich gut. Ein mutiger Unternehmer mit erfolgreichem Konzept.
    Sind die Käufer dann auch wirklich die Nutzer vor Ort - oder vllt die künftigen Vermieter der Senioreneinrichtung und profitieren von dem günstigen Kaufpreis? Wenn das dem Investor egal ist, wäre diese Einrichtung nicht mehr im sozialen Kontext zu sehen.

  18. 1.

    Wie sozial ein Land ist, erkennt man auch daran, ob es wertschätzend mit seinen Senioren und Kindern umgeht.Darüber sollten die Verantwortlichen nachdenken.

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